Der Test der Zeit Band III "Chroniken des Hakenbergmassakers"

von Nakago
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
18.10.2011
08.11.2011
4
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Der Test der Zeit
Band III
Chroniken des Hakenbergmassakers

Prolog


10 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Chondathan

Heute ist der große Abend, das Ereignis des Jahres für die Festsaison von Chondathan, die Geburtstagsfeier von Holger Hohlstein, einem der größten Händler der Kolonien und Mitglied der Gemeinschaft der Fünf. Glücksbote Ryan hat Lia und mich um die Gunst spielen lassen, wer ihn begleiten muss. Ich hab leider verloren und nun muss ich mit Glücksbote Ryan Vorlieb nehmen, während Lia von Dolon auf das Fest geleitet wird. Hach, es war so schwer, ein Kleid für den Anlass auszusuchen. Tagelang hatte ich überlegt und schließlich mich für ein schönes grünes Kleid aus Jana Malars Fundus entschieden, was mit dezenten Goldstickereien verziert ist und somit sehr zum Anzug von Glücksbote Ryan passt. Und natürlich auch mit meinen grünen Augen harmoniert. Meine Aufregung überträgt sich stark auf Mili, die auch die ganze Zeit wie ich am herumzappeln ist und es ist eine Qual, sie vor dem Fest ins Bettchen zu bringen und zum Schlafen zu bewegen. So was auch.

Endlich schläft sie und hibbelig erwarte ich die Ankunft von Glücksbote Ryan. Ein Dutzend Mal taste ich den perfekten Sitz meiner Frisur ab, rücke alles was gerade ist, noch gerader und bin erst dann erlöst, als der Priester der Tymora mich endlich abholt. Wir müssen zum Fest hinlaufen, da Ryan es verpennt hat, rechtzeitig eine Kutsche zu mieten. Jetzt bekommt er natürlich keine mehr. Wir treffen Dolon und Lia auf dem Weg und gehen gemeinsam die letzten Schritte. Dolon ist mit einer reich verzierten und violett eingefärbten Lederrüstung bekleidet. Er trägt sogar seine Axt. Tempuspriester schienen wohl immer im Dienst zu sein. Lia hat ein dunkles Kleid an, was ihr gut steht. Xana und Tharador treffen wir dann auf dem Fest. Xanaphia ist wirklich ein Blickfang in ihrem herrlichen blauen Kleid, das um sie zu fließen scheint und ihre weiblichen Rundungen gut zur Geltung bringt. Kein Wunder, dass so ziemlich alle anwesenden Herren sie förmlich mit den Blicken aus dem Kleid zu schälen scheinen.

Anwesend ist die reichere Händlerschaft von Chondathan. Von den Adligen fehlt bis auf ganz wenige notorische Festgänger so ziemlich alles, was Rang oder Namen hat. Ich lerne einen Grafen Jalan Uskakir kennen, einen gutaussehenden jungen Mann mit feinen Manieren. Wir sprechen etwas über die Abenteuer der Wagemutigen und ich sorge dafür, dass unsere Abenteuer auf der Fernweh publik werden. Immerhin haben wir zwei Kettenteufel in die Hölle zurück geschickt, einen Ertrunkenen besiegt, einer Hohepriesterin der Sekolah das Handwerk gelegt und ihren Champion getötet. Und als Nebeneffekt noch Fischmenschen aus der Sklaverei befreit. Wenn das mal keine Ballade wert ist, weiß ich auch nicht.

Schließlich sind wir an der Reihe, dem reichen, erfolgreichen und angesehenen Kaufmann der Fünf, Holger Hohlstein, zum Geburtstag zu gratulieren. Wir wechseln ein paar nichtssagende Worte, dann reißt Ryan das Gespräch an sich und spricht etwas von Expansion von seinem Tempel oder Schrein. Das Grundstück auf Tagrahms Weg ist ja bekanntlich viel zu klein und der Schrein ist baulich nicht mehr weiter zu erweitern. Man kann nur noch mit einem Neubau auf die Höhe ausweichen und Tempeltürme waren noch nie wirklich praktisch. Ryan hat nach der Auseinandersetzung mit dem Beshabapriester eines der Ladenhäuser des damals beteiligten Kaufmanns erworben. Nun will er den ganzen Block kaufen, die Häuser dort niederreißen und einen neuen großen Haupttempel für Tymora errichten, während der Schrein an bekannter Stelle verbleibt. Dazu ist natürlich Geld notwendig. Allerdings macht Herr Hohlstein nicht gerade den Eindruck, dieses Projekt finanzieren zu wollen. Seine Schutzgottheit ist Waukeen und er sieht keinen Grund, eine andere Göttin zu unterstützten. Das war mir irgendwie klar.

Nach dem Gespräch gibt es ein Buffet, an dem ich mich an den Köstlichkeiten satt esse. Neben Vertrautem gibt es auch Spezialitäten fremder Länder und ich probiere von jedem etwas. Manches schmeckt mir gar nicht, anderes ist ausgesprochen köstlich. Schließlich wird endlich zum Tanz aufgespielt. Ein kleines Orchester und der halborkische Barde Lakrass sorgen für die notwendige Musik. Zum Glück sind die Tänze bodenständig. Zuerst tanze ich mit Glücksboten Ryan, dann mit Dolon, der etwas tapsig ist und mir beinahe das Kleid ruiniert. Dann habe ich etwa zwei Dutzend unterschiedlicher Tanzpartner, darunter auch den netten Grafen Jalan Uskakir. Ach, ich liebe es zu tanzen. Das ist einer der Momente, wo ich meinen Mann schmerzlich vermisse. Er sollte an meiner Seite sein. Aber bald werde ich sehen können, wo er steckt. Auf der einen Seite erwarte ich diesen Moment sehnsüchtig, aber ich fürchte mich auch davor, wirklich Gewissheit zu haben, denn die Wahrheit wird mir nicht unbedingt gefallen.

