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Aus dem selben Holz geschnitzt

von PKA
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Cifer Almasy Edea Fujin Raijin Riona Heartilly Squall Leonhart
02.10.2011
12.04.2015
9
13.376
 
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02.10.2011 1.895
 
Cifer war selbst nicht ganz bewusst, warum er den Krater wieder aufsuchte. Wahrscheinlich, weil damit so viele Erinnerungen zusammenhingen.
Der Balamb-Garden stand zwar nicht mehr an seinem angetrauten Platz, dennoch waren die Formen und die Größe, die das gigantische Gebäude besaß, noch klar erkennbar. Die Erde war inzwischen stellenweise von Pflanzen bewachsen worden – In ein paar Jahren würde von dem erdig-braunen Loch nur noch eine bewachsene, kleine Mulde übrig sein, in die sich Kinder fröhlich rollend hinabkullern ließen.
Wenn der Balamb-Garden nicht wieder zurückkam, zumindest.
Cifer saß auf dem sonnenbeschienen Gras in der Nähe des Loches und malte sich aus, was geschähe, wenn er nicht wiederkäme. Er wusste nicht, wie Cids Pläne aussahen, wenn die Feierlichkeiten erst einmal vorüber waren. Momentan wurde Squall noch als Held der Nation gefeiert – Auch wenn nicht viele von seiner Weltrettung wussten. Und erst nach diesem Höhenflug würde sich für ihn und dem Balamb-Garden die Frage stellen, über die er selbst sich jetzt schon das Hirn zermarterte – Wie ging es weiter?
Der Galbadia-Garden war an seinen Platz zurückgekehrt – Durch die Schlacht der beiden Garden, die Cifer selbst angeführt hatte, war er schwer beschädigt worden. Die Leute in Fisherman's Horizon hatten sich zwar um ihn gekümmert, Cifer war allerdings vom Garden abgestiegen, bevor er in Richtung Galbadia weiterfliegen konnte, um sich mit einem neuen Direktor wieder auf seine alten, ausbildenden Geschäfte zu besinnen. Zu dieser Zeit war er auf dem Weg nach Esthar gewesen, um Adel aus ihrem Sarkophag im Weltall zu befreien.
Es war fast lachhaft, dass Cifer so unbeschadet aus der Lunatic Pandora entkommen war, nachdem die Zeitkompression eingesetzt hatte. Er hatte zwar nicht recht gewusst, was geschehen war, allerdings war fast sofortig die Macht, die Artemisia über ihn gehabt hatte, verflogen. Er war der Erste gewesen, der gewusst hatte, dass Squall gewonnen haben musste. Doch ob er es überlebt hatte, war lange Zeit unklar geblieben.
Cifer war sich sicher, dass er gespürt hätte, wenn seinem größten Widersacher etwas passiert wäre – Dennoch war die Ungewissheit geblieben. Eine schmachvolle Vorstellung, wie er jetzt erkannte. Squall hatte genug seiner »Freunde«, die sich um ihn kümmerten. Er war so schwach geworden. So verweichlicht. Cifer hatte ihn nach seinem Kampf in der Lunatic Pandora nicht mehr getroffen – Und auch wenn er damals verloren hatte, inzwischen wusste, wer der bessere Kämpfer war, ging er mit Squalls neuester Einstellung keineswegs konform.
Aber es war nicht seine Angelegenheit.
Es war unwahrscheinlich, dass sie sich in der nächsten Zeit treffen würden.
Dennoch saß er an dieser Mulde, als würde er darauf warten, dass der Balamb-Garden zurückgeflogen kam, seinen alten Platz einnahm, und die Traditionen weiterführte - Das normale Leben wieder seinen Lauf nahm.
Und dann? Für Cifer würde das Leben nie wieder so verlaufen, wie es damals gewesen war. Er hatte es vergeigt. Er wusste nur nicht, ob er darüber unglücklich sein sollte, oder nicht.
Wahrscheinlich würde er nie eine Arbeitsstelle finden, die ihn zufrieden stellte. Wahrscheinlich würde er für immer rastlos umherwandern, nur um ab und zu in Balamb zu landen und ein paar ruhige Tage zu genießen, während er in alten Zeiten schwelgte. Wahrscheinlich hatte er mit seiner Ausbildung, die sich auf das Kämpfen spezialisierte, alles verloren, in was er sich hätte beweisen können.
Cifer war nicht ganz klar gewesen, dass er den Balamb-Garden so vermissen würde. Die meiste Zeit, die er dort verbracht hatte, war nicht gerade glücklich gewesen. Und doch fehlte ihm der sterbenslangweilige Unterricht; der Ordnungsdienst, den er, Fu-Jin und Rai-Jin gebildet hatten; und vor allem die Nächte in der Übungshalle, in denen er sich durch den künstlichen Dschungel geschlagen hatte, seine Wut und seinen Zorn, der sich über den Tag angesammelt hatte, abbauen konnte, ab und an in Gesellschaft von Squall.
Squall. Wahrscheinlich war er der einzige Grund, warum ihm die Jahre im Balamb-Garden ein wenig Spaß gemacht hatten. Sein ewiger Gegner, sein Erzfeind, sozusagen. Er war seine Motivation gewesen – Wenn auch nicht immer. Als er SEED geworden war, war Cifer selbst durch die Prüfung gerasselt und hatte sogar einige unangenehme Konsequenzen für seine Taten tragen müssen – Squall und die anderen jedoch waren dafür entlohnt worden.
Es war so unfair gewesen. Er selbst hätte auch in dem Zug nach Timber sitzen können. Er hätte sich ebenfalls Rinoas Truppe anschließen können. Hätte sie beschützen können...
Stattdessen war er in Balamb geblieben, bis es ihm zu viel geworden war. Er war geflohen und hatte nie wieder zurück gesehen. Er hatte dem Balamb-Garden den Rücken gewandt; hatte sich der anderen Seite angeschlossen. Er hatte sich den Traum seiner Kindheit erfüllt. Er war ein Hexenritter geworden.
Wenn er sich nun die Schicksalswendung ansah - den Fakt, dass Squall jetzt derjenige war, der eine Hexe beschützte und er selbst nur untätig herum saß und in der Vergangenheit lebte - packte ihn die Wut. Cifer war nicht klar, warum es immer Squall gewesen war, der den Ruhm eingesackt hatte. Derjenige, der immer besser behandelt worden war, obwohl sie innerlich gleich gewesen waren.
Nicht mal er selbst konnte Squall dafür hassen – Und dafür hasste er sich selbst.
Squall hatte Freunde gefunden – Es schien seine größte Schwäche zu sein. Es wäre alles einfacher geworden, hätte er sich seinen kühlen, distanzierten Charakter bewahrt. War es das, was ihn so zum Erfolg getrieben hatte? Diese Freunde? Cifer mochte es nicht glauben. Er war sich ganz sicher, dass ihre vorherige Art zu leben – In abgeschiedener Einsamkeit, in der man sich völlig auf seine eigenen Stärken konzentrieren konnte – eine Bessere, Förderlichere gewesen war.
Allerdings, gestand er sich ein, hatte er auch nie eine andere Art gekannt.
Cifer ließ sich mit dem Rücken ins Gras sinken, beobachtete die Wolken, die über ihm dahintrieben. Langsam ging die Sonne unter, und der große, weiße Mond warf sein helles Licht auf Cifer. Um ihn herum schwirrten einige Beißkäfer und bildeten ein abendliches Summen als Geräuschkulisse – Doch er war längst zu stark, als dass sie es noch mit ihm aufnehmen konnten, es auch nur versucht hätten. Und er selbst war viel zu faul, um aufzustehen, und sich ihrer zu entledigen.
Deshalb konnte er die Augen schließen – Und sich vollends seinen Gedanken und Erinnerungen hingeben, die ihn durch die Zeit zurück trugen, während der herrliche Geruch des Grases in seine Nase strömte und ihm ebenfalls die guten, alten Tage vor Augen führte.

Es war ein Tag wie dieser gewesen. Spätsommer. Cifer war jünger gewesen, vielleicht 15 Jahre alt. Er und der Rest des Ordnungsdienstes hatten ihre letzte Runde durch den Garden gedreht, ein paar Erstklässler zusammengestaucht und die herumlungernden Schüler von den Treppen vertrieben, wie sie es jeden Tag taten.
Das Haupttor war ihr Endziel des Tages. Und wie sie so da standen, über die Felder schauten und die Sonne langsam am Horizont versinken sahen, fühlte Cifer sich für einen Moment von den Alltagssorgen befreit, wie es immer so war. Dieses Gefühl wurde nur von Missionen und den Stunden in der Übungshalle übertroffen, bei denen er seine ganze Konzentration auf etwas anderes, auf seine Stärke, richten konnte.
An diesem Abend jedoch sollte es ihn nicht zu den Monstern hinziehen – Stattdessen erweckte eine Gestalt seine Aufmerksamkeit, die sich in gemächlichen Schritten auf den Eingang des Gardens zubewegte.
»Wenn das mal nicht Squall ist«, hörte er Rai-Jin sagen.
»Zu spät«, erwiderte Fu-Jin, und sie hatte Recht – Tatsächlich hatte die Sperrstunde schon begonnen. Wären Cifer und die anderen auch nur eine Minute früher wieder umgekehrt, hätte Squall die Nacht im Freien verbringen müssen.
Cifer hatte schon häufiger einige Schüler draußen gelassen, vor Allem Jüngere. Er hatte sich grinsend ihr Flehen angehört, es jedoch immer ignoriert. Ein ganz besonderes Opfer hatte er in einem kleinen Hitzkopf mit blondem Haar und Tätowierung im Gesicht gefunden, der nicht nur immer dann einen Fehler machte, wenn er dabei war, sondern sich auch sonst ganz hervorragend und einfach provozieren ließ. Hasenfuß nannte Cifer ihn – Aus Mangel an Kenntnis, wie er wirklich hieß.
Umso mehr freute er sich darauf, Squall eine Weile leiden zu lassen. Schon zu dieser Zeit war es so gewesen, dass Squall immer der Bessere war. Ein Sorgenkind wie er selbst, aber dennoch beliebt bei den Lehrern und seinen Mitschülern.
»Squall«, rief er von Weitem, Hohn in der Stimme. »Kommst du nicht etwas spät?«
Squall hatte den Blick zu Boden gerichtet und hielt seinen linken Arm. Cifer konnte ausmachen, dass er verletzt war. Die Wunde schien aber nicht tief zu sein. Er musste in einen Kampf geraten  sein – Und hatte augenscheinlich verloren.
»Was seh' ich denn da? Hat der große Squall sich etwa verletzt?«
Der Schwarzgekleidete war inzwischen zu ihnen gestoßen und hielt kurz vor Cifer an. Er blickte nicht auf, sondern hatte die Augen noch immer auf den Boden gerichtet.
»Lass mich durch, Cifer«, forderte er ausdruckslos.
Er wusste inzwischen, wie man es schaffte, Cifer zu provozieren, und was man besser tat, wenn man es möglichst nicht tun wollte. Heute jedoch wirkte seine Methode nicht.
»Nur damit du wie immer ungeschoren davon kommst? Warum sollte ich?« Cifer grinste ihn an, bis Squall endlich aufblickte und seine blauen Augen die Cifers trafen.
Sein Gegenüber wusste, dass Cifer weder Gründe noch Entschuldigungen interessierten. Es lag allein an seiner willkürlichen Entscheidung.
Eine Weile herrschte stiller Blickkontakt, bis Cifer auf Squalls Arm schielte und seiner Neugier nachgab. »Was hast du gemacht?«, fragte er, eine Spur ernster als zuvor.
»Bin in einen Kampf geraten«, wich Squall aus. »Eine Unaufmerksamkeit.«
Cifer schwieg. Die Wunde blutete nicht stark – Wahrscheinlich war es kaum mehr als ein Kratzer – Und Squall machte auch nicht den Eindruck, als würde es ihm sehr schmerzen. Dennoch packte Cifer für einen Augenblick fast so etwas wie Mitleid und er machte seinem Gegner Platz, damit er passieren konnte.
»Beeil' dich, bevor ich es mir anders überlege«, knurrte er, als Squall ihn nur erstaunt ansah. »Danke«, murmelte er, nun wieder mit dem Blick gen Boden, und ging auf den Garden zu, in dem nun die Lichter der Eingangshalle funkelten.
»Grund?«, fragte Fu-Jin nach, doch Cifer schüttelte nur den Kopf.
»Jetzt ist er mit etwas schuldig«, sagte er. Doch innerlich wusste er ganz genau, dass er den wahren Grund für sein Verhalten selber nicht kannte, sich selber nicht verstand, wie es schon sein ganzes Leben über gewesen war.

Cifer wusste nicht, wieso er genau an diese Begebenheit dachte. Er setzte sich auf und blickte die Straße hinunter, die Squall vor ein paar Jahren an jenem Abend hinaufgegangen war. Es erschien ihm alles so nah, als müsste er nur die Hand ausstrecken, um wieder die Gitterstäbe vom Haupttor des Balamb-Garden in seiner Hand fühlen zu können. Das kalte Metall, das er mit einem Ruck zuzog, um jegliche Außenstehenden für die Nacht auch tatsächlich draußen zu halten.
Cifer vermisste die Autorität, die er im Balamb-Garden gehabt hatte. Er mochte es, wenn die Leute ihm folgen – Genauso wie er es mochte, jemandem zu folgen.
Seine ganze überschüssige Energie, vor Allem die Negative, wollte er zu etwas Positivem benutzen. Er wollte seinen angestauten Zorn gegen seine Feinde richten und jemanden damit beschützen, der ihm wichtig war.  Deswegen war es sein Ziel gewesen, Hexenritter zu werden - Ein Traum, der jetzt in Trümmern lag.
Er brauchte ein neues Ziel; ein neues Ventil für seine Kräfte.
Und wie er so im Gras saß und sich über all dies Gedanken machte, kam ihm auf einmal eine Idee, die ihn aufspringen und im Eiltempo zurück nach Balamb-Stadt laufen ließ.
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