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Immortals

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
19.09.2011
17.05.2012
5
6.295
 
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Dieses Kapitel
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19.09.2011 1.835
 
Fandom: Highlander
Genre: Allgemein
Rating: P6
Pairing: keins.
Kapitelanzahl: 16.

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Immortals

Teil 1 – Die Gegenwart des Todes
Kapitel 1 – Schlussstrich



September 1990



Ich stand vor dem Kleiderschrank und hatte die schicken Kleider auf den Boden geworfen. Ich hatte alles herausgenommen und nun lag es regungslos da, als wäre es tot. Wie Stücke meiner Selbst, von etwas das ich nicht sein durfte. Denn ich bin nicht die feine Lady, ich bin Soldat. Ich bin eine Kriegerin, die sich nicht einsperren lassen will und nichts an sich halten kann. Ich bin ruhelos und ich werde mich nicht ändern können, auch nicht für einen Mann.

Alles wurde mir geschenkt und doch steckte ich es in den Sack. Ich trug wieder meine schwarze Lederjacke und fühlte mich besser, als ich den Kleidersack durch die Wohnung schleppte. Meine Wahl war eindeutig gewesen und ich hatte Cocktailkleider wieder gegen meine zerschlissene Jeans eingetauscht, welche ich nun trug. Die Springerstiefel waren ebenfalls bequemer als diese Stöckelschuhe, mit denen ich eins der Kleider in Fetzen gerissen hatte. Es war nicht beabsichtigt gewesen, doch der Absatz hing fest und dann hörte ich den Riss und konnte nicht aufhören.

Es fühlte sich befreiend an. Endlich raus aus diesem Leben und zurück in die Welt, die ich seit Jahrhunderten kannte. Geboren um zu töten durfte ich keine Prinzessin spielen und erst recht keinen Prinz an meiner Seite haben. Denn Soldaten dürfen nicht zurückblicken. Sie müssen frei und unabhängig sein und nicht gezwängt in schöne Kleider, die ich nun in eine Tonne warf. Eine halbvolle Flasche Rum goss ich darüber und entzündete dann das Feuer.



Bis hierher hatte ich mich um alles gekümmert. Ich hatte meinen Auftrag zur Bewachung der Zielperson an einen Anderen weitergegeben und ließ den Unwissenden zurück. Ich ging und verließ seine gerechte Welt, da es Gerechtigkeit für mich nicht geben kann.

Denn wie ich es nie jemandem sagte, bin ich unsterblich. Ich lebe und werde weiterleben. Deshalb stand ich nun hier, außerhalb des Gesetzes und verbrannte alles, was ich nicht halten kann. Doch ich sah nicht bin zum Ende zu, sondern verließ diesen Ort. Ich drehte der Welt, die ich verließ den Rücken zu und begann auf neuen Wegen zu gehen. Ich kehrte zurück in die Welt, von der ich mich zwei Jahre zuvor getrennt hatte.

Doch niemand von uns kann sich bis in alle Ewigkeit davon trennen. Denn wer sein Schwert ablegt, wird nicht leben. So trug ich meines nun bei mir. Ich hielt daran fest, während ich ging ohne mich noch einmal umzudrehen. Namenlos schlich ich durch die Nacht und wirkte wie die Dunkelheit selbst. Meine Schritte waren nicht von Furcht getragen. Ich versuchte mich nicht anzupassen oder zu verstecken, sondern war einfach nur ich selbst. Ich war Krieger und Soldat, bis ich es Spüren konnte. Die Anwesenheit des Anderen verging nicht und ich ergriff mein Schwert. Er sollte sehen, dass ich keine Angst hatte und ich wartete.

Meine Augen sahen nichts im Dunkeln, doch das Gefühl verließ mich nicht. Er war da. Ich wusste davon und ich wusste, dass auch ich gespürt wurde. Keiner von uns konnte sich verstecken.

Ich ließ mein Schwert durch die Nacht gleiten und setzte einen Fuß vor den anderen und dann… dann war es verschwunden. Er hatte die Herausforderung nicht angenommen und sich dem Kampf entzogen. Ein Feigling. Doch keine Sorge, ich würde ihn wiederfinden, das wusste ich. Denn wenn das Leben nicht enden kann, ergeben sich viele Gelegenheiten sich wieder zu begegnen.

Nur die, die wir bewusst zurücklassen, die bleiben für immer fern von uns. Doch so hatte ich es gewollt und mit diesem Wissen verließ ich die dunklen Straßen. Ich bog auf eine Hauptstraße und bemächtigte mich des nächsten Wagens. Ein Schlüssel steckte und ich nutzte die Gelegenheit.

Nur noch weg von hier und irgendwo neu beginnen.

Ein neues Leben wie eines von vielen und doch unbedeutend, weil es so sein muss.

Einige von uns wollen sich nicht daran halten und denken nicht daran, dass sie Aufsehen erreichen. Wenn jemand die Ähnlichkeit erkennt, dann leiden wir alle unter dem Unverständnis derer, die es nicht glauben wollen.

Nie hatte ich ein gutes Verhältnis zu Anderen, ob sie sind wie ich oder nicht. Ich halte es nicht lange in ihrer Nähe aus und ich verstecke mich nicht hinter Lügen. Ich bin lieber allein und werde es immer sein. Wieso sich also ändern? Wieso sich nicht auf den Kampf konzentrieren und überleben?



Die Straße flog unter mir dahin und ich versuchte die erdrückenden Gedanken los zu werden. Um mich abzulenken schaltete ich das Radio ein und hört ein paar alte Klassiker, die für die Nachtfahrer eingespielt wurden. Ich gab weder etwas auf den Text noch auf die Musik, solange ich es laut aufdrehen konnte und wenigstens hin und wieder eine Note oder ein Wort mich aufriss. Eine winzige Unterbrechung der Verwirrtheit in meinem Kopf.

Doch anscheinend hielt nichts von Dauer und als der Tank sich neigte und ich im Morgengrauen nicht wusste, wo ich war, schaltete ich den Motor aus und schloss meine Augen. Ich bat darum zu vergessen und wollte versuchen zu schlafen. Doch in diesem Ledersitz war es zu ungemütlich. Ich musste aufstehen und sah mich um. Ich hatte die Hauptstraße verfolgt und geführt hatte sie mich ins Nirgendwo. Nach stundenlanger Fahrt stand ich auf einem Feld und als wollte das Wetter mich ärgern, schüttete es plötzlich aus Eimern. Ich konnte wieder in den Wagen steigen oder ich ließ über das Feld zum nächsten Unterstand. Es war eine kleine Hütte, doch sie hatte ein Dach und vielleicht fand ich etwas zu Essen oder wenigstens etwas zu Trinken.

Ich lief los, das Schwert in meiner Hand. Der Regen tat mir nur gut und besänftigte meine Fragen. Er prasselte auf mich hernieder und als ich die Hütte erreichte, hörte ich ihn draußen auf das Feld niedergehen. Ich jedoch war im Trockenen und sah mich um, etwas zu finden, womit ich mich versorgen konnte. Brot, Wasser… irgendetwas musste zu finden sein. Doch in meiner unkontrollierten Suche stieß ich nur auf Kreuze, Bücher und noch mehr Bücher.

Wer immer in der Hütte wohnte, musste vom Wort leben, ohne damit wirklich überleben zu können, dachte ich im Stillen und suchte ungestört weiter. Ich durchsuchte Schränke und schaute in Ecken hinein. Irgendwo musste etwas gelagert werden und doch traf ich nur auf weitere Stapel von Büchern. Gelesen, ungelesen. Verfasst oder nur gekauft. In diesem Moment wusste ich es nicht, doch machte es mich wahnsinnig immer ins Leere zu greifen.

Nach einer Weile begann ich mich zu fragen, ob diese Hütte nur ein Rückzug für Wanderer war. Ein Ort der kurzen Einkehr aber nicht dafür gedacht, eine Nacht darin zu verbringen. Hier blieb keiner für lange und ich sollte es genauso wenig tun. Ich musste einen anderen Ort finden und ich musste etwas zwischen die Zähne bekommen. Denn wenn ich nichts essen konnte, würde ich kein Auge zumachen. Die Nacht würde unruhig für mich werden und mein Hunger war nicht der einzige Grund. Denn der Regen wollte nicht nachlassen. Er prasselte noch immer gegen das Holz und kühlte den Raum innerhalb weit herunter. Ich fror und wollte doch nicht zittern. Ich wollte stärker sein als die eigenen Kälteschauer und ich wollte der Gänsehaut keine Chance geben sich zu entfalten.

Ein letztes Mal sah ich mich um und entdeckte die Maus, die schutzsuchend hinein huschte. Sie würde Krümel finden. Irgendwo würde sie etwas finden, das ich nicht essen konnte und für einen kleinen Moment kam mir der Gedanke, dafür sie zu nehmen. Doch ich ließ es bleiben und verdrängte den anwidernden Gedanken.

„Es muss doch wenigstens Wasser geben. Hier muss doch ein Hahn sein, irgendwo.“ Ich zischte und Wut breitete sich in mir aus. Ich wollte etwas finden und doch schien es Nichts zu geben. Ich fühlte mich, als hätte ich bereits seit Stunden gesucht, doch die quälende Leere in mir spielte mir einen Streich.

Ich ertappte mich, wie ich mich zurück in das Leben wünschte, dass ich gerade erst hinter mir gelassen hatte, doch dorthin wollte ich nicht zurück. Der Hunger dachte anders als ich und benebelte meinen Verstand. Doch gewinnen lassen wollte ich ihn nicht, weshalb ich wieder hinaus trat. Er Regen prasselte auf mich nieder und zerstörte meine Frisur. Ich machte mir in dieser Situation jedoch keine Gedanken darüber, sondern ließ es gesehen.

Hier draußen war es noch kälter als drinnen. Der Herbst war richtig zu spüren und ich wünschte mir, ein Herbststurm könnte mich forttragen. Einfach weg und irgendwohin, wo es warm war und wo es etwas zu essen gab. Denn verhungern wollte ich nicht, hatte ich doch bereits in viel Schlimmeren Situationen gesteckt, in denen als Soldat oder Leibwächter mein Leben in Gefahr geraten war.

Wieso beschwerte ich mich also überhaupt? Das bisschen Regen und der kleine Hunger konnten mir doch eigentlich gar nichts. Ich würde sie beide überleben und ich würde ihnen beweisen stärker zu sein, so wie ich es jedem bewies.

Ich war unumstößlich, unaufhaltsam. Und doch fühlte sich ein Teil von mir nicht so. Ein Teil von mir wollte lieber schreien und nach all der Zeit vernahm ich diese Art Schmerz zum ersten Mal. Ich konnte sie mir deshalb nicht erklären und wünschte sie fort. Doch wer wäre da gewesen mir meinen Wunsch zu erfüllen?

Ich war allein.



Das Donnergrollen holte mich zurück aus meinen Gedanken und zeichnete mir die Wirklichkeit auf. Ich war irgendwo verloren und konnte den Boden nicht mehr spüren, der aufgeweicht unter meinen Stiefeln dahin glitt.

Ich hatte die Frau im Spiegel nicht mehr ansehen können, doch auch diese Frau, die nun ihre schwarze Lederjacke fester um sich zog, gefiel mir nicht. Wir waren beide schwach und ich erkannte mich nicht wieder. Wo war ich selbst auf dem langen Weg meiner Unsterblichkeit nur geblieben? Wie sollte ich mich wiederfinden, wenn ich nicht einmal etwas Essbares fand?

War ich bereits verloren?

Ich wollte es nicht glauben und sah zu meinem Wagen hinüber. Ich hatte die Möglichkeit umzukehren, doch ich warf mein Schwert zu Boden und schrie den Himmel an. Ich schrie mir den Schmerz von der Seele und fühlte mich schon gleich besser. Es war nichts besonderes, doch es reichte, um mich für einen Moment zu entspannen.

Ich verstand, dass, wenn ich mein Leben und mich wieder verstehen wollte, ich es ändern musste. Doch wie sollte ich das tun? Ein jammerndes Wesen wollte ich nicht werden und auch nicht Versteckspielen und mich somit auf heiligen Boden zurückziehen. Ich musste mein Ich im Kampf finden, aber diesen zu suchen würde auf mich aufmerksam machen.

Ich musste es jedoch riskieren und hob mein Schwert deshalb wieder auf.

Ich schwor meinem Schwert wieder eins mit ihm zu sein und dass uns nichts trennen würde. Nur gemeinsam waren wir stark und nur gemeinsam fähig zu Überleben. Denn nur wer kämpft wird leben und wer unsterblich sein will, muss kämpfen.



Ich ließ die Vergangenheit los und verließ diesen Ort. Ich ging im Regen ins Nichts und in eine ungewisse Zukunft, durch die Kampfgeist und mein Schwert meine einzigen Begleiter sein würden – so dachte ich jedenfalls.
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