Viel zu früh im Morgengrauen ist das Fest zu Ende. Holger Hohlstein ist wie nicht wenige Festgänger sturzbetrunken und verabschiedet sich blumenreich. Auf dem Heimweg summe ich vor mich hin und tanze auf der Straße. Ach, dieses Fest war wirklich schön. Bevor wir uns trennen, eröffnet uns Dolon, dass er eine geschäftliche Vereinbarung mit Holger Hohlstein getroffen hat, er soll mit ein paar Wagemutigen zur Festung der schwarzen Pfeile reiten und dort einen Söldnervertrag über die Sicherung der Handelsrouten aushandeln. Dafür gibt es 1000 Goldschwerter, also 200 für jeden von uns. Das hört sich doch gar nicht mal so schlecht an. Nur Xana findet das überhaupt nicht toll und macht kategorisch klar, dass sie mit ihrem Vater nichts zu tun haben möchte, der ja Mitglied der schwarzen Pfeile ist. Wir verabreden uns für heute Abend für weitere Details im Brunnenhaus.

Kapitel 1
Zu Gast bei Familie Graul

11 bis 15 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Chondathan

Ich gehe nach Hause und mache meine Kleine dann gleich fertig für den Kindergarten. Mili ist gar nicht begeistert, als ich ihr eröffne, dass Mama wieder mal für etwa einen Zehntag weg muss. Weia, da quengelt sie aber. Och, Mama hat dich doch ganz arg lieb. Zum Glück war ich den letzten Zehntag nur mit ihr zusammen gewesen und wir haben viel gemacht. Das zieht als Argument und die Tränchen halten sich diesmal in Grenzen. Ich bin so froh, als ich ins Bett sinke und in einen traumlosen Schlaf sinke.

Ich schlafe aus und gehe dann in die Archive der Bruderschaft, um etwas über den Hakenberg und die umliegenden Gebiete heraus zu bekommen. Die Grenze zum Waldkönigreich wird von Kreeg Ogern terrorisiert. Das sind äußerst finstere und grausame Oger, die was vom Krieg verstehen. Die Söldnerkompanie der Schwarzen Pfeile hat sich in ihrer Festung am Hakenberg eingegraben und hält den Stamm seit dreißig Jahren mehr oder weniger in Schach. Jedenfalls haben die Überfälle nach Cormyr oder in den Kolonien seit der Errichtung der Festung Rannick, benannt nach dem damaligen Anführer, deutlich nachgelassen. Die Kreeg sind dafür bekannt, dass sie weibliche Gefangene nicht nur essen, sondern sie vorher gerne mit einer Füllung versehen, um dieses schreckliche Detail zu beschreiben. Die Folge davon sind einige Halbogerstämme, welche sich dort herumtreiben und für weiteren Ärger sorgen.

Ich hole schließlich meine Kleine am Abend vom Kindergarten ab, nehme sie zum Einkaufen mit, brauche noch feste Kleidung für unterwegs und verfrachte sie mit ihrem Spielsachen in das Stammhaus der Bruderschaft im Adelsviertel. Mili hat sich inzwischen mit meiner Mentorin Alana angefreundet und ist deswegen etwas weniger traurig, als ich sie ins Bettchen bringe. Ich verabschiede mich noch innig von ihr und singe sie dann in den Schlaf. Schlaf gut, mein kleiner Spatz.

Im Brunnenhaus komme ich als Letzte an, alle anderen sind schon da. Ich verklickere den anderen, was ich noch über den Hakenberg herausgefunden habe und wir besprechen letzte Details. Dolon und Xana brauchen noch Pferde, so ziehen die beiden mit Lia los, um noch welche zu kaufen. Da ich nichts mehr vorhabe, gehe ich zurück in meine Wohnung und gehe früh schlafen, um für morgen fit zu sein.

Entsprechend früh stehe ich auf, schnüre mein Bündel und hole Pferdchen aus dem Mietstall. Fröhlich wiehert meine Stute, als ich sie zum Nordtor lenke und dann zum Tempustempel reite, wo wir uns alle nach und nach treffen. Xana macht einen überaus glücklichen Eindruck und nach wenigen Herzschlägen platzt sie mit der Neuigkeit heraus, dass Serenius sie endlich gefragt hat. Ich quietsche erfreut auf und dann liegen wir uns in den Armen und drücken uns. Wie ich mich für die Halbelfe freue. Nur der Rest der Wagemutigen scheint sich nur verhalten darüber zu freuen.

So haben Xana und ich nun ein großes Thema für die Reise. Bald reisen wir in zwei Gruppen, die Männer und Lia sind etwa dreihundert Schritt voraus und wir beide tratschen hinterher. Es gibt ja soviel zu planen. Von der Länge der Schleppe des Kleides über die Farbe der Bändel, welche die Rollen für die Einladung zusammen halten bis hin, welche Blumen meine kleine Mili streuen soll. Der Rest der Wagemutigen hat kein Interesse an diesen Dingen, Ryan meint sogar, „Dolon, sollte ich jemals sagen, dass ich heiraten möchte, so strecke mich doch bitte mit deiner Axt nieder!“ Unsere Reaktion fällt angemessen aus, wir ignorieren ihn die nächsten zwei Tage komplett. So ein unromantischer Idiot!

Schließlich erreichen wir am Nachmittag des dritten Reisetages eine Fährstation namens Pentaka, so dass wir nicht gezwungen sind, am Ufer des Schimmersees herum zu reiten, was nicht ungefährlich sein soll. Die Schwimmkörper der Fähren sind Schildkrötenpanzer, die so groß wie mein Wohnzimmer sind. Die Überfahrt kostet für uns eine Goldmünze. Diese Schildkröten wurden von einem regionalen Held vor vielen Jahren getötet und jemand fand es wohl eine gute Idee, Fähren daraus zu machen. Im See selbst sollte es noch ein ziemlich großes missgelauntes Exemplar geben, aber das bekommen wir zum Glück nicht zu Gesicht.

Am frühen Abend erreichen wir Schuldfurt, während gerade malerisch die Sonne blutrot neben den Turm des einzigen Tempels, der Waukeen geweiht ist, untergeht. Schuldfurt ist eine unbefestigte Gemeinde mit nur einem Gasthaus, der Schildkrötenstube. Die ist schon gut besucht. Zwei Gardisten der Grauen Brigade sind auch da. Späher einer Einheit, die eine Karawane nach Cormyr begleitet hat und nun in die Kolonien zurückkehrt. Wir finden auch den Architekten Rotur Talawan, welcher diesen Ort zu einem Handelsposten für die Gemeinschaft der Fünf ausbauen soll, ein Teil des Plans, den Holger Hohlstein verfolgt und den wir hier forcieren sollen.

Die schwarzen Pfeile haben sich schon seit Wochen nicht mehr blicken lassen, alle meinen, wegen des seit zwei Wochen wütenden Herbstregens, was ein für diese Region normales Phänomen für diese Zeit ist, wenn auch der Regen dieses Jahr doch etwas heftiger als sonst ausfällt. Der Weg zur Feste führt dem Schlädelfluss entlang, der durch ein uraltes Wehr reguliert wird, das wohl einst von Riesen gebaut wurde, als diese noch wirklich zahlreich und zivilisiert waren. Aber es gibt dort eine Vorrichtung, die das Überlaufen verhindert, in dem ein Wehr geöffnet wird, was dann eine kleine Flutwelle entlang des Flusses auslöst, welche dann alle Reisenden vom Weg weggespült. Deswegen will auch zurzeit niemand dort hoch gehen, um zu sehen, ob auch alles in Ordnung ist. Wir beschließen, dieses Risiko einzugehen und Morgen früh weiter aufzubrechen. Wir schnappen noch eine Geschichte über Vaslo Zar auf, der im Ort negativ aufgefallen ist, in dem er das mobile schwimmende Bordell einer gewissen Lucrezia versenkt hat, weil die angeblich ein überaus finsteres Wesen gewesen sein soll. Die Leute allerdings fanden das nicht so toll, das einzige Bordell im Umkreis mehrerer Tagesreisen auf den Grund des Sees zu schicken. Vaslo und Lucrezia wurden seitdem auch nicht mehr gesehen. Glücksbote Ryan nutzt die Gelegenheit, die Späherin der Grauen Brigade abzuschleppen. Und es später deutlich zu hören, was die beiden miteinander treiben.

16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Schuldfurt

Die Nacht verbringen Xana und ich in einer Kammer in nur einem Bett. Wie immer kennt sie nur ein Thema, ihre Hochzeit mit Serenius. Inzwischen haben wir schon den Großteil der Details geklärt, jetzt kommen wir zu der Hochzeitsnacht. Kichernd gesteht sie mir, dass sie noch Jungfrau ist, obwohl sie älter ist als ich. Das ist ja süß. Aber auch sehr traurig, Halbelfen tragen nun mal ein gewisses Stigma. Da haben wir natürlich viel zu tuscheln und ich kann ihr ein paar Tricks beibringen, Jondan war in dieser Hinsicht sehr bewandert und meine ehemaligen Kolleginnen haben mir auch den einen oder anderen Kniff verraten.

Nach einem reichhaltigen Frühstück brechen wir auf. Wir folgen dem Fluss etwa fünf Meilen auf der Seite des Aschewaldes und wechseln über eine steinerne Brücke ans andere Ufer. Vorsichtig gehen wir darüber, aber keine Flutwelle reißt uns hinweg. An diesem Ufer ist nun der Kreegwald und in der Ferne ist der Hakenberg zu sehen, dessen Spitze mit sehr viel Fantasie einen solchen aufweist. Die Burg selbst ist nicht zu sehen. Hier ist alles grau in grau irgendwie. Die Wege sind matschig und wir kommen nur langsam voran. Diesmal halten wir eine recht enge Formation, das Wetter lädt nicht zum Tratschen ein und hier sind wir im Gebiet eines der berüchtigtsten Ogerstämme im Umkreis von fünfhundert Meilen.

Wir folgen dem Fluss eine weitere Meile, als schließlich Lia, die etwas voraus reitet, da sie unsere Kundschafterin und Vorhut ist, den Kopf lauschend zur Seite legt. Wir schließen auf und tatsächlich sind gar schreckliche Laute aus dem Wald zu hören. Hört sich an, als wäre ein großes wildes Tier verletzt. Die Männer und Lia schlagen allen Ernstes vor, in den Wald zu gehen und nachzusehen. Ich sehe dazu keine Veranlassung, Xana ist ebenfalls der Meinung, dass wir eine Mission haben und diese durchführen sollten. So gehen die Männer und Lia eben alleine, und wir zwei Mädchen bleiben mit den Pferden zurück.

Natürlich dauert es nicht lange, da wird aus den Schmerzlauten ein Streitgespräch. Etwas mit einem wirklich großen Mundwerk will einen „Graulbären“ haben. Was auch immer das sein mag, es kommt zum Kampf. Schweren Herzens beschließen wir, unsere Pferde an der Uferstraße zurück zu lassen und nach den Männern zu sehen. Leichtfüßig sause ich durch das Unterholz, bis ich eine Lichtung erreiche, die von einer Nebelwand bedeckt ist. Dieser Nebel kann nicht natürlichen Ursprungs sein und darin sind Kampflaute und Schmerzenschreie zu hören. Dummerweise kann ich kaum was erkennen. Ich ziehe mein Rapier und tapse vorsichtig hinein, während Xana hechelnd aufschließt und mit großen Augen die Nebelwand mustert. „Das war bestimmt Ryan, so dumm kann nur der sein!“, meint Xana bestimmt.

Vor meinen Augen schält sich ein verwilderter Jagdhund aus dem Nebel, der mit Dolon und Ryan kämpft. Da sind noch weitere Hunde und etwas Deformiertes und Großes. Es ist eine Gestalt aus einem Alptraum. Zu klein für einen Oger, zu groß für ein Menschen. Es hat eine lederartiges Gesicht, als hätte ein untalentierter Künstler sich an der Bildhauerei versucht und mitten im Werk keine Lust mehr gehabt hat. Einige Borsten sind die ganzen Haare. Bekleidet ist es mit einem schmutzigen Schurz. Sein einer Arm läuft in einen einzelnen Finger aus, der andere umklammert einen Speer. „Ihr seid gemein! Das erzähle ich meiner großen Mama! Die Grauls werden sich blutig rächen!“ Dann rennt das Ding weg und verschwindet im Nebel. Was war das jetzt? Keine Ahnung, erstmal gilt es zwei Hunde zu töten.

Im Nebel befindet sich ein großer Schwarzbär, der in einer rostigen Falle steckt. Lia und die Männer haben vergeblich versucht, den Bären raus zu bekommen, da Lia meint, dieser Bär wäre ein Tiergefährte. Ich habe Mitleid mit dem Bär und wo rohe Kräfte versagen, kann eine geschickte Hand viel erreichen. Statt mit Muskeln, arbeite ich mit Hirn und deaktiviere die Falle, indem ich die Gelenkstifte entferne. „Alles wird gut!“ Und die schreckliche Wunde an der Tatze schließt sich. Der Bär stupst mich an und brummelt. Dann zeigt er mit seinem Kopf in eine gewisse Richtung. Derweil brüllt Dolon Ryan zusammen, weil dieser die Nebelwand beschworen hat. So ein Verhalten sei Tempus unwürdig. Was soll ein guter Kampf, wenn Tempus nicht zusehen kann? Auch Lia ist wütend, weil sie immer zu nah an die Ziele heran musste, um sie überhaupt sehen zu können. Wie auch immer, wir beschließen, die Pferde zu holen und dem Bären zu folgen. Mal sehen, wohin er uns Wagemutige führen wird.

16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Kreegwald

Bald haben wir den langsam dahin trottenden Bär eingeholt und lassen uns tiefer in den Wald führen. Irgendwie komme ich mir etwas blöd vor, diesem zotteligen Etwas in eine Gegend zu folgen, die voll von mörderischen Ogern ist. Während die eine Hand den Zügel von Pferdchen führt, ist die andere immer am Griff des Rapiers. Nach keiner Meile sehen wir an einem Busch ein Stück vom Schurz des komischen Halbogers hängen. Es ist aus einem blutbefleckten Wappenrock mit einem Schwarzen Pfeil gemacht. Das lässt Böses erahnen. Schließlich führt uns der Zottelbär auf eine Lichtung, wo ein großes Bauernhaus und eine Scheune stehen. Davor ist ein Feld zu sehen, das noch nicht abgeerntet ist. Darauf verfault die Ernte im Herbstregen und eine hin und her rennende Vogelscheuche verscheucht mit mäßigem Erfolg die Vögel, welche sich an den Pflanzen gütlich tun wollen. Irritiert betrachten wir das Schauspiel. Welcher Wahnsinnige baut einen Golem in Form einer Vogelscheuche? Das können nur Gnome gewesen sein.

Gerade erscheint auch der Einarmige und läuft zu der Vogelscheue und redet wild gestikulierend mit ihr. Da wir deutlich am Waldrand zu sehen sind, dauert es nicht lange, bis sie uns sehen. Die beiden rennen auf uns zu. Sieht so aus, als hätte der Halboger einen Kürbis auf den Kopf. Wir pflocken unsere unruhigen Pferde an und bilden eine gestaffelte Abwehrkette. Schlachtenrufer Dolon bildet mit Glücksbote Ryan die erste Reihe, während wir Mädels ein halbes Dutzend Schritt dahinter schräg versetzt die zweite Linie bilden.

Xana formt mit einer raumgreifenden Geste eine Kugel aus sprühender Energie und lässt sie mit einer schiebenden Bewegung los. Sie kracht zwischen beide Oger und entlädt sich mit einem gewaltigen Donner und einer Kugel aus Blitzen. Der einarmige Halboger wird buchstäblich zerrissen und nur qualmende Überreste bleiben von ihm übrig. Der andere taumelt schwerstverletzt auf Xana zu und haut wuchtig daneben. Aus unmittelbarer Nähe kann ich sehen, dass er keinen Kürbis auf dem Kopf hat, der Kürbis ist sein Kopf. Oder besser gesagt, wulstartige Geschwüre überziehen sein Gesicht und geben ihm so die Form eines Kürbisses. Aber Lias Pfeile erlösen ihn von seinen irdischen Qualen.

Der Bär stupst mich von hinten an und schiebt mich in Richtung der Farm. Er selbst will aber nicht weiter gehen. Wo immer sein Herrchen ist, er muss dort sein. Die Pferde lassen wir vom Bären bewachen, die darüber nicht sehr glücklich aussehen, bis auf Xanas Pferd, dem eh immer alles egal zu sein scheint. Das Wohnhaus ist überdimensioniert. Unser Wehrbauernhof hatte vielleicht gerade mal mit allen Gebäuden diese Ausmaße. Alles sieht grob und herunter gekommen aus. Die äußeren Dachbalken sind mit groben Schnitzereien verziert. Man kann sehen, wie Menschen ausgeweidet, Kinder zerrissen werden und allerlei andere unappetitliche Dinge mit ihnen geschehen. Die Veranda ist brüchig und der Haupteingang scheint dort zu sein. Es gibt noch einen Nebeneingang, aber den ignoriere ich erstmal. Die Türe scheint verklemmt zu sein und ich überlasse dem starken Dolon den Vortritt. Mit einem kräftigen Ruck hat er den ganzen Türgriff in der Hand, es gibt ein lautes klickendes Geräusch und im nächsten Moment saust ein Gitter mit Spitzen auf ihn herab. Autsch!

Aber es kommt noch besser, rotierende Sägeblätter kommen aus den Verandadielen heraus und versuchen uns die Füße zu zersägen. Finsternis! Das hat jetzt wehgetan. Aua! Glücksbote Ryan macht einen Zauber auf uns, der langsam die Wunden wieder schließt. Das war jetzt nicht glorreich, aber damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Zu blöd, ein Feld rechtzeitig abzuernten, aber tödliche Fallen herstellen, die dazu noch verdammt ausgeklügelt sind. Tut mir Leid! Das konnte ich nun wirklich nicht ahnen.

Bei der anderen Türe, die ins Haus führt, bin ich nun vorsichtiger, aber ich kann keine Falle erkennen und wir kommen in eine Küche, die gleichzeitig ein Schlachthaus ist. Auf einem Hackklotz stecken drei schartige und mit Blut verkrustete Hackebeile, Stücke von menschlichen Gliedmaßen sind auf Haken an den Wänden und von der Decke gespießt. Überall surren Fliegen herum. Auf dem Tisch stehen zwei Töpfe, im einen sind Finger und Zehen ohne Nägel, in dem anderen mit Nägeln. Xana wird grün im Gesicht und übergibt sich, während es mir gelingt, das Ganze aus wissenschaftlicher Distanz zu analysieren. Als Mädchen vom Land habe ich von klein auf bei Schlachtungen geholfen und bin da wohl auch etwas abgehärtet, im Gegensatz zu einem Stadtmädchen, das sein Essen handlich verpackt auf dem Markt kauft.

Ich schleiche zu der Türe, von der ich denke, dass sie tiefer in das Horrorhaus hineinführt. Oberflächlich spähe ich nach weiteren gemeinen Fallen, öffne geduckt die Türe und im nächsten Moment wird mir mein schöner Hut vom Kopf gerissen. He! Hier war tatsächlich eine weitere Falle installiert! Was für Psychos sind das denn? Ich kann es nicht fassen. Zum Glück ist mein Hut nur etwas zerschrammt von der schwingenden Sense. (Danach habe ich nur noch 20 beim Suchen benutzt)

16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Farm des Grauens

Hinter der Türe ist eine Art Esszimmer. Acht große Stühle sind um einen Tisch gruppiert. Alles macht einen groben Eindruck. Einige sind mit etwas gepolstert, das frappierend an menschliche Haut erinnert. Alles ist mit Schmutz verkrustet. Die Frau dieses Hauses ist eine Schlampe! Anders kann man das nicht ausdrücken. Aus einer weiteren Türe kommen Laute, die an ein Kinderlied erinnern. „Ich tanz den Schädeltanz und du nicht!“ Und das immer wieder und wieder. Sorgfältig suche ich nun die Türe nach weiteren gemeinen Fallen ab und bin beinahe enttäuscht, als ich nichts finde. Wir öffnen die Türe und landen im Spielzimmer des Grauens. Ein kleiner Halboger tanzt verzückt einem verfaulenden Schädel über sich haltend um einen anderen äußerst Deformierten Oger herum, der ein großes Maul mit schiefen, aber verdammt großen Zähnen hat, dafür aber nur auf verkrüppelten Beinen herumkriecht. An einer Wand ist ein Regal, in dem menschliche Schädel gestapelt sind. In einer Ecke liegen Bauklötze aus menschlichen Knochen.

Die kleinen Bälger sind recht aggressiv gegenüber uns und ich habe keine Skrupel diese kleinen Missgeburten vom Antlitz Torils zu fegen. Zuerst stirbt der Beinlose, was der Junge mit dem Schädel lachend mit dem Spruch, „Oh Mann, bist du blöd!“ quittiert, dann folgt er ihm recht schnell in den Abgrund. Glücksbote Ryan meint tatsächlich kurz einen moralischen Disput heraufbeschwören zu müssen, aber die Dekoration dieser Kinderstube lässt ihn schnell blass aussehen. Als nächstes entdecken wir einen Raum, der wohl als Toilette dient. Örks, stinkt das vielleicht mal. Zyniker könnten ja jetzt sagen, so groß ist der Unterschied zum restlichen Haus auch nicht. Dann finden wir das Wohnzimmer. In einer Ecke ist ein Sofa, dessen Füße aus denen von Menschengemacht sind. Auch die Polsterung ist aus Haut. Es gibt eine Falltür davor, die wohl als Falle dient, und einen Kamin, über dem wie Jagdtrophäen menschliche Köpfe drapiert sind. Eins weiß ich, ich werde niemals Überreste von irgendetwas ehemals Lebendigem als Trophäe an die Wand nageln. Nicht nach dem Besuch dieses Hauses. Es gibt noch eine Stiege nach oben und ein weiteren Raum.

Hinter der Türe sind arkane Formeln zu hören, die von einer weiblichen Stimme gesprochen werden. Da dürfte wohl Mama dahinter sein. Ich suche nach Fallen, kann aber keine finden. Wir stürmen auf drei in den Raum. Hier ist ein Schlafzimmer. In einer Ecke thront auf einem Bett ein nackter fetter Halborger, deren Anatomie sie als Weibchen der Gattung ausweist. Fettige Schwülste breiten sich über den ganzen Körper aus. In der Hand hat sie einen Stab, der aus einem fleischlichen menschlichen Unterarm gemacht ist.  Das schlimmste daran ist, dass es gleich vier Stück sind. Schätze mal, dass drei davon Spiegelbilder sind. „Frier!“ Ich schnippe einen Eisstrahl auf eines der Bilder, welches zerplatzt.  

„Böse Jungs! Lassen ihre Mama ganz alleine. Aber Mama hat liebe Jungs auf Vorrat hier!“ Sie schnippt mit der freien Hand und aus drei an den Wänden liegenden Särgen schlurfen drei äußerst deformierte Halboger heraus. Zombies! Einer davon macht den Eindruck, als wäre er tot getrampelt worden. Ryan löst das Problem elegant, indem er sich dramatisch in Pose wirft und brüllt, „Im Namen Tymoras schicke ich euch zurück unter die Erde!“ Phänomenal zerplatzen die drei Zombies, was Ryan ein äußerst selbstgefälliges Grinsen auf die Lippen zaubert. Und ich muss sagen, dazu hat er auch allen Grund. Gut gemacht, Glücksbote Ryan. So können wir uns nun ganz auf die fette Mama konzentrieren. Lias Pfeile und Xanas magische Geschosse bringen die Spiegelbilder zum Zerplatzen und wir stürzen uns auf sie. Sie kontert, indem sie ihren Stab mehrmals in Dolon rammt, was darauf ihre Wunden schließt, während der Schlachtenrufer jeweils schmerzerfüllt aufschreit.

In der Ecke kriegen wir sie nicht richtig zu fassen und wir beschließen sie in die Tiefe des Raumes zu locken. Nach unseren von Xanas Zauber verdoppelten Schlägen ziehen wir uns jeweils einen Schritt zurück. Xana hat dadurch freies Schussfeld. „Brenne!“ Zwei feurige Strahlen fahren präzise in den Schädel von der fetten Mama, bringen ihre Augäpfel zum Kochen und ihr fettiges Haar verpufft regelrecht. Sie steht mit flammendem Schädel da und kippt dann nach hinten weg und in sich zusammen. Ein letztes Mal geht ein Wabbeln durch ihren schwabbeligen Körper und sie rührt sich nicht mehr. Den ekligen Stab lassen wir liegen, aber eine magische Halskette nehmen wir mit.

„Lasst mich eure Brüste sehen! Sonst verfolgt mich dieser Anblick bis an mein Lebensende!“, klagt Glücksbote Ryan und fängt sich eine von Xana, bevor ich ihm sie verpassen kann. „Ferkel! Aber das mit den Zombies hast du gut gemacht.“ „Und dein Doppelstrahl war auch nicht von schlechten Eltern, Xana“, meine ich und klopfe ihr anerkennend auf die Schulter. Es gab acht Stühle am Esstisch, mindestens drei Mitglieder der Familie müssen noch leben. Also weiter geht’s!

16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Farm des Grauens

Nun schleichen wir uns die Stiege nach oben. Unter dem Dach gibt es nur zwei Räume. Im einen ist die Werkstatt untergebracht, in der die Fallen gebaut worden sind. Ich kann fünf Phiolen mit Säure finden und drei komplette Sätze mit Diebeswerkzeug.

Das andere Zimmer scheint ein Schlafzimmer für die jugendlichen Halborger zu sein. Mehrere Doppelstockbetten stehen hier herum. Es gibt eine fest am Boden verankerte Truhe. Sorgfältig suche ich nach Fallen, kann aber keine entdecken. Das Schloss ist nicht das Problem. Im Innern liegt in der Mitte ein großer Beutel. Ich unterdrücke den ersten Impuls danach zu greifen und suche den Innenraum nach Fallen ab. Tatsächlich ist dort eine, die ich gerade so entschärfen kann. Aus der Wand wäre nämlich sonst eine äußerst scharfe Klinge gekommen, welche wohl schon einige Finger abgetrennt hat, wie ich am Inhalt des Beutels erkennen kann, der neben einen Haufen Münzen auch Finger in verschiedenen Zuständen der Verwesung enthält. Örks.

Da wir nun mit oben fertig sind, gehen wir in den Keller. Paranoid wie ich inzwischen bin, untersuche ich nicht nur die Türe, sondern auch jede verdammte Stufe, die in die Tiefe führt. Aber hier ist nichts zu finden. Die Treppe endet in einen kurzen Flur mit drei Türen. Die erste führt in einen Raum, wo menschliche Häute gelagert sind. auf einem Klotz ist ein abgezogenes Gesicht zu erkennen. Iiiks! Auch sind auf einem Tisch in einem unordentlichen Haufen die für diese schreckliche Arbeit notwendigen Werkzeuge drapiert.

Nun schlecht, die nächste Türe offenbart einen mit Kettenhemd bekleideten Halborger in Begleitung der größten und hässlichsten Ratten, die ich je gesehen habe. „Brenne!“ Zwei Strahlen hämmern in seinen Balg, aber ich kann seine empfindlichen Stellen nicht wirklich treffen. Dieser Gegner weiß, wie man sich davor schützt, überrascht zu werden. Ich schätze mal, vor mir steht der Erschaffer dieser ganzen Fallen. Ich mache den Weg frei und verdrücke mich in eine Ecke, um nicht flankiert zu werden. Glücksbote Ryan stürmt als nächster rein und wird nun flankiert, aber er hat großes Glück, dass der Ogerhaken des Halbogers nur Funken sprühend über seine Rüstung schrammt. Die anderen behindern sich gegenseitig im engen Gang und kommen nicht vor. Ich eile vor, Xana hat wieder mal richtig gehandelt und den Zauber gemacht, der einen ganz hibbelig werden lässt. Nun kann ich eine der Ratten so richtig schön mit Ryan in die Zange nehmen, aber das Vieh ist viel zäher, als es aussieht. Obwohl ich da einiges Empfindliches getroffen haben muss, kämpft es weiter. Nun wird Ryan hart getroffen, bleibt aber blutüberströmt auf den Beinen stehen.

Mehrere Wellen magischer Geschosse aus Xanas und Lias Hand bringen den schon stark von meinen sengenden Strahlen angeschlagenen Oger ins Wanken und schicken ihn schließlich zu Boden. Die beiden Ratten zu töten ist dann nicht mehr so das Problem, auch wenn sie verdammt zähe Gegner sind. Nach einer kurzen Heilpause und dem Plündern des magischen Hemdes und Anhängers des halbogrischen Schurken, öffnen wir das letzte Türchen, was in einen geräumigen Keller führt. Hier steht allerlei Gerümpel, was wirklich unbrauchbar ist. Zwei weitere Doppeltüren führen in den Bereich, in den die Falltürfalle des Wohnzimmers führt. Ich kann komische Geräusche ausmachen, aber nicht wirklich einordnen. Ich öffne die Tür und in dem Raum befindet sich eine Art Komposthaufen, der zu leben scheint.

Ich wechsele sogar ein paar Sätze mit ihm. So wie es aussieht heißt der Komposthaufen Muck, war einst ein Halboger, der von einer gemeinen bösartigen Fee in dieses Wesen verwandelt wurde. „Hab ich es nicht gesagt, Feen kann man nicht trauen!“, gibt Xana ihre beliebte Weisheit zum Besten. Muck wurde dann von seiner Mama hier eingesperrt, aber ab und zu bekommt er Spielzeuge, die aber immer so schnell kaputt gehen, aber schmecken tun sie dann meist trotzdem. Und er meint, dass wir auch mit ihm spielen sollen. Er bekommt einen Koller und wir das Zeichen, dass wir ihn besser angreifen und töten sollten. Xana macht ihre weit ausholenden Gesten und schickt eine ihrer großen elektrischen Kugeln in die Tiefe des Raumes, die diesmal aber nicht so spektakulär ausfällt. Lia eilt in den Raum, um in eine bessere Schussposition zu bekommen. Aber dabei hat sie große Reichweite der Tentakel von Muck unterschätzt und wird davon gefangen. Mit einem vergnüglichen Kichern stopft er die schreiende Elfe in seinen Schlund! Verdammnis!

16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Farm des Grauens

Während Dolon und Ryan Tempus und Tymora um Segen und Hilfe anflehen, macht Xana uns hibbelig. Ich schicke mehrere Pfeile auf den Weg, die tief eindringen, aber Muck nicht wirklich zu stören scheinen. Im Gegenteil, das Ding scheint sich recht schnell zu erholen. Verdammnis! Hätte die blöde Fee Muck nicht in irgendetwas Harmloses verwandeln können? Finsternis!

Tapfer stürmen Ryan und Dolon in den Raum, während Xana und ich zurückbleiben und es entweder mit Pfeilen, wie in meinem Fall, oder mit sengenden Strahlen und blitzenden kleinen Kugeln beschießen, wie in Xanas Fall. Der Schlachtenrufer wird nun auch von Tentakeln gepackt und landet ebenfalls im großen Maul von dem Vieh. An Ryan hinterlassen die Tentakel aber nur Dellen in der Rüstung, da er sich rechtzeitig mit einem von Tymoras Gebeten geschützt hat, das ihm erlaubt, sich immer frei zu bewegen.

Schließlich landet auch der letzte Pfeil auf meiner Sehne, da ich nie mehr als sieben dabei habe und verschwindet im Balg der Kreatur. Xana gibt noch mal alles und zwei Strahlen fressen sich tief in die Flanke des Wesens. Ryan klettert in das Maul, bis nur noch sein Hintern und seine strampelnden Beine zu sehen sind. Das sieht so komisch aus, dass Xana und ich trotz der äußerst ernsten Lage losprusten, bevor wir ihm zur Hilfe eilen. Gemeinsam ziehen wir alle aus dem Monster heraus, das verdächtig zuckt. Aber nachdem Ryan und Dolon nochmals feste draufhacken, rührt sich bald auch nichts mehr. Lia wurde vorher von Glücksbote Ryan wieder soweit geheilt und mit Wasser übergossen, um die Magensäure abzuwaschen, dass die Waldläuferin wieder halbwegs in Ordnung aussieht.

Eine weitere Türe führt zur Schatzkammer der Familie Graul. Überraschenderweise sind keine Fallen zu entdecken. In einer Truhe kommen einige wertvolle Sachen zu Tage. Ein Goldring mit einem blauen Edelstein, eine Halskette mit grünen Edelsteinen, ein paar mit Perlen bestickte Handschuhe, eine Schulterspange aus einer roten Drachenschuppe und ein Langbogen elfischer Machart. Und zu guter Letzt noch ein prall gefüllter Beutel. Aber das Herrchen von Brummelbär haben wir noch nicht gefunden. Also arbeiten wir uns wieder nach oben und betrachten missmutig die Scheune von außen. Entschlossen öffnen wir die Scheunentür und überraschen drei halbstarke betrunkene Halboger, alle mit mehr oder weniger starken Deformierungen, die um eine Destille herumlungern und aus Eimern eine streng riechende Flüssigkeit trinken. Da wir nicht hier sind, um Gefangene zu machen, wird das eine kurze und blutige Angelegenheit. Das war es dann wohl, die schreckliche Familie Graul ist wohl damit Geschichte. Da es nur ein weibliches Mitglied gab, waren wohl alle wohl auf mehr als eine Weise miteinander verwandt. Ein weiteres Tor führt in die Tiefe der Scheune, links und rechts gibt es einen Aufstieg zu einem Steg und weiteren Türen. Wir teilen uns, Xana und ich rechts, der Rest links.

Wir öffnen die Türen gleichzeitig. Dahinter verläuft der Steg weiter und ganz hinten liegen drei gefesselte, zerlumpte und zerschundene Mitglieder der schwarzen Pfeile. Einer davon ist ein Elf, wahrscheinlich Xanas Vater. Unter uns ist der ganze Raum mit einem gigantischen Spinnennetz bedeckt. Vorsichtig, nach Fallen Ausschau haltend, arbeite ich mich vor. Da! Eine Bewegung am Boden und es bricht eine gewaltige Spinne hervor. Iiiks! So was Großes darf nicht existieren! Ich wische mir über die Augen, aber das Ding bleibt. „Frier!“ Ich schicke ihm einen Eisigen Strahl entgegen, der präzise einschlägt. „Brenne!“ Xana schickt ihre letzten Strahlen los, was mit einer wütenden Attacke auf sie quittiert wird. Irgendein Gift wird in sie gepumpt, was sie vor Schwäche taumeln lässt.

Ich gebe dem Ding mein Rapier zu schmecken, aber ich komme nicht an die wirklich empfindlichen Stellen heran. Für einen kurzen Moment ziehe ich es in Erwägung, einfach herunter zu springen. Aber wahrscheinlich wird das Netz stabil genug sein, um mich zu behindern. Nein, lieber von hier oben Nadelstiche versetzen, als unten zu sterben. Als nächstes erwischt es Lia, die mehrere Konterattacken abbekommt. Schließlich bricht sie blutend und vollkommen entkräftet zusammen. Aber Dolon und Ryan geben mit Axt und Morgenstern ordentlich Contra. Xana gelingt es mit äußerster Konzentration eine weitere Kugel in dem Riesending zu versenken und schließlich ist auch dieses Monster Geschichte. Dann bricht auch Xana vollständig entkräftet zusammen. Der Sieg ist errungen, aber der Preis war hoch. Einen weiteren Kampf werden wir heute nicht mehr durchstehen können.

Die drei Gefangenen sind bewusstlos, also tragen wir sie in den Vorraum, wo wir die Leichen der Halboger entfernen und zum Haus schaffen. In der Scheune sind noch einige Käfige mit diesen bösartigen Kampfhunden, die wir von ihrem Schicksal erlösen. Danach schleppen wir einige Eimer mit Selbstgebranntem in das Haus und überschütten damit großzügig die Innenräume. Dieser Makel muss getilgt werden. Ryan und Dolon halten eine kurze Ansprache, dass dieser Ort nun ein Friedhof ist, da er nicht nur die sterblichen Überreste der schrecklichen Familie Graul beherbergt, sondern auch die von vielen Menschen und anderen intelligenten Wesen. Mit Schaudern denke ich an die Häute von Menschen im Keller und die Töpfe voll Zehen und Fingern. Dann werfe ich die Fackel und der Alkohol fängt Feuer. Es dauert lange, bis sich das Feuer durchfrisst. Ich habe zuerst Bedenken, da der Rauch weit zu sehen ist. Aber schätze mal, die Kreeg werden kaum herkommen, um löschen zu helfen.

Inzwischen haben die drei Mitglieder der schwarzen Pfeile ihr Bewusstsein wieder erlangt. Sie können es anfangs gar nicht fassen, dass sie dem Grauen entkommen sind. Der Elf ist tatsächlich Jakadros Androssana, Xanas leiblicher Vater, die davon aber nichts wissen will und kategorisch jeden Kontakt, selbst Augenkontakt vermeidet. Das ist schade, aber ihre Sache. Ich komme schnell zum Kern und erfahre was in etwa passiert ist. Jakadros hat eine Routinepatrouille mit zwanzig Mann in die umliegenden Wälder geführt, als sie zurückkamen, war die Burg wohl gerade gestürmt worden. Sie versuchten einen Durchbruch zur Burg, wurden aber abgeschlagen und mussten fliehen, da waren sie noch zu acht. Dann fielen sie den Graul in den Händen und die haben sich an ihnen gütlich getan. Der Brummelbär gehört einem der drei Überlebenden und die beiden feiern ein herzliches Wiedersehen, wenigstens zwei, die sich wieder gefunden haben.

Gespielt am  12.07.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 2), Lia (Waldläufer 3/Kriegsmager 4), Dolon (Kleriker 7), Ryan (Kleriker 7), Xana (Hexenmeisterin 5, Wilde Magierin 2)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  3100, 150 Kaira, 50 Lia, Dolon 100, Ryan 100, Xana 100
Überwundene Gegner
Big Mama Graul
Einarm Graul
Kürbiskopf Graul
Tentakulus Muck Graul
3 betrunkene Halbstarke Grauls
1 Schurken Graul
2 Graul Kinder
2 Riesenschreckensratten
3 Zombie Grauls
3 Jagdhunde
Beute
2 Beutel mit Münzen
5 Säurephiolen
3 x Meisterhaftes Diebeswerkzeug (Verkauft für 400)
1 Kette mit zwei Steinen von Big Mama Graul (Resistenz +1, Xana, Mantel dafür an Ryan oder Dolon)
1 Amulett von Schurke (Natürliche Rüstung +1, Ryan)
1 Hemd von Schurke (Kettenhemd +1, war was anderes, SL konnte es aber nicht sagen, verkauft 1000)
1 Goldring (1+ Schutzring, Dolon)
1 Halskette (Resistenz +1 Lia)
1 Handschuhe (Gewandtheitshandschuhe +2, Kaira)
1 Schließe aus einer Drachenschuppe (Xana)
1 Langbogen
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