Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Chaos in DenTeck City

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Horror / P12 / Gen
OC (Own Character)
03.10.2011
03.10.2011
1
5.682
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
03.10.2011 5.682
 
Ein scheinbar ganz gewöhnlicher Tag in DenTech City. Es ist der 31. Oktober 6 Uhr morgens und trotz der Frühe haben sich Lan und seine Freunde sowie Chaud in den Cylabs versammelt, da Dr. Hikari ihnen etwas neues zeigen wollte. Ein neues Programm für die Netnavis. Genau genommen soll es ein Testlauf sein. Unter den Freunden befindet sich auch ihre neue Freundin Yuna, die gerade erst nach DenTech City gezogen ist und das erste Mal die Cylabs sieht. Besonders auffällig sind ihre langen, blonden Haare, die sie zu zwei Zöpfen gebunden hat. Obwohl sie erst 2 Monate in der Stadt ist, hat sie es irgendwie fertig gebracht Bass so zu bearbeiten, dass er sich tatsächlich in ein PET sperren lies und nun bei ihr ist. Allerdings folgt er immer noch eher seinen eigenen Willen und bringt Yuna so oft zur Weißglut, was die anderen nur mehr als lustig finden.

Dr. Hikari ist gerade mit den letzten Vorbereitungen fertig geworden.
„Klingt eure Netnavis nun in den Rechner ein.“
„Ja.“ Mit einer kurzen Handbewegung ziehen alle einen Stecker aus ihren PETs und stecken diese in einen dafür vorgesehen Anschluss. Nur Sekunden später finden sich die Netnavis im Computersystem der Cylabs wieder.
„Ich bin mal gespannt, was Lans Vater für uns hat.“ Aufgeregt sieht sich Megaman um, in der Hoffnung vielleicht etwas zu entdecken. Protoman schüttelt nur den Kopf.
„Was für ein Kindskopf. Hat keine Geduld.“ Lan zeigt sich genauso ungeduldig.
„Was ist es denn jetzt, Papa? Sag es mir.“
„Nur Geduld, ihr werden es gleich sehen.“ Dr. Hikari gibt noch etwas in den Rechner ein und nur kurz darauf beginnt der Bildschirm hell zu leuchten. Mehrere, helle Lichstrahlen fliegen aus dem Bildschirm in den Raum und nur Sekunden später haben die Netops ihre eigenen Netnavis vor sich stehen. Alle Anwesenden, Netnavis eingeschlossen, reiben sich ungläubig die Augen. Lan ist der erste, der seine Stimme wiederfindet.
„Megaman? Bist du das wirklich?“
„Ich glaube schon, aber was machen wir hier draußen?“
„Bessere Frage, wie kommen wir hier her?“, mischt sich nun auch Protoman ein. Dr. Hikari räuspert kurz.
„Das ist unser neuestes Programm. Ein Portal, welches es ermöglicht Netnavis in die reale Welt zu holen. Wenn es einwandfrei funktioniert, dann könnte es bald auf jedem PET und von  jedem Computer verwendet werden.“
„Das ist ja irre.“ Lan fast Megaman auf die Schulter um auch ganz sicher zu gehen, dass dieser real ist. Chaud lässt sich natürlich keine Aufregung anmerken, doch Yai ist ganz aus dem Häuschen und lässt es sich nicht nehmen Glyde in die Arme zu schließen. Tori geht in die Knie um auf Augenhöhe mit Iceman zu sein. Einzig Yuna steht etwas einsam neben Bass, der ihr keinen Blick schenkt. Schließlich ist es auch Yuna, die sich an Dr. Hikari wendet.
„Bekommt man sie auf dem gleichen Weg auch wieder in das Computersystem?“
„Natürlich und dorthin sollte ich sie auch erstmal wieder zurückschicken. Ihr müsst gleich los zur Schule.“ Lan zieht einen Schmollmund.
„Ach, Papa. Können sie nicht noch ein bisschen draußen bleiben?“
„Wir können sie ja nach der Schule nochmal raus lassen. Jetzt müssen sie aber zurück in ihre PETs.“ Nach einer erneuten Eingabe beginnt der Bildschirm wieder zu leuchten, doch leider hört es auch gleich wieder auf und die Netnavis bleiben wo sie sind. Stattdessen blinkt auf dem Bildschirm groß ERROR. Dr. Hikari kommt ins Schwitzen.
„Das sollte eigentlich nicht passieren.“ Nochmal versucht er das Programm zu starten, wieder mit dem gleichen Ergebnis. Lan setzt ein breites Grinsen auf.
„Sieht so aus, als müssten sie noch eine Weile hier bleiben.“ Yuna lässt unterdessen ihren Blick auf die Uhr schweifen.
„Ich will euch ja nicht unterbrechen, aber vielleicht sollten wir uns langsam auf den Weg zur Schule machen, wenn wir nicht zu spät kommen wollen.“ Die anderen stimmen ihr zu und Lan hat auch schon die nächste, glänzende Idee.
„Hey, Leute. Heute ist doch Halloween. Also können wir unsere Netnavis auch mitnehmen, ohne das sie groß auffallen würden.“
„Was? Wir können sie doch nicht mit zur Schule nehmen. Einige von ihnen würden sicher ein heilloses Chaos anrichten!“, wendet Yuna ein während sie aus dem Augenwinkel Bass beobachtet, der immer noch in eine andere Richtung guckt. Dr. Hikari stimmt ihr mit einem Nicken zu.
„Außerdem kennen sie die reale Welt überhaupt nicht. Sie bleiben hier bei mir, während ich das Programm repariere. Wenn ihr aus der Schule kommt sind sie vermutlich schon wieder im Computersystem.“
„Oh man.“ Lan zieht ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter während die anderen sich von Dr. Hikari verabschieden und Lan hinter sich her zerren.

Auf dem Schulweg trennen sich die Wege einiger, da Chaud auf eine andere Schule geht und Tori und Yuna in andere Klassen. Während der ersten beiden Stunden hat Yuna Mathe. Dieses Fach konnte sie noch nie leiden und so ist sie mit einer entsprechend nicht vorhandenen Aufmerksamkeit dabei. Während gerade ein anderer Schüler versucht eine Aufgabe an der Tafel zu lösen sieht sie verträumt aus dem Fenster. Der Himmel ist wolkenlos, Die Sonne scheint hell. Trotzdem ist es kühl draußen. Der Hof ist leer und Bass sitzt auf dem Dach des Nachbargebäudes und sieht zu ihr..... Moment! Ungläubig sieht Yuna nochmal zum Dach rüber, doch dort ist nichts.
„Da war doch gerade noch Bass... Ach, so einen Unsinn. Der ist doch in den Cylabs bei Dr. Hikari. Da hat mir sicher nur meine Fantasie einen Streich gespielt.“ Sie sieht sich kurz in der Klasse um, aber keiner sieht so aus, als hätte er gerade ein Gespenst in Form eines Netnavis in der realen Welt gesehen.
„Dieser Netnavi macht mich noch verrückt. Jetzt verfolgt er mich schon, wenn er gar nicht bei mir ist.“ Die Stimme des Lehrers reißt sie aus ihren Gedanken.
„Yuna, würdest du bitte nach vorne kommen und diese Aufgabe lösen?“
„Äh, ja klar.“ Etwas zögerlich geht sie zur Tafel. Sie hasst es, wenn sie sich vor die Klasse stellen muss um eine Aufgabe zu lösen. Mit hochrotem Kopf versucht sie sich zu konzentrieren während sich die Blicke ihrer Mitschüler in sie hinein bohren.
„Jetzt nur nicht nervös werden.“, richtet sie in Gedanken an sich selbst. Dieses Mal lässt sie ein lautes Poltern im Gang erstarren. Empört über diese laute Störung geht der Lehrer auf den Gang und erstarrt. Nun können die anderen Schüler ihre Neugier nicht mehr zügeln und gehen ebenfalls zur Tür, ein paar zur hinteren und ein paar zur vorderen, wie Yuna. Auch die anderen Klassen sehen verwundert nach draußen. Irgendjemand fand es wohl witzig eine Scheibe einzuschlagen und die Splitter sind auf dem ganzen Gang zerstreut. Die Stimmen der Schüler sind laut dem Gang zu hören als sich einige Lehrer entfernen um den Hausmeister darüber zu informieren. So auch Yunas Lehrer. Während sie ganz auf den Gang geht um sich genauer anzusehen schnappt sie einige Gespräche der anderen Schüler auf.
„Wer kommt denn auf so eine Idee?“
„Hast du auch gehört? Ein Junge aus der Nachbarklasse soll gerade von der Toilette gekommen sein als das passiert ist. Er soll wohl ein Junge in einem Kostüm gewesen sein. In voller Montur mit Helm und Umhang.“
„Der bekommt sicher großen Ärger.“
„Kommt der überhaupt von unserer Schule?“
„Also ich habe gehört, der soll von einer Schülerin vorhin auf dem Dach gesehen worden sein.“ Urplötzlich wird Yuna schneeweiß im Gesicht.
„Oh nein, lass es bitte, bitte nicht Bass sein.“ Schnell zieht sie sich in den nun leeren Klassenraum zurück und schließt vorsorglich die Türen. Dann öffnet sie das Fenster und sieht nach draußen. Der Lärm vom Gang wird noch lauter als der Schulleiter kommt um sich den Schaden anzusehen.
„Komm raus, Bass! Ich weiß, dass du da bist!“ Nichts. Yuna atmet erleichtert aus.
„Sieht so aus, als hätte ich mich doch geirrt. Ein Glück.“ Sie will gerade wieder das Fenster schließen, als sie ein poltern über ihrem Kopf auf dem Dach hört. Schnell sieht sie nach oben und sieht leider genau das, was sie befürchtet hatte.
„Bass! Was zum Teufel machst du hier!? Du solltest doch bei Dr. Hikari in den Cylabs bleiben!“ Sie tritt ein paar Schritte zurück und Bass kniet sich auf den Fensterrahmen.
„Was soll das, Bass? Wie hast du überhaupt hier her gefunden?“
„Das war nicht sonderlich schwer und du glaubst ja wohl nicht, dass ich stundenlang bei einem Menschen bleibe.“
„Hallooo, ich bin auch ein Mensch.“ Darauf gibt Bass keine Antwort.
„Wieso hast du eigentlich das Fenster kaputt gemacht?“
„Das war ein Versehen. Reg dich nicht auf.“
„Ich soll mich nicht aufregen?! Hör zu...!“ In diesem Moment geht die Tür auf. Voller Panik stellt sich Yuna vor Bass um ihn zu verbergen. Ihre Mitschüler kommen rein.
„Hey, Yuna. Wir sollen wegen des kaputten Fensters den Flur und die Klassenräume räumen. Wir haben die zweite Stunde frei bekommen. Ist das nicht cool?“
„Äh... Ja, klar. Voll cool.“ Sie spürt, wie Bass sich hinter ihr in ihre Richtung bewegt und versucht ihn davon abzuhalten.
„Warum bist du denn so nervös, Yuna?“
„Ich? Nervös? Wie kommst du denn darauf?“ Ihr bricht der Schweiß aus, als Bass hinter ihr im Klassenraum landet, immer noch auf Knien und für die anderen nicht sichtbar. Fragt sich nur, wie lange noch. Dann endlich ist der Klassenraum wieder leer.

Erleichter geht Yuna ein paar Schritte vor und Bass erhebt sich wieder.
„Was sollte das? Ich hatte eigentlich keine Lust nähere Bekanntschaft mit deinem Rücken zu machen.“ Sie dreht sich zu Bass.
„Wenn du nicht gleich leise bist, dann machst du noch mit etwas ganz anderem von mir Bekanntschaft!“
„Du schreist hier doch durch die Gegend.“  Yuna atmet einmal tief durch.
„Jetzt sag mir, warum du gerade hierher gekommen bist.“
„Mir war langweilig.“
„Deswegen stellst du meine Schule auf den Kopf?“
„Ich sagte doch, es war ein Versehen.“
„Wie kann man aus versehen ein Fenster einschlagen?“
„Euer Dach ist verdammt rutschig, weist du das eigentlich?“
„Dann warst du das doch vorhin auf dem Dach!“
„Ja, du solltest mal was gegen deine Wutausbrüche tun. Sonst bekommst du üble Falten.“
„Ich könnte dich... Du kannst hier nicht bleiben. Ich habe noch bis heute Nachmittag Unterricht. Wenn dich die anderen sehen, dann haben wir ein großes Problem. Du solltest überhaupt nicht hier sein.“
„Fällt dir auch mal was neues ein.“
„Du musst auf der Stelle zurück zu den Cylabs.“
„Das geht nicht.“
„Wieso? Du hast doch auch hierher gefunden.“
„Und wenn ich nicht zurück will?“
„Ich kann dich hier nicht verstecken und wenn dich die Lehrer in die Finger kriegen und herausfinden, dass du das Fenster zertrümmert hast, dann haben wir beiden ein großes Problem.“
„Du redest immer nur von Problemen. Freue dich doch mal, dass ich hier bin.“
„Wie soll ich mich freuen?“ Yuna atmet nochmal tief durch.
„Na gut, du kannst hier bleiben, aber halte dich versteckt bis mein Unterricht zu ende ist. Niemand darf dich sehen. Und wehe du stellst noch mehr an. Du hast für heute genug Aufsehen erregt. Weist du eigentlich wie peinlich das gerade war dich zu verstecken? Die anderen müssen ja jetzt sonst was über mich denken.“
„Yuna...“
„Schon gut, ich reg mich ab. Aber verspricht mir, das du keinen Unsinn machst.“
„Na gut.“
„Sag es mir.“
„Mh, versprochen. Jetzt glücklich?“
„Halt dich auch daran. Wenn sie dich erwischen, dann werde ich dir nicht helfen.“ Ohne einen weiteren Kommentar und mit einem eher genervten Gesichtsausdruck verschwindet Bass wieder durch das Fenster.
„Hoffentlich geht das mit ihm gut.“

Als Pause ist trifft sie sich mit Lan und Maylu im Innenhof.
„Was? Bass ist hier?“ Ungläubig sieht Lan Yuna an.
„Ja, und er hat das Fenster im oberen Flur C zerstört. Angeblich war das ein Versehen.“
„Und du hast ihm erlaubt hier zu bleiben?“ Auch Maylu sieht ziemlich erstaunt aus.
„Ich habe gesagt er kann hier bleiben, wenn er nichts anstellt.“
„Das geht doch nicht, Yuna! Er kann nicht hier bleiben!“ Das laute Geschrei von Lan zieht einige, fragende Blicke auf die kleine Gruppe. Sofort hält Yuna ihm den Mund zu und flüstert ihm zu:
„Ja, schrei noch lauter heraus, dass ein Netnavi in dieser Schule sein Unwesen treibt. Man, werden die begeistert sein.“
„Tut mir leid, Yuna.“
„Ich hoffe nur, das er kein Blutbad anrichtet.“, mischt sich nun auch Maylu wieder ein.
„Ich auch, Maylu. Eigentlich hört er aber auf mich.“ Lan verschränkt die Arme vor der Brust.
„Ich finde es aber ganz schön unfair, dass Bass hier sein darf, aber die andere nicht.“ Yuna wirft ihm einen vorwerfenden Blick zu.
„Eigentlich sollte er auch nicht hier sein. Er hat sich einfach aus dem Staub gemacht. Dr. Hikari sucht ihn sicher schon.“
„Ich werde ihn mal über das PET in Kenntniss setzen, dass Bass hier ist. Vielleicht kann er ihn abholen.“
„Gute Idee.“ Daraufhin verschwindet Lan um die nächste Ecke. Maylu wendet sich wieder Yuna zu.
„Und du glaubst wirklich, dass er nichts anstellen wird?“
„Na ja, ich hoffe es. Freiwillig wollte er nicht zurück zu den Cylabs gehen und ich kann nicht einfach die Schule schwänzen.“
„Und was hast du mit ihm vor, wenn der Unterricht vorbei ist?“
„Das weiß ich noch nicht genau. Vermutlich werde ich ihn erstmal mit nach Hause nehmen und von dort dann zurück in die Cylabs bringen. Was anderes wird mir nicht übrig bleiben. Zum Glück ist heute Halloween, da wird er nicht zu sehr auffallen, hoffe ich.“

Nach der Pause im Geschichtsunterricht ist Yunas Konzentration ganz bei ihrer Aufgabe. Gruppenarbeit steht auf dem Programm um einige Aufgaben selbstständig zu erarbeiten. Doch Yunas Gruppe kommt nicht wirklich zum Arbeiten, denn die drei anderen Mädchen haben etwas scheinbar viel interessanteres zu bequatschen.
„Habt ihr schon gehört? Jemand aus der Nachbarklasse soll einen seltsam gekleideten Jungen gesehen haben, und zwar auf dem Dach.“
„Du meinst der, der auch das Fenster kaputt gemacht hat?“
„Ja.“
„Aber wie soll der denn auf's Dach gekommen sein? Es gibt keine Dachfenster und die Tür zum Dach ist immer verschlossen.“ Yuna beginnt etwas nervös auf einen Zettel zu schreiben, was mehr wie Gekritzel aussieht. Hoffentlich würden sie ihn nicht als Netnavi enttarnen. Das wäre der Untergang.
„Ich hab gehört, es soll nur ein blöder Halloweenstreich gewesen sein.“
„Ist es nicht noch ein bisschen früh dafür? Das macht man doch erst, wenn es dunkel ist.“
„Vielleicht ist er ja sogar von unserer Schule.“
„Der Unterrichtsausfall vorhin war jedenfalls ganz nett.“ Yuna kommt ein bisschen ins Schwitzen. Nur gut, dass sie es besser weiß.
„Du, Yuna? Was hälst du davon?“ Yuna lässt ihren Stift fallen und beginnt nur noch mehr zu schwitzen.
„Wie bitte?“
„Was du von diesem seltsamen Jungen hälst.“
„Äh, also....“ Eine kurze Stille legt sich über die Gruppe. Etwas verlegen wendet Yuna den Blick ab und sieht aus dem Fenster.
„Vielleicht wollte er nur mal die Schule aufmischen.“ Was besseres viel ihr auf die Schnelle nicht ein. Hoffentlich würden sie nicht weiterfragen. Eines der Mädchen verschränkt die Arme vor der Brust.
„Das ist ja schön und gut, aber deswegen muss man kein Fenster kaputt machen. Irgendwas stimmt da doch nicht.“ Plötzlich wendet sich ein Junge aus einer der anderen Gruppen zu ihnen.
„Also, ich hab den auch gesehen. Auf dem Dach meine ich, aber nur ganz kurz.“ Yuna muss sich an der Rückenlehne festhalten um nicht vom Stuhl zu fallen. Die Mädchen wirken etwas empört.
„Hast du etwa unser Gespräch belauscht?“ Der Junge setzt ein fieses Grinsen auf.
„Wenn ihr noch ein bisschen laute redet, dann macht ihr den Lehrer auf euch aufmerksam, wie kann man das dann überhören?“
„So, und du hast ihn gesehen? Warum hast das nicht früher gesagt?“
„Mich hat keiner gefragt. Irgendwie kam er mir auch bekannt vor. Ich bin sicher, ich habe ihn schonmal woanders gesehen.“ Am liebsten würde Yuna jetzt im nächsten Loch verschwinden. Natürlich hatte er ihn schon gesehen, schließlich war er der erste, der ihren neuen Netnavi gesehen hatte. Hoffentlich würde er nicht darauf kommen, wo er ihn gesehen hat.
„Er hat mich irgendwie an einen Netnavi erinnert.“
„Ach spinn nicht rum, es gibt keine Netnavis in der realen Welt.“
„Nein, aber vielleicht hat er sich als einer verkleidet.“ Jetzt ist alles aus. Yuna wird schneeweiß im Gesicht und sinkt auf ihrem Stuhl zusammen. Eines der Mädchen tippt ihr auf die Schulter.
„Yuna, geht es dir nicht gut?“ Sie schüttelt sehr langsam den Kopf.
„Vielleicht solltest du lieber nach Hause gehen.“ Wieder schüttelt sie langsam den Kopf. Das konnte doch nicht wahr sein. Da lässt man diesen Netnavi für ein paar Stunden aus den Augen und schon steht ihre ganze Welt auf dem Kopf. Was kommt als nächstes? Einen Auftritt in den Nachrichten, weil die Stadt kopfsteht? Sie muss ihn unbedingt zu den Cylabs zurückbringen. Immer noch ziemlich weiß im Gesicht setzt sie sich wieder gerade hin.
„Vielleicht sollte ich doch nach Hause gehen.“

Kurz vor dem Schultor bleibt Yuna nochmal stehen. In der Hoffnung, dass sie niemand sehen wird.
„Okay, beruhige dich Yuna. Wie finde ich jetzt am besten Bass, ohne das sie mich erwischen?“
„Indem du dich umdrehst.“ Die andere Stimme lässt Yuna hochfahren und erstmal nach hinten umfallen. Bass hockt auf einer der beiden großen Säulen am Schultor.
„Hoppla.“ Mit einem leichten Satz landet er direkt neben Yuna.
„Lebst du noch?“ Immer noch geschockt aber ziemlich wütend springt Yuna wieder auf.
„Hast du den Verstand verloren? Nein ,warte. Wer keinen hat, kann ihn auch nicht verlieren!“
„Was rastest du so aus? Mich hat keiner gesehen.“
„Nein, da oben warst du auch nicht zu übersehen.“
„Du hast mich doch auch nicht gesehen.“
„Ich war auch aufgeregt. Jeder andere hätte dich sicher bemerkt!“
„Wenn du noch lauter schreist kommen sie dieses mal sicher nicht wegen mir raus.“
„Ich...! Du...! Ach egal, komm mit. Wir gehen erstmal zu mir nach Hause, das liegt direkt auf dem Weg zu den Cylabs. Du darfst Dr. Hikari übrigens selbst sagen, warum du abgehauen bist.“
„Was für ein liebevoller Netop.“

Bei Yuna angekommen lässt sie sich erstmal erschöpft auf das Sofa im Wohnzimmer fallen. Auf dem Weg hierher wurden sie von jedem angestarrt, der ihnen begegnet ist. Zum Glück ist aber keinem aufgefallen, dass Bass gar kein Kostüm trägt. Dieser zieht es auch scheinbar lieber vor auf der Fensterbank zu sitzen als auf dem Sofa. Zum Glück würde ihre Mutter erst heute Abend wiederkommen und bis dahin sollte er längst wieder in seinem PET sein.

Nur wenig später kommen die beiden endlich bei den Cylabs an. Endlich können alle aufatmen und Bass ist mehr als beleidigt. Etwas später kommen auch Lan und die anderen sowie Chaud zu den Cylabs. Allerdings nicht mit dem gewünschten Ergebnis, denn die Netnavis befinden sich noch immer in der realen Welt, das Programm streikt weiter und es sieht nicht so aus, als würde das Problem heute behoben werden. So drückte sich zumindest Dr. Hikari aus. Also bleiben die Netnavis abermals in den Cylabs zurück, während sich ihre Netops für die bevorstehende Gruselnacht bei sich Zuhause bereit machen wollen. Die Kostüme müssen hergerichtet werden. Wenn nötig muss der ein oder andere noch geschminkt werden. Chaud muss unter Zwang der anderen in ein Kostüm gesteckt werden. Die Tüten und Taschen für die Süßigkeiten müssen hergerichtet werden. Und noch so andere anfallende Kleinigkeiten. Schon bald beginnt es draußen dunkel zu werden und die Netnavis, die noch immer in den Cylabs darauf warten ins Netz zurückzukehren, werden langsam aber sicher sehr unruhig. In einem unachtsamen Moment von Dr. Hikari machen sie sich in Führung von Bass, wem sonst, aus dem Staub.

Gegen 7 Uhr Abends in der Nähe des Stadtrands. Lan und die anderen hatten sich dort verabredet und zum Erstaunen aller ist sogar Lan dieses Mal pünktlich. Alle haben ein anderes Kostüm an. So war es abgesprochen, damit keine doppelten Kostüme vorhanden sind. Gemeinsam machen sie sich nun auf den Weg um Süßigkeiten zu ergattern. Nicht weit von den Cylabs ist eine etwas andere Gruppe unterwegs. Protoman hat vielsagend die Arme vor der Brust gekreuzt.
„Ich finde immer noch, dass das eine blöde Idee ist. Wir sollten zurückgehen.“ Bass lässt sich davon sichtlich wenig beeindrucken.
„Mach dir nicht in die Hosen. Das ist besser, als die ewige Warterei vereint mit Nichtstun. Das ist die perfekte Zeit. Yuna meinte um diese Uhrzeit würde uns keiner mehr erkennen, weil die Menschen alle in Kostümen oder sowas rumlaufen.“
„Dafür, dass dich die Menschen nicht interessieren weist du aber ganz schön viel darüber.“ Der Sarkasmus seitens Protoman ist nicht zu überhören.
„Ach, halt die Klappe.“ Roll legt sich nachdenklich die Hand unter das Kinn
„Was genau wollen wir jetzt eigentlich machen?“
„Wie wäre es mit Süßes oder Saures?“ Ein paar fragende Augen richten sich auf Megaman.
„Na ja, so hat Lan das jedenfalls genannt. Man geht von Tür zu Tür und klingelt und wenn jemand aufmachen sagt man Süßes oder Saures. Dann bekommt man Süßigkeiten.“ Abermals verschränkt Protoman seine Arme vor der Brust.
„Wir sind doch nicht im Kindergarten. Das ist eine blöde Idee.“ Bass verdreht die Augen.
„Du findest doch alles blöd. Vor allem wenn dein herumkommandierender Netop nicht da ist.“
„Wie bitte!?“
„Du hast mich schon verstanden.“
„Ich könnte dich...“
„Ganz ruhig Protoman.“ Roll stellt sich vorsichtshalber zwischen die beiden. Megaman streckt einen Arm in die Luft.
„Also abgemacht, gehen wir.“ Bass zieht eine Augenbraue hoch.
„Ich kann mich nicht erinnern zugestimmt zu haben.“
„Jetzt sei kein Spielverderber, niemand hier wird uns erkennen.“ Damit packt Roll Bass am Arm und zieht ihn hinter Megaman her. Protoman folgt der Gruppe als letztes mit einem etwas größeren Abstand.

Nur wenig später steht die seltsame Truppe vor einem Haus in einer eigentlich sehr ruhigen Wohngegend.
„Das ist doch bescheuert, ihr seit nicht im Kindergarten.“ Protoman steht zusammen mit Bass noch immer an der Straße und beide sehen zu, wie sich die anderen an der Klingel zu schaffen machen. Zwei kurze Töne sagen ihnen, das es geklingelt hat. Ein ziemlich finster dreinblickender Kerl öffnet die Tür.
„SÜßES ODER SAURES!“
„Ich hab nichts, versucht euer Glück woanders.“ Er dreht sich um und schließt die Tür. Bass kann sich ein fieses Grinsen nicht verkneifen.
„War wohl nichts mit Süßigkeiten, was?“ Megaman winkt ab.
„Wenn es keine Süßigkeiten gibt, dann spielt man dem einen Streich. Macht auch Spaß.“
„Was für einen Streich?“ Megaman überlegt kurz.
„Also, Lan hat gesagt, dass man das Haus dann mit Klopapier bewirft. Manche machen es auch mit rohen Eiern.“ Protoman stempt die Hände in die Hüfte.
„Ihr habt beides nicht, also könnte ihr euren Streich vergessen.“
„So ein Mist, daran habe ich gar nicht gedacht.“
„Wäre auch was neues, wenn du mal an etwas denken würdest.“
„Hey! Lan vergisst vielleicht mal öfter was, aber ich nicht.“
„Ist ja gut.“
„Mh, dann überlegen wir uns doch etwas anderes.“
„Und was?“

30 Minuten später stehen sie vor ihrem Ergebnis. Megaman sieht zufrieden aus.
„Wer hätte gedacht, dass man mit ein paar einfachen Sachen sowas machen kann.“
„Wer hätte gedacht, das dein Verstand sowas zustande bringen würde.“ Megaman wirft einen etwas säuerlichen Blick zu Bass.
„Von dir kam jedenfalls keine brauchbare Idee.“ Roll hätte sich beinahe die Hand ins Gesicht geklatscht.
„Gibt es auch noch etwas anderes als Streiten das ihr könnt?“ Stille macht sich breit als alle Blicke Richtung Roll wandern.
„Was? Lasst uns weitergehen, bevor uns noch jemand erwischt.“

Auf der anderen Seite der Stadt haben die Netops schon ein paar Süßigkeiten eingeheimst. Lan, der in einem eher peinlichen Fledermauskostüm unterwegs ist, ist bereits dabei ein bisschen zu naschen.
„Ich hoffe, dass es unseren Netnavis nicht zu langweilig wird in den Cylabs.“ Yuna, die sich für ein Hexenkostüm entschieden hat, sieht ein bisschen besorgt aus.
„Langweilig ist gut, ich hoffe sie stellen nichts an.“
„Ach, was sollen sie schon anstellen.“ Lan steckt sich noch ein Bonbon in den Mund.
„Bass ist schonmal einfach abgehauen. Was ist, wenn er die anderen jetzt dazu anstiftet auch mitzugehen? Sie würden die ganze Stadt auf den Kopf stellen.“
„Jetzt reg dich nicht auf. Das wird bestimmt nicht passieren.“

In der Zwischenzeit haben auch die Netnavis ein paar Süßigkeiten ergattert. Bis auf Protoman verleiben sich alle die Beute erstmal ein während sie nachdenken, was sie als nächstes machen. Protoman sieht ihnen eher mit einer gewissen Skepsis zu.
„Bei euch verstehe ich das ja noch, aber wieso machst du mit Bass? Ich dachte, du fändest das auch blöd?“
„Das Spiel finde ich auch blöd, aber zu Süßigkeiten sag auch ich nicht ein.“
„Oh man, bin ich der einzige Vernünftige hier? Ihr habt jetzt euren Spaß gehabt. Wir sollten zurück zu den Cylabs gehen.“ Megaman schiebt sich noch ein Bonbon in den Mund.
„Wieso? Es wird doch jetzt erst richtig lustig. Keine Sorge, wir kommen schon rechtzeitig zurück.“
„Ach, macht was ihr wollt, ich gehe jetzt jedenfalls zurück.“ Bass dreht sich zu ihm um.
„Ich wusste doch, dass du kneifen würdest. Du bist ein ängstliches Hünchen, sonst nichts.“ Protoman bekommt eine leichte Röte um die Nase.
„Das stimmt überhaupt nicht! Ich habe nur keine Lust Ärger zu bekommen! Dr. Hikari hat bestimmt schon längst mitbekommen, dass wir nicht mehr da sind!“
„Ich widerstehe gerade der Versuchung dir wie ein Huhn hinterher zu gackern.“
„Ich habe keine Angst!“
„Dann hast du auch keinen Grund warum du jetzt schon zurückgehen solltest. Entspann dich mal ein bisschen.“

„OH MEIN GOTT!“ Lan und die anderen stehen vor einem Haus, das von oben bis unten mit Farbe bemalt ist. Hier ist mal ein bisschen Blau und daneben ein bisschen Rot, darüber ist noch ein kleiner Klecks Gelb. So sieht das ganze Haus rund herum aus, bedeckt mit allen möglichen Farben. Yuna legt den Kopf schief.
„Ich verstehe ja, das Halloween ist, aber das geht ein bisschen weit. Wer macht den sowas?“
„Keine Ahnung. Wie haben sie die Farbe überhaupt so hoch bekommen. Selbst das Dach ist voll.“ Ungläubig lässt Lan seinen Blick über das ganze Haus schweifen.
„Ich glaube, bei denen brauchen wir nicht mehr klingeln.“

„Das nenne ich mal eine Mutprobe.“ Protoman setzt ein fieses Grinsen auf. Nachdem der Streit zwischen Bass und ihm weiterging, haben sie sich auf eine Mutprobe geeinigt. Nun stehen sie vor einem großen Friedhof. Durch die nun abgefallene Temperatur hat sich etwas Nebel gebildet. Bass hebt eine Augenbraue.
„Wieso ausgerechnet der Gang über einen Friedhof? Das ist doch einfach. Dafür braucht man wirklich keinen Mut.“ Der Rest der Truppe hinter ihnen schlottert ganz schön am Körper.
„Also ich würde das an eurer Stelle nicht machen. Lan hat gesagt, dass an Halloween die Toten für eine Nacht auferstehen.“ Bass dreht sich zu Megaman.
„Das ist doch wohl nicht dein ernst. Tote können nicht wieder auferstehen und Geister gibt es auch nicht. Es ist ein einfacher Gang über einen zur Zeit nicht besuchten Friedhof.“
„Also mich kriegen da keine 10 Viruse hin.“
„Dann wartet eben hier auf uns.“ Roll klammert sich an Bass Arm.
„Ihr könnt uns doch nicht einfach hier alleine lassen!“
„Megaman, würdest du bitte deine Freundin von mir runterzerren?“ Ein paar Sekunden später reibt sich Bass seine Arm.
„Du hast einen verdammt festen Griff.“ Protoman verschränkt die Arme vor der Brust.
„Dann also nur wir zwei. Das wird lustig.“
„Vor allem, wenn du schreiend davon läufst.“
„Das wirst dann wohl eher du tun.“ Gegenseitig böse Blicke zuwerfend betreten sie den Friedhof und sind schon bald aus dem Blickfeld der anderen verschwunden während der Nebel immer dichter wird.

„Weg!? Was soll das heißen sie sind weg?!“ Dr. Hikari geht einen Schritt zurück während Yuna ihn anfaucht.
„Ich wollte nach ihnen sehen und da waren sie nicht mehr da.“ Maylu legt nachdenklich ihre Hand unter das Kinn.
„Jetzt wissen wir zumindest, wer das Haus von oben bis unten bemalt hat.“
„Wir müssen sie finden, bevor sie noch mehr anstellen!“ Yuna läuft an den anderen vorbei und nach draußen. Die anderen folgen ihr, bemüht sie wieder einzuholen.

Protoman und Bass laufen langsam den Weg entlang, der einmal über den Friedhof und wieder zurück führt. Bis auf das Geräusch einer Eule ist es totenstill. Vor ein paar Minuten noch so gelassen haben beide nun einen etwas besorgten Gesichtsausdruck, versuchen es aber vor dem anderen zu verbergen. Ein leichter Wind lässt die schon teilweise nackten Äste der Bäume hin und her bewegen. Ein paar Blätter fliegen durch die Luft, fortgetragen durch den Wind. Der Nebel hat sich noch weiter verdichtet und man kann nur noch ein paar Meter weit etwas sehen.
„Wie ein gemütlicher Abendspaziergang.“ Protomans Stimme zittert doch ein bisschen.
„Ich sagte doch, es ist nichts dabei nachts über einen Friedhof zu gehen. Hier gibt es nichts, wovor man sich fürchten müsste.“ Bass sieht sich dabei etwas nervös um. Ein Knacken hinter ihnen lässt beider herumfahren.
„Hast du das auch gehört, Bass?“
„Das war sicher nur der Wind. Da ist irgendein Ast abgebrochen. Lass uns weitergehen.“ Beide setzen ihren Weg fort, nicht ohne sich weiterhin nervös umzusehen.

Vor dem Friendhof stehen Megaman und die anderen. Roll legt den Kopf schief.
„Ist euch eigentlich mal aufgefallen, dass der Nebel nur über dem Friedhof liegt? Findet ihr das nicht auch merkwürdig?“ Im selben Moment werden sie aus ihren Gedanken gerissen.
„Da seit ihr ja!“ Die Truppe um Lan bleibt vor den Netnavis stehen. Yuna setzt sofort ein ernstes Gesicht auf.
„Ich hoffe, ihr habt eine gute Ausrede!“
„Bass ist schuld, er hat uns angestiftet.“, schießt es sofort aus Roll. Doch Yunas ernster Blick versteift sich plötzlich.
„Sagt mal, wo sind eigentlich Protoman und Bass?“
„Die sind wegen so einer blöden Wette auf den Friedhof gegangen.“ Megaman zeigt auf den Weg hinter ihnen, der direkt in den Friedhof führt. Yuna verdreht die Augen.
„Wieso überrascht mich das nicht. Der Friedhof ist groß. Die finde wir nicht so schnell, wenn wir reingehen. Am Besten warten wir, bis die beiden Idioten wieder rauskommen.“

Die Hälfte der Strecke haben Protoman und Bass nun hinter sich.
„Wie lange es wohl noch dauert, bis wir das Ende erreicht haben?“
„Angst, Protoman?“
„So ein Quatsch, aber die anderen warten auf uns.“ Wieder ertönt hinter ihnen ein knacken, gefolgt von einem seltsamen, gequälten Heulen. Beide drehen sich schlagartig um, können aber durch den Nebel nichts erkennen. Wieder ist alles totenstill. Selbst der Wind hat aufgehört. Trotzdem scheint es noch kälter geworden zu sein.
„Glaubst du immer noch, dass das der Wind war, Bass?“
„Klar, es gibt keine Geister.“
„Na ja, wenn man bedenkt, dass es gerade vollkommen windstill ist.“
„Vielleicht war es auch ein streunendes Tier. Du bist ja wirklich nervös. Du hast Angst, gibt es zu.“
„Ich hab keine Angst!“
„Dann gehen wir also weiter.“ Als die beiden den Weg weitergehen bemerken sie nicht die weiße Gestalt hinter ihnen.
„Findest du es nicht auch plötzlich so kalt, Bass?“
„Ich muss zugeben, ein bisschen kalt ist mir jetzt auch. Liegt wohl am Nebel.“
„Du findest wohl für alles einen Grund.“
„Ach bitte. Es gibt für alles eine logische Erklärung.“
„Du versuchst dir das bloß einzureden, weil du Angst hast, Bass.“
„Wenn hier einer Angst hat, dann du. Wer von uns denkt denn ständig, dass hier etwas nicht stimmt. Du bist paranoid.“ Ein heftiger Wind von hinten lässt die beiden wieder zum Stehen kommen und ein lautes Stöhnen einer weiblichen Stimme erfüllt die Luft.
„Und wie erklärst du dir das, Bass?“
„Vielleicht liegt hier ja irgendwo ein Pärchen im Busch.“
„Du und dein Humor.“
„Eine andere Erklärung hab ich auch nicht.“ Wieder dieses Stöhnen, doch dieses Mal direkt hinter ihnen.
„Okay, vergiss was ich eben gesagt habe, Protoman.“ Schwer schluckend drehen sich die beide Netnavis langsam um. Doch hinter ihnen ist nichts zu sehen. Dieses Mal platzt Bass der Kragen.
„Verdammt! Wer immer du bist, komm raus!“ Nichts passiert.
„Vielleicht haben wir uns das auch nur eingebildet, Bass. Den Menschen spielt die eigenen Fantasie auch manchmal einen Streich.“
„Lass uns hier verschwinden, bevor ich mich vergesse.“ Sie drehen sich gerade um, als es wieder hinter ihnen knackt. Sofort drehen sie sich zurück und augenblicklich verschwindet jede Farbe aus ihren Gesichtern. Ein kleines Stück hinter ihnen steht eine weiße Frauengestalt. Man kann nichts genaues erkennen, aber ein Kleid weht im nun neu auftretenden Wind und das Geheule setzt wieder ein.
„Na, hast du dafür auch eine Erklärung, Bass?“
„Nein.“

„Wo bleiben die beiden denn so lange? Sie müssten eigentlich schon längst zurück sein. Verlaufen können sie sich nicht. Wobei man das bei den Beiden natürlich nie sagen kann.“ Ein lauter Schrei der beiden genannten reißt sie aus ihren Überlegungen. Maylu schlägt sich die Hände vor den Mund.
„Oh Gott, ist etwa etwas passiert?“
„Mh.“ Yuna läuft nun selbst den Weg entlang und den beiden Netnavis entgegen. Die anderen zögern erst, laufen ihr dann aber doch hinterher. Yuna wird jedoch recht schnell gestoppt als sie in jemanden reinläuft. Beide fallen nach hinten.
„Aua, was zum...“ Die Antwort erübrigt sich, als sie Bass vor sich liegen sieht. Protoman steht daneben. Auch der Rest stößt nun zu den dreien. Yuna rappelt sich auf, während Bass scheinbar ohnmächtig am Boden liegenbleibt.
„Was ist denn passiert? Ihr seht aus, als hättet ihr einen Geist gesehen.“
„Das haben wir auch! Er...!“ Protoman dreht sich um, aber hinter ihnen ist nichts.
„Er war gerade noch hinter uns.“ Yuna verschränkt die Arme vor der Brust.
„Willst du mich veralbern? Es gibt keine Geister.“
„Aber ich schwöre dir, wir haben einen gesehen! Es war eine Frau die weiß geleuchtet hat, von oben bis unten!“
„Ich glaube ihr habt euch in eurer Angst was eingebildet.“
„Aber wir haben auch das Stöhnen und Schreien gehört! Das war keine Einbildung!“ Yuna versucht den noch immer ohnmächtigen Bass wieder aufzuwecken, ohne Erfolg.
„Ich sage dir, ihr habt euch aus Angst etwas eingebildet. Wir bringen euch jetzt zurück zu den Cylabs. Dr. Hikari hat das Programm nämlich wieder in Gang bekommen. Helft mir Bass zu tragen. Der kommt wohl so schnell nicht wieder zu sich.“ Gemeinsam verlassen sie den Friedhof. Doch keiner bemerkt die weiße Gestalt, die ihnen hinterhersieht.

Am nächsten Morgen scheint alles wieder beim Alten zu sein. Die Netnavis sind wieder in ihren PETs. Doch es geht zur Zeit durch den Nachrichten, das einige Häuser letzte Nacht verwüstet wurden. Dazu gehört ein Haus, das von oben bis unten mit Farbe bemalt war, ein Vorgarten, der in die Luft gesprengt wurde, Ein Haus dessen Dach spurlos verschwunden ist und noch mehr solcher kuriosen Geschichten. Das war ein Halloween, das DenTech City nicht so schnell vergessen wird und einige Netnavis ebenfalls nicht.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast