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Angels Wings

von Laney
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Engel & Dämonen
01.10.2011
03.11.2014
30
67.905
6
Alle Kapitel
78 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 
01.10.2011 2.248
 




Angels Wings





Autor: Laney
Beta: Mutter der Drachen





You say you’re down on your luck

Hey baby It’s a long, long way up

Hold back now, hold back your fears

You say you’re really down and out

And you feel like there’s no way out now

Let go now let go of your tears some more.


( Angels Wings  - Social Destortion )




Prolog – Teil 1



Brian Molkos vertraute Stimme dröhnte aus den Boxen. Ich saß neben meiner besten Freundin Valerie, die heftig im Takt der lauten Musik ihren Kopf hin und her bewegte und lässig mit einer Hand das Lenkrad ihres alten VW Käfers festhielt. Gut gelaunt grölten wir beide mit dem Sänger der Band Placebo um die Wette.

Die Sonne ging bereits langsam über den hohen Häusern auf und verkündete sanft den Anbruch eines neuen Tages. Johlend streckte ich meine Arme nach oben durch das geöffnete Dachfenster gen Himmel und der Fahrtwind bescherte mir eine Gänsehaut. Ich war immer noch total aufgedreht. Die Party, von der wir gerade kamen, war besser gewesen, als wir beide erwartet hatten. Was wohl nicht unbedingt an den anderen Gästen lag, sondern an der Tatsache, dass die Drinks dort mehr als gut waren.

Valerie kicherte leicht angeschickert laut vor sich hin.
„Vielleicht hätte ich sie doch nicht mehr ans Steuer lassen sollen“, schoss es mir durch den Kopf als sie, im Zickzackkurs, der breiten Hauptstraße folgte. Aber Val hat sich noch nie von irgendjemandem irgendetwas sagen lassen. In diesem Punkt waren wir uns doch sehr ähnlich. Auch ich konnte ein Sturkopf sein.

„Verrätst du mir nun endlich, warum du Davids Annäherungsversuche so hartnäckig abgeblockt hast?“, wollte Val nun von mir wissen und mit einem Schlag erhielt meine gute Laune einen heftigen Dämpfer. Grimmig starrte ich sie an, was ihr nur ein weiteres amüsiertes Kichern entlockte.
„Komm schon Jenny. Er ist charmant, er sieht gut aus und vor allen Dingen stinkt er regelrecht nach viel Geld“, stocherte sie weiter.
„Ja und er ist ein notorischer Schwerenöter. Nein, ich verspüre nicht die geringste Lust, ihn eines schönen Tages mit einer anderen im Bett zu überraschen“, erwiderte ich und fuhr mir durch mein zerzaustes Haar.

„Naja, du könntest ihm ja bereits im Vorfeld drohen ihm die Eier ab zu schneiden, falls er je so dämlich sein sollte, dich zu betrügen“, meinte sie mit einem Augenzwinkern.
„Nein danke! Ich lasse mich nicht mit einem Typen ein, von dem ich jetzt schon weiß, dass er mir das Herz brechen wird. Er wird es mir bei lebendigem Leib herausreißen und darauf herum trampeln. Nein, wirklich. Auf so etwas kann ich dankend verzichten“, brummte ich gereizt und böse Erinnerung, von denen ich dachte ich hätte sie bereits tief in meinem Inneren vergraben und verdrängt, traten unbarmherzig an die Oberfläche.

„Tut mir leid, Süße. Ich dachte ja nur, dass dir ein bisschen Spaß und Ablenkung gut tun würde. Ich meine nach der Sache mit Kevin hast du es wirklich verdient. Aber vermutlich hast du recht. David ist wohl zum Wundenlecken nicht der richtige Kandidat. Wobei ich anmerken möchte, dass du bei ihm wenigstens schon im Voraus weißt, was du dir da ins Bettchen holen würdest“, sagte Val und schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.

„Vermutlich. Langsam begreife ich was Omi Irmi damit meinte, ich solle mich ganz besonders vor den braven Jungs in acht nehmen“, entgegnete ich seufzend und schaute zum offenen Seitenfenster hinaus. Der Fahrtwind blies mir ins Gesicht und zerzauste mein Haar noch mehr.
„Deine Omi war schon was Besonderes. Kannst du dich noch daran erinnern wie sie uns im Sommer, als wir noch klein waren, Waffeln gebacken hat?“, wechselte Valerie das Thema.
„Mit einer dicken Schicht Zimt und Zucker!“, ging ich dankbar auf das neue Gesprächsthema ein.
„Und jede Menge Sahne“, quietschte Val verzückt.
„Oh hör auf. Ich bekomme Hunger“, schimpfte ich lachend mit ihr.
„Nicht nur du!“


Genau in diesem Moment fiel mein Blick auf einen Supermarkt, welcher sich unmittelbar vor uns befand.
„Val, stop halt mal da an!“, befahl ich ihr.
Überrascht schaute sie mich an und bog dann doch auf den Parkplatz vor dem Geschäft.
„Was hast du vor?“, fragte sie mich grinsend.
„Du bist schuld! Ich habe jetzt Lust auf Waffeln mit viel Zimt und Zucker! Und Sahne!“, verkündete ich und sprang aus dem Wagen.
„Jenny du bist verrückt, es ist fünf Uhr morgens. Du willst doch jetzt nicht allen Ernstes um diese Uhrzeit Waffeln backen?“
„Was ist los Val? Ich dachte, du bist die Spontanere von uns beiden“, neckte ich sie und lief eilig auf den Eingang des Supermarktes zu.

Viel war in dem Laden nicht los. Ein einzelner, junger Mann mit einem dicken Wälzer in der Hand saß hinter der Kasse. Als ich eintrat, sah er nur flüchtig auf. Ich schnappte mir einen der roten Plastikkörbe und marschierte voller Tatendrang los. Leise hörte ich, wie erneut die Tür hinter mir aufging und das schnelle Klackern von Absätzen kündigte das Erscheinen meiner besten Freundin an. Langsam drehte ich mich um und wartete auf sie.

„Sag mal, hast du eigentlich eine Ahnung wie man Waffeln macht?“, wollte sie von mir wissen kaum, dass sie zu mir aufgeschlossen hatte.
„Nö, aber ich bin mir sicher Onkel Google wird es schon wissen“, antwortete ich und setze mich erneut in Bewegung.
Kichernd und rumalbernd wanderten wir zwischen den Regalen hin und her und füllten unseren Einkaufskorb mit lauter Dingen, von denen wir mehr oder weniger annahmen, dass wir sie benötigen würden.

Schließlich war der Korb randvoll und wir machten uns auf den Weg zur Kasse. Wir bogen nichts Böses ahnend um die Ecke und blieben dort wie versteinert stehen. An der Kasse stand der junge Mann und hielt sichtlich blass im Gesicht seine Hände weit nach oben. Unmittelbar vor ihm befand sich ein vermummter Typ mit einer Waffe in der Hand. Keuchend starrte ich hinüber. Valerie, welche etwas hinter mir stehen geblieben war, huschte zurück hinter das schützende Regal. Mit verzweifelten Gesten versuchte sie mich dazu zubewegen es ihr gleich zu tun, bevor unsere Anwesenheit von dem Bösewicht bemerkt werden würde. Doch ich konnte nicht.

Das Klirren von gesprungenem Glas holte mich zurück. Mein Blick wanderte langsam nach unten auf dem Boden. Ich hatte den Korb fallen lassen. Kirschsaft breitete sich in einem roten Teppich auf dem Boden aus. Als Nächstes hörte ich einen dumpfen Knall. Ich spürte, wie etwas gegen mich prallte. Ein kurzer Schmerz. Ich blickte auf und sah den Typen mit der Waffe. Er rannte weg. Valeries hysterisches Schreien drang zu mir durch. Sirenen ertönten, welche erst von ganz weit weg erklangen und schnell und unaufhaltsam näher kamen. Etwas Nasses rann an mir herunter. Meine Hand wanderte über meinen Bauch. Sie fühlte sich plötzlich klebrig und feucht an. Langsam hob ich sie hoch, sie war voller Blut.

Meinem Blut?

Schwarze kleine Punkte flimmerten vor mir herum. Es wurden mehr und immer mehr und dann war alles schwarz.

Jemand zerrte an mir herum. Fremde Hände tasten mich ab. Stimmen waren zu hören. Benommen öffnete ich meine Augen. Doch meine Lieder fühlten sich schwer an. Ich lag am Boden und ein Mann beugte sich über mich.
„Was ist passiert?“, brachte ich verstört krächzend heraus.
„Ganz ruhig. Sie wurden angeschossen. Wir bringen Sie jetzt in ein Krankenhaus“, sagte der Mann mit sanfter Stimme.
Mein Blick wanderte umher. Unweit von mir stand meine beste Freundin. Sie wimmerte und ein Polizist versuchte sie zu beruhigen. Müde schloss ich erneut meine Augen.

Lautes Stimmengewirr holte mich wieder zurück. Doch dieses Mal befand ich mich an einem unbekannten Ort. Mehrere Menschen ganz in Grün wuselten um mich herum. Ich konnte mich nicht bewegen. Hektik brach aus. Aufgeregt versuchten die grünen Männchen Herr der Lage zu werden.
„Wir brauchen mehr Blutkonserven!“, rief einer von ihnen.
Ein imaginäres, schweres, schwarzes Tuch legte sich unaufhaltsam auf mich. Kälte kroch in mir hoch.

Nein, ich will nicht sterben!

Ein schrilles, lang gezogenes Piepen schrillte in meinen Ohren.
„Beeilt euch! Wir verlieren sie!“, vernahm ich noch dumpf, dann herrschte gespenstische Stille.

Oh bitte nicht, ich bin doch noch viel zu jung!

„Jennifer, mach die Augen auf“, flüsterte mir eine angenehme sanfte Stimme zu. Warme Finger streichelten mir über das Gesicht. Vorsichtig öffnete ich die Augen und blinzelte. Um mich herum war gleißendes Licht und direkt über mir schwebte jemand. Himmelblaue Augen schauten auf mich herab.

„Was zum Teufel“, nuschelte ich und versuchte mich aufzurichten. Doch irgendetwas hielt mich fest.

„Alles wird gut, ich bin gekommen um dich zu holen, Jennifer“, sagte das liebliche Wesen und jetzt sah ich, dass es Flügel hatte. Weiße flauschige Flügel, die sich leicht flatternd bewegten. Lächelnd streckte es mir seine Hände entgegen.
„Wer bist du und was willst du von mir?“, sichtlich irritiert starrte ich das Ding über mir an.
„Ich bin, oder viel mehr war, dein Schutzengel“, flüsterte es.

„Aha.Also ohne dir jetzt nahe treten zu wollen, aber du hast deinen Job wirklich sehr lausig gemacht“, knurrte ich meinen Schutzengel an.
„Ich habe mein bestes gegeben. Und nun komm, es wird Zeit für dich“, bat der Engel mich erneut.
„Das ist ein schreckliches Missverständnis. Ich darf noch nicht sterben“, hielt ich dagegen.
„Dieser Teil deines Weges liegt nun hinter dir, aber ich verspreche dir, er ist noch nicht zu Ende“, verkündete er und zog mich dann blitzschnell mit sich.
Schnell und immer schneller schwebten wir hinauf. Mir wurde schwindelig. Fliegen war noch nie mein Ding gewesen. Das grelle, weiße Licht umhüllte uns immer noch.

Plötzlich und völlig unerwartet bremste der Engel ab und ich spürte festen Boden unter meinen Füßen.
„Wir sind da. Geh durch diese Tür, auf der anderen Seite wird dich jemand in empfang nehmen“, erklärte mir mein Schutzengel und deute auf ein imposantes, weißes Tor, welches wie von Geisterhand auftauchte.
„Wie jetzt? Du kommst nicht mit? Und wo bin ich hier? Ist das etwa das Jenseits? Himmel? Ich habe doch gesagt, ich bin noch nicht bereit dafür, den Löffel abzugeben!“, sprudelte es aus mir heraus.

Der Engel lächelte mich wortlos an und löste sich dann vor meinen Augen in Luft auf.
„Na ganz toll“, brummte ich ungehalten und steuerte auf das Tor zu.
Lautlos öffnete sich dieses. Vor mir tat sich eine riesige Halle auf, welche mich an einen Bahnhof erinnerte, nur mit dem feinen Unterschied, dass ich noch nie einen so sauberen Bahnhof gesehen hatte. Überall wuselte es herum. Menschen gingen umher und auch einige Engel waren zu sehen. Unschlüssig blieb ich stehen, nachdem ich durch das Portal gegangen war.

„Jennifer?“, fragte jemand leise. Irritiert sah ich mich um und entdeckte ein Kind unmittelbar in meiner Nähe. Wobei Kind nicht ganz richtig war, schließlich hatte es winzige Flügel. Blonde Ringellöckchen umrahmten das porzellanweiße Gesichtchen.
„Ja?“
„Folge mir“, sagte der kleine Engel und ging voran.
Wortlos folgte ich ihm. So wirklich hatte ich das Ganze immer noch nicht begriffen.

Schließlich blieb der Engel vor einer Reihe von Sitzplätzen stehen.
„Setz dich und warte hier, bis man dich aufruft“, befahl er mir.
„Klar und wie lange wird das ungefähr dauern?“, wollte ich neugierig wissen.
„Solange wie es eben dauert“, war die knappe, schlichte Antwort.
„Na wunderbar, ich habe ja jetzt alle Zeit der Welt“, murmelte ich undeutlich vor mich hin und setze mich auf den mir zugewiesenen Platz.
So ganz raffte ich noch immer nicht, was geschehen war. Verwirrt und leicht orientierungslos ließ ich meinen Blick umherschweifen. Gegenüber von mir saßen zwei ältere Männer und starrten stumm, mit glasigen Augen vor sich hin. Das alles hier war wirklich mehr als gruselig.

Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich da rumsaß, aber es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit an. Die beiden Männer waren nicht mehr da. Sie wurden von zwei Engeln geholt und tauchten nicht wieder auf. Dafür saß mir nun eine junge Frau gegenüber. Sie wimmerte, hielt sich ständig den Kopf und murmelte unverständliches Zeugs vor sich hin. Mittlerweile war ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich hier in einer Irrenanstalt gelandet war. Es herrschte nach wie vor ein reges Treiben. Leute kamen und gingen. Engel huschten eifrig herum. Nur ich saß immer noch an derselben Stelle. Eins war klar, ich würde hier nicht mehr lange freiwillig bleiben. Es musste doch einen Ausweg geben. Dies hier war definitiv nicht der richtige Ort für mich.

Ein Räuspern dicht neben mir ließ mich aufhorchen. Ich blickte auf und schaute direkt in ein Paar blaue Augen. Neugierig taxierte ich den Engel, welcher sich vor mir aufgebaut hatte. Er war groß. Halblanges, lockiges, blondes Haar umspielte sein perfektes, fein geschnittenes Gesicht.
„Folge mir, ich bringe dich nun zum Hohen Rat“, sprach er mit samtiger Stimme, die mich augenblicklich gefangen nahm. Zahm wie ein Schmusekätzchen tat ich, was er von mir wollte.
Er führte mich durch die riesige Halle zu einer imposanten, breiten Treppe. Wir schritten diese hinauf und gingen dann über ein Gewirr von Gängen weiter, bis wir zu einem Raum kamen, welcher von Sonnenlicht durchflutet wurde.

„Warte hier noch einem Moment, man wird dich aufrufen“, befahl er mir und verschwand durch eine der vielen Türen.
Kaum war der Engel weg, verschwand auch dieses merkwürdige Gefühl in mir, das er in mir erweckt hatte. Unruhe befiel mich stattdessen. Mir dämmerte es, dass es nun ernst werden würde. In Gedanken legte ich mir einen Plan zurecht, wie ich diesen angeblichen Hohen Rat davon überzeugen könnte, mich wieder zurückkehren zu lassen. Dies hier war nämlich einfach nicht der richtige Platz für mich. Das müssten sie eigentlich einsehen. Inständig hoffte ich, dass die Art und Weise wie ich aus dem Leben gerissen wurde, dabei eine wichtige Rolle spielen könnte.
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