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Aus dem selben Holz geschnitzt

von PKA
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Cifer Almasy Edea Fujin Raijin Riona Heartilly Squall Leonhart
02.10.2011
12.04.2015
9
13.376
 
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02.10.2011 932
 
Das Wasser war ruhig. Kaum ein Windhauch störte den sommerlichen Tag, und bis auf die üblichen, alten Fischer störte keine Menschenseele die Stille.
Cifer starrte gedankenverloren ins ewige Blau. Vor ihm lag einzig und allein das Meer; der Ozean, der seinen Wohnort von all den anderen Kontinenten trennte.
In den letzten Monaten war er viel gereist und hatte die verschiedensten Gegenden gesehen. Er hatte die saftigen Wiesen Galbadias und dessen prunkvolle Hauptstadt Deling City bewundern können, welche in der Nacht in den buntesten Lichtern erstrahlte und die seltsamsten und interessantesten Menschen beherbergte, die so ganz anders waren als die gewohnte, rustikale Einwohnerschaft Balambs.
Er hatte die durch die Träne des Mondes verletzten Landschaften von Centra besichtigt, in denen er die ersten Jahre seines Lebens verbracht hatte – Das kleine, inzwischen fast völlig zerstörte Waisenhaus, mit dem kleinen Leuchtturm an der Küste und der Wiese anbei - eine Zeit, die er durch den Einsatz von G.F. fast vergessen hatte. Die technologisch weit fortgeschrittene Hauptstadt Esthars war ihm untergekommen, mit den seltsamen Transportmitteln, die ihm so fremd vorkamen, dass er lieber den weiten Weg auf sich nahm, als sie zu benutzen.
Doch nirgendwo war es so schön als auf der Insel Balamb, auf der er seine Jugend verbracht hatte. Die angenehme Temperatur; das laue Lüftchen; die herrlich-blaue See und die Abwechslung zwischen Gebirgen und Höhlen; weitläufigen Sandstränden; Waldgebieten und der endlosen, im Hochsommer in Blumenfeldern erblühenden Wiesen hatte er nirgendwo sonst erlebt. Dollet mochte noch schönere Strände haben, Timber grünere Wälder und klarere Seen, und die Gebirge in Trabia mochten schneebedeckter sein – Doch nirgends fühlte sich seine Anwesenheit so richtig an, wie hier.
Cifer hatte die Angel ausgeworfen und beobachtete das kleine, halb rote, halb weiße Bällchen dabei, wie es träge im Wasser trieb. Optimale Voraussetzungen, um zu fischen. Und dennoch biss nichts, zumindest nicht bei ihm.
Neben ihm freute sich Rai-Jin über seine Beute – Er hatte einen großen Fisch an Land gezogen, den Ersten seit Stunden. Cifer hatte schon geglaubt, er würde es nicht aushalten, so lange still neben ihm zu sitzen. Ein Wunder, dass dieser bullige, etwas dümmliche Mann die Geduld und das Geschick aufbringen konnte, einen Fisch zu fangen. Im Gegensatz zu ihm.
Voller Zorn schmiss Cifer die Angel zu Boden. War in jüngster Vergangenheit nicht genug passiert?  Nicht einmal einen blöden Fisch konnte er mehr fangen! Auch wenn er im nächsten Moment bemerkte, dass seine Reaktion übertrieben war und seine elende Wut ihn ein weiteres Mal um Kopf und Kragen brachte, legte sie sich erst, als sich Fu-Jin, nach einem Seitenblick auf Cifer, einen Spaß mit dem glücklichen Rai-Jin erlaubte. Genervt von seiner unverhohlenen Freude trat sie ihn mit einem gezielten Kick den Kopf voran ins Wasser, und schenkte damit dem Fisch die Freiheit und Rai-Jin ein Bad, um sein Gemüt zu kühlen.
Dieser Anblick amüsierte Cifer. Er hatte schon immer die Schadenfreude genossen - Das Triumphieren über andere, die ihm vorher überlegen gewesen waren oder ihn ausgelacht hatten. Er liebte das Gefühl, wenn jemand verlor und er selbst gewann. Er liebte das Gefühl der Macht, das ihn dann durchströmte wie Feuer.
Cifer lachte auf, als auf einmal ein Schatten über sie hinwegzog. Regenwolken? So plötzlich? Es war nicht unüblich, dass sich ein Regenschauer die Ehre gab – Die Berge begünstigten das Abregnen sogar. Aber der Wetterbericht hatte fantastisches Wetter zu dieser Jahreszeit versprochen. so, wie es auf Balamb eben üblich war.
Doch im nächsten Moment begriff er, dass es der Balamb-Garden war und sein Grinsen fror ein. Majestätisch flog er über Balamb-Stadt hinweg, die ganze Umgebung lag einen Augenblick lang in seinem Schatten. Die anlegenden Fischerboote und Motorjachten schaukelten hin und her, als das riesige System sanft über den Wellen gen Horizont schwebte.
Der Anblick des vertrauten Gefährtes machte ihn nostalgisch. Man konnte sagen, was man wollte – Sein Aufenthalt im Balamb-Garden hatte nicht immer nur schlechte Seiten gehabt – Und manchmal konnte man sogar sagen, dass er ihn vermisste.
Cifer dachte an die Jahre, in denen er seine Ausbildung im Balamb-Garden genossen hatte. Dachte an seine Misserfolge; seine Wut. An die dämlichen Lehrer, die ihn nicht verstehen konnten. An die dämlichen Schüler, die ihn ausbremsten und ihn mit ihren schrägen Blicken zur Weißglut brachten. An die Trauer und den Schmerz, die ihn in dieser Zeit begleitet hatten. Und er dachte auch an Fu-Jin und Rai-Jin, die er an diesem Ort kennengelernt hatte, und die ihm seitdem treu zur Seite standen. Die einzigen Freunde, die er je gekannt hatte.
Und dann dachte er an Squall. Sein ewiger Rivale; immer ein Stück voraus. Der Junge, mit dem er seit er denken konnte auf Kriegsfuß stand, und mit dem ihm doch so viel verband. Viel mehr, als die Benutzung von Gunblades. Viel mehr, als die gleiche Narbe auf der Stirn. Innerlich wusste Cifer, dass er und Squall gar nicht so unterschiedlich waren. Sie waren beide Waisen, schon immer auf sich allein gestellt. Und sie hatten sich beide schon immer von einander angezogen und abgestoßen gefühlt, wie zwei Magneten. Im ständigen Wettstreit miteinander.
Schlussendlich hatte Squall ihn besiegt. Doch noch immer war da dieses Gefühl in seinem Inneren, nun um ein Vielfaches positiver als vor den Ereignissen der jüngsten Zeit. Squall hatte es geschafft. Er hatte den Tag gerettet. Aber Cifer war ihm nicht böse, dass er ihm hatte zeigen müssen, wie falsch er doch gelegen hatte. Er war dankbar. Und er fühlte, dass sich ihre Wege irgendwann erneut kreuzen würden – Über kurz oder lang hinweg. Doch wie diese Begegnung aussehen würde – ob als Freunde oder Feinde – vermochte er nicht zu sagen.
Er lächelte.
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