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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 Slash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 969
 
Es stellte sich heraus, dass sich die beiden Kinder sich wirklich an nichts mehr erinnerten. Nur die Schatten von Angst, Verzweiflung und Verlust spukten noch tief in ihren Koepfen.
Anfangs waren sie noch zurueckhaltend und schuechtern, doch es wurde schon bald besser. Zumindestens der Kleinere taute gegen Mittag des naechsten Tages ein wenig auf. Er war hoechstens ein oder zwei Jahre alt und brauchte eine Person, an die er sich binden konnte. Der Weisshaarige hingegen hatte vielleicht schon sechs Winter erlebt und war nicht so leicht zu erreichen.
Als wir die beiden baden wollten, war er derjenige der am meisten strampelte und quengelte. Beim Essen jedoch waren sich beide einig. Die kleinen Maeuler verschlangen Unmengen und Germania plante schon seinen naechsten Jagtausflug.
Irgendwo auf dem Dachboden fanden wir gluecklicherweise alte Kinderkleidung. Nicht viel und zudem viel zu gross, aber besser als die loechrigen, schmutzigen Lumpen die sie trugen.
Als wir am Abend die letzte Mahlzeit des Tages einnahmen, laechelte der kleine Blonde sogar ein wenig. "Esst nicht alles, sonst haben wir morgen nichts mehr", schmunzelte ich und schmatzende Kindergesichter mit Essensresten sahen mich unschuldig an. "Schon gut, ich werde heute Abend noch jagen gehen", warf Germania ein und putzte den Mund des Kleinsten.
"Richtig, Germanen finden immer Essen, Roemer." Die roten Augen funkelten stolz. Es war das gleiche wie damals bei Gilbert. Er traute mir nicht. Meine Herkunft schreckte ihn ab. "Er ist kein Roemer mehr, er gehoert hier her", verteidigte mich Germania und wischte nun auch ueber das Gesicht des Weisshaarigen. "Glaube ich nicht."
"Lass gut sein, Kleiner. Ich kann mich damit zurechtfinden", scherzte ich grosszuegig. "Ich bin nicht Klein! Nenn mich nicht so!" "Wie soll ich dich sonst nennen? Wir kennen eure Namen noch immer nicht?" Schweigen. Der Junge ueberlegte. "Ich...ich..." Seine Miene wurde verbissen und enttaeuscht.
"Wenn ihr wollt, koenne  wir euch Namen geben", troestete ihn Germania. Keine Antwort, aber schwaches Nicken. "Wie findest du den Namen Gilbert?" "Gilbert?" "Das bedeutet 'glaenzend'." "Grossartig!" Ein breites Grinsen huschte ueber das blasse Gesicht. "Und der Kleine: Ludwig." Stuermisches Nicken.
Es war zu verblueffend wie aehnlich sie ihnen waren. Ich beschloss, dass es doch besser war an Wiedergeburt zu glauben und an die Guete der Goetter. Sie Hatten Germania seine Hoffnung zurueckgebracht und diesen Kindern eine Zukunft.
Die restliche Mahlzeit sang Gilbert seinen Namen vor sich her und erfreute sich an den Klang des neuen Wortes. "Gut, ich gehe jetzt Jagen. Bis zur Daemmerung bleibt mir noch ein wenig Zeit und Tageslicht." Ich nickte. "Ach, und ich denke, ich werde gleich die Pferde mitnehmen." "Die Pferde? Warum die Pferde?" "Hast du vergessen, wir haben sie nur geborgt." Ein gewinnendes Laecheln und er war verschwunden.
"Und jetzt? Koennen wir spielen?", quengelte Gilbert hinter mir. "Sicher." Das konnte ja lustig werden. Ich liess die Kinder im Haus rumlaufen. Raus sollten sie noch nicht, hatten wir beschlossen. Nicht bis wir ganz sicher waren, dass es ihnen gut ging und das die Umgebung gefahrenfrei war. Aber die Einschrenkung schien sie nicht zu stoeren.
Sie wanderten durch die Raeume, sahen lange aus den Fenstern und schienen rastlos, als suchten sie etwas, was sie selbst nicht benennen konnten. Gilbert vorneweg, Ludwig tapsig hintendrein.
Ich inzwischen hatte wichtigeres zu tun. Debs Worte und Ratschlaege hatte ich mir genau gemerkt und traf nun einige kleine Vorbereitungen. Die Daemmerung kam schnell und jeden Moment erwartete ich, dass Germania wiederkam.
Irgendwann beschloss ich nach den Kindern zu sehen. Das Haus war verdaechtig still. Ich fand die beiden auf dem Fensterbrett in einem abgelegenen Zimmer. Gilbert starrte nach draussen, waehrend Ludwig mit dem Kopf auf seinem Schoss schlief. Die Augen des Weisshaarigen leer und weit weg.
Still setzte ich mich zu ihm. Er sah nicht auf. "Erinnerst du dich an etwas?" Langsames Kopfschuetteln. "Es ist noch immer schwarz." Die Sonne warf lange Schatten und hinter dem dunklen Gruen des Waldes glitzerte es rot.
"Auch wenn ich ein Roemer bin, wenn du mir etwas erzaehlen moechtest oder darueber reden, ich hoere dir gern zu." "Nein, ich will nicht reden. Ich will nie darueber reden, nicht mal darueber nachdenken." Er holte Luft und nach kurzem Zoegern schluckte er. "Ich habe Angst." Vorsichtig schmulte er zu mir.
Das war der Moment, in dem man als Erwachsener handeln musste. Damals hatte ich diesen Moment verpasst aber diese Kinderseelen wuerde ich nicht sich selbst ueberlassen. "Das ist schon in Ordnung. Angst ist normal." "Aber ich darf nicht schwach sein. Ich muss auf... auf Ludwig aufpassen."
Diese Gedanken kamen mir so bekannt vor. Beinah schon stolz laechelnd nahm ich ihn einfach in die Arme. "Du wirst schon noch stark werden. Germania wurde, wie ihr, auch sehr verletzt und ist jetzt der staerkste Mensch, den ich kenne. Hier drinn." Leicht tippte ich ihm auf die Brust und er nickte stumm.
Dann sassen wir noch eine Weile stumm am Fenster und sahen zu, wie die Nacht hereinbrach. Gilbert schlief irgendwann ein, die Hand von Ludwig fest umschlossen.
Ich trug die beiden in eines der drei Schlafzimmer. Und als ich sah, wie der Blonde seinen Daumen in den Mund steckte und der andere leise im Schlaf nuschelte, spuerte ich, wie wir wirklich eine Familie werden koennten.
Es war ein gutes, kompletes Gefuehl. Ob Germania das gleiche Gefuehl hatte? Vielleicht sogar schon von Anfang an? Da war noch einiges, was ich nicht wusste, aber erst einmal hatte ich nicht das Beduerfnis danach zu forschen.
Zufrieden setzte ich mich vor die Feuerstelle und wartete bis Germania nach Hause kam.
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