A Fable of the Past

GeschichteDrama, Romanze / P12
26.09.2011
27.11.2011
2
5.248
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
26.09.2011 3.856
 
Ü/N: So, hier nun mein erstes Übersetzungsprojekt, die Fable-Fanfiction „A Fable of the Past“ von PerfectlyWeird333. Da es sich nur um eine Übersetzung handelt gehört an dieser Fanfiction so ziemlich nichts mir, weder die Charaktere, noch die Story

Das englische Original findet ihr hier: http://www.fanfiction.net/s/6634108/1/A_Fable_of_the_Past
_____________________________________________________________________

A/N: Sagen wir einfach, als ich zum ersten Mal Reavers Tagebuch gehört habe, kam mir eine Eingebung.
Viel Spass!
_____________________________________________________________________

Kapitel Eins: Etwas Unerwartetes

Wieder ein Umzugstag. Reaver würde eingestehen, dass er Millfields vermissen würde, er hatte es durchaus genossen seine Zeit zwischen solcher Adelsherrschaft zu verbringen. Aber leider hatten jüngste Ereignisse wie die Sprengung seiner bisher letzten (und unterhaltsamsten) Party in seinem Herrenhaus ja schon angedeutet, dass er woanders hinziehen würde. Das und Logans Umsturz. Ja, eine dezentere Gestaltung seines Lebens wäre klug, für den Fall dass die neue Königin und diese Revolutionäre noch mehr seltsame Ideen hatten.
Seine Bediensteten hatten bereits damit angefangen seine Portraits rauszubringen, aber obwohl er so viel Platz zum Leben gehabt hatte, gab es relativ wenige Dinge die er in sein neues Zuhause mitzunehmen beabsichtigte. Er konnte sich leicht neue Einrichtung und solche Dinge beschaffen, also wäre es dumm, sich die Mühe zu machen und solche Dinge mitzunehmen, auch wenn es sicher witzig wäre, seinen Bediensteten dabei zuzuschauen, wie sie es versuchten. Außer seiner Kleidung gab es noch eine weitere Sache, die Reaver immer mit sich genommen hatte. Er hielt sie hinter einem weiteren seiner geheimen Bücherregale verschlossen, eine Truhe in der sich seine wertvollsten Schätze befanden. Kein Gold oder Juwelen oder irgend eine andere Art von Geld. Sicherlich hatte Reaver keine Truhe, die groß genug gewesen wäre, als dass sein ganzes Gold hinein gepasst hätte, das er besaß und er war auch nicht dumm genug, um es in seinem Haus aufzubewahren. Nein, diese Schätze waren persönlicher Natur, über viele Lebzeiten hinweg gesammelt, die voller Abenteuer und Eroberungen gewesen waren. Wieder mal war es Zeit, die Truhe zu bewegen, eine Aufgabe vor der es ihm grauste, war die Truhe doch ziemlich schwer. Trotzdem, Reaver würde niemandem außer sich selbst mit dieser Aufgabe betrauen, enthielt sie doch die einzigen Dinge, die wirklich unersetzbar waren.
„In Ordnung, bringen wir's hinter uns.“ Reaver ließ seine Knöchel knacken und neigte sich herunter um die Truhe hochzuheben. Ja, sie hatte bestimmt nichts von ihrem Gewicht verloren seit er sie zum letzten Mal getragen hatte. Seine Arme spannten sich an während er sie durch den Raum trug. Nur zwei Treppen, dachte er. Er war schon fast bei der Tür. Plötzlich hörte er ein lautes, knackendes Geräusch. „Was zum Teufel war-“ *KNACK* Reaver verlor das Gleichgewicht und heulte auf, als die untere Hälfte der Truhe abbrach und auf seinen Füßen landete. Bevor er sich dessen bewusst war, war er schon auf dem Boden, immernoch die Griffe festhaltend. Reaver fluchte und versuchte sich wieder zu sammeln. Seine Truhe lag nun praktisch in zwei Hälften da: Die obere Hälfte und die untere Hälfte. Er begutachtete die Truhe, so wie es aussah war eines der verrosteten Scharniere abgeknickt und infolgedessen hatte sich das andere Scharnier mit gelöst. Der Boden der Truhe war gesplittert, aber irgendwie hielt er noch genug zusammen, um seinen Inhalt drinnen zu behalten.
Ehrlich, welcher Dummkopf würde die Griffe an der oberen Hälfte eines Koffers anbringen? Das hatte ihn schon immer geplagt. Egal, abgesehen von den schlecht platzierten Griffen hatte sich die Truhe als sehr gut konstruiert erwiesen. Er war überrascht, dass der Koffer solang gehalten hatte, war er doch beinahe so alt wie er selbst. In Anbetracht dessen war es wohl an der Zeit, dass er sich einen neuen zulegte. Reaver seufzte und sah sich im Raum um, auf der Suche nach etwas, in dem er fürs erste seine wertvollsten Besitztümer transportieren konnte und das auch angemessen für diese war.
Nach einem Moment kam er zu dem Schluss, dass der einzige annehmbare Behälter dafür der Koffer war, der am Fußende seines Bettes stand und für Kleidung benutzt wurde (meistens). Obwohl der Koffer um einiges größer war als nötig, war er wohl seine beste Wahl. Er näherte sich dem Koffer und öffnete ihn. Er war nur halb voll. Die Kleidung würde jedenfalls dabei helfen seine wertvolleren Dinge zu polstern. Obgleich ich wohl Hilfe brauchen werde beim runtertragen, überlegte er, während er die Größe abwägte. Er verwarf die Idee. Die Truhe quietschte ohrenbetäubend über das Parkett als Reaver ihre Trümmer zum Koffer am Fuße seines Bettes schleifte. Zum Glück zog er aus dem Herrenhaus aus. Seinetwegen konnte sich der nächste Besitzer mit Kratzern auf dem Boden herumschlagen. Nun zum Transport seines gesamten Inhalts. Als er hinein spähte, merkte er, dass es eine Weile her war, seit er seinen Koffer mal durchgesehen hatte. Genaugenommen wusste er nicht mal mehr genau, wann er ihn zum letzten Mal um der Erinnerungen Willen durchgeschaut hatte. Fast immer, wenn er dieses unverschämt alte Stück Gepäck geöffnet hatte, hatte er es getan um Dinge reinzupacken, nicht um welche herauszunehmen.
Nun gut, das sollte interessant werden, grübelte er. Vielleicht gab es daran auch etwas gutes, so monoton diese Aufgabe auch erschien. Er begann mit dem Inhalt. Fast 300 Jahre im Wert von Schätzen, auch wenn die meisten davon technisch gesehen nutzlos waren. Alte Schatzkarten, besondere Andenken, die er von den Kapitänen genommen hatte, die er getötet hatte, Plunder von verschiedenen Reisen. Reaver erfreute sich daran, in den Erinnerungen an vergangene Abenteuer zu schwelgen. Als er damit fortfuhr, die Truhe auszuräumen, stolperte er über einen Spitzen-Strumpfhalter. „Oh Penelope“ Er lächelte verschlagen, als er sich an diese Nacht erinnerte. Ich frage mich... Mit kindlicher Neugier hielt er ihn näher an sein Gesicht und roch daran. Er musste wie ein Idiot aussehen, wie er ihn an seine Nase presste und versuchte, den leisesten Hauch von ihr zu erhaschen. Nutzlos. Er roch, als ob er schon seit fast 60 Jahren in einem alten Koffer lag, recht angemessen. Enttäuscht schleuderte er ihn in den neuen Behälter.
Es dauerte etwas, bis Reaver den Boden fühlte. Je weiter er grub, umso älter wurden die Dinge. Natürlich brauchte er bei einigen Gegenständen ein paar Momente, bis er sich wieder erinnerte, wo er sie erhalten hatte. Oh ja, die Dinge dort unten waren sehr alt. Reaver kramte in der Truhe herum, bis schließlich doch etwas seinen Blick einfing und sein Herz einen Schlag lang aussetzen lies.
Nein, das kann nicht sein. Er lehnte sich schwer atmend zurück, gerade so als ob er sich vor dem fürchtete, was darin war. Einen Augenblick später spähte er wieder in die Truhe und holte das alte Ding heraus, um es näher in Augenschein zu nehmen. Ja, es war genau das, was er gedacht hatte, das es war.
Er verfluchte sich selbst dafür, dass er es nicht zerstört hatte. Wie hatte es nur solange überleben können, für so viele Jahre, nachdem er gedacht hatte er wäre alles los geworden. Sein Kopf hämmerte, als Gefühle und Erinnerungen durch die Risse in seiner Rüstung strömten, die er sich über so viele Jahre aufgebaut hatte. Verzweifelt sah er zum Kamin, wie im Reflex wollte er den Schmerz vernichten, in dem er es ein für allemal zerstörte. Als ob das helfen würde.
Sehr zu seinem Leidwesen war das Feuer nicht angezündet. Er drehte das Buch in seinen Händen. Die Seiten waren mit der Zeit brüchig geworden und verblasst. Er saß wie erstarrt da, unfähig die Erinnerungen zu stoppen, die wie eine Flutwelle über ihn hereinbrachen. Es gab eine Geschichte die mit diesem Buch einherging.
Aber diese Geschichte gehörte in eine andere Zeit, in einen anderen Mann.
______________________________________________________________________
Seit die Nachricht bekannt geworden war, dass das Haus der alten Mrs. Greybo verkauft worden war, gab es viele Spekulationen, wer es denn nun erstanden hatte. In dem kleinen Dorf Oakvale waren neue Einwohner immer eine große Sache. Der Tag an dem die Brightons in den Ort zogen war da keine Ausnahme.

Als Harriet Ashfield an diesem Nachmittag aus ihrem Fenster schaute und zwei große Fahrgestelle vor eben jenem Haus sah, wusste sie, dass es sich um niemanden außer ihre mit Spannung erwarteten Nachbarn handeln konnte. Dorian wird davon wissen wollen, dachte sie, Ich werde zuerst bei ihm vorbeischauen, dann können wir sie zusammen treffen. Und damit verließ sie ihr Haus und machte sich auf in Richtung der Hügel zu seinem.

Dorian Maslow war die jüngste Person in Oakvale die ein Haus besaß und ganz allein in ihm lebte. Die meisten anderen jungen Erwachsenen wohnten bei ihren Eltern bis sie heirateten oder in eine andere Stadt zogen. Dorians Zuhause war sein Erbe gewesen. Er war 25.

Nach wenigen Minuten hatte Harriet das Landhaus erreicht und klopfte an die Tür. Sie starrte sie einen Moment lang an, während sie wartete. Etwas von der Farbe blätterte ab. Stille. Wieder klopfte sie, diesmal lauter. „Dorian, mach auf! Unsere neuen Nachbarn sind hier!“ Immer noch nichts. „Also ehrlich“ Sie rollte mit den Augen und stieß den leeren Blumentopf um. Darunter hatte er immer einen Ersatzschlüssel versteckt. Sobald sie drin war warf sie den Schlüssel auf den Tisch und machte sich auf den Weg die Treppe hoch, nur um ihn quer über das Bett ausgestreckt und schlafend vorzufinden. Das hätte sie sich auch denken können.

Harriet ging zu dem Bett und lies ein ärgerliches Seufzen hören. Was hatte er nur getrieben, dass er so lang aufgeblieben war, fragte sie sich. Auch egal, sie wollte es gar nicht wissen. „Dorian, wach auf!“

Er regte sich schwach und grummelte etwas Zusammenhangloses.

„Ich wollte dich fragen, ob du mitkommst, damit wir unsere neuen Nachbarn treffen, aber scheinbar ist es für dich noch zu früh.“

Er öffnete die Augen und blinzelte gegen die Mittagssonne an. „Wie spät ist es?“

„Mittag.“

Harriet beobachtete ihn, wie er sich herum rollte und streckte. Er trug kein Hemd. Sie dachte, dass sie inzwischen daran gewöhnt sein sollte, immerhin kannten sie sich schon seit sie Kinder waren. Sie war es noch immer nicht. Seine leicht gebräunte Haut schien im Sonnenlicht zu leuchten. Er sah so warm aus, sie wollte mit ihm unter die Decke schlüpfen und seine erwärmte Haut an ihrer Wange fühlen. Dann erinnerte sie sich wieder daran, warum sie da war. „Dorian, komm schon, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit!“

Schlaftrunken rieb er sich die Augen, „In Ordnung Harriet, gib mir nur eine Sekunde.“ Er setzte sich auf und streckte sich abermals, während er versuchte, sich an das Licht zu gewöhnen. Seine strubbligen braunen Haare glänzten im Sonnenlicht. Harriet verschränkte ihre Arme und setzte sich während sie wartete. Er war schon immer sehr attraktiv gewesen und das wusste er. Dorian schwang seine Beine über den Bettrand und saß einen Moment so da. Er trug nichts außer seiner Unterwäsche. Endlich stand er auf. „Ich denke ich sollte mir ein paar Klamotten anziehen,“ sagte er und zog die mittlere Schublade seiner abgenutzten Kommode auf. Er hohlte ein locker sitzendes weißes Hemd heraus und eine braune Hose; Arme-Leute-Kleidung.

Es gab eine Zeit, in der Reaver zufrieden mit dem gewesen war, was er hatte. Eine Zeit in der er keine Probleme hatte, solange er nur was zum essen, was zum anziehen und einen angenehmen Ort zum leben hatte. Die meisten Menschen in Oakvale lebten auf die gleiche Art. Dorian knöpfte seine Hose zu, rollte die Ärmel hoch und kämmte seine Haare in ihre übliche, verwuschelte Form. Mühelos. Alles in allem hatte Dorian Maslow ein ziemlich gutes Los gezogen. Er ging zu seinem Nachttisch um den Hausschlüssel zu holen und seine Schuhe anzuziehen. „Fertig, wenn du es bist.“

„In Ordnung, gehen wir. Abigail wird wahrscheinlich auch mitkommen wollen.“ Harriet stand auf und folgte ihm die Treppen herunter. Er hätte wirklich etwas schöneres anziehen können, dachte sie. Immer hin war das der erste Eindruck, den ihre Nachbarn von ihnen kriegen würde und sie wusste, dass er eigentlich noch hübschere Klamotten besaß als jene, die er gerade trug. (Obwohl sie nicht alle so viel schöner waren). Sie überlegte, etwas dazu zu sagen, aber er würde wahrscheinlich nur irgendwas antworten von wegen er brauchte sich keine schöneren Klamotten anzuziehen, um Leute zu beeindrucken, weil er schon von Natur aus bezaubernd war. Ja, das klang eindeutig nach etwas, was er sagen würde. Und dann würde er ihr eines seiner herzschmelzenden Lächeln zuwerfen. Es wäre also ein hoffnungsloser Fall, irgendwas dazu zu sagen. Davon abgesehn hatte sie ihn schon dazu gebracht aufzustehen, sich anzuziehen und mit ihr aus dem Haus zu gehen. Damit gab sie sich zufrieden.
______________________________________________________________________

Mit einem Seufzen setzte sich Amelia Brighton auf die Stufe vor ihrer neuen Haustür und sah auf die üppigen, sonnigen Felder Oakvales hinaus. Ein ziemlich großer Unterschied zu Bowerstone, so viel Platz. Die warme Sommerbrise fühlte sich gut in ihrem Gesicht an, während sie sich kurz ausruhte und ihren Armen eine Pause vom Abladen der Fuhrwerke gönnte. Plötzlich fühlte sie, wie sie von hinten angestupst wurde und griff hinter sich, um den grau getigerten Kater zu streicheln. „Hallo Ripley,“ sie lächelte ihn breit an und kraulte ihn unterm Kinn. Sie musste zugeben, dass sie etwas besorgt darüber war ihn hier draußen herumstreunern zu lassen. Die Felder waren riesig, sie machte sich Sorgen, dass er sich verirren könnte.

Aus den Augenwinkeln sah Amelia etwas, das ihre Aufmerksamkeit erregte. Drei Gestalten kamen die Straße runter, ein junger Mann in der Mitte mit je einer Frau zu beiden Seiten. Eine blond und eine mit einer neutralen braunen Haarfarbe. Sie alle sahen aus, als ob sie ungefähr in ihrem Alter waren. Kein Zweifel, mehr Besucher. Sie rief ihren Vater, dass er kommen und sie begrüßen sollte.

Mr. Brighton war ein schlanker Mann Mitte 50. Seine geraden, grauen Haare endeten etwa bei der Mitte seines Halses und normalerweise hielt er sie mit einer Schutzbrille, die er auf seinem Kopf trug, aus seinem Gesicht heraus, aber heute nicht. Heute zogen er und seine Tochter in ihr neues Zuhause in Oakvale ein und es wäre später noch genug Zeit für Experimente.

„Ah, hallo ihr“ rief er den drei Besuchern fröhlich entgegen. Alle drei riefen Grüße zurück. Amelia erhob sich und ging den Fußweg hinunter, um sie zu begrüßen.

„Hi, ich bin Harriet Ashfield,“ sagte die Blondine, Amelia ihre Hand hinhaltend, „Es ist so schön euch zu treffen, wir haben eure Ankunft nun schon eine Weile erwartet.“

Amelia lächelte und erwiederte den Händedruck, „Hi, ich bin Amelia Brighton und das mein Vater,“  sie zeigte auf ihn.

„Arthur Brighton“ er schüttelte herzlich ihre Hand, „Danke, dass ihr vorbeischaut, alle hier sind so einladend.“

Das braunhaarige Mädchen,  Abigail Green, stellte sich als nächstes vor. Amelia fiel auf, dass sie eindeutig leiser sprach als die Blondine. Beide Mädchen schienen eine Zuneigung zum mittleren Mitglied ihres Trios zu haben, welches Amelia auf seine charakteristische Art anlächelte.

Tief in ihre kristallblauen Augen starrend reicht Dorian ihr seine Hand. Diese Amelia Brighton war der Inbegriff von Anmut. Wie glücklich er war, dass er nun eine neue junge Frau zum kennen lernen hatte. So eine Schönheit! Oh ja, Dorian hatte nicht erwartet, einen neuen Nachbarn wie diesen vorzufinden, aber er war sehr dankbar dafür. „Dorian Maslow, so eine Freude Euch zu treffen.“

„Ja, und es ist auch eine Freude Euch zu treffen.“ antwortete Amelia. Sein Blick hatte eine sanfte Intensität. Jetzt da er näher war, erkannte Amelia das Dorian einen ausgeprägten Schönheitsfleck unter dem linken Auge hatte.

Ja, deshalb mochte Dorian Neuankömmlinge. Naja, junge, attraktive Neuankömmlinge. Liebevoll erinnerte er sich an Marietta. Westons' Cousine aus Oakfield.War wirklich schon fast ein Jahr vergangen seit diesem Sommer? Enttäuschend, dass sie nur für ein paar Wochen hatte bleiben können, es hätte so viel besser enden können.Bobby Weston war heute immer noch etwas sauer auf ihn, weil er mit seiner Cousine geschlafen hatte.

„Also, von wo genau kommt ihr beiden?“ fragte Dorian nach.

„Bowerstone,“ antwortete sie, „Wir hatten dort oben eine Apotheke, aber vor etwa sechs Monaten hat am anderen Ende der Stadt eine andere eröffnet und wir verloren viele Kunden,“ erklärte sie.

„Ja, Amelia und ich dachten, wir hätten all unser Glück verloren, bis wir hörten, dass hier unten etwas zum Verkauf steht,“ stimmte Mr. Brighton ein, „Und da Oakvale keine Apotheke hat, dachten wir, dass es perfekt wäre. Quasi Glück im Unglück.“

„Wisst ihr, wir könnten hier wirklich eine Apotheke gebrauchen,“ fügte Harriet hinzu, „Mein Vater ist der Arzt hier, jetzt muss er keine Kräuter und Medizin mehr bestellen, das ist wirklich gut.“ Harriet konnte nicht umhin zu bemerken, dass Dorian ziemlich starr war, seit sie ihre neuen Nachbarn getroffen hatten. Abigail warf ihr einen wissenden Blick zu. Geht das schon wieder los!

„Oh, tatsächlich? Dann werden er und ich wohl viel miteinander zu tun haben,“ er lächelte sie an.

Amelia schloss aus den Blicken der beiden Mädchen, von denen er flankiert war, dass Dorian Maslow der Schwarm der Stadt war. Sie musste zugeben, dass er unheimlich gut aussehend war. Sie konnte auch sagen, dass er es wusste. Die Blicke der Mädchen wurden neidisch, als er sie wieder so herzschmelzend anlächelte und sie fühlte, wie sie das Lächeln erwiederte als, ob sie keine Kontrolle darüber hatte. Sie sah einen Schimmer Genugtuung in seinen Augen als sie das Lächeln erwiederte, als ob er geahnt hätte, welche Wirkung er auf sie hatte. Es war offensichtlich, dass er damit Erfahrung hatte, aber ihre eigenen Erfahrungen sagten ihr, dass es einige Dinge gab hinter denen charmante Männer wie er her waren. Egal, das war ihre erste Begegnung, also würde sie höflich bleiben.

„Wisst ihr, wenn ihr etwas Hilfe dabei braucht, diese Kisten reinzubringen, wäre ich mehr als froh euch behilflich zu sein,“ bot er an. Harriet und Abigail warfen sich gegenseitige Blicke zu.

„Aber gewiss doch!“ warf Mr. Brighton ein bevor sie Zeit zum antworten hatte, „Wir könnten wirklich Hilfe gebrauchen, wie überaus freundlich von Euch.“

Amelia beobachtete wie sich ein selbstzufriedenes Lächeln in Dorians Gesicht schlich. „Wunderbar, sagt mir nur, wo ihr die Sachen hinhaben wollt.“

„In Ordnung,“ sagte er, „Für's erste stellen wir alles ins Wohnzimmer, äh, den baldigen Apothekenteil unseres Zuhauses.“ fügte er mit einem Glucksen hinzu.

„Natürlich,“ sagte Dorian, Amelia einen weiteren verstohlenen Blick zuwerfend, bevor er zur Rückseite des Fuhrwerkes ging.

Harriet rollte mit den Augen, „Nun denn, wir machen uns nun auf den Weg, es war schön euch zwei zu treffen.“

„Ja, es war schön euch beide zu treffen,“ fügte Abigail hinzu, ehe Harriet ihren Arm nahm und sie gingen.

Amelia beobachtete, wie Dorian den Griff der nächstliegenden Kiste fasste und sie hochhob. Das heißt, er versuchte es. Sie war unglaublich schwer. Er mühte sich einen weiteren Moment lang ab, ehe er eine Stimme hinter sich hörte. „Braucht Ihr etwas Hilfe?“ Ihr Tonfall war genauso selbstgefällig wie sein Lächeln nur Augenblicke zuvor.

„Hm? Nein, ich hab's. Ich muss mich nur richtig hinstellen,“ er versuchte es wieder, diesmal hob er sie mit mehr Erfolg an, wenn auch mit viel Mühe. Unter dem Gewicht taumelte er zurück, es fühlte sich an als ob seine Arme gleich brechen würden. Amelia verschränkte die Arme und zog eine Augenbraue hoch. „In Ordnung, bei der hier könnte ich etwas Hilfe gebrauchen“, gab er zu, ihr ein weiteres Lächeln zuwerfend, um die Verlegenheit zu verbergen.

Sie kam ihm zu Hilfe, indem sie die Box auf der anderen Seite von unten festhielt. „Was ist in diesem Ding? Ziegelsteine?“

„Bücher,“ nun war sie damit dran, ihm ein Lächeln zuzuwerfen.

„Deine?“

„Die meisten davon, ja.“

„Beeindruckend.“

„Danke,“ sie watschelten ins Wohnzimmer und setzten die Kiste auf dem Boden ab. „Da wo die herkommt gibt es noch mehr.“

Er zog die Augenbrauen hoch, „Oh, dann werde ich ohne Zweifel Eure Mithilfe brauchen.“

„Das werdet Ihr,“ sagte sie und machte sich wieder auf den Weg zum Fuhrwerk. Dorian musterte sie, während er ihr folgte, sie hatte einen wundervollen Körper, wie er bemerkte, sehr geschmeidig und schlank. Die Form ihres Kleides betonte vor allem ihre untere Hälfte sehr schön, sehr passend zu ihrer Figur. Es passte auch gut zu ihren roten Haaren, ein sehr helles blau. Er hob seinen Blick in dem Moment als sie sich umdrehte, allerdings konnte er aus ihren Blicken schließen, dass sie sich dachte, dass er sie angestarrt hatte.

„In Ordnung, in dem hier sind ebenfalls Bücher,“ sagte sie, sofort wieder bei der Sache. Es sah nicht so aus, als ob sie sehr gesprächig war.

Dorian hob die Kiste zuerst an und Amelia packte anschließend mit an. Na gut, dann würde er eben die Fragen stellen. „Also, habt Ihr Euer ganzes Leben in Bowerstone verbracht?“ Die Kiste war ziemlich groß, aber klein genug, dass sie noch das Gesicht des jeweils anderen sehen konnten, sehr zu Dorians Vorteil und Amelias Unbehagen.

„Ja, Ich nehme an Ihr lebt hier schon eine Weile?“ Da sie diejenige war, die Rückwärts lief, nutzte sie häufig die Gelegenheit, hinter sich zu schauen und ihre Schritte zu beobachten, aber auch um ihren ungünstigen Sichtkontakt zu unterbrechen. Dorian hingegen war nicht annähernd so geschickt. Sie bezweifelte, dass er auch nur einmal weggesehen hatte, seit sie mit angepackt hatte.

„Ja, mein ganzes Leben lang. Was hat Euch das vermuten lassen?“ fragte er nach.

„Nun,“ sie drehte sich wieder um, um ihren Weg im Auge zu behalten, „Diese beiden Mädchen schienen dich recht gut zu kennen.“ Sie bezog sich auf ihre besitzergreifenden Blicke, aber sie war sich nicht sicher, ob er das mitbekam.

„Hm,“ er dachte über ihre Äußerung nach, „Wie aufmerksam von dir.“ Endlich stellten sie die Kiste ab.

„Oh gut! Wie ich sehe habt ihr die Bücher reingebracht,“ bemerkte Mr. Brighton als er die Treppe runterkam. „Schwer, nicht wahr? Weißt du Amelia, wenn ich so darüber nachdenke, war es dumm von uns, sie so zusammen zupacken.“

Amelia lächelte und schüttelte den Kopf. „Für den Rest sollte eine Person jeweils reichen,“ merkte sie an. Amelia und ihr Vater hatten schon die meisten der Kisten abgeladen, bevor Dorian und seine Freunde gekommen waren. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, ehe sie mit seiner Hilfe fertig waren.

Mr. Brighton lächelte und schüttelte Dorians Hand, als der in der Tür stand. „Ja, es war so schön, Euch zu treffen. Und danke nochmal, Dorian. Ich nehme an, wir werden von Euch hören,“ fügte er hinzu. Immerhin waren sie offiziell Nachbarn.

Dorian lächelte den älteren Mann an, drehte jedoch seinen Kopf dessen Tochter zu, ehe er sprach: „Ja, ihr werdet garantiert noch von mir hören.“
______________________________________________________________________

A/N: In Ordnung, eine Menge Vorstellungen in diesem Kapitel (und es kommen noch mehr!) Im nächsten Kapitel werdet ihr auch mehr über Amelia und andere Charaktere herausfinden. Es ist ein etwas langsamer Start, aber er wird bald aufholen. Es hat viel Spaß gemacht, das zu schreiben, auch wenn es etwas herausfordernd war, da es nur weniges in Reavers Tagebuch gab, von dem aus ich loslegen konnte. Ich hoffe, bisher hat es euch gefallen und lasst auf dem Weg nach draußen doch noch ein Kommentar da!
______________________________________________________________________

Ü/N: So, das hier war nun das erste Kapitel von „A Fable of the Past“ in Deutsch und ich hatte hierbei auch viel Spaß beim Übersetzen.
An Dieser Stelle möchte ich auch ganz herzlich meinem Beta-Leser danken der die nötige Lust und Geduld hatte sich das anzuschauen und vorallem meine ganzen Komma- und das/dass-Fehler zu korrigieren.
Das nächste Kapitel kommt dann demnächst^^
Review schreiben