Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Wem kann man noch trauen?

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
14.10.2011
20.02.2014
7
6.433
 
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
14.10.2011 802
 
Prolog

Venedig, 1627
Niccolò Fortunelli ging von einer Bar in eine dunkle verlassene Gasse. Er zählte zu den reichsten Männern Venedigs und hatte soeben seinen guten Namen besudelt.

Nun was sollte er sagen? Er konnte Alkohol einfach nicht widerstehen. Doch er sah ein, dass er diesmal zu weit gegangen war. Betrunken wie er war hatte er eine Prügelei mitten auf der Hauptstraße Venedigs angefangen. Und das auch noch mit einem jungen Burschen, der fast halb so alt wie er selbst war.

Der Kampf hatte nicht lange gedauert, da mehrere Männer dazwischen gegangen waren. Eingeschnappt war er also vom Markus Platz in eine Seitenstraße eingebogen und dann in mehrere weitere.

Niccolò kannte die Stadt wie seine Westentasche, selbst bei den kleinsten Gassen und Kanälen, wusste er wo sie hinführten.
Sein Problem im Moment jedoch war, dass er sich betrunken vom Alkohol verirrt hatte und nun nicht mehr wusste, wo er eigentlich war.

Und ehe er sich versah verlor er den Boden unter den Füßen und es gab einen lauten Platsch.
Erschrocken durch das plötzliche Nass holte er Luft und seine Lungen füllten sich mit einskaltem Wasser. Wie wild strampelte er hoch zur Wasseroberfläche. Dort angekommen spuckte er das Kanalwasser aus und genoss es, wie die Nachtluft in seine Lungen drang.
Er sah am Flussufer eine schmale Treppe, die wieder auf den Weg führte. Er schwamm drauf zu und stieg aus dem Wasser.

Er schüttelte sich wie ein nasser Hund und die Wassertropfen, aus seinen bronzefarbenen Haaren, spritzten quer über den schmalen Weg.
Seinem teuren Gewand sah man die Farbe nicht mehr an, da es von Abwasserschlamm bedeckt war.

Na toll, dachte Niccolò verbittert. Da werde ich Silvia so einiges zu erklären haben.
Silvia war Niccolòs Gemahlin und er liebte sie über alles. Jedoch konnte sie betrunkene und verdreckte Menschen überhaupt nicht ab. Und genau das war er nun. Der Italiener konnte schon den strengen Blick aus ihren grünen Augen vor sich sehen und er hatte es plötzlich überhaupt nicht mehr eilig nach Hause zu finden.

Da trat eine Gestalt aus den Schatten und kam direkt aus Niccolò zu. Er kniff die Augen zusammen um herauszufinden, um wen es sich handelte.
Es war eine junge Frau Mitte zwanzig. Sie trug ein prachtvoll langes Kleid aus grünem Satin und darüber einen langen schwarzen Umhang. Ihre schwarzen Haare fielen in leichten Locken über ihre Schulter.

Wie verzaubert sah Niccolò Fortunelli der Frau entgegen, die nun direkt vor ihm stand.
Da kam dem Italiener ein Gedanke. „Seid Ihr die Frau des Burschens vom Markus Platz? Es tut mir leid, dass ich mit ihm einen Kampf angefangen habe. Ich war betrunken und wusste nicht was ich tat.“

Er wusste ganz genau, dass dies gelogen war, doch er wollte bei dieser schönen Frau einen guten Eindruck hinter lassen, obwohl er sie nicht im mindesten kannte. Es schien als ginge eine unsichtbare Macht von ihr aus, die jeden Mann verzauberte.
„Nein, ich bin nicht dessen Frau“, sagte die Unbekannte mit weicher Stimme, doch dann sprach sie fest und bestimmt weiter: „Wo ist er?“
„Wer der Bursche?“
„Nein der Schlüssel.“

Die Mine des Mannes verfinsterte sich. Er war einer der vier Männer, die jeweils einen Schlüssel besaßen. Wofür war ein Geheimnis, dass selbst diese vier nicht kannten. Dennoch war es ihre Aufgabe den Schlüssel mit allen Mitteln zu beschützen und an niemanden weiter zugeben, es sei denn der Herzog von Venedig erlaubte dies.

Darum tat Niccolò vollkommen unwissend. „Ich weiß nicht von welchem Schlüssel Ihr redet.“
Nun verfinsterte sich auch die Mine der jungen Frau. „Nun, der Alkohol muss Euch das Gehirn vernebelt haben“, sagte sie. „Dann sollte ich Euch wohl besser auf die Sprünge helfen.“
Damit zog sie blitzschnell einen Degen unter ihrem Umhang hervor und hielt ihn drohend vor die Kehle des Italieners.

Dieser hatte seine Augen vor Angst weit aufgerissen. Diese Frau meinte es wohl wirklich ernst.
„M…meint…Ihr diesen Schl…Schlüssel?“, fragte er stotternd und holte zitternd einen kleinen goldenen Schlüssel aus seinem durchnässten Gewand.
„Wer sagt’s denn? Er erinnert sich wieder“, sagte die Frau lächelnd und nahm ihm den Schlüssel aus der Hand. „Das war doch gar nicht so schwer.“
Sie steckte sich den Schlüssel in ihren Ausschnitt und senkte ihren Degen. Erleichtert atmete Niccolò aus und entspannte sich.

Die Frau drehte sich um, doch ehe sie sich wieder in Bewegung setzte wirbelte sie herum stieß ihren Degen in die Brust des Italieners.

„Tut mir leid, aber ich kann nicht riskieren, dass Ihr redet“, sagte die Frau und zog ihren Dengen aus dem Körper des Mannes. Dieser sah sie erschrocken und ungläubig an.
Die junge Frau schenkte ihm noch ein leichtes Lächeln ehe sie ihm einen Stoß in den Kanal gab.
Niemals wieder sollte Niccolò Fortunelli aus dem Wasser kommen. Jedenfalls brauchte er sich keine Ausrede mehr für seine Frau einfallen zu lassen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast