Geschichte: Fanfiction / Bücher / Bis(s) / Downpour

Downpour

GeschichteDrama, Romanze / P18
Jasper Whitlock Hale Maria & Nettie & Lucy OC (Own Character)
03.10.2011
12.09.2020
59
147.627
34
Alle Kapitel
96 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
03.10.2011 2.237
 
Downpour

„Unsere Bestimmung verfügt über uns, auch wenn wir sie noch nicht kennen;

es ist die Zukunft, die unserem Heute die Regel gibt.“

                                                                            - Friedrich Nietzsche



00: the beginning

„Gerade im Mittelalter zeigten sich die Foltermeister sehr kreativ. Ich denke, die folgenden Bilder brauchen keine nähere Erläuterung.“
Ohne ein weiteres Wort wandte der Professor sich wieder der Tafel zu und klickte mit seiner Fernbedienung die Bilder durch. Mich interessierten sie nicht wirklich. Ich konnte mir den Anblick von gepfählten, zerrissenen und gefolterten Menschen sparen. Aber zu einem gewissen Teil gehörte dies in die Geschichte der Psychologie. Es war kein Geheimnis, dass psychisch kranke Menschen zu damaliger Zeit solange gequält wurden, bis sie entweder starben oder andere „Symptome“ ihre Krankheit überdeckten.      
Ich achtete erst wieder auf den Professor, als die Bilderreihe ihr Ende fand. „Meine Damen und Herren, ein Letztes noch für diese Stunde. Sie alle wissen, dass kommenden Montag der Ausflug in das ehemalige Sanatorium ansteht. Zu diesem Zweck habe ich bereits vorab eine Gruppeneinteilung vorgenommen, in welchen Sie Ihre Studien durchführen werden. Die Liste finden Sie draußen vor der Tür. Vergessen Sie also Ihre bereits ausgesuchten Partner. Partnertausch wird es auch nicht geben. Ich hoffe, dass Sie die Ihnen gestellten Aufgaben ernstnehmen. Die Leistungen, die Sie erbringen werden, werden in Ihre Semesternote mit eingerechnet. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“
Wie auf Kommando fing alles um mich herum an zu rascheln. Unterlagen wurden zusammengeschoben und verstaut, die ersten Studenten stürmten bereits hinaus. Anstatt meine Sachen zu packen, vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen und stieß einen langen Seufzer aus. Ich hatte absolut keine Lust das alte Sanatorium zu besuchen, in dem man noch immer die Foltermethoden der Neuzeit bewundern konnte. Mitunter fragte ich mich wirklich, was mich geritten hatte, Psychologie zu studieren. So interessant das Thema anfangs auch schien, mit Professor Winston hatte sich der ganze Unterricht in ein Schreckenskabinett der Folterung verwandelt. Auch wenn es zur Geschichte dazugehörte, nahm der Professor es doch etwas zu ernst.

    Eine Hand auf meinem Rücken ließ mich aufschrecken. „Komm schon, Claire“, hörte ich meine beste Freundin Anna sagen, „oder willst du nicht wissen, mit wem du zusammenarbeiten darfst?“
„Eigentlich interessiert es mich recht wenig“, erwiderte ich ehrlich, raffte mich dann jedoch auf und verstaute meinen Schreibblock in meiner Tasche. Eigentlich hätte ich mich nicht wirklich beeilen müssen. Draußen vor der Tür scharrten sich noch immer fast alle Kursteilnehmer und suchten ihre Teampartner. Ich überließ es Anna sich durch die Menschenmenge zu quetschen. Sie war kleiner als ich und passte wesentlich besser zwischen den anderen hindurch. Meine Wenigkeit fand ihren Platz am Rand. Schon nach ein paar Sekunden kam Anna jedoch wieder auf mich zu gehüpft. „Wir arbeiten zusammen!“, stieß sie aus, war mir bereits im nächsten Moment um den Hals gefallen. Etwas halbherzig erwiderte ich ihre Umarmung.
„Und wer sind die anderen Idioten, die uns beide aushalten müssen?“, fragte ich lieber und machte mich mit ihr auf den Weg zur Mensa. „Hale und Cullen, die Neuen.“
Fragend zog ich die Augenbrauen in die Höhe. Die Neuen?
„Hast du das schon wieder nicht mitbekommen?“, bekam ich prompt den amüsierten Vorwurf zu hören. „Die sind doch mitten im Jahr zu uns gekommen. Die Hale-Zwillinge und Emmett Cullen. Wohnen alle bei den Cullens draußen in Fernan Lake Village. Der Vater ist Arzt im städtischen Krankenhaus hier.“ Anna stoppte ihre Erzählung, holte jetzt zum ersten Mal Luft. „Ich habe das alles von Rosalie Hale. Sitze zusammen mit ihr in Kunst“, brachte sie schließlich noch hervor, als Abrundung ihrer Erzählung.      
     Ich beneidete Anna um ihre Fähigkeit, gleich zwei Studiengänge zu belegen. Zum einen hatte sie sich mit mir auf Psychologie gestürzt, zum anderen hatte sie sich noch Kunstgeschichte ausgesucht, als sie ihren Vorlesungsplan für noch nicht voll genug erachtet hatte. Mir persönlich reichte Psychologie komplett, wobei ich davon ausging, dass sie dieses Fach nur genommen hatte, um mich nicht allein zu lassen.

„Ah ja“, war meine einzige Reaktion, während ich die Stirn runzelte und mir überlegte, ob ich die eben Genannten nicht doch schon kannte.
„Du wirst sie bestimmt gleich erkennen“, plapperte Anna weiter, zog mich bereits im nächsten Moment durch die Tür und blieb mit mir in der Mitte der Mensa stehen. Einmal drehte sie sich um ihre eigene Achse, stockte dann jedoch und zog mich trotz meines Protestes an ihre Seite.
„Da hinten“, erklärte sie mir und deutete auf den einen Tisch, den man ganz in die hinterste Ecke geschoben hatte und welcher halbwegs von einem großen Pfeiler verdeckt wurde. „Der Breite mit den braunen Haaren ist Emmett Cullen. Die hübsche Blondine neben ihm ist Rosalie Hale und der große Dünne mit den blonden Locken ist ihr Zwillingsbruder, Jasper Hale.“
Ich ließ meinen Blick abwechselnd über die Personen gleiten. Irgendetwas war anders an ihnen. Sie wirkten so fremd zwischen all den anderen Studenten. Nicht nur, dass sie einfach nur dort saßen und nicht redeten, auch ihr Äußeres passte einfach nicht hierher. Sie hatten etwas von perfekten Schaufensterpuppen an sich, die sich in unsere Stadt verirrt hatten.
    Genau das schien der Moment zu sein, in dem alle drei gleichzeitig auf Anna und mich aufmerksam wurden. Sie sahen von ihren unberührten Tabletts auf, starrten mich an. Während die Blicke von Emmett und Rosalie noch als relativ freundlich einzuschätzen waren, war der Blick von Jasper einfach nur eisig. Ein kalter Schauer schoss mir den Rücken hinab, ließ mich schaudern. „Gut zu wissen“, erwiderte ich schließlich leise auf Annas Vorstellung und setzte mich schlussendlich an einen der Tische. Anna folgte mir bald.

„Okay“, fing sie an, als ich keine Anstalten machte, etwas zu sagen. „Rosalie hat ihn eindeutig netter beschrieben.“ Ich blickte von meinem Sandwich auf.
„Netter?“, fragte ich nach, wusste aber sofort, dass sie von Jasper Hale sprach. „Nett sieht er ja aus, aber das andere ist fraglich. Aber wie kommt man bitte auf die bescheuerte Idee nach Idaho zu ziehen? Ich meine, sie sehen nicht gerade so aus, als ob sie das Landleben genießen würden.“
„Du bist ja auch noch immer hier“, knurrte Anna schon fast zurück, was mich irritiert aufblicken ließ. Was war denn nun auf einmal los? Schon fast wütend sah sie mich aus ihren blauen Augen an.
    „Ist ja gut“, versuchte ich sie zu beschwichtigen, „du vergisst, dass ich es schon einmal in Portland versucht habe. Aber gleich so eine Großstadt ist auch nicht das Wahre.“
Sie lenkte sofort wieder ein. „Apropos, was macht deine Mutter eigentlich so?“
Ich seufzte. Das leidliche Thema Mutter. Ich war sechs gewesen, als sie sich kurzentschlossen aus dem Staub gemacht und mich mit meinen drei älteren Brüdern bei meinem Vater zurückgelassen hatte. Als Begründung hatte sie mir später genannt, dass sie einfach keine Kraft mehr für uns Kinder gehabt hätte. Jetzt wusste ich nur noch von ihr, dass sie sich mit ihrem Stecher ein schönes Leben in Los Angeles machte.
„Wahrscheinlich sonnt sie sich gerade, während wir hier bei Regen versauern“, antwortete ich schließlich. „Aber wen interessiert das auch?“ Ich zuckte mit den Schultern.
    Anna wusste, dass das Thema nicht optimal für ein unterhaltsames Gespräch mit mir war. Ich hatte meiner Mom immer noch nicht verzeihen können, was vielleicht auch daran lag, dass sie sich einen Scheißdreck um mich kümmerte. „Nimm es nicht so schwer, Claire. Dafür kannst du es ihr nun zeigen.“ Annas Aufmunterungsversuche waren süß mit unter. „Hast du jetzt noch eine wichtige Vorlesung? Wenn nicht, habe ich eine bessere Idee.“
Ich schüttelte mit dem Kopf. „Psycho-Philosophie ruft“, gab ich zurück und erhob mich mit einem Seufzen, „da muss ich hin. Anders als du, darf ich da nicht schon wieder durch die Prüfung fallen, sonst sind meine Grundvoraussetzungen futsch und alles wäre umsonst gewesen. Ein anderes Mal gerne. Am besten nach unserem Ausflug ins Sanatorium. Danach kann ich bestimmt eine Aufmunterung gebrauchen.“ Ich zwinkerte ihr noch einmal zu, ehe ich mich auf den Weg machte.
     Als ich den Hörsaal betrat, war alles wie leergefegt. Selbst der Professor war noch nicht hier, um sich vorzubereiten. Na ja, mir war es recht. So bekam ich zumindest noch meinen Platz in der mittleren Reihe. Ich suchte mir meine Notizen von der letzten Stunde heraus, wobei ich nicht wirklich viel mitgeschrieben hatte. Sigmund Freuds Theorie des triebhaften „Es“ war nun wirklich nichts, was ich als spannend bezeichnete. Immerhin konnte man in der Zeit sein Schlafdefizit, welches sich durch die langen Nächte des Arbeitens gebildet hatte, wieder ausgleichen, und genau das würde ich auch in dieser Stunde machen. Hoffte ich zumindest.
   
    Ich hatte das Gefühl mich gerade erst auf meinem Teil des Tisches eingerollt zu haben, als ich ein leichtes Rascheln vernahm. Etwas irritiert starrte ich auf die weiße Jacke, die man auf den Tisch niedergelegt hatte. Neben der Jacke stand eine junge, wirklich umwerfend hübsche Frau, die ich bereits in der Mensa gesehen hatte. Rosalie Hale.
„Hier ist doch noch frei, oder?“, fragte sie mich leise, mit einer solch schönen Stimme, dass es mir abermals eiskalt den Rücken hinunterlief.
„Klar doch“, erwiderte ich etwas verwirrt, richtete mich auf und strich mir eine schwarze Strähne zurück, die sich aus meinem hohen Zopf gelöst hatte. Neben ihr tauchten auch noch die anderen beiden Herren auf. Ich versuchte sie nicht weiter zu beachten, dabei hatten sie schon etwas Interessantes an sich. „Ich wollte deinen Schönheitsschlaf nicht stören“, kam es von Rosalie, die meine Gesten wohl falsch interpretiert hatte.
„Nein, nein, alles in Ordnung.“ Ich rang mir ein leichtes Lächeln ab und rutschte auf meinem Stuhl etwas tiefer. Unwillkürlich huschte mein Blick wieder zu den drei Fremden. In einer Reihe saßen sie da, alle mit ihren hellen Augen stur geradeaus blickend. Wieder war es der große Dünne ganz außen, der alle anderen Mitstudenten, die sich wild tuschelnd unterhielten, angestrengt musterte. Ob es Boshaftigkeit war, was in seinen Augen lag, konnte ich nicht ausmachen. Was aber offensichtlich war, war dass er sich hier nicht wohlfühlte. Ich schluckte.
„Du bist Rosalie Hale, oder?“, hörte ich mich bereits im nächsten Moment selbst fragen, ohne vorher darüber nachzudenken. Sie sah mich kurz irritiert an, nickte dann jedoch. „Und du bist?“
Kurz musste ich überlegen, hatte für einen Augenblick doch tatsächlich meinen Namen vergessen. „Claire Jenkins“, erklärte ich schließlich nach einem unangenehmen Moment der Stille. Wie peinlich das doch war. „Du belegst nicht zufällig Psychologie?“, fragte ich schließlich weiter.
Doch Rosalie schüttelte mit dem Kopf. „Ich nicht, aber Jasper.“ Sie deutete auf den jungen Mann ganz außen, der sich kurz in ihre Richtung drehte und mich für den Moment stumm musterte.
„Okay“, nuschelte ich enttäuscht und starrte wieder geradeaus. Dafür war nun der andere in der Mitte auf mich aufmerksam geworden. „Du bist dann eine unserer Studienpartner, richtig? Deine Freundin aus der Mensa auch?“, fragte er mich und grinste mich um Rosalie herum an.      
   Ich fühlte, wie meine Wangen zu brennen begannen. Ich war kein Freund von Gesprächen mit Fremden. Zumindest nicht mit solchen. Irgendetwas war da an ihnen, was mir Angst machte. „Ähm … ja“, erwiderte ich schließlich nach einem kurzen Moment der Stille und rang mich zu einem verlegenen Lächeln durch. „So sieht's wohl aus.“
Von Emmett, wenn ich mich richtig an seinen Namen erinnerte, kam ein lautes Lachen. „Du brauchst keine Angst haben. Wir sind sehr umgänglich, auch wenn er nicht immer so aussieht.“ Zur Bestätigung schlug er seinem Sitznachbarn kräftig auf die Schulter, der ihn nur ebenso starr wie uns anderen musterte. Ich beließ es mit einem zaghaften Lächeln dabei. Die beiden, beziehungsweise die drei waren mir nicht wirklich geheuer. Plötzlich war der sterbenslangweilige Professor, der gerade hereinkam und seine Vorlesung beginnen wollte, wesentlich interessanter. Lange jedoch hielt meine Aufmerksamkeit nicht an.

Eine leichte Berührung an meiner Schulter ließ mich aus meinem Dämmerzustand schrecken.
    „Der Schönheitsschlaf war berechtigt“, hörte ich Rosalies leise Stimme neben mir, bevor sie sich erhob und sich umdrehte, um zu gehen. Ich nuschelte noch schnell ein leises Dankeschön hinterher, bevor ich mich auf die Beine kämpfte und den restlichen Studenten nach draußen folgte. Irgendwie verfluchte ich mich dafür, dass ich mir keine Jacke mitgenommen hatte, trotz des strömenden Regens. Na ja. Ich wickelte mich fester in meine Strickjacke und trat raus. Allzu weit war mein Weg zum Parkplatz nun auch wieder nicht. Den alten, schwarzen '74er Ford Mustang konnte ich auch schon von Weitem sehen. Irgendwie wirkte die Karre zwischen dem blauen Mazda und dem silbernen Geländewagen schon etwas schäbig. Doch irgendetwas stimmte an dem Geländewagen nicht, merkte ich, als ich auf mein Auto zu ging. Vielleicht lag es an den dreien, die gerade eben noch neben mir gesessen hatten und nun nacheinander in das Auto schlüpften. Ich verstand es nicht. Da war doch etwas, was sie versuchten zu verbergen. So weit war ich mir sicher. Intuition nannte man das wohl.
Ohne es richtig zu kontrollieren, hatte ich meinen Blick weiter auf dem Auto liegen, während ich an meinem ankam. Es war schließlich Jasper, der meinen Blick ohne Emotion erwiderte. Mir jagte es einen kalten Schauer über den Rücken und ich wurde das Gefühl nicht los, dass dies erst der Anfang von etwas Größerem war. Etwas, vor dem ich nicht davonlaufen konnte.
Review schreiben