Geschichte: Fanfiction / Bücher / Bis(s) / Downpour

Downpour

GeschichteDrama, Romanze / P18
Jasper Whitlock Hale Maria & Nettie & Lucy OC (Own Character)
03.10.2011
12.09.2020
59
147.627
34
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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18.07.2020 1.706
 
56: hunter and hunted

Ich musste mich mit aller Kraft dazu zwingen ruhig zu bleiben. Das Biest in mir streckte und reckte sich. Fletschte die Zähne. Dehnte alle Muskeln und Sehnen in freudiger Erwartung dessen, was uns erwartete. Dank der Fähigkeit einer jungen Vampirin namens Sascha war ich in der Lage dazu, Severin zu beobachten. Durch die Augen eines Vogels, der nicht unweit über ihnen flog. Sascha war zu Lebzeiten gerade einmal fünfzehn geworden und mit ihrer Fähigkeit den Verstand der Tiere zu übernehmen, hatte sie bei Garrett ein neues Zuhause gefunden. Die Füße fest gegen den Boden gestemmt, hatte ich mir die Fähigkeit von ihr „geborgt“, nur um festzustellen, dass mich der Anblick von Severin innerlich zum Toben brachte.

    Mein Plan schien tatsächlich zu funktionieren. Nathan hatte ihm erzählt, dass ich mich mit den Hexen im Stadtpark traf, um ihnen zu helfen, Severin und seine Vampire zu vernichten. Und natürlich hatte Severin es sich nicht nehmen lassen, persönlich den Weg auf sich zu nehmen.

„Um sie von dem richtigen Standpunkt zu überzeugen“, hatte er Nathan erklärt. Das hatte mich bereits wütend gemacht. Doch je länger ich ihm folgte, desto mehr Zorn stieg in mir auf. Über das, was er getan hatte. Nicht nur, was er mir angetan hatte. Sondern über alles. Diesen ganzen gottverdammten Krieg.

Fünfzehn Vampire hatte Severin mitgenommen, wie erwartet. Die anderen drei hatte er in der Irrenanstalt zurückgelassen. Um für die Sicherheit zu sorgen, hatte er Nathan erklärt. Drei Vampire, um die sich Peter und Charlotte kümmern würden.

Jasper griff mit einem Mal nach meiner Hand, was dafür sorgte, dass mein Verstand wie ein Gummizug zurück in meinen Körper schnellte. Für einen kurzen Moment war ich verwirrt, die Welt nicht mehr von oben zu sehen. Doch schnell hatte ich mich wieder gefangen.

„Sie sind fast hier“, kam es im selben Moment von Jasper, ehe er meine Hand wieder losließ und neben mir Stellung bezog. „Die anderen Vampire halten sich verdeckt.“

    Benjamin, der links von mir stand, stieß ein Seufzen aus, ehe er meine andere Hand ergriff, damit ich seine Fähigkeit wieder teilen konnte.

„Ich hoffe, dass sie sich gut verstecken“, erklärte er leise, straffte dann jedoch die Schultern. „Der kleine Versteckzauber der Hexen wäre jetzt hilfreich.“

„Nächstes Mal vielleicht“, lautete meine einfache Antwort, fokussiert darauf, wann ich sie das erste Mal hören würde, während Benjamin nur lachte. Im nächsten Moment war auch in einem der Bäume verschwunden. Nur Jasper und ich würden Severin entgegentreten. Offiziell.

Das Biest in mir fauchte und schrie, als Severin mit einem Mal auf die Lichtung trat, die ich mir ausgesucht hatte. Der Boden war schön morastig, sodass man ein kleines Stück einsackte. Es war ideal gewesen, um die Spuren der anderen zu verdecken. Für einen kurzen Moment wirkte er verwirrt. Doch dann entdeckte Severin mich. Er stieß Nathan grob zur Seite, stürzte in meine Richtung, stockte jedoch, als Jasper mit einem Mal vortrat und sich vor mich schob. Er hatte es mir gesagt. Er würde zwischen mir und Severin stehen, solange er könnte. Er würde nicht noch einmal zulassen, dass er mir so nahe kam wie in der Irrenanstalt. Ich hatte ihn gewähren lassen. Jetzt jedoch, mit dem Rücken zu mir gewandt, musste ich dem Drang widerstehen, ihn zurückzuziehen. Stattdessen versuchte ich mich auf einen Ast hinter Severin zu konzentrieren.

    „Was hat das zu bedeuten?“, donnerte mit einem Mal seine Stimme, während sein Blick abwechselnd von mir zu Jasper glitt.

„Das geht dich nichts an“, erwiderte ich schließlich ebenso streng, versuchte dabei aber ruhig zu bleiben. „Was willst du hier?“

Entgeistert starrte er mich an. Es war ihm deutlich anzusehen, dass ihm meine Art missfiel. Trotzdem blieb sein Blick immer wieder auf Jasper liegen, fast als müsse er abwiegen, welches von uns das größere Hindernis war.

Langsam trat ein Vampir nach dem anderen aus den Schatten hinter Severin. Sie lauerten allesamt wie gehetzte Tiere hinter ihm. Ich kannte einige von Ihnen vom Sehen. Sie gehörten zu Maria. Einer von ihnen war der Freund von dem, den Eve in Dallas vernichtet hatte. Er hatte direkt neben ihm gestanden, als er ausgetrocknet war.

    „Dein Vampir kam zu mir“, kam es im nächsten Moment von Severin. „Mit der Bitte, dich vor einem großen Fehler zu bewahren. Er sagte, dass du mit den Hexen einen Komplott gegen mich schmieden würdest.“

Von mir kam ein leises „Tz“ als Antwort. „Nach allem, was du mir angetan hast?“, fragte ich ihn. „Nachdem, was du mit mir versucht hast? Nachdem du mein French Quarter besetzt hast?“

Einige seiner Vampire fauchten, als meine Stimme lauter wurde. Doch eine einzige Handbewegung seinerseits reichte und sie waren ruhig.

„Mein Verhalten dir gegenüber war wirklich ungebührlich“, erklärte er im nächsten Moment mit zusammengebissenen Zähnen. „Und ich bitte dich diesbezüglich auch demütigst um Verzeihung. Die Besetzung des French Quarters war aber notwendig. Das war der eigentliche Grund, warum ich dich aufsuchte. Nur wurde ich von meinen Gefühlen wohl … übermannt.“

    Jasper stieß ein warnendes Knurren aus, als Severin einen weiteren Schritt in meine Richtung trat.

„Du musst verstehen, dass ich einen Platz benötigte, um meine Vampire unterzubringen, damit Maria sie nicht an Caius verkaufen konnte.“ Sein Blick lag weiterhin auf Jasper, die Augenbrauen wütend zusammengezogen und die Hände zu Fäusten geballt. „Erklär mir, was hier los ist. Wo sind die Hexen?“

Ich stieß ein verächtliches Schnauben aus. „Ich schulde dir keine Erklärung“, erwiderte ich schließlich, während ich mir schwarze Lederhandschuhe überzog. Eine Vorsichtsmaßnahme, um nicht aus Versehen eine andere Fähigkeit zu übernehmen.

„Aber lass es mich für dich deutlicher machen. Es wird kein Königreich geben. Es wird kein uns geben. Es wird keinen gemeinsamen Kampf gegen Maria geben. Heute Nacht wird einer von uns beiden sterben.“

Ungläubig starrte Severin mich an. Den Mund leicht geöffnet, die Augen vor Überraschung geweitet. Doch mit einem Mal verzogen sich seine Mundwinkel zu einem breiten Grinsen und sein lautes Lachen donnerte durch den Park.

„Du überschätzt dich“, stieß er schließlich aus, nachdem er sich wieder ein wenig beruhigt hatte. Sein Ausdruck wandelte sich. Von Überraschung hin zu Zorn. Jasper schien vergessen. Er trat einen weiteren Schritt in meine Richtung, vollkommen auf mich fixiert.

„Ich habe hier fünfzehn der stärksten Vampire, die ich jemals erschaffen habe“, fauchte er weiter. Seine Stimme wurde immer leiser, kam schließlich einem Zischen gleich. „Ihr seid zu zweit. Zwei Vampire mit Mittelklasse-Fähigkeiten. Und ihr denkt, ihr könnt mich besiegen? Du bist ein Niemand, mein kleines Vögelchen. Ein verschrecktes Kind, das erst durch mich begriffen hat, wozu es im Stande ist! Wenn du denkst, dass du hier heute wirklich stirbst, dann muss ich dich enttäuschen.“

    Er stieß ein Knurren aus, was zwei seiner Vampire dazu bewegte, zu ihm aufzuschließen.

„Ich werde dafür sorgen, dass du überlebst“, erklärte er mir weiter, während er die Hand des einen ergriff. Dichter Nebel kroch mit einem Mal aus dem Boden und dem Unterholz. Kein natürlicher Nebel. Ich musste kein Vampir sein, um das zu erkennen. Zu riechen. Zu schmecken. Er umschloss uns alle, stieg immer weiter auf und machte es selbst uns schwer, noch die Hand vor Augen zu sehen. Doch nur Severin schien von dem Nebel nicht betroffen zu sein.

„Du wirst an meiner Seite stehen“, hörte ich ihn erneut sagen, während ich begriff, dass der Vampir neben ihm schuld daran war, dass der Nebel ihn nicht zu berühren schien.

„Ich werde dafür Sorge tragen, dass du jeden einzelnen Moment des Todes deines Freundes genießen wirst. Und anschließend wirst du in Ketten geschlagen an meiner Seite stehen.“

Eine kalte Böe fegte mit einem Mal durch den Nebel. Zwar war der Wind nicht stark genug, den Nebel komplett aufzulösen, aber er lockerte ihn auf. Wirbelte ihn herum. Sorgte dafür, dass er keine reine Wand mehr zwischen Severin und mir bilden konnte. Ich wusste, dass Benjamin dafür verantwortlich war. Darauf bedacht, ihm seine Fähigkeit nicht ganz zu nehmen, konzentrierte ich mich auf das Feuer. Tief in meinen Fingerspitzen fühlte ich das bekannte Kribbeln. Das Leder störte es nicht. Ich entschied, wann das Feuer verbrannte und wann nicht. Eine weitere Böe, die den Nebel zwischen Severin und mir aufwirbelte, sodass ich ihn sehen konnte. Und er mich. Entgeistert erkannte er das Feuer, das über meine Arme leckte, als ich ihm ein süffisantes Grinsen schenkte.

„Du beweist nur wieder, wie wenig du wirklich über mich weißt“, erklärte ich ihm. „Ich war schwach, ja, aber ich war niemals allein.“

Unterholz knackte, Büsche brachen, Blätter raschelten, als die Vampire zu uns kamen. Severin und seine Horde umzingelten. Eine weitere Böe als Benjamin seinen Platz neben mir einnahm, gefolgt von Garrett. Unglaube hatte sich erneut auf Severins Züge gelegt. Irritiert drehte er sich um sich selbst, sein Blick huschte über jeden einzelnen Vampir, der immer näher rückte. Wir hatten sie eingekesselt. Nicht wir waren länger der Mittelpunkt alledem, jetzt war er es.  

    Mit einem Mal wandte er sich wieder mir zu, sein Gesicht abermals von Zorn zerfressen.

„Du wagst es, mich zu verarschen?“, stieß er aus. Die Hände zu Fäusten geballt, regte ich das Kinn trotzig nach vorn. Er wollte einen Satz nach vorn machen, strauchelte jedoch, als Jasper mit einem Mal ein lautes Knurren ausstieß. Ich spürte die Bedrohung, die von ihm ausging. Es war nicht Jasper selbst, sondern seine Fähigkeit. Er benutzte sie, um Severin und seine Vampire einzuschüchtern. Etwas, was bei seinen Vampiren wunderbar funktionierte. Sie wichen zurück, sträubten sich wie Katzen. Wie in die Enge getriebenes Vieh.

Mein Kopf war leer. Das Biest in mir scharrte mit den Füßen, bereit, sich auf seinen Gegner zu schmeißen und zu zerfleischen. Es war das erste Mal, dass ich mich ganz auf dieses Biest fokussierte. Dass ich dieses Biest rauslassen wollte. Ungezähmt. Ungebrochen. Ohne darüber nachzudenken trat ich an Jasper vorbei auf Severin zu. Das Feuer ließ ich an den Ärmeln meiner Lederjacke entlang lodern, während ich ihm ein schiefes Grinsen schenkte.

„Komm und hol mich, wenn du dich traust“, zischte ich ihm zu, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Und was immer das Biest in mir vorgehabt hatte, es hatte funktioniert. Er stieß einen Schrei aus, machte noch im gleichen Moment einen Satz auf mich zu. Das war es. Der eine Augenblick, in dem Hölle inmitten des undurchdringbaren Nebels ausbrach.
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