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„Ich habe keine Angst“

von angel2011
GeschichteDrama / P12
Rin Sesshoumaru
02.10.2011
02.10.2011
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930
 
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02.10.2011 930
 
hey,

ich habe mich gefragt, wie Rins letzter Tag auf dieser Erde wohl abgelaufen sein könnte und wie Sesshoumaru darauf reagiert hat. Aus diesen Überlegungen ist dieser OS entstanden.


Viel Spaß beim lesen& lasst Reviews da :)







Sie nimmt seine Hand sanft in die ihre, streicht mit der anderen leicht über die umliegenden Blumen.
Er betrachtet sie von der Seite, lauscht ihrem leisen Atem und ihrem pochenden Herz.
Beide sitzen sie auf einer riesigen Blumenwiese, auf der Sesshoumaru sie geführt hatte.
Rin wendet ihm ihr Gesicht zu, schenkt ihm ihr Lächeln.
„Du wirkst so traurig.“
Er erwidert nichts. Kann nicht zugeben, wie die Trauer in diesem Moment auf seinen Brustkorb drückt und ihm das atmen erschwert.
„Ich muss immer an den Tag zurückdenken, als du mich mit Tensaiga wieder belebt hast. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens.“
Fragend blickt er sie von der Seite an. Sie lächelt und erzählt weiter, möchte ihm nichts verschweigen.
„Der allerschönste Tag meines Lebens jedoch war, als du mich von Tante Kaede abgeholt und wieder mit dir genommen hast. Ich war damals 16 Jahre alt.“
Er beobachtet sie dabei, wie sie verträumt ihre Augen schließt und dabei den Duft der Blumen einatmet.
„Damals hat sich mein größter Wunsch erfüllt, denn ich konnte den Rest meines Lebens an deiner Seite bleiben. Nichts habe ich mir in meinem langen Leben mehr gewünscht.“
Sie öffnet die Augen, welche solch eine Wärme ausstrahlen.
Sesshoumaru betrachtet sie weiterhin. Es schmerzt ihn, seine Rin so zu sehen und doch weiß er, dass es immer noch dieselbe Rin ist, die lachend von Ah-Uhns Rücken geklettert und begeistert Blumen für ihn gepflügt hatte. Sie hatte sich zwar Äußerlich verändert, doch ihre Seele war  über die Jahre gleich geblieben. Trotz ihres Alters hatte sie ihre fröhliche Art und ihre kindliche Neugier nie ganz abgelegt.
Ihre Blicke treffen sich. Es ist beinahe so, als könnte er durch ihre Augen direkt in ihre Seele blicken, welche noch immer so hell leuchtete.

Sie bemerkt seine betrübten Blicke, drückt seine Hand mit der ihren.
„Du musst mich gehen lassen, es ist Zeit.“
Er schüttelt den Kopf, kann es einfach nicht. Es ist viel zu früh.
„Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich weiß, was mich dort erwartet.“
Sie wendet sich ihm zu, hebt langsam ihre Hand und streichelt sanft seine Wange.
„Eines Tages werden wir uns wiedersehen, da bin ich mir sicher.“

Er schließt die Augen, genießt ihre Berührungen. Normalerweise müsste er weinen, doch Sesshoumaru, der mächtige Lord der westlichen Länder, weint nicht. Er ist dazu nicht in der Lage. Und doch spürt er die Stiche in seinem Herzen und will nicht wahrhaben, dass Rin ihn verlässt.
Er zieht sie beschützend in seine Arme, als könne er alles Unheil von ihr abhalten und sie zum bleiben bewegen. Auch wenn er weiß, dass es nicht zu verhindern ist.
Schließlich hatte er lang und breit nach Mitteln gesucht, Rin so lange wie möglich in dieser Welt zu halten. Mit Hilfe seines Heilers war sie auch älter als die meisten Menschen geworden, aber für ihn noch nicht alt genug.

„Wirst du an mich denken, wenn ich fort bin?“
Leise dringt  ihre Stimme an sein Ohr. Er nickt. Als könne er sie jemals vergessen.
Sie, die sein Herz erwärmt und ihn sogar zum Lächeln gebracht hatte. Sie hatte seine ganze Welt auf den Kopf gestellt, sein Weltbild verzerrt, sodass er nun sogar schon Menschen respektiert. All das war nur diesem kleinen Mädchen gelungen, welches seltsamerweise nie Angst vor ihm gehabt hatte. Eine Tatsache, die in schon immer fasziniert hatte.
Es würde einsam ohne sie werden. Erst jetzt, wo sie kurz davor war für immer zu gehen, rückt diese Emotion in den Vordergrund und lässt ihn beinahe verzweifeln. Er kann sich nicht vorstellen, nicht jeden Tag ihr Lächeln geschenkt zu bekommen und ihre leuchtenden Augen zu sehen, wenn sie von etwas fasziniert ist.
Wie diese Welt wohl ohne seine kleine Rin sein würde?

Über all dies denkt Sesshoumaru nach, doch nichts davon verlässt seinen Mund. In Form von Worten verstand er es sich schon immer schlecht, seine Gedanken und Gefühle mitzuteilen. Wollte es auch gar nicht.
Rin aber versteht ihn auch ohne Worte. So fest war das Band zwischen ihnen schon geknüpft. Sie spürt seine Angst und seine Trauer, drückt sich noch ein wenig fester an ihn, um ihm so den nötigen Trost zu schenken.
Sie hatte sich bereits damit abgefunden, diese Welt zu verlassen. Auch wenn sie ihn vermissen würde, so wusste sie tief in ihrem Inneren, das es richtig war, jetzt zu gehen. Sie war nur ein Mensch, ihre Zeit auf Erden war begrenzt. Und hieß es nicht immer, man solle gehen, wenn es am Schönsten ist?
Sie würde glücklich gehen, denn sie hatte ihre ganzes Leben mit Sesshoumaru verbracht, war mit ihm auf Reisen gewesen und durfte sogar sein Inneres kennenlernen. Denn nur ihr hatte er sich jemals so offenbart.

„Es ist ganz schön kalt hier“, flüstert sie. Das Sprechen fällt ihr schwer.
Sesshoumaru drückt sie noch ein wenig näher an sich und legt ihr sein Fell um die Schultern, möchte nicht, dass sie friert.
Zitternd hebt sie ihre Hand, streift seine empfindlichen Ohren, seinen Mund und seine Wange. Er wiederum schließt die Augen, konzentriert sich auf sie, will nichts vergessen. Er atmet ihren Duft ein und lauscht ihrem Herzschlag, welcher immer langsamer wird.
Sie lässt ihre Hand sinken, legt sie auf die Seine und ihre Finger verhaken sich ineinander.
Zufrieden lächelt sie ihm zu, lässt ihren Kopf auf seine Schulter sinken.
Dann, in Gegenwart ihres geliebten Sesshoumaru, schließt sie ihre Augen ein letztes Mal.
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