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Die Legende von Frank Müller

von -C-R-A
GeschichteThriller / P16 / Gen
05.10.2011
05.10.2011
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1.689
 
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Frank Müller war ein ordentlicher Mensch. Morgens stand er pünktlich auf, rasierte sich, zog seinen sauber gebügelten Anzug und die frisch polierten Schuhe an  und ging zur Arbeit. Seine Kollegen schätzten ihn, da er seine Sache als Architekt hervorragend machte. Auch sein Chef wusste dies zu schätzen. Nach der Arbeit pflegte er Zuhause seinen Garten mit all den bunten und wohlriechenden Blumen und mähte seinen fleckenlosen Rasen. Und wie jeden Tag sprang sein Herz Saltos, wenn seine junge, elfengleiche Nachbarin, kurz bevor die Sonne den Horizont erreicht, nach Hause kommt und, bevor sie dann schließlich ihr Haus betritt, mit ihm am Gartenzaun einen kleinen Plausch hält. Ihr Name war Monika. Eine Sekretärin einer kleinen Werbeagentur am Rande der Stadt. Für eine Frau von Mitte zwanzig hatte sie ein sehr jugendliches, ja fast kindliches Gesicht und ihr ebenholzschwarzes Haar verstärkte noch diesen Effekt, wenn es in langen Strähnen über ihre hellbraune Schulter lag. Frank liebte die Gespräche mit ihr. Liebte es, dabei in ihre glanzvollen, blauen Augen zu sehen. Er liebte sie.

An einem sehr kalten Wintertag gab das Schicksal Frank schließlich einen glücklichen Ruck. Monika hatte sich ausgesperrt und stand in ihrem dünnen Designerjäckchen vor der verschlossenen Tür. Frank überlegte nicht lange und lud sie zu sich herein. Der Schlüsseldienst ließ lange auf sich warten und so kam es, dass sie zusammen Abendbrot aßen (Frank hatte für sie ein vorzügliches Dinner zubereitet) und etwas Wein tranken. Sie kamen sich sehr nahe an diesem Abend. Bei schwachem Kerzenschein küssten sie sich, wenig später lagen sie zusammen in seinem Bett und kurz darauf schliefen sie miteinander. Sie wurden ein Paar. Das Glücklichste von allen… und Frank war der Glücklichste. Zwei Jahre nach diesem Tag im Winter heirateten sie. Sie zogen in ein größeres Haus in einem kleinen verschlafenen Dorf nahe der Oder.

Frank und Monika Müller waren ein sehr ordentliches Ehepaar. Morgens standen sie pünktlich auf, rasierten und kämmten sich, zogen ihre sauber gebügelten Sachen und die geputzten Schuhe an und gingen zur Arbeit. Beide wurden von ihren Kollegen geschätzt, da sie ihre Sachen als Architekt und, mittlerweile, Werbemanagerin gut machten. Sie verdienten gutes Geld und konnten sich ein luxuriöses Leben leisten.

Frank liebte seine Monika bedingungslos, ja er war richtig besessen von ihr. Nur ungern sah er, wie Monika mit einem ihm unbekannten Mann sprach oder schlimmer gar einen ihm unbekannten Mann berührte. Jedesmal begann sein linkes Auge ununterbrochen zu zucken, doch konnte er es so verbergen, dass Monika es nicht mitbekam. Seine Wut stieg in diesen Momenten ins unermessliche, doch hatte er sich stets unter Kontrolle und hatte Monika von seiner Eifersucht nie etwas spüren lassen. Konnte es sich nicht einmal vorstellen. Niemals würde er laut werden oder gar die Hand gegen Sie erheben. So lebte er mit seiner vergötterten Monika fünf Jahre lang ein idyllisches Leben in einem großen Haus in einem kleinen verschlafenen Dorf nahe der Oder. Doch dann geschah, was den Traum vom idyllischen Leben unweigerlich beendete.

Noch den Geschmack von Monikas Lippen auf seinen, kam Frank wie immer gut gelaunt an einem Freitagmorgen zur Arbeit. Nachdem er seine Skizze vom neuen Rathaus fertiggestellt hatte, setzte er sich in die Kantine. Wie jeden Tag aß er die frischen Brötchen mit Salat, die ihn Monika morgens machte und unterhielt sich mit seinem guten Kollegen und Freund Eddie. Meist erzählten sie sich belanglose Dinge, die in der Welt geschahen, doch heute sah Eddie besorgt aus. Er schien fast innerlich mit sich zu kämpfen. Er sah Frank an. „Frank, da gibt es etwas, dass… dass du vermutlich wissen solltest. Ich habe es gestern Abend erfahren…“ Eddie sprach mit einer so zittrigen Stimme, dass es Frank beunruhigte. „Was ist es, Eddie?“ Eddie zögerte, die Pause schien endlos. „Nun, es geht um Monika. Du kennst doch Alex Kerbe? Dieser kleine Typ aus der Werbeagentur deiner Frau.“ Frank nickte. „Also, dieser Alex Kerbe trifft sich immer außerhalb der Arbeit mit Monika. Immer dann, wenn du nicht da bist Frank. Und, naja, den Rest kannst du dir sicherlich denken.“ Fragend sah Frank Eddie an. Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich versteh nicht ganz, was du mir sagen willst. Was kann ich mir denken?“ Eddie atmete tief ein. „Frank, … Monika betrügt dich, mit diesem Alex!“ Frank sprang auf, er kochte vor Wut. „WAS?“ Auf einmal war es still in der Kantine. Jeder sah erschrocken zu Frank. „Bleib ganz ruhig Frank. Ich dachte nur, ich sollte es dir erzählen. Vielleicht redest du mal mit Monika darüber. Es wird sich bestimmt irgendwie klären.“ Frank hörte nur noch mit halben Ohr hin. Langsam setzte er sich wieder auf den Stuhl und sah ins Leere. „Ja, ja das wird wohl das Beste sein. Mit ihr reden, ja, das werde ich tun.“ Die Worte kamen aus ihm wie in Trance.
Noch eine Weile saßen sie sich stumm gegenüber. Eddie traute sich nicht irgendetwas zu sagen. Er erschrak, als Frank plötzlich wild auflachte. Seine Augen waren nicht mehr dieselben. Sie waren weit aufgerissen und Frank lachte aus vollem Halse. „Ja, mit ihr reden! Natürlich!“ Es waren die Worte eines Irren. Frank stand auf und verließ lachend die Kantine. Die Menge sah ihm hinterher. Von draußen hörte man einen Motor aufheulen und ein Auto wegfahren.

Nach einem langen Arbeitstag kam Monika nach Hause. Sie dachte an ein frisches Bad und dann einen Film, den sie sich daraufhin ansehen wird. Als sie das Haus betrat, war Frank schon im Wohnzimmer und hatte zwei Tassen Kaffee vorbereitet. Monika war überrascht, doch wie jeden Tag begrüßte sie ihn mit einem Kuss und setzte sich zu ihm ins Wohnzimmer. Zusammen tranken sie den Kaffee und unterhielten sich über ihren Tag auf der Arbeit. Frank erwähnte nichts von dem was Eddie im erzählt hatte und während der ganzen Zeit sah er Monika mit einem breiten Grinsen an. Als Monika aufstehen wollte, um ein Bad zu nehmen, merkte sie, wie ihre Beine sich müde und schwer anfühlten. Kurz darauf schlief sie ein. Frank grinste noch immer. Aus dem gemeinsamen Kleiderschrank holte er Monikas strahlend weißes Hochzeitskleid heraus. Langsam zog er der schlafenden Monika die Arbeitskleidung aus, sah sie noch einmal von oben bis unten sorgfältig an, wobei sein Blick lange auf ihren makellosen Busen ruhte und zog ihr dann anschließend das Hochzeitskleid vorsichtig wieder an. Mit ihrer Kosmetik schminkte er sie, wie sie auf den alten Hochzeitsbildern ausgesehen hatte und trug sie dann in sein Auto, wobei er darauf achtete, dass die Nachbarn ihre neugierigen Blicke nicht nach draußen warfen. Bevor er losfuhr, holte Frank sich noch sein Cuttermesser und seine Angelsehne aus der Garage. Er fuhr ein ganzes Stück aus der Stadt heraus hielt hin und wieder an um auszusteigen und sich umzusehen, und fuhr wieder weiter. Nach knapp zwei Stunden fand er wonach er suchte: ein kleines Waldstück mit vielen, hohen Bäumen nahe der Bundesstraße und einem kleinen Dorf. Er wartete bis die Sonne langsam unterging und er vom Schatten der Bäume verborgen sein würde. Er trug Monika zu einem Baum und band sie mit der Angelsehne an der Taille und Brust um den Baum fest. Er zog sein Cuttermesser aus der Tasche und hob es auf ihre Augenhöhe. Er lachte laut, als er die silberglänzende Klinge langsam in ihr rechtes Auge drückte und es drehte, als wolle er eine Kiwi aushüllen. Diese Augen sollten nie wieder einen Blick auf einen anderen Mann als ihn werfen. Er wollte der letzte sein, den diese blauen Augen sahen. Der Schmerz, den Frank dabei verursachte, weckte Monika und sie begann laut zu schreien. Frank schrak kurz zurück, doch faste sich schnell wieder und hielt ihr fest den Mund zu. Mit dem Messer schnitt er ihr den Hals längs auf, passte dabei auf, nicht die Hauptschlagader zu treffen, und schnitt ihr die Stimmbänder durch. Unfähig zu schreien sah sie nun zu, wie Frank seine Klinge wieder hob und ganz langsam zu ihrem noch funktionierenden Auge bewegte. Eine Träne lief ihr die Wange herunter und vermischte sich auf ihrem Weg mit dem Blut, das ihr wunderschönes Gesicht wie eine Maske bedeckte. Mit grausamer Sorgfalt schnitt Frank ihr nun auch das andere Auge aus. „Das gefällt dir, stimmt‘s? Das gefällt dir du jämmerliche Hure!“ Er sprach mit einer ruhigen Stimme, welche Monika von ihm nicht kannte. Es war nicht die Stimme von Frank, es war die eines Psychopathen. Er beendete seine Tat schließlich als er ihr die Kehle durchschnitt. Während sie langsam unter Höllenqualen verblutete, setzte sich Frank im Schneidersitz vor sie und wippte wie ein Kind vor und zurück. Er sah, wie das Blut aus ihren leeren Augenhöhlen an ihren zarten Wangen herunter lief und sich dabei mit ihren Tränen vermischte. Sah wie es weiter zum Hals floss und sich mit dem Blut aus dem langen Spalt unter dem Kinn vereinte und schließlich das strahlend weiße Hochzeitskleid, in dem sie so traumhaft aussah, in ein tiefes Rot färbte. Es vergingen Minuten, bis Monika schließlich verblutete. Als sie sich nicht mehr bewegte stand Frank auf und band an eines ihrer Handgelenke die Angelsehne, warf das andere Ende über eine Ast über ihr und band es dann an das andere Handgelenk des toten Körpers. Er zog die Sehne so stramm, dass Monikas Arme waagerecht in die Luft ragten und küsste sie noch ein letztes Mal auf den Mund. So sah sie, mit ihren leeren Augen, dem offenen Mund und den nach oben ragenden Armen aus, wie ein Geist, welcher hoffnungslos durch den Wald ragte… und genau dies dachten auch die Kinder, welche am nächsten Tag zu Tode geängstigt zu ihren Eltern liefen und ihnen von ihrem grausamen Fund berichteten.

Frank verschwand darauf spurlos und wurde auch nie wieder gefunden. Doch drei Tage später fand man die Leiche eines jungen Mannes auf dieselbe Art und Weise an eine Straßenlaterne in einer selten befahrenen Straße gebunden. Es war Alex Kerbe. Auch seine Arme ragten leblos in der Luft.
Einst war Frank Müller ein ordentlicher Mensch, der pünktlich aufstand, sich rasierte, den sauber gebügelten Anzug und die geputzten Schuhe anzog und zur Arbeit ging. Nun weiß niemand wo er sich befindet, doch man erzählt sich, dass dieses irre Grinsen nie aus seinem Gesicht wich, mit dem er seine Frau und ihren Geliebten tötete.
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