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Zeiten zum Schweigen

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Elphaba Thropp Glinda/Galinda Upland of the Upper Uplands
07.10.2011
07.10.2011
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07.10.2011 788
 
Mein erster Versuch zu einem OS, naja mir persönlich gefällts ganz gut...
Schreibt mir doch eine Review auch wenn ihr es nciht gut fandet,
ich würde mich gern verbessern!
LG
Glinda

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Zeiten zum Schweigen


Die blonde junge Frau schob sich eine Locke hinter das rechte Ohr.
Wieder und wieder las sie den Zettel, der auf ihrem Schoß lag.

Meine lieben ozianischen Mitbürger!
Heute ist ein Tag der Freude!


War es ein Tag der Freude?
Konnte man es als Freude bezeichnen, wenn jemand die beste Freundin umgebracht hatte?
War es moralisch richtig das zu feiern?
War sie nicht insgeheim dazu verpflichtet ihren Tod zu betrauern?

Der kleinen Dorothy ist es gelungen, die böse Westhexe zu töten!

Ja getötet hatte man sie.
Elphaba – Glindas beste Freundin.
Einfach so geschmolzen wegen dem dummen Wasser und dem dummen kleinen Mädchen.

So hat sie die Tyrannei beseitigt und für mehr Frieden im Land Oz gesorgt!

Tyrannei?
War es gleich Tyrannei wenn man seine Meinung äußern wollte?
Elphaba hatte doch nichts weiter getan, als sie selbst zu sein.
Wieso war das ein Verbrechen?

So gehet hin! Feiert diesen Tag, wie keinen anderen!

Feiern... ist es richtig den Tod der besten Freundin zu feiern?
Mit Sicherheit nicht.

Die blonde Frau seufzte und faltete den Zettel zusammen, strich ihr Kleid glatt und wollte sich
gerade erheben als sie ein Klopfen an der Tür vernahm.
Ohne auf ein „Herein“ zu warten, trat die alte Wetterhexe in den kleinen Raum in dem sich die
Nordhexe aufhielt. Er war nur spärlich möbliert, schließlich hatte es sonst nie so etwas wie
„Garderoben“ für besondere Gäste geben in Shiz. Aber heute hatte Glinda darauf bestanden.

„Galinda, wären Sie so weit?“, Madame Akaber sah die junge Frau abschätzig an.
„Glinda bitte. Sicher.“, sie nickte und verließ gefolgt von Madame Akaber die improvisierte
Garderobe.


Es waren viele da. Viel mehr als sie je zu träumen gewagt hätte.
Es war unglaublich,
sie waren alle hier um ihr, dem noch vor ein paar Jahren so unbekannten jungen Mädchen aus dem
Norden, zu zuhören.
Für einen Moment empfand sie etwas wie Stolz, doch dann erinnerte sie sich was sie zu sagen hatte.
Was die Leute hören wollten.
Das Papier knisterte in ihren Händen als sie den Zettel auffaltete und ihn auf das kleine Rednerpult ablegte.
Ihre eigene Handschrift kam ihr auf einmal krackelig und äußerst unleserlich vor.
Wieder strich sie sich eine lästige Locke aus der Stirn, dann hob sie den Kopf.
Hunderte von Augenpaaren richteten sich gespannt auf sie. Sie hatte die volle, uneingeschränkte
Aufmerksamkeit der gesamten Masse.
Einmal tief durchatmen.
„Meine lieben ozianischen Mitbürger!“, Applaus ging los und die ganze Menge johlte.
Mit einem mal hielt Glinda inne.
„Heute...“, sie stockte und blickte in die vielen Augen.
Konnte sie wirklich so viele Menschen belügen?
Wollte sie das?
Hatte sie sich nicht gesagt, dass sie falls sie irgendwann, irgendwie, irgend wen regieren oder
befehlen würde, immer die Wahrheit sagen würde?
Immer ehrlich sein zu den „Untertanen“. Das hatte sie sich geschworen.
Konnte sie dann jetzt das sagen, was sie sich in mühseliger Kleinstarbeit auf dem Zettel zusammen
gekritzelt hatte?
Es ging ein Raunen durch die Menge. Sie fragten sich, warum die schöne Herrscherin nicht weiter
sprach. Warum sagte sie kein Wort sondern starrte leer in die Gegend?
Nochmal tief durchatmen.
„Heute... heute ist ein Tag... ein Tag der Freude.“, sie zwang sich zu jedem Wort, so wie sich eine
Magersüchtige zum Essen zwingt, so wie ein Raucher auf Zigaretten verzichtet.
Sie zwang sich um des Volkes Willen.
Mit einem Mal begriff sie.
Sie regierte keinesfalls das Volk, das Volk regierte sie.
Sie sagte doch bloß, was die Menge hören wollte.
Sie wollten einen triumphalen Sieg der Hexenjäger feiern.
Sie glaubten jedem Gerücht.
Jedem.
Selbst wenn sie keinerlei Beweise oder Anhaltspunkte zur Richtigkeit des Geflüsters hatten.
„Ja, ein Tag der Freude. Wohl war.“, sie sagte es mehr zu sich selbst doch das Mikrophon hielt sie
noch immer verkrampft zwischen ihren kleinen Händen, zierlich wie sie waren.
Die Menge blickte verwirrt.
Was hatte ihre Herrin denn nur?
Glinda entkrampfte sich.
Sie räusperte sich und sprach nun unbeirrt mit klarer, lauer Stimme.
„Heute ist ein Tag der Freude. Ein Tag der Freude bedürft keinerlei Ausführungen, Worten oder
anderer überflüssiger Lückenfüller. Freude bedürft Schweigen.
Es herrschen Zeiten zum Schweigen.“


Sie hatte alle stehen lassen.
Madame Akaber, die Minister und nicht zuletzt die verwirrte Masse.
Ein Lächeln legte sich sanft auf die Lippen der blonden Frau.
Es ging ihr gut, so gut wie nie. Besser war es ihr nur mit der Grünen gegangen.
Doch sie schrieb es nicht auf. Nicht so wie sie es sonst immer tat, wenn der Tag besonders schön
gewesen war.
Denn es waren Zeiten zum Schweigen.

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Dedicated to Andrea, the best Dorothy in the World.
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