Abschiedsbrief der Lady Emilie Milford

von Friedrich
GeschichteAllgemein / P6
30.09.2011
30.09.2011
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Ich, Lady Emilie Milford, schreibe dies nun, um mich zu verabschieden. Ich bitte darum, dass dieser Billetter öffentlich verkündet wird.
Es sind nun über sechs Jahre ins Land gegangen, seitdem ich in Teutschland lebe. Es war nicht leicht, als ich mich hier niederließ. Denn im jungen Alter von vierzehn musste ich mit meiner Wärterin aus meiner Heimat England fliehen. Da mein Vater, Thomas Howard Herzog von Norfolk, Kammerdiener des Königs und Begünstigter der englischen Königin Elisabeth, nach einem Befreiungsversuch der gefangenen Maria Stuart des Hochverrats am Lande bezichtigt und hingerichtet wurde. Meine arme Frau Mama starb noch am selben Tage. So floh ich, jung wie ich war, mit meiner Wärterin als ausländische Waise ohne Vermögen. Doch bald kam meine Wärterin zu Tode und ich war allein. Ich fühlte mich verlassen und Trauer umfasste mein Herz.
Eines schönen Tages ging ich an der Elbe spazieren und machte eine schicksalhafte Begegnung. Ich sah den Fürsten. Er war für mich wie ein in der Sonne schimmerndes Trugbild. Der Fürst sagte mir, dass er mich lieben würde. Ich nahm seine Schwüre an, da mein Herz nun schon so lange nach Liebe dürstete.
Doch bald erkannte ich, dass ich nur eine Mätresse war. Eine von vielen. Ich wollte Liebe.
Aber ich lebte in einem schönen Palais und versuchte mich mit dem Vermögen des Fürsten zu trösten und zu befriedigen. Mein Herz war bestürzt über meine Art. Wo ist mein Stolz, mein Ehrgefühl als Britin?
Es war, als hätte ich dem Fürsten meine Ehre verkauft, aber mein Herz behalten.
Um meine innere Verzweifelung zu stillen und mein Gewissen zu beruhigen, nahm ich Einfluss auf den Fürsten und seine politischen Handlungen. Durch diesen Einfluss konnte ich viele Todesurteile vereiteln und dem Volk auch allgemein helfen.
Das Volk selbst jedoch denkt, ich sei grausam und kaltherzig und nur an der Vermögensbereicherung interessiert. Aber eigentlich verachte ich meinen Gesellschaftsstand, sie sind alle erbärmlich und schlecht. Sie alle haben keinen Mut, ihre Meinung kundzutun oder jemanden entgegenzutreten.
Ich bin ein ehrlicher Mensch und wünschte, unser Leben am Hofe würde mehr auf Ehrlichkeit und Tugend beruhen.
Dann, als ich Ferdinand sah und zum ersten Male hörte, war ich ihm sofort erlegen. Ich wusste, wem ich mich offenbaren würde und ohne wen ich nicht mehr leben kann. Er war ein Mann mit viel Gefühl und Liebe. Werte, die ich sehr schätze, da mir diese ehrliche Liebe lange verwehrt. An diesen Mann verlor ich nun also mein Herz. Denn wir Frauenzimmer können nur dienen oder herrschen, aber die höchste Wonne der Gewalt ist doch nur elender Behelf, wenn uns die größere Wonne versagt wird, Sklavinnen eines Mannes zu sein, den wir lieben.
So wie ich sprach, wurde mir diese Wonne verwehrt, dem Mann, den ich liebe, zu dienen. Denn als er zu mir kam, eröffnete er mir, dass er ein anderes Mädchen liebe. Zutiefst erschüttert über seine Absichten, aber auch erzürnt, sprach meine Leidenschaft aus mir.
Er sollte mir gehören, allein mir und wenn er rebellierte, wollte ich ihn zwingen.
Diese Grausamkeit meiner Seele lässt mich erschrecken.
Ich schickte dann nach dem bürgerlichen Mädchen Luise, um mit ihr zu sprechen, unter dem Vorwand, sie als Kammerzofe einstellen zu wollen.
Als sie eintraf, war sie schüchtern aber höflich, sie war für mich wie die menschgewordene Tugend persönlich.
Wir sprachen sehr lange miteinander. Ich wollte doch nur Ferdinand. Sie sprach zu mir, ich könne Ferdinand haben und als Hochzeitsgeschenk würde sie uns mit ihrem Freitod dienen.
Ich war erschüttert. Ich wollte nicht Schuld am Tod einer solch reizenden Person sein. Wie könnte ich nur! Mein Egoismus brachte mich in Ungnade vor Gott.  
Ich beging Sünde. Mein Zwiespalt darüber, das Richtige zu tun, verfolgte mich nun.
Meine Triebe und meine Leidenschaft sollten nicht Schuld am Bruch einer solchen Liebe sein. Ich beginne zu leiden, ich stehe vor Gott mit einem schweren Kreuze auf dem Rücken.
Die Liebe zwischen Ferdinand und der bürgerlichen Luise verhalfen mir zu der Erkenntnis, dass ich hier am Hofe und auch sonst in diesem Gefängnis niemals glücklich sein werde und nicht mehr so weiter leben könnte. Egal ob der Fürst mir noch mehr Schmuck, Dienerschaft oder größere Anwesen schenkte.
Meine einzige Möglichkeit zu fliehen ist nun den Fürsten des Vertragsbruches zu bezichtigen, da Ferdinand eine andere liebte. Desweiteren sollte der Fürst, dessen Liebe ich nicht erwidern kann, seine Liebe nicht verschwenden, sondern seinem treuen Volke zu gute kommen lassen.
Deshalb vermachte ich meinen Schmuck den Dienstboten und ganz besonders meiner Sophie. Sie sollten besser leben, so wie sie es verdienen.
Ich werde nun fliehen.
Denn ich bin nicht mehr Lady Emilie Milford sonder ich bin die Britin Johanna Norfolk. Ich bin arm, aber ich habe Ehre und Stolz und natürlich mein Herz, welches ich nicht achtlos hergeben werde.

Dies ist mein Abschied an euch.
                                                         

Eure ergebene

Johanna Norfolk
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