Ankunft in Venedig

von Earthling
GeschichteAllgemein / P6
19.09.2011
19.09.2011
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Heute fand in Jena eine Schreibwerkstatt für Schüler des Schiller-Gymnasiums Eisenberg statt. Eine der Aufgaben drehte sich um den Titel: Ankunft in Venedig und beinhaltete eine Übung zum sinnlichen, schwärmerischen Schreiben.
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Ankunft in Venedig
Wir waren das erste Mal in der Stadt. Der Bahnhof lag nicht direkt am Kanal, aber man konnte die Gesänge der Gondolieri bis hierher hören, wie sie mit ihren langen, schmalen Booten wie auf schwarzen Pfeilen durch das Lagunenwasser schoßen und auf den von hier dunkelgrün erscheinenden Wasserwegen Touristen durch die Stadt brachten.
Am Morgen war es bereits trübe. Am Himmel standen eisengraue Wolken, die so schwer erschienen, dass man meinte die allgegenwärtigen Tauben könnten sich getrost darauf niederlassen.
Im Canal Grande spiegelten sie sich und ließen das Wasser wie flüßigen Nebel erscheinen. Das Gewitter brach los, als wir gerade beim Bahnhof waren um unser letztes Gepäck abzuholen. Mit einem Schlag waren die Plätze und Gassen menschenleer. Jeder hatte sich in die Wartehalle oder eines der vielen Cafés geflüchtet. Man sah Regenschirme in den verschiedensten Farben. Ich erinnere mich an einen, der war rot und konnte seine Besitzerin kaum vor der Wasserwand schützen, die aus den Himmelsschleusen auf die Serenissima herniederprasselte.
Die Frau gesellte sich zu uns und lachte. Ihr Haar war ganz nass, aber das störte sie nicht.
Als wir fragten, wieso, antwortete sie wieder mit einem Lächeln und verschwand in der Bahnhofshalle hinter uns.
Im Gehen murmelte sie, dass das Juwel wieder erstrahlen würde.
Erst wunderten wir uns, was diese Worte bedeuteten, doch kaum hatte sich der Regen auf die Lagune verzogen, kaum war das Donnergrollen nur noch von weitem zu hören, erkannten wir es.
Die Luft war so rein gewaschen und klar, dass man die Gipfel der Alpen am Horizont sehen konnte und wie der Schnee darauf im Licht der Sonne funkelte.
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