Blood Ties - Die "3. Staffel"

von Nagisa
GeschichteMystery / P18
Coreen Fennel Henry Fitzroy Mike Celluci Vicki Nelson
17.10.2011
17.10.2011
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Ende und Beginn - Teil I

Vicky stand am Fenster und schaute hinaus. Sah Menschen, die sorglos durch Toronto streiften und lachten, keine Ahnung hatten von den Sachen die geschahen, ohne dass sie es überhaupt mitbekamen. Sie seufzte. Wie gerne wäre sie auch wieder so. Unwissend und sorglos. Nur mit alltäglichen Problemen beschäftigt, aber nicht mit irgendwelchem übersinnlichen Zeug.

„Hey! Ich hab Kaffee!“, rief Coreen ihr fröhlich zu und stellte ihn ihr auf den Schreibtisch, doch Vicky reagierte nicht einmal darauf. Zu sehr beschäftigten sie die Gedanken an Henry, der wahrscheinlich schon weggezogen war und Mike, der wegen ihr seinen Job verloren hatte.

Der Vorfall mit Astaroth war nun schon ein paar Wochen her. Seitdem hatte sie von keinen von Beiden etwas gehört oder gesehen. Es ging ihr dreckig. Sie verzehrte sich nach Henry, doch der Gedanke daran, dass er ein Vampir war, schreckte sie immer wieder ab. Und Mike, naja, war nun mal Mike. Eine alte Liebe die nicht versickern wollte. Vicky verlor sich in ihren Gedanken und starrte weiterhin auf die Straße vor ihrem Fenster.

„Vicky, hörst du mir zu?“, fragte Coreen und riss sie aus ihrem Gedankenstrudel.
Verwirrt drehte sie sich um, griff nach dem Kaffee und sagte: „Entschuldige, was ist?“
„Wir haben einen Klienten. Er steht vorne im Empfangsraum.“
„Danke. Schick ihn rein“, befahl ihr Vicky, setzte sich auf ihren Stuhl und versuchte so normal wie möglich auszusehen.

„Victoria Nelson?“ Ein junger Mann, bestimmt nicht älter als 25, schlank, gut gebaut, kurze brünette Haare, betrat ihr Büro.
„Ja, die bin ich. Was kann ich für sie tun?“, antwortete Vicky in gewohnter Manier und bot ihm einen Sitzplatz an.
Der Mann wirkte sehr selbstsicher und auf eine Art vertraut, die Vicky nicht genauer beschreiben konnte. Er wirkte vielleicht auch ein wenig kränklich.
„Sie müssen jemanden für mich finden“, erwiderte er entschlossen.
„Zum Glück mal etwas normales“, dachte sie sich. „Sie sollten mir erst einmal sagen, wer sie sind und als nächstes dann wen ich den suchen soll“, entgegnete Vicky geschäftsmäßig.
„Mein Name ist Danny Blake. Und ich suche eine Frau. Sie ist blond, gut aussehend, charismatisch. Arbeitet, wie sie, auch als Privatdetektivin.“
„Und hat diese Frau auch einen Namen?“, hackte Vicky nach.
Mr. Blake geriet ins Stocken: „Tut mir leid, aber einen Namen habe ich nicht für sie. Suchen sie sie einfach, schießen sie ein paar Bilder. Ich werde sie erkennen, wenn sie sie mir zeigen.“
Zweifelnd zog Vicky eine Augenbraue in die Höhe. Sie war sich nicht sicher, was dieser Mann denn von ihr wollte. Wie sollte sie eine Frau finden von der sie nicht einmal einen Namen hatte?
„Und können sie mir sonst noch etwas über sie erzählen? Einen Wohnort vielleicht? Irgendwelche markanten Eigenschaften?“
„Ja, sie lebt hier, in Toronto. Ich bin mir sicher, dass sie sie finden werden. Natürlich werde ich sie für ihre Arbeit und mögliche Umstände großzügig entschädigen. Mir ist klar, dass ich nicht viele Anhaltspunkte für sie habe. Aber ich habe vertrauen in sie. Sie wurden mir wärmstens empfohlen.“
Vickys Alarmglocken schrillten: „Vorsicht! Da stimmt was nicht!“
„Und von wem wurde ich empfohlen, wenn ich fragen darf?“, hackte sie vorsichtig und in einem freundlichen Tonfall nach. „Jetzt nur darauf achten, dass er keinen Verdacht schöpft, dass ich einen Verdacht gegen ihn schöpf“, dachte sie sich.
Lässig stand er auf und ging zur Tür. „Von einer guten, alten Freundin.“ Es schien, als würde er schon gehen, als Vicky ihn aufhielt: „Einen Moment noch. Wir sind doch noch gar nicht zum Geschäftlichen gekommen.“
„Ach ja. Sie erhalten von mir jeden Tag 1000 $. Dafür will ich einen täglichen Bericht von ihnen und ich erwarte Ergebnisse. Bringen sie ihren Bericht jeden Abend zum Four Seasons und lassen sie es in mein Fach legen. Ich werde ihnen bescheid geben, wenn sie ihre Arbeit einstellen können. Ihre Arbeit beginnt morgen. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend, Ladys.“ Mit diesen Worten hang er sich seine Jacke um die Schultern und verließ die Detektei.
Völlig verdattert stand ich im Türrahmen meines Büros und starrte, obwohl der Herr vor schon einigen Minuten gegangen war, immer noch auf die Tür durch die er entschwunden war.

Plötzlich stand Coreen vor mir und fragte besorgt: „Hey Vicky, ist alles in Ordnung? Du siehst irgendwie nicht gut aus. Stimmt was nicht?“
„Was? – Oh nein, es ist alles in Ordnung. Nur ein ganz normaler Fall. Nichts Schwieriges oder Unnormales.“ „Bis jetzt“, fügte sie in Gedanken noch dazu und ging wieder in ihr Büro. Ihr Kopf arbeitete auf Höchstform. „Wer zahlt schon so viel nur um jemanden zu finden, von der er noch nicht einmal den Namen kennt? Da stimmt etwas nicht.“ Sie seufzte. „Naja, was soll’s. Ich muss ja morgen erst damit anfangen.“

Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es schon halb zehn war. Henry müsste schon längst wach sein. Sie wusste, dass er sie momentan nicht sehen wollte, sonst hätte er sich schon längst gemeldet. Aber sie fragte sich, ob er denn überhaupt noch in der Stadt war. Und wenn ja, was er denn machte, und wenn nicht – daran wollte sie nicht einmal denken.

In einer plötzlichen Hektik griff sie sich ihre Jacke, ihr Handy und ihren Schlagstock und machte sich auf den Weg. Im hinausgehen rief sie Coreen noch zu, dass sie für heute Schluss machen könnte.
Sie kannte den Weg zu ihm, sie war ihn schon oft gegangen, doch ihre Augen machten mehr und mehr Probleme. Auf der Straße hatte sie sich den Fuß an einer Mülltonne beinah geprellt (es fühlte sich zumindest so an) und wäre fast gegen eine Laterne gelaufen. Auch die Autos machten ihr das Leben schwer. Sie konnte nicht mehr einschätzen wie schnell, oder langsam, die Autos angefahren kamen und manchmal übersah sie ein Auto auch komplett.
Sie schaffte es aber trotzdem (mehr oder weniger) heil zu Henrys Wohnung. Der Portier am Eingang kannte Vicky inzwischen und begrüßte sie freundlich. Vicky grüßte zurück und ging gleich zum Aufzug.

„Wo wollen sie denn hin, Ms. Nelson?“, fragte er höflich.
„Zu Mr. Fitzroy, natürlich“, erwiderte Vicky und lächelte. „Das wissen sie doch.“
„Oh, dass tut mir leid, Ms. Nelson, aber hat ihnen Mr. Fitzroy denn nicht bescheid gegeben?“
Langsam entwickelte sich in Vickys Magen ein Gefühl, als hätte sie jemand in die Magengrube geschlagen.
„Wovon denn?“, fragte sie vorsichtig. Sie konnte sich die Antwort schon denken, aber eigentlich wollte sie es gar nicht wissen.
„Mr. Fitzroy ist ausgezogen. Schon vor drei Wochen, Ms.“
Obwohl sie es jetzt gehört hatte, konnte sie es immer noch nicht glauben. Nicht bevor sie nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, dass er weg war. Innerlich fühlte sie sich, als wäre etwas zerbrochen. Doch sie hatte gelernt ihre Gefühle nicht nach außen preiszugeben. Also tat sie gegenüber dem Portier so, als fehlte ihr nichts.
„Achso? Nein, dass wusste ich nicht. Würden sie mich bitte trotzdem noch einmal kurz in seine alte Wohnung lassen.“
Der Portier schien sie besser zu verstehen, als ihr lieb war. Anscheinend hatte er sie durchschaut, denn er sagte mitfühlend: „Natürlich“, schnappte sich die Schlüssel, fuhr mit ihr hoch und sperrte auf. Er ließ sie alleine und wartete vor der Tür.

Die Wohnung war leer. Keine Couch, kein Schreibtisch, keine Musik. Alles das seine Präsenz bezeugt hätte war weg. Kein Stift, kein Zettelchen, nichts. Man konnte nicht einmal sehen, wo seine „speziellen“ Gegenstände vorher in der Mauer eingelassen waren. Er war weg. Sang und klanglos verschwunden. Und so leer wie die Wohnung war, fühlte sich auch Vicky. Der erste Blick, war wie ein Schlag ins Gesicht gewesen, doch der zweite war schlimmer. Als hätte er alles aus ihr herausgesaugt. Jedes noch so kleinste Gefühl. Alles was übergeblieben war, war Leere.

Vicky atmete ein paar Mal tief durch um sich selbst unter Kontrolle zu bringen. Sie hätte sich nie die Blöße gegeben, dem Portier zu zeigen, wie sehr es sie verletzte, dass Henry weg war und er gegangen war, ohne sich wenigstens bei ihr zu verabschieden.
Entschlossen und selbstsicher ging sie zur Wohnungstür und ging, ohne noch einen dritten und letzten Blick in die Wohnung zu werfen.
Doch sie ging nicht nach Hause, sie ging in die Detektei und kaum dort angekommen ließ sie sich auf ihr Bett dort fallen und weinte bis sie in den erlösenden Schlaf fiel.