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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 Slash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.445
 
Im Hinterkopf hatte ich die ganze Zeit die Befuerchtung, auf dem langen Weg wieder in irgendwelche Schwierigkeiten zu rennen und in etwas reinzugeraten, was uns wieder in ein Abenteuer ziehen wuerde. Doch gluecklicher Weise ging die ersten Tage alles gut.
Wir kamen schneller voran als das letze Mal mit dem sperrigen Wagen und den quengelnden Kindern. Auch wenn es Zeitweise wirklich still und ungewohnt ruhig war. Einmal wurde mir das Schweigen so unangenehm und Germania war in Gedanken beschaeftigt, dass ich einfach anfing zu singen.
Erstaunt sah Germania auch und lauschte eine Weile. "Ich wusste gar nicht, dass du singen kannst." "Es gibt vieles, was du nicht weisst", lachte ich und wollte gerade zu einer weiteren neckenden Bemerkung ansetzen, als ich etwas roch.
"Ist das Rauch?" Auch der Blonde ruepmfte die Nase und drehte den Kopf in die Richtung, aus der der stechende Gestank kam. "Ob das..." "Komm!" Thor preschte los. "Hey, wo willst du hin?" Unwillig folgte ich ihm durch den Wald, weg vom Weg. Weg von der Sicherheit.
Nur schwer holte ich ihn ein. Beide Pferde galoppierten nun durchs Gestruepp. "Germania, das ist zu riskant. Du weisst nicht, wer da ein Feuer macht. Was wenn das roemische Legionaere sind und wir direkt in ihr Lager platzen?" "Das ist kein Lagerfeuer, dafuer ist es zu gross. Es muss ein Dorf sein."
Ich schluckte. Ja es war ein Dorf. Es war ein Dorf gewesen. Ein Germanendorf. Das wurde mir schon nach den ersten Leichen ueber die wir stiegen klar. Erst nur Maenner. Bewaffnet und noch immer mit kampfwuetigen Mienen. Doch dann auch Frauen und Kinder. Tot, in Angst und Schrecken. Mir wurde flau im Magen bei dem Grauen, was sich da vor uns ausbreitete.
Vor einem Jahr hatte ich selbst noch Menschen getoetet ohne mit der Wimper zu zucken, doch immer nur Krieger auf dem Schlachtfeld. Nie Unschuldige oder gar ein ganzes Dorf. Das war Roemerarbeit, die Handschrift war eindeutig.
Ich sah zu Germania, der verkrampft und bebend vor einer gekoepften Frauenleiche stand. "Es tut mir leid", sagte ich vorsichtig. Er schnaubte nur und wandte sich ab. "Warum sollte es, du hast nichts damit zu tun." Zitternd schritt er ueber die Toten.
Vielleicht war hier noch jemand am leben und brauchte Hilfe, schoss es mir durch den Kopf. "Hallo, ist hier jemand?", bruellte ich und ging auf die einfachen Haeuser zu. Keine Regung, kein Zeichen.
Mein Blick glitt zurueck zu Germania, der jetzt einfach nur in der Mitte des Dorfes stand, sein Gesicht dem Himmel zugewandt. Augen geschlossen, als wuerde es regnen. Dieses Dorf konnte seines gewesen sein. Er hatte mir ja erzaehlt, was passiert war und das hier musste ihm schrecklich bekannt vorkommen. Gerade hatten wir das Eine ueberstanden, kam das Naechste.
Ein Geraeusch aus dem Inneren eines Hauses hielt mich davon ab seinen Namen zu rufen. Ein Wimmern und Zischen. Ich fuhr herum. In der Huette war es dunkel. Es war eine der wenigen Behausungen, die nicht brannten oder gebrannt hatten. Ich blinzelte, um etwas zu erkennen.
"Germania!", rief ich jetzt doch. Schnell stand der andere neben mir. "Was ist-" In der Huette hockten zwei Kinder. Eng in eine Ecke gedraengt, schmutzig, blutig, zu Tode veraengstigt.  Ein kleiner Junge, der einen noch Juengeren schuetzend in seinen Armen hielt.
"Das kann nicht sein", hauchte Germania und trat naeher. "Das ist nicht moeglich." "Anscheinend doch."
Im Schimmer des Lichtes von draussen leuchteten die Haare des aelteren Jungen schneeweiss. Seine Augen funkelten uns in einem unheimlichen Rot an. Der Kleinere hatte blonde Haare und die Haende fest an die Brust des Anderen gekrallt. Wimmernd, die Augen geschlossen. "Ludwig, Gilbert", fluesterte Germania und ging vor den beiden in die Knie. Doch die Kinder zuckten aengstlich zurueck. "Das sind nicht Ludwig und Gilbert", stellte ich letzendlich fest.
Der kleine Blonde fing leise an zu weinen. "Schhhh, wir tun euch nicht weh. Ihr seid jetzt sicher." Sacht streckte Germania die Haende aus und beruehrte zaertlich die weissen Haare. "Habt ihr jeden verloren?" Das Schweigen war Antwort genug. "Keine Angst, keiner kann euch mehr was antun. Ihr koennt mit uns kommen." "Was?" War er sich sicher? Wusste er, was er da tat?
"Wir koennen doch nicht einfach-" "Rom! Sie sind allein und brauchen Hilfe. Wenn wir uns nicht um sie kuemmen, werden sie sterben." Ich verstummte. Germania wandt sich wieder zu den Kindern. "Ihr seid jetzt nicht mehr allein, aber ihr muesst nun ganz stark und mutig sein und mitkommen."
Der Weisshaarige bewegte sich langsam, sah auf und griff nach Germanias Haaren. "Bist du einer von uns?" Nicken und leichtes laecheln. "Wie heisst ihr?" Der Kleine zuckte die Schultern. "Weiss nicht." Ich wechselte vielsagende Blicke mit Germania. Schock? Amnesie, wie bei Wilm? Brauchten sie einen Arzt?
"Seid ihr verletzt?" Kopfschuetteln. "Aber er hat Hunger." Besaenftigend steckte der Weisshaarige dem Juengeren in seinem Arm den Finger in den Mund. Der sofort anfing schwach darauf rumzukauen. "Das ist kein Problem, wir haben genug Nahrung fuer euch." Mit diesen Worten hob Germania die Jungen hoch. Der Aeltere blickte noch unsicher und aengstlich, aber schien zu geschwaecht und froh, jemanden zu haben, der ihnen half.
Wir traten aus dem Haus. Mit verbissener Miene verschloss Germania die Augen des Jungen. Dieser wehrte sich nicht und drueckte den Kleinen in seinem Arm fest an sich. Erst zurueck bei den Pferden und ausser Sichtweite des Dorfes liess Germania von ihnen ab und setzte sie auf den Waldboden.
Nun fiel der Blick des Weisshaarigen auf mich und er schien mich das erste Mal richtig zu sehen. Seine roten Augen wurden panisch. "Ist er ein Boeser?", fragte er aengstlich. "Nein, er ist ein Freund. Er ist ein guter Mann." Musternd betrachteten mich die aussergewoehnlichen Iriden und ich versuchte aufmunternd zu laecheln. Erst als ich etwas Fleisch, Brot und Wasser auspackte wurde sein Ausdruck weicher.
Die beiden verschlungen hungrig das Essen und wenn ich richtig sah, rollten sogar ein paar Traenen ueber die blassen Wangen. Dieses Schicksal und die mitgenommenen Gesichter der Kinder zu sehen, liess meinen Bauch und meine Brust krampfen. Sie waren Ludwig und Gilbert einfach so aehnlich. Konnte das Zufall sein? Gab es tatsaechlich so etwas wie Wiedergeburt?
Der kleine Blonde war, nach dem er den letzten Bissen verputzt hatte, sogleich eingeschlafen. Ich nahm Decken aus unserem Gepaeck und wickelte beide Kinder darin ein. Dann setzten wir beide vor uns auf die Pferde und suchten den Weg zurueck. Der Aeltere sass mit auf Thor, waehrend der Blonde in meinen Armen lag.
"Wohin gehen wir?' "Nach Hause." "Wo ist mein Zuhause?" "Bei uns." Die Geduld und Zaertlichkeit in Germanias Stimme liess darauf deuten, dass er die beiden Kinder jetzt schon lieb gewonnen hatte. Das konnte man ihm aber auch nicht uebel nehmen, so sehr wie sie ihm an seine Brueder erinnern mussten. Und ohne es geplant oder wirklich gewollt zu haben, hatten sich unsere Familie erweitert.     

Wir hatten es fast geschafft. Den ganzen Abend und die halbe Nacht waren wir durchgeritten und selbst in der tiefen Schwaerze des Waldes erkannte ich mit Hilfe des schwachen Mondscheines die Gegend wieