(Ge)Denken an einen Toten

GeschichteAllgemein / P16
Sabretooth / Victor Creed Wolverine
01.10.2011
01.10.2011
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Diesen Oneshot widme ich Qantaqa, die mich durch ihren Review zu meiner letzten Geschichte so sehr ermutigt hat, dass ich jede freie Minute zum schreiben genutzt habe. Noch einmal vielen Dank, ich hoffe, die hier gefällt dir auch. Außerdem vielen Dank an meinen Bruder, der sich die Zeit genommen hat, dass Beta reading für diese Story zu übernehmen.

Zu der Story. Ich weiß, sie kommt etwas spät, selbst für Creeds Auftritt in der ’Wolverine Goes To Hell Storyline in Amerika. Trotzdem wollte ich einmal darüber schreiben, wie ich die Beziehung zwischen Sabretooth und Wolverine in den Comics sehe. Der Oneshot setzt direkt nach Victors Tod in Wolverine 3 Serie #55 ein und lässt das Auftauchen von Wild Child und die anderen nachfolgenden Ereignisse außer Acht.

Disclaimer: Mir gehören, weder Wolverine, Sabretooth, Romulus, Daken noch die White Queen. Die Rechte haben Marvel und Fox

~

Der Blutstropfen wanderte langsam den Weg and der Schneide hinunter in Richtung Spitze. Das Katana war zu Boden gerichtet, und der rote Lebenssaft an seinem Ende sammelte sich in einem großen Tropfen, bis dieser zu schwer wurde und nach unten fiel. Bald hatte sich dort ein kleiner See gebildet. Nicht das er besonders auffiel, hier war alles rot von Blut, das bereits zu trocknen begann.

Minutenlang stand er da, wie zur Salzsäule erstarrt; völlig reglos. Er machte keine Anstalten, das Katana zu säubern, so wie es Ogun ihm beigebracht hatte, vor all den Jahren. Bevor sein Lehrmeister sich dem bösen zugewandt hatte. Sein Sensei hatte im gesagt, dass eine blutbefleckte Klinge nie so in die Scheide zurück dürfe. Man solle sie möglichst schnell abwischen, damit das Blut nicht trocknete und schwer zu lösen war. Aber das kümmerte ihn nicht.

Auch nicht, dass seine Kleidung mit Blut durchtränkt war, seinem eigenen und dem seines Gegners. Der Erzfeind, der nun Tod vor ihm auf der Erde lag. Tot. Ein Arm sauber abgetrennt und von derselben Klinge geköpft. Dem Schwert, das er immer noch in der Hand hielt. Er blickte hinunter auf den Toten. Er hatte schon viele Tote gesehen, und es war nicht der Leichnam selbst der ihn erschreckte oder anekelte, es waren seine eigenen Gefühle, die ihn verharren ließen.

Der Mann auf dem Boden dort, hatte für das gestanden, was er in sich selbst am meisten fürchtete. Das Tier. Die Blutlust. Die sadistische Freude, ja richtiggehend das Verlangen zu töten.

Dieser Mann, dieser Tote, war eine treibende Kraft in seinem Leben gewesen. Die Person, auf der sich seine Wut und sein Rachedurst bündelten. Und dabei hatten sie als so etwas wie Freunde angefangen. Sie hatten zusammen mit Maverick und Agent Zero ein Team gebildet. Und sie waren gut gewesen, die Besten. Aber der blonde Hüne, der nun vor ihm im rot verfärbten und teilweise durch die wärme des Blutes geschmolzenem Schnee lag, war schon immer unberechenbar gewesen. Selbst als sie noch gemeinsam in einem Team gearbeitet hatten, in dem die einzelnen Mitglieder darauf trainiert waren zu wissen, was die Anderen tun würden, bevor diese selbst sich dafür entschieden hatten. Er hatte sich zunehmend von dem Mann distanziert, der Menschen aus Spaß tötete, obwohl es nicht Teil der Mission war.

Und dann hatte er Silver Fox umgebracht. Zumindest hatten sie das geglaubt. Beide. Aber es war alles nur ein Fake gewesen. Ein Erinnerungsimplantat, weil Stresssituationen die wahren Erinnerungen besser Überdeckten. Es war sein vermuteter Geburtstag gewesen. Er war sich damals schon seiner Erinnerungen nicht sicher gewesen. Schon damals gab es Lücken. Aber dieses Datum hatte er nicht vergessen. Selbst nach der kompletten Auslöschung seines Gedächtnisses durch die Wissenschafter von Weapon X. Victor hatte dafür gesorgt. Mit einem Geburtstagsbesuch und einer blutigen Torte; Tote. Meistens eine Frau. Vorzugsweiße kannte er sie, aber das Töten hatte Victor dann gut gefallen, wenn er die Frauen nicht kannte. Er hatte manchmal die Kellnerinnen in der Bar dafür bezahlt zu gehen, auch wenn es sie manchmal trotzdem nicht gerettet hatte.

Die Grausamkeiten, die er von diesem Mann vor ihm gesehen hatte, waren unbeschreiblich. Er hatte gesehen, wie dieses Tier seine Reißzähne in unschuldige, wehrlose Mutanten geschlagen hatte. Männer, Frauen und Kinder. Ohne Gnade. Er hatte seine Lust an Gewalt gesehen. Besonders gegen Frauen. Die White Queen hatte seine Erinnerungen an die Grausamkeit seines Erzfeindes gelesen. Es hatte die reservierte, abgebrühte Königin unsanft von ihm Thron geholt. Zusammen mit einem Schwall von Erbrochenem.

Und trotz all des Leids, das der Mann vor ihm im Schnee über ihn gebracht hatte. Trotz der Feindschaft, die beide mit der letzten Faser ihres Herzens verspürt hatten, fühlte er sich jetzt irgendwie leer. Eine Hauptfigur, die sein Leben für fast ein ganzes Jahrhundert beeinflusst und geprägt hatte, war verschwunden. Die Person, die wie kaum jemand anders die berserkerhafte, unkontrollierbare Wut in ihm geschürt hatte, war fort. Von ihm umgebracht. Ermordet. Es war nicht in einer Berserker Wut geschehen, sondern er war in kaltem Kalkül vorher zu Scott Summers gegangen und hatte sich die nötige Waffe geholt. Die Muramasa-Klinge. Er war mit der Intention in diesen Wald gegangen, seinen Erzfeind zu töten und er hatte seinen Plan bis zum bitteren Ende in die Tat umgesetzt.

Quod sum eris. - Ich bin, was du sein wirst.

Vielleicht hatte Romulus ja doch recht, auch wenn er es nicht war haben wollte. Vielleicht war er dabei, den Kampf gegen seine eigene, innere Dunkelheit zu verlieren. Victor und er waren sich schon immer sehr ähnlich gewesen. Eigentlich war der wesentliche Unterschied zwischen ihnen beiden gewesen, dass Victor sich dem Blutrausch hingab und ihn auslebte, während er töten nur als ein Mittel ansah von dem man nur Gebrauch machte, wenn es nötig war.

Trotzdem hatten sie sich immer schon irgendwie verbunden gefühlt. Victor war eine der wenigen Konstanten in seinem Leben gewesen. Eine Konstante von Leid, Schmerz und Wut, aber nichts desto trotz eine Konstante. Und davon gab es nicht viele wenn man über hundert Jahre alt war. Ihre Leben waren eng mit einander verknüpft gewesen, sie hatten sich gegenseitig geprägt. Ohne einander wären beide nicht zu dem geworden, was sie heute waren, im einem Fall eine Leiche im Schnee, der andere siegreich über ihm stehend, und doch unsicher wie er jetzt weitermachen sollte. Immer noch so still stehend, als wäre der Moment in der eisigen kanadischen Luft festgefroren.

Der Mann vor ihm hatte nicht so sterben wollen, außer Kontrolle. Das Tier am Steuer. Er liebte zwar die Blutlust und das Gefühl von Überlegenheit beim Töten, die es ihm brachte, aber er wollte auch immer die Kontrolle über die Situation haben. Romulus hatte sie ihm genommen. Hatte ihm jegliche Selbstkontrolle genommen. Nur das innere Tier war da gewesen und hatte sich Victors bemächtigt, ihn beherrscht.

‚Tu es!’ Das waren seine letzten Worte gewesen. Das hätte er an seiner Stelle auch gesagt. Plötzlich durchzuckte ihn ein Gedanke. Würde er hier eines Tages stehen und seinen Sohn bitten ihn umzubringen? Dieser Sohn, von dem er bis vor kurzem gar nichts gewusst hatte. Dieser Sohn, der ihn über allem anderen hasste. Genau so wie er Victor gehasst hatte. Würde dann für Akihiro auch nur die Leere übrig bleiben, die er empfand? Oder würde es eines Tages sogar umgekehrt sein, würde er seinen eigenen Sohn töten müssen?

Nein, das konnte er nicht zulassen! Das würde er nicht zulassen! Auf gar keinen Fall durfte Romulus gewinnen! Er würde es verhindern, mit jedem Mittel, das ihm zur Verfügung steht!

Von diesem Gedanken ergriffen, bewegte er sich nach langer Zeit wieder. Seine Muskeln schmerzten, als sie nach der langen Starre wieder beansprucht wurden. Mit der wörtlich schweren Aufgabe, 45 kg reinen Adamantiums plus 90 kg Kanadier zu bewegen. Doch er ignorierte seine schmerzenden Muskeln. Der Schmerz war bedeutungslos. Er würde vorüber gehen, wie er es immer tat, es war nur eine Frage der Zeit. Innere Wunden heilten jedoch nicht so schnell, manche sogar überhaupt nicht. Deshalb musste er auch verhindern, dass seine Beziehung zu Daken keine neuen, unheilbaren Wunden riss. Wenn man nahezu unsterblich war, konnte so etwas zu einer schweren Last werden. Und man konnte nicht einmal auf einen erlösenden Tod hoffen.

Er musste dort länger vor dem Schauplatz seiner eigenen Grausamkeit gestanden haben, als er gedacht hatte, denn die Sonne stand bereits hinter den Bäumen. Nicht das es einen Unterschied gemacht hätte, er konnte auch in einer mondlosen Nacht noch problemlos alles sehen. Trotzdem, er musste gehen. Er hatte noch Probleme zu lösen und Leute zu töten. Entschieden steckte Wolverine das blutige Katana, in seiner eigenen Wut und Rachedurst geschmiedet, zurück in die Scheide. Langsam drehte Logan sich um und lies den geköpften Körper von Sabretooth hinter sich im blutbefleckten Schnee liegen.

Bitte Review!

Auch falls ihr Fragen bezüglich der genannten Personen und Ereignisse habt. Ich bin nicht Victor Creed. Ich beiße nicht!
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