A Fable of the Past

GeschichteDrama, Romanze / P12
26.09.2011
27.11.2011
2
5.248
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
26.09.2011 1.392
 
Kapitel 2: Ein normaler Montag

„Also stehst du auf sie?“ Es war eher eine Aufforderung als eine Frage.

Dorian lehnte sich auf eine selbstsichere, gemächliche Art gegen die Innenseite des Bootes und grinste Harriet süffisant an.

„Steht sie auf dich?“

Er gab ein tiefes Glucksen von sich und warf den Kopf zurück, „Meinst du diese Fragen wirklich ernst?“

Harriet verschränkte die Arme und stelle eine Augenbraue schräg, „Du denkst also, das keine Frau deinem Charme widerstehen kann?“

„Noch bin ich keiner begegnet.“

Harriet schnaubte, „Die alte Mrs Greybo kam mir beim letzten Mal als ich sie gesehen habe nicht interessiert vor.“

„Dann kennst du sie eindeutig nicht gut genug, meine Liebe“, er ließ sie ein hinterhältiges Grinsen erkennen.

Harriet machte ein Geräusch irgendwo zwischen einem Würgen und einem Lacher, „Dorian, das ist widerlich!“ Sie schlug mit ihrem Schuh nach ihm. Er wich zurück und packte ihr Handgelenk, bevor sie es zurückziehen konnte.

„Denkst du, meine Reflexe sind so langsam?“

Sie lachte und versuchte ihren Arm zurückzuziehen, „Dorian, lass los!“

Er belehrte sie gespielt: „Komm schon meine Liebe, inzwischen solltest du es besser wissen.“ Er nahm ihren Schuh mit seiner anderen Hand und warf ihn auf die andere Seite des Bootes.

Harriet spottete, Dorian antwortete darauf mit einem selbstgefälligen Grinsen und ließ endlich ihr Handgelenk los. Sie sah leicht finster drein, während sie sich die Stelle rieb. Seine Hände, obwohl dünn und grazil, waren eigentlich ziemlich stark. Tatsächlich konnte man das auch über den Rest von ihm sagen. Er war ein hagerer Mann, nicht besonders muskulös, mit einer drahtigen Stärke die unbemerkt blieb bis man sie austestete, so wie Harriet es während ihrer Lebenszeit viele Male getan hatte. Dennoch wusste jeder, der Dorian kannte, dass körperliche Stärke nicht der Bereich war auf den er am meisten stolz war.

Man musste nicht lange in Oakvale leben um zu Wissen, dass Dorian Maslow ein einzigartiges Talent hatte, wenn es um die Schießkunst ging. Bis heute war es noch niemandem gelungen, Dorians Punktzahl in dem Schießwettbewerb, der jeden Frühling  veranstaltet wurde, auch nur annähernd zu erreichen. Seine Schnelligkeit und Präzision mit einer Pistole waren fast schon unheimlich. Aus einer Laune heraus konnte er eine in die Luft geworfene Münze aus einer beachtlichen Entfernung aus genau in der Mitte durchschießen. Keiner wusste, woher er dieses Können besaß, es war, als ob er es von Natur aus hatte, aber die Leute hatten genug Verstand, um zu wissen, dass es dumm war zu versuchen, ihn zu schlagen. Jeden Frühling war es schon eine besondere Leistung, wenn man gut genug war um den zweiten Platz zu belegen.

Dorian hatte sich wieder in eine anlehnende Haltung zurückbegeben, die Hände hinter dem Kopf gefaltet. Er konnte das Salz des Meeres riechen als er tief einatmete, das Wetter und die warme Sommerbrise genießend. Er trug ein dünnes, weißes Hemd, welches im Wind flatterte, was den Großteil seiner Brust freilegte. Dorian ließ nie eine Gelegenheit zum prahlen aus. Er schloss die Augen, die Mittagssone war ziemlich hell.

Harriet legte ihren Kopf auf ihren Arm und blickte gemächlich über den Rand des Bootes. Schatten rauschten in trägen Achterfiguren unterhalb der Wasseroberfläche entlang. „Wir haben Gesellschaft,“ sagte sie auf das Netz deutend.

Fische zu fangen war weder etwas, das Dorian Spaß machtewenn er seine Zeit damit verbrachte, noch hatte er eine sonderliche Abneigung dagegen. Es war ein relativ leichter Job, war es in diesen Gewässern doch nicht sonderlich schwer an die Fische heranzukommen, und einer, der recht wenig Zeit für richtige Arbeit beanspruchte. Dorian brauchte natürlich, wie jeder andere Bewohner Oakvales auch, Geld. Nicht viel Geld, aber genug um Essen auf den Tisch zu stellen und Wein in seinen Becher füllen zu können, wann immer ihm danach war. Als der alte Lazarus, der Fischer der Stadt, mit zunehmendem Alter nicht mehr die Stärke hatte, die er in seiner Jugend besessen hatte, geschah es das er Hilfe dabei brauchte die Fische zu fangen die er in seinem Laden verkaufen wollte. So hatte Dorian, ganz der Opportunist der er war, das Angebot angenommen, jeden zweiten Tag seine Fische zu fangen. So war es nun schon seit Jahren.

Dorian setzte sich langsam und verstimmt auf und richtete seinen Blick über den Rand des Bootes. Tatsächlich, Harriet hatte recht. „In Ordnung, ziehen wir es raus. Auf drei.“ Sicherlich, das war etwas, das Dorian selbst schaffte, hatte er es doch schon oft allein getan, aber warum keine Hilfe in Anspruch nehmen wenn Hilfe so bereitwillig zur Verfügung stand? Er war schließlich immer noch ein Opportunist. Auf drei zogen sie gemeinsam und hoben den Fisch aus dem Wasser in das Boot.

Das gefüllte Netz landete mit einem dumpfen Aufschlag im Boot und Harriet zuckte mit einem ziemlich angewiderten Gesichtsausdruck von ihm zurück. Dorians Augenbrauen waren immer leicht gefurcht, wenn er das beobachtete. Er fühlte sich für einen Moment immer unbehaglich, wenn die Fische starben. Die Art, wie sie herumplumpsten, wie wahnsinnig saugend, ihre weit aufgerissenen Augen auf der verzweifelten Suche nach Wasser. Er wandte die Augen ab, apathisch die Küste ansehend. Tiere zu töten war anders, ein Schuss in den Kopf und es war vorbei. Fische litten wenn sie starben, das war es, was ihn plagte. Manchmal, wenn er ihr qualvolles Ende mit ansah, konnte er nicht anders als sich zu fragen ob er leiden würde wenn er starb. Würde er ertrinken? Ersticken? An einer unheilbaren Krankheit erkranken? Der Gedanke lies ihn schaudern und so wischte er die Vorstellung schnell beiseite. Es war ziemlich dumm von ihm, so missmutig zu denken, er war gerade mal fünfundzwanzig. Andererseits hatte er Leute gekannt, die viel jünger gestorben waren.

„In Ordnung, lass uns diese stinkende Menge zurück zu Lazarus bringen bevor mein Frühstück wieder hochkommt“, und damit machten sie sich auf den Weg zum Dock.

Harriet raffte ihren Rock als sie an Land watete, die Schuhe in der Hand. Ihre Füße sanken in den weichen, warmen Sand ein als sie beobachtete, wie Dorian das Boot festband. In der Ferne konnte sie den alten Lazarus sehen, wie er seine Hütte verließ, wie üblich mit Whiskey in der Hand. Der alte Mann war die halbe Zeit über betrunken, aber niemand in Oakvale schien sich wirklich darum zu kümmern. Seine Fischhütte war unter den Lokalen recht beliebt, immer frisch und immer köstlich, und soweit Harriet sich zurückerinnern konnte war sie immer dagewesen. Sie winkte als er den beiden näher kam.

„Hast dir eine schöne Menge gefangen, Dorian.“

Dorian stellte einen zufriedenen Ausdruck zur Schau und sagte nichts, während er das Netz hoch und aus dem Boot heraushob.

„Ja, vermutlich dank dem schönen Wetter das wir haben“, antwortete Harriet freundlich.

„Da hast du recht Harriet. Es ist tatsächlich wunderbares Wetter zum fischen.“ Der alte Lazarus nahm einen Schluck aus seiner Flasche. Seine Haut war von der vielen Zeit in der Sonne braun gegerbt und hob sich stark von seinem weißen Bart ab. „Bringt sie nur zurück zur Hütte, dann könnt ihr gehen.“

Harriet ging neben Dorian her, als er das gefüllte Netz den Strand hochschleppte. Seine Hose hatte er hochgerollt, um sie trocken zu halten und seine Schuhe ritten nun auf dem Netz. Der alte Lazarus schenkte ihnen ein halb-zahnloses Lächeln und dankte ihnen, als sie seine Hütte erreichten.

„Also, was hast du mit dem Rest deines Tages vor?“ fragte Harriet, sie glaubte die Antwort bereits zu kennen.

„Wie wäre es damit, unsere charmante neue Nachbarin herumzuführen?“

Harriet seufzte, „Du denkst ich will meinen Nachmittag damit verbringen mit anzusehen wie du auf ein unschuldiges Mädchen einschlägst?“

Dorian kicherte über ihre Ehrlichkeit, das hatte er an ihr immer geliebt, „Natürlich! Das ist genau die Art von Dingen von denen ich weiß das sie dir Freude bereiten.“

Sie rollte mit den Augen, „Nein danke“, sagte sie, „Ich begleite dich noch zurück in die Stadt, aber das war's.“

„Na gut“, und damit machten sie sich auf ihren Weg die Straße entlang.

___________________________________________________________

A/N: In Ordnung, so ein kurzes Kapitel, ich weiß. Ich wusste das ich zwei Eröffnungssequenzen für dieses Kapitel brauchen würde, eins für Dorian und eins für Amelia, also hab ich beschlossen aus diesem ein eigenes Kapitel zu machen, zum Wohle des Geschichtsflusses. Es war schwierig eine Arbeit für ihn auszusuchen, aber ich denke die hier passt ganz gut. (Ehrlich, könnt ihr ihn euch als Bauer vorstellen, oder Schmied? Ich auch nicht XD)
Danke fürs  lesen, ich hoffe ihr hattet Spaß, Kommentare sind mehr als willkommen! :)
Review schreiben