Geschichte: Fanfiction / Bücher / Bis(s) / Downpour

Downpour

GeschichteDrama, Romanze / P18
Jasper Whitlock Hale Maria & Nettie & Lucy OC (Own Character)
03.10.2011
01.08.2020
58
144.438
31
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01.08.2020 2.995
 
57: when fire meets fate

Severin krachte mit vollem Schwung in mich, stieß sich jedoch sofort wieder ab und sprang zur Seite. Ich hatte meinen Arm gehoben, um ihn abzufangen, die Füße fest in den Boden gegraben. Ein kurzes Stück schob er mich durch den Morast, doch um mich zu Fall zu bringen, reichte es nicht aus. Er fürchtete das Feuer, hatte daher zu schnell von mir abgelassen. Das Biest in mich jauchzte vor Freude, als ich die Energie seines Angriffs für mich nutze und ihm hinterher hechtete. Ich war nicht dumm. Severin war über tausend Jahre alt. Er war stark und er war trainiert. Solange ich Benjamins Fähigkeit hatte, war ich gegen ihn geschützt. Doch ich war ihm nicht überlegen. Nicht allein.

    Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Jasper uns überholte, im selben Moment, als ich zum Sprung ansetze. Severin blieb stehen, mir zugewandt. Er ahmte mich nach. Meinen Sprung fing er ab, wich mit der nächsten Drehung jedoch zur Seite aus, sodass ich im Morast landete. Ich rollte mich über die Schulter ab, richtete mich sofort wieder auf und wandte mich ihm erneut zu. Jasper hatte Severin von der anderen Seite angegriffen. Er griff nach seinem Arm, drehte ihn herum. Doch Severin war schneller. Er trat nach Jasper, stieß ihn so von sich, nur um im nächsten Moment meinen erneuten Angriff abzublocken.

Dieses Mal hatte ich seinen Arm ergriffen. Einen gezielten Schlag gegen die Schulter und genügend Zug und wir hätten einen Vorteil für uns. Doch Severin griff plötzlich nach meinem Dutt. Mit einem festen Ruck riss er an meinen Haaren, überdehnte so meinen Rücken. Ich wusste, dass er mich so in die Knie zwingen wollte. Dass er so mein Gesicht berühren wollte, um mir Benjamins Fähigkeit zu nehmen. Doch ich war schneller. Noch bevor er mich weit genug nach unten gerissen hatte, schlugen die Flammen meinen Oberkörper empor, über meinen Nacken und Hals hinauf zu meinem Gesicht. Die Helligkeit brannte unangenehm, doch es war nicht für lange. Jasper hatte wieder nach ihm gegriffen, riss ihn herum und brachte ihn mit einem Wurf über seine Schulter zu Boden. Ich stürzte ebenfalls, stieß dabei ein Keuchen aus. Aber das Biest in mir war sofort wieder auf den Beinen.

Jasper hatte Severin zu Boden gerungen. Er saß auf ihm, versuchte so seine Beine auf dem Boden zu halten. Doch Severin schrie und knurrte. Stemmte sich mit aller Kraft gegen Jasper. Mit den Händen versuchte er nach ihm greifen, doch Jasper zerrte an ihm. So wie ich es mit Acht getan hatte. Mit der nächsten Drehung war ich wieder auf den Beinen, hechtete in seine Richtung. Jedoch erkannte ich zu spät den zweiten Vampir, der von der Seite auf uns zugestürzt kam. Er krachte in mich, riss mich mit. Rollte mit mir durch den Morast. Er blieb auf mir sitzen, hatte meine Hände ergriffen und hielt sie gefangen. Ich wollte mein Feuer für mich nutzen, doch es funktionierte nicht. Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass der Vampir, der meine Hände umklammert hielt, aus Eis bestand. Zumindest seine Hände waren pures Eis. Zwar konnte ich mit meinem Feuer dagegenhalten und es schmelzen, doch bildete sich sofort neues Eis. Mir entlockte es ein frustriertes Knurren, während der Vampir über mir fauchte. Sein Eis breitete sich aus. Griff nicht nur auf seine Arme über, sondern auch auf meine. Ich musste ihn los werden, bevor er mich in einen soliden Eisblock hüllte.

     Ich bäumte mich unter ihm auf. Die Beine fest auf den Boden gedrückt, versuchte ich eine Brücke zu bilden, um ihn von mir zu schmeißen, doch der Vampir war zu schwer. Ich stieß erneut ein Knurren aus, als es nicht funktionierte. Mit aller Kraft versuchte ich, eines meiner Beine zu befreien. Doch darauf schien der Vampir ebenfalls vorbereitet zu sein. Es war, als ob er wüsste, was mein nächster Schritt war. Immer, wenn ich eine Bewegung versuchte, war er da und blockierte sie. Es war zum Verrücktwerden. Das Biest in mir schrie frustriert. Und ich schrie mit ihm.

    Jedweder Wind erstarb mit einem Mal. Mit einem Schlag war der dichte Nebel wieder um uns herum. Er kroch über den Vampir. Durch jede Ritze und jede Öffnung. Er umschloss ihn, griff dann auch auf mich über. Es war nur der Bruchteil einer Sekunde vergangen, doch der Vampir vor mir war nicht mehr zu sehen. Und doch spürte ich ihn noch. Sein Gewicht war auf mir. Aber ich hörte ihn nicht. Ich hörte rein gar nichts. Und ich sah auch rein gar nichts, bis auf diesen alles durchdringenden Nebel. Es war alles weiß. Weiß, taub und leer.

Anders als ich ließ sich das Biest in mir jedoch nicht ablenken. Ihre Beute lag direkt vor ihm. Ich hatte noch nicht einmal realisiert, dass ich noch immer schrie. Ich schrie und schrie und schrie. Und dann war da mit einem Mal überall Feuer. Es war ein harter Kontrast zu dem weißen Nebel. Für einen Augenblick dachte ich, vollkommen blind zu sein. Doch dem Biest in mir war es egal. Für ihn war nur das Fletschen der Zähne wichtig, als mit einem Schlag jedes Gewicht von mir genommen wurde. Auch wenn der Nebel nahezu undurchdringbar war, so konnte ich durch ihn hindurch doch erkennen, wie der Vampir brennend rückwärts stolperte. Es waren nur wenige Sekunden, dann brach er still in sich zusammen und erneut war alles ruhig um mich herum.

Ich war mit der nächsten Bewegung aufgesprungen und versuchte mich zu beruhigen. Ich hatte Benjamin seine Fähigkeit vollständig genommen, als das Biest in mir randaliert hatte. Es wurde Zeit, mit der Peitsche zu knallen. Doch es half nicht. So sehr ich auch versuchte, mich zu beruhigen, in mir kochte und brodelte es. Ich war vollkommen auf mich allein gestellt. Da war niemand in meiner Nähe. Ich konnte nichts riechen, nichts sehen, nichts hören, nichts schmecken. Ich war mit einem Mal wieder der verängstige Vampir, der von Alec über Monate hinweg in der Finsternis gefangen gehalten worden war. Nur dass das hier keine Finsternis war. Es war nicht schwarz. Es war weiß. Alles. All die Wut in mir war mit einem Mal verflogen. Geblieben war ein großes, schwarzes Loch gefüllt mit reiner Panik.

Immer und immer wieder drehte ich mich um mich selbst, in der Hoffnung irgendwo auch nur ein Anzeichen von irgendwem zu sehen. Ich verlor den Halt, knallte erneut unsanft auf den Boden und blieb einfach sitzen. Zum ersten Mal seit langen fühlte ich mich wieder wie der junge Vampir, den man in Volterra allein zurückgelassen hatte. Einsam, verlassen und verloren. Der Vampir, der bereit war, alles aufzugeben und sich einfach nur irgendwo verstecken wollte.

    Den Kopf tief zwischen den Knien, die Hände in meinen Haaren vergraben, saß ich einfach nur da. Das hier war der größte aller Fehler gewesen. Ich hatte eine Fehlentscheidung getroffen. Ich hatte sie alle in den Tod geführt. Vor meinem inneren Auge sah ich sie alle vor mir liegen. Auseinandergerissen mit offenen Augen zu mir hinaufstarrend.

Der Nebel umgab mich wie eine feste Umarmung. Er kroch in jede Körperöffnung, verschlang alles, was von mir übriggeblieben war. Das Biest in mir verstand einfach nicht, warum ich einfach aufgab. Es schrie und fauchte, doch ich konnte mich nicht rühren. Etwas hielt mich gefangen. Etwas ließ mich verzweifeln.

Das Feuer war mittlerweile erloschen. Ich hatte keine Kraft mehr gehabt, es aufrecht zu erhalten. Die Verzweiflung war zu viel. Sie ließ keinen Platz für irgendetwas anderes. Doch sah ich, dass der Nebel sich abermals in Bewegung setzte. Aufgewirbelt wurde, als eine erneute Brise durch die Äste fegte.

Ich konnte den Luftwirbeln dabei zusehen, wie sie den Nebel vor sich hertrieben. Es war, als würde der Nebel versuchen, dem Wind zu entkommen, doch hatte er keine Chance. Der Wind nahm zu, wurde energischer, deutlicher, stärker. Und mit einem Mal war es, als ob jemand einen Vorhang hinabriss.

Mit einem Schlag konnte ich wieder klar denken. Ich war nicht schwach. Ich war nicht länger der unsichere Vampir, der in Volterra zum Sterben zurückgelassen worden war. Das hier war jetzt meine Stadt. Meine Vampire. Mein Krieg.

    Der Wind nahm weiter zu, während ich langsam aufsah. Zerrte an mir, als ob er versuchen würde, mich zum Aufstehen zu bewegen. Es war der Moment, in dem mir bewusstwurde, dass der Nebel schuld an der Verzweiflung war. Es war die Fähigkeit eines anderen Vampirs.

Abermals konzentrierte ich mich auf meine Finger. Versuchte mich an Benjamins Fähigkeit zu erinnern. Nicht an das Feuer. Auch wenn es mein Element war, war Feuer hier fehl am Platz.

    Benjamin hatte mir damals gezeigt, wie man alle Elemente spürte. Wie man sie für sich gewann und nach dem eigenen Willen formte. Dabei ich gelernt, dass das Feuer meins war. Dass es tief in mir brannte. So bescheuert es auch klang, innerlich schien ich wirklich zu brennen. Deshalb war es mir möglich, Feuer zu erzeugen. Selbst da, wo keines loderte. Benjamin selbst konnte es nicht. Er brannte nicht. Er war frei, ungebändigt und roh.

Als ich Benjamins Fähigkeit begriffen hatte, war ich davon ausgegangen, dass er Wasser war. Doch je besser ich ihn kennengelernt hatte, desto deutlicher war mir mein Fehler geworden. Wasser war nicht frei. Wasser suchte sich zwar seinen Weg, allerdings immer den des geringsten Widerstandes. Und das war Benjamin nicht. Benjamin zögerte nicht. Alles und jeden, der sich zwischen ihn und sein Ziel stellte, wurde gnadenlos niedergerissen. Benjamin war der Wind.

    Ich griff nach einem der Luftströme. Der Hauch einer Idee, die ich benötigte, um sie selbst umzusetzen. Es war wie ein Puppenspiel und meine Finger waren die Fänden. Mit einem Schlenker befahl ich ihm zuzunehmen, mit einer Drehung die Richtung zu ändern. Ich nahm Benjamins Wind auf, befahl ihm noch stärker zu wehen, den Nebel weiter auseinandertreibend.

Und dann waren da mit einem Mal wieder Stimmen. Zuerst nur leises Gemurmel, was ich zuerst auf den Wind schob. Doch je lauter der Wind durch das Unterholz heulte, desto deutlicher hoben sich die Stimmen ab. Und dann waren sie so deutlich, dass ich nur eine Richtung ermitteln konnte, sondern auch noch Jaspers Knurren. Noch während mein Verstand begriff, rannte ich los.

Ich hatte Jasper bereits zornig gehört, glücklich und verletzt. Doch nie schmerzverzerrt. Dieser klagende, verzerrte Laut reichte für mich, um das Biest in mir zu überzeugen, erneut die Führung zu übernehmen. Ich ließ mich von den Stimmen leiten. Neben Jaspers Knurren war jetzt auch Severins Lachen deutlich zu hören. Etwas, was das Biest in mir weiter wüten ließ. In dem weißen Nebel sah ich die ersten Schemen vor mir. Ein großer ineinander verkeilter Haufen, der sich vom weißen Hintergrund abhob.

Ich befahl dem Wind, mir Platz zu machen. Noch bevor ich überhaupt einen logischen Plan gefasst hatte – noch bevor mein Verstand überhaupt einen Gedanken an das Was verschwendet hatte – hatte ich zum Sprung angesetzt.

    Es war ein rein intuitiver Angriff. Das Biest in mir wollte einfach zerfleischen, egal was, egal wen. Ich griff nach der ersten Schattengestalt, ohne dass es mich interessierte, wer es war. Die Energie des Sprungs ausnutzend, riss ich den Schemen mit mir, rollte mich über die Schulter ab und schmiss den Schatten mit letzter Kraft von mir. Ich hörte Severin vor mir schreien, wandte mich aber noch im selben Moment zu dem zweiten Schatten hinter mir um. Jasper lag auf dem Rücken, tief in die Erde geschlagen. Die Hand fest auf seinen Hals gepresst, sprang er im nächsten Moment jedoch zu meiner Erleichterung wieder auf. Unsere Blicke begegneten sich für einen kurzen Augenblick, eine kurze Vergewisserung, dass es uns beiden gutging. Dann wandten wir uns zeitgleich wieder Severin zu.

Severin war ins Unterholz gekracht, jedoch genauso schnell wieder auf den Beinen, wie wir es waren. Sein Gesicht war noch immer vor Zorn zu einer grotesken Maske verzogen. Sein Hemd war zerrissen, ebenso seine Haut an einigen Stellen. Jasper hatte ganze Arbeit geleistet. Deutlich waren die Sehnen seiner rechten Schulter zu sehen, der Knochen durch die Haut gebrochen. Dicke Kratzspuren an seinem Hals und dort, wo sein linkes Auge sein sollte, klaffte ein großes, leeres Loch. Und obwohl Jasper ihm offensichtlich so zugesetzt hatte, hatte es nicht gereicht. Es schien ihn nicht einmal zu stören. Es schien tatsächlich das Gegenteil der Fall zu sein.

Severins Schrei ging nahtlos in ein unbändiges Knurren über, als er mich erkannte. Die Hände zu Fäusten geballt, starrte er abwechselnd von mir zu Jasper. Doch blieb sein Blick für einen Moment länger auf mir liegen, im selben Augenblick, in dem er einen Satz nach vorn machte.

    Dieses Mal war er derjenige, der sich blindlinks in den Kampf stürzte. Der Wind erstarb im nächsten Augenblick, als ich mich abermals auf das Feuer konzentrierte. Garrett hatte mir beigebracht, nicht auszuweichen. Ich konnte Benjamins Fähigkeit benutzen, um einen Angriff abzufangen. Und einen Angriff abzufangen, war essenziell, um die Oberhand zurückzugewinnen. Severin war jedoch nicht Acht oder Neun, die blind vor Wut alles und jeden vergaßen. Er erkannte das Feuer rechtzeitig, kurz bevor er in mich krachte. Die Füße fest in den Boden gerammt, schien er zu versuchen, den Angriff abzubrechen.

Das Biest in mir brauchte keinen Schlachtplan, keinen logischen Gedanken. Dass Severin seinen Angriff abbrach, kam einem Triumph gleich. Ein Triumph, der dafür sorgte, dass das Monster in mir in den Gegenangriff überging. Das Biest folgte Severin. Hechtete ihm hinterher, während das Feuer über seine Arme leckte. Doch schien er genau damit gerechnet zu haben. Noch mitten in der Bewegung schlug er einen Haken und preschte mit einem Mal an mir vorbei. Ich stieß ein Knurren aus, als Severin sich plötzlich auf Jasper stürzte.

    Es kam einem Donnerschlag gleich, als er in Jasper krachte. Jasper hatte den Angriff ebenso abgefangen, wie ich es vorgehabt hatte. Den Arm als Schutz vor seinen Zähnen erhoben, nutzte Jasper die Energie des Angriffs. Er ließ sich nach hinten fallen. Und mit einem Ruck hatte er Severin erneut von sich geworfen. Jetzt war ich diejenige, die an Jasper vorbei preschte.

    Severin war noch nicht einmal auf dem Boden aufgeschlagen, da war ich bereits auf ihm. Wir donnerten beide in den Morast. Ich auf ihm, mit den Händen sein Gesicht fest ins Unterholz gedrückt. Meine Finger fest in dem Loch verkantet, das vorher sein Auge war, bockte er unter mir. Versuchte so, mich abzuwerfen. Doch das Biest in mir ließ sich nicht so leicht abschütteln. Erst recht nicht mit einer Fähigkeit wie Benjamins. Das Feuer brannte in meinen Augen und dieses Mal war es so heiß, dass selbst das Leder meiner Handschuhe dem nicht standhielt. Doch das war gerade egal. Ich stand in Flammen und der Vampir unter mir hatte dem nichts entgegenzusetzen. Sein Knurren verwandelte sich in ein lautes Schreien. Er bockte stärker, als das Feuer auf ihn übergriff. Über Haare, Gesicht und Kleider leckte und alles verbrannte. Doch ich rührte mich nicht. Ich brannte und der Vampir unter mir, dem ich so viel Leid zu verdanken hatte, mit mir.



Ich blieb stur auf ihm, die Hände fest in einem Gesicht vergraben. Selbst als er nicht mehr schrie und sich nicht mehr rührte, verharrte ich, während das Feuer weiter loderte. Trotzdem wollte das Biest in mir nicht loslassen. Es reagierte auf nichts anderes. Es ließ das Feuer lodern, als wolle es alle Reste von Severin vernichten. Es bekam noch nicht einmal mit, wie alle anderen Kämpfe zum Erliegen gekommen waren. Wie jeglicher Nebel verschwunden war. Geblieben war nur der gleichbleibende Regen, der ein monotones Dröhnen hinterließ. Ein heftiger Platzregen, der alle Spuren wegspülen wollte. Der mein Feuer in die Knie zwang.

   Mein ganzer Körper vibrierte, als der Vampir unter mir zu Staub und Asche zerbrach. Ich fiel vorn über, meine Finger gruben sich tief in den Morast. Die Zähne fest aufeinandergepresst, spürte ich das unterdrückte Knurren tief in mir. Vor meinen Augen brannten noch immer meine Flammen, auch wenn der Regen sie mittlerweile gelöscht hatte. Überall dort, wo die Hitze gewütet hatte und wo nun der kalte Regen draufpreschte, stiegen kleine Dampfschwaden auf. Severin war verschwunden. Geblieben war ein Haufen an Asche, der aufstobt, als die schweren Regentropfen auf die Erde prallten. Sie weichten den Boden weiter auf. Sorgen dafür, dass Asche versickerte und fortgespült wurde. Dass Severin verschwand. Und trotz des kalten Wassers, das mir über die Schultern lief, hörte ich nicht auf zu brennen. Nicht äußerlich, sondern innerlich.

Severin war tot. Der Vampir, der mich verwandelt hatte, der mich gequält und bedrängt hatte, er war tot. Vernichtet durch meine Hand, wenn auch nicht durch meine Fähigkeit.

Das Monster in mir jubelte. Schrie und tanzte. Ein Triumph, dem es seit seiner Geburt entgegengesehnt hatte. Den es sich wahrlich verdient hatte. Trotzdem war da mit einem Mal ein großes Loch in mir. Herausgebrannt. Zu Asche zerfallen. Severin war ein Teil von mir gewesen. Immer und zu jeder Gelegenheit. Ein kleiner Teufel, der in der Lage war, den eigenen Verstand jederzeit zu vergiften. Ich sollte froh über seinen Tod sein. Darüber, dass ich ihn mir selbst herausgerissen hatte wie ein übergroßes Geschwür. Doch hatte ich nicht mit dem Loch gerechnet, dass es hinterließ.

    Ich riss meine Finger aus der Erde, donnerte dann jedoch meine Faust erneut in den Boden. Immer und immer wieder. Es war dieser eine Moment der Erkenntnis. Dieses vergiftete Geschwür war zu groß gewesen und ich hatte es zu schnell herausgerissen. Severins Tod war für all die Qual, für die er verantwortlich war, viel zu schnell gewesen. Er hatte nicht gelitten. Er hatte nicht gebettelt. Er hatte nicht gefleht. So befriedigend sein Tod war, ich hatte meine Rache nicht bekommen. Das Biest in mir gab sich mit dem Zufrieden, was es bekommen hatte. Aber nicht ich.

Ich hatte vor gehabt ihn in Stücke zu reißen. Ihn mit Haut und Haar zu verschlingen, bis er um sein Leben bettelte, nur um ihn dann in der hintersten Ecke seines Verstandes zu vernichten. Doch jetzt? Jetzt war es vorbei. Ein für alle Mal. Und erneut stand ich vor einem Scherbenhaufen.
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