Behind The Mask

GeschichteRomanze / P16 Slash
Malcolm Reese
25.09.2011
10.10.2011
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25.09.2011 2.488
 
Malcolm stolperte aus einer der kleinen düsteren Putzkammern seiner Schule. Auf dem Kragen seines Hemdes, welches er offen über einem Shirt trug, war ein kleiner rosa Fleck zu erkennen, der von dem Lipgloss eines Mädchens stammte mit dem er bis eben noch in der Putzkammer rumgemacht hatte.
Ein dümmliches Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. Melissa, der Name des Mädchens, hatte ihn zuerst auf den Gang geschoben, damit sie nicht gleichzeitig aus der Putzkammer treten mussten und vielleicht noch aufsehen erregen würden. Doch ihre Sorge war unbegründet. Auf Malcolm achtete sowieso nie irgendjemand. Und zum ersten Mal in seinem Leben hatte er nichts dagegen einzuwenden. Was vermutlich daran lag, dass seine Gedanken sich nur noch um eines drehten: Melissa. Seit nun knapp zwei Wochen hatte er was mit ihr laufen. Und bis jetzt hatte er noch keinen Grund auf irgendeine Weise unzufrieden zu sein. Er war einfach glücklich darüber, dass ein heißes Mädchen wie Melissa sich mit ihm traf oder in den Pausen in irgendeiner dunklen Putzkammer mit ihm herumknutschte. Dabei störte ihn die Tatsache, dass sie ihn vermutlich nur wegen seines überdurchschnittlichen IQ's ausnutzte reichlich wenig. Er war einfach nur zufrieden. Und dies spiegelte sich in seinem dämlichen Grinsen wieder, welches ihn seit zwei Wochen fast ununterbrochen begleitete.
Doch während er den Flur weiter entlang lief verschwand dieser Ausdruck der Zufriedenheit sofort,als er seinen älteren Bruder Reese erblickte, der mit einer mehr als gelangweilten Miene einige Bücher ins seinen Spind packte. Nicht selten hatte Malcolm sich schon gefragt wozu Reese sie überhaupt noch mitbrachte. Denn das was er im Unterricht war konnte man nicht wirklich als aufmerksam, geschweige denn wach bezeichnen. Doch das war nicht der Grund weshalb Malcolms Laune sich so abrupt verschlechterte. Reese hatte sich in letzter Zeit, sehr zur Sorge seines jüngeren Bruders, verändert. Zu hause aß er kaum noch oder beschwerte sich über die Erziehungsmaßnahmen ihrer Mutter. Doch als wäre dies nicht schon erschreckend genug gewesen, so fiel Malcolm zunehmend auf, dass sein normalerweise rücksichts- und gewissenloser Bruder keinen Mist mehr verbockte.
Schon gute 10 Tage stand keine Polizei (wegen Reese) mehr vor ihrer Tür oder lag eine Mahnung der Schule im Briefkasten der Familie. Erst am Vortag hatte Malcolm beobachtet, wie Reeses Lieblingsopfer (ein schwacher, kleiner rothaariger Junge aus der Mittelstufe, dessen Füße unterschiedlich schnell gewachsen waren) glücklich pfeifend mit einem nach Mühe aussehendem Erdkundeprojekt an ihm vorbeigelaufen war ohne, dass Reese ihm auch nur ein Bein gestellt hatte.
Er schien ihn nicht einmal registriert zu haben. Alles was er tat war mit glasigem Blick stur in die Landschaft zu starren.
„Hey Reese.“, Malcolm lehnte sich seinem Bruder gegenüber an die Spindreihe. „Hey.“, antwortete er ihm mit monotoner Stimme ohne aufzublicken, nachdem er das letzte Buch verstaut hatte. Er schien alles andere als interessiert an irgendeiner Konversation zu sein.
Malcolm presste seine Lippen zusammen. „Ist alles okay mit dir?“ Er hasste es seinen Bruder derartiges fragen zu müssen. „Was soll denn sein?“, fragte Reese, dessen Blick noch immer am Spind vor ihm klebte, gespielt lässig. Stimmt. Was war denn schon? Sein Bruder verhielt sich im Moment einfach merkwürdig. Bei der Familie, in der die beiden aufgewachsen waren, war es im Grunde nur eine Frage der Zeit bis einer von ihnen Mal den Kopf verlor. Damit hätte sich Malcolm eigentlich zufrieden geben können. Er hätte einfach abwinken, sich umdrehen und das peinliche Gefühl, welches gerade in ihm aufstieg vergessen können.
An Dinge, oder besser Mädchen mit denen er seinen Kopf beschäftigen könnte, gab es genug. Doch Malcolm ignorierte diese Möglichkeit und lies nicht locker.
„Ich weiß nicht... du verhältst dich in letzter Zeit einfach eigenartig.“
Reeses Kopf hob sich. Dieses Mal sah er Malcolm direkt in die Augen.
„Ich benehme mich doch nicht eigenartig.“ Seine Stimme triefte vor unterdrücktem Zorn. „Und selbst wenn, was würde dich das angehen? Wenn du über Gefühle oder den Mist reden willst, dann such dir ein Mädchen oder 'ne Horde Tunten, die sich dein Gelaber geben. Aber komm' damit ja nicht zu mir. Du weißt ja was bei uns passiert, wenn man über seine Gefühle spricht.“ Er sah Malcolm zornig an, knallte seinen Spind zu uns lies seinen Bruder stehen.
Er behielt seinen ernsten Gesichtsausdruck bei, bis er um die Ecke gegangen und sich sicher war, dass Malcolm ihm nicht gefolgt war. Sofort lehnte er sich seufzend gegen die Wand. Außer ihm war kaum ein anderer Schüler in diesem Teil des Flures und selbst die waren voll und ganz mit sich selbst beschäftigt, sodass sie Reese gar nicht bemerkten. Dieser lies sich derweil immer tiefer an der Wand gen Boden sinken. Jetzt ahnte Malcolm auch noch etwas, spukte es ihm durch den Kopf. Er durfte es nicht so auffällig machen. Später würde er gar nicht mehr locker lassen. Er würde das sowieso nicht verstehen. Nein, nicht Malcolm. Nicht der Malcolm, der schon bei der kleinsten Sache den Kopf verlieren kann. Selbst wenn er es im erzählen würde, verstehen könnte er es sowieso nicht.
Er seufzte, mittlerweile ganz auf dem Boden sitzend, noch einmal auf. Seine Gedanken wurden jedoch von dem Schulgong unterbrochen, der die nächste Stunde einläutete. Nicht gerade begeistert richtete er sich auf. Jetzt würde er auch noch zu spät zum Unterricht kommen.

Obwohl sie im Schulbus zurück nach Hause nebeneinander gesessen hatten, haben sie nicht ein Wort miteinander gewechselt. Der Grund weshalb Reese überhaupt neben seinem Bruder saß, war, dass sonst kein anderer Platz frei war. Stillschweigend stiegen sie aus und liefen über den Rasen ins Haus. Doch dort herrschte ein noch größeres Chaos, als sie es gewohnt waren. Dewey saß am Küchentisch und durchwühlte aufgeregt einen Haufen Notenblätter, die noch geordnet gewesen zu sein schienen, während Hal zwischen Herd und Waschmaschine hin und her rannte. Währenddessen hörten sie das laute Gefluche ihrer Mutter, das aus dem Schlafzimmer kam.
„Na toll.“, murmelte Reese mies gelaunt. Er hatte gehofft wenigstens hier seine Ruhe zu haben.
Malcolm runzelte über die Situation die Stirn und ging auf seinen Dad zu.
„Hey, was ist denn hier los? Hat Francis letzten Endes doch noch jemanden umgebracht oder wieso seit ihr alle so aus dem Häuschen?“ „Frag Dewey.“, antwortete sein gestresster Vater kurz und drehte leise fluchend am Herd herum. Er hatte gerade bemerkt, dass ihm die Tomatensoße angebrannt war. Malcolm gab einen tiefen, genervten Seufzer von sich und verdrehte die Augen. „Dewey!“ Unsanft tippte er seinem kleinen Bruder gegen den Kopf.
Sofort fasste sich Dewey an die Stelle, die Malcolm getroffen hatte und wand sich an ihn.
„Was soll denn das?!“ „Ich will wissen was hier los ist!“
„Ich habe einen Brief von dem Musikwettbewerb bekommen an dem ich teilnehmen wollte. Ein Teilnehmer hat sich drei Finger gebrochen und sie wollen, dass ich für ihn einspringe. Wir müssen heute Abend noch in Ohio sein. Und wenn es dir nichts ausmacht, würde ich jetzt gerne weitermachen.“, schrie Dewey aufgeregt und machte sich daran den Berg Notenblätter vor ihm in kleinere Häufchen aufzuteilen.
„Verstehst du das ganze?“, fragte Malcolm Reese. Dieser zuckte, mit einem laschen Ausdruck in den Augen, nur die Schultern und verschwand in seinem Zimmer.
Malcolm sah ihm misstrauisch hinterher. Von wegen mit ihm sei alles okay, dachte Malcolm. Doch darum würde er sich später kümmern. Erst wollte er mit seiner Mutter sprechen um mehr über diese Ohio-Trip zu erfahren, von dem Malcolm sich sicher war, dass er sich als Ausflug für die ganze entpuppen würde.
Auf dem Weg zum Schlafzimmer, in dem er seine Mutter vermutete, legte er sich bereits Argumente zurecht, wieso er, seiner Meinung nach, nach nach Ohio sollte. Doch diese bewiesen sich als unnötig, denn kaum hatte er die Tür zum Zimmer seiner Eltern geöffnet, wendete sich seine Mutter, die gerade gestresst versuchte einen eindeutig überfüllten Koffer zu zubekommen, an ihn.
„Ah gut, dass ihr da seit,Malcolm. Dein Vater, Dewey und Ich sind über das Wochenende in Ohio. Dewey muss an einem wichtigem Wettbewerb teilnehmen und da wir nicht das Geld für weitere Flugtickets aufbringen konnten, werden Reese und du zu Hause bleiben.“ Klack. Der Deckel des Koffers rastete ein uns Lois atmete erleichtert auf.
Malcolm konnte nicht glauben was er gerade gehört hatte. Reese und er würden das Haus für das gesamte Wochenende für sich haben. Er versteckte seine Freude darüber so gut es ging. Er befürchtete, dass seine Mutter es sich noch anders überlegen würde, wenn sie sah, dass er im Kopf die unendlichen Möglichkeiten durchging, die sich ihnen eröffneten und ihn und seinen Bruder als Handgepäck mitnehmen würde. Dies traute er ihr voll und ganz zu.
„Und wann kommt ihr wieder?“ Er versuchte seine Stimme möglichst gleichgültig klingen zu lassen. „Sonntag Nachmittag. Und ich will.“, sie ging einen Schritt auf ihren Sohn zu und blickte ihm mahnend in die Augen, „Ich will, dass das Haus noch steht, der Rasen kein Schlachtfeld ist und alle Nachbarn noch leben, wenn wir wieder zurückkommen. Und sag deinem Bruder, dass wenn er mal wieder meint in Las Vegas heiraten zu müssen, wie letztes Mal, dass eine Annullierung nicht von Nöten sein wird, da ich ihn dieses Mal töten werde.“ Mit mahnendem Zeigefinger war sie immer näher gekommen, sodass Malcolm den Schweiß, den der Stress und die Anstrengung verursacht hatten sehen konnte.
Er sparte sich ihr die Meinung zu sagen, dass er nicht der Blöde der beiden sei und nickte leicht verängstigt.  
„Gut. Und jetzt sag's deinem Bruder.“, fuhr Lois ihn an, schnappte sich den Koffer und scheuchte ihren Sohn vor ihr aus dem Zimmer.
„Reese du wirst es nicht glauben.“, berichtete Malcolm seinem Bruder aufgeregt, kurz nachdem er ihr gemeinsames Zimmer betreten hatte. „Mum, Dad und Dewey fahren über das Wochenende nach Ohio. Das bedeutet wir sind ein komplettes Wochenende ohne Aufsicht!“ Malcolm Begeisterung war kaum zu bremsen. Ganz im Gegenteil zu Reese, der sich nicht weniger für die Sache interessieren könnte. „Schön.“, antwortete er Malcolm desinteressiert, während er auf dem Bett liegend einen Gummiball wieder und wieder gegen die Wand warf, welche nach jedem Treffer leicht erzitterte. Malcolm Schultern sackten gen Boden. Er begriff nicht was mit seinem Bruder los war. Der Reese, den er kannte wäre vor lauter Eifer und Tatendrang mit einem aufgeregten Grinsen im Gesicht vom Bett aufgesprungen.
Doch das was jetzt lustlos auf dem Bett lag, war nur ein Schatten seines normalerweise vor dummen und zum scheitern verurteilten Ideen sprudelnden Bruders. Malcolm gab jedoch gab nicht auf. „Ich glaube du verstehst nicht ganz, Reese. Wir können so ziemlich alles machen, was wir wollen. Das wäre die Gelegenheit endlich mal unsere eigene Haus Party zu schmeißen.“, versuchte er seinen Bruder zu überzeugen. „Keine Lust, aber mach nur. Ich verpetz' dich nicht.“
Malcolm verengte die Augen. Hier stimmte etwas nicht. Schlimm genug, dass Reese nicht dabei sein wollte, aber ihn nicht verpetzen? Das ging zu weit. Irgendetwas ging in seinem Bruder vor. Irgendetwas das er zu verstecken versuchte. Er würde es schon noch herausfinden, sagte sich Malcolm und machte sich ohne sich noch einmal an Reese zu wenden, der ihn sowieso nicht mehr zu beachten schien, an seine Hausaufgaben.

„So Jungs, ich denke ich muss euch nicht noch einmal sagen, wie die Regeln sind, während wir fort sind. Im Kühlschrank ist etwas zu essen und auf dem Tisch liegt die Nummer unseres Hotels in Ohio. Falls irgendetwas sein sollte ruft uns an.“
Reese und Malcolm standen in der Küche und hörten sich die letzte Predigt ihrer Mutter an, bevor sie für 48 Stunden Ruhe vor ihr und dem Rest der Familie hatten.
„Wir haben's verstanden Mum.“, fuhr Malcolm sie an. Er hoffte, dass sie nun endlich verschwinden würde. Hal und Dewey saßen bereits seit zehn Minuten im Wagen und forderten Lois immer wieder durch lautes Hupen auf, nun auch zu kommen, sodass sie aufbrechen konnten.
„Ich komm ja gleich Hal!“, schrie Lois aus dem Fenster, woraufhin sie auch wirklich nach draußen ging. Auf dem Weg zur Tür ermahnte sie ihre Söhne nochmals, dass wenn sie das Haus niederbrennen sollten, schnellst möglichst über die Grenze flüchten sollten. Es sei zu ihrem eigenen Wohl. Das war wieder einer der Momente, in denen sie bereute keinem ihrer Söhne Peilsender eingepflanzt zu haben, nachdem sie auf der Welt waren.
Als die Tür dann endlich ins Schloss gefahren war, atmete Malcolm erleichtert auf.
„Endlich. Ich dachte schon die geht gar nicht mehr. Melissa und die anderen kommen bald.“, sagte er mehr zu sich, als zu seinem Bruder. „Ich geh' dann mal wieder in Zimmer.“, verkündete Reese und setzte zum Rückzug an. Malcolm erinnerte sich wieder daran, dass er sich versprochen hatte herausfinden was mit seinem Bruder war und rief ihn zurück.
„Hey, warte Mal. Bist du sicher, dass du nicht dabei sein willst? Melissa meinte sie würde ein paar Freundinnen mitbringen.“ Er hatte gehofft Reese damit ködern zu können, doch ihm schien, als hätte sich der Ausdruck auf seinem Gesicht von Gleichgültigkeit zu etwas schmerzlichem gewandelt. Doch vielleicht täuschte er sich auch. „Ich verzichte, danke.“, antwortete Reese mit etwas verächtlichem in der Stimme, dessen Herrühren Malcolm nicht verstehen konnte.
„Jetzt warte doch!“, rief Malcolm, denn Reese machte wieder Anstalt zu gehen.
„Was willst du von mir?“
„Ich will wissen, was mit dir los ist. Seit Wochen verhältst du dich anders und erzählst keinem was. Ich kenn' noch nicht einmal den Grund dafür sehen. Unser Leben ist genauso miserabel wie sonst auch. Aber irgendetwas scheint dich zu beschäftigen und ich will wissen was es ist.“  Malcolm steigerte sich immer mehr hinein. Die anderen hatten wohl damit Recht, dass er es nicht ausstehen könne, wenn er nicht über alles unterrichtet wurde, was um ihn herum vorging.
Reese starrte ihn nur leicht fassungslos mit seinen braun-grünen Augen an. „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass nichts ist?! Alles ist in Ordnung. Ich glaube du drehst langsam durch, weil du ab und zu Mal mit einem Mädchen herum machen darfst. Das vernebelt deinen Kopf.“ Reese schien aufgebracht und trat einen Schritt auf Malcolm zu.
„Was redest du da eigentlich für einen Mist? Das sieht ja ein Blinder, dass mit dir was nicht stimmt. Und ich versteh nicht, wieso du es nicht zugeben willst.“ Malcolm wurde immer lauter und Reeses ernster Blick begann zu bröckeln. Er sah Malcolm nun fast schon erstaunt an. „Wahrscheinlich ist es noch nicht einmal so schlimm. Du bist nur einfach zu stur, zu dumm oder einfach-“
„Ich bin schwul.“, unterbrach Reese den Ausbruch seines Bruders.
Malcolm erstarrte in seiner Bewegung. Hatte Reese das gerade wirklich gesagt? Er war fest davon überzeugt sich verhört zu haben, doch der leicht beschämte Blick seines Gegenüber belehrte ihn besseres.
„Ähm nun...“ Er fühlte sich wie ein riesen Arschloch. Jetzt begriff auch er, wieso Reese nie ein Wort darüber verloren und sich zurückgezogen hatte.
„Das ist doch nicht schlimm.“, versuchte er zaghaft die Situation, in der er nicht gerade gut dastand, zu retten. Doch Reese blickte ihn finster und auch verletzt entgegen.
„Ach leck mich doch.“, winkte er hart ab und lief in sein Zimmer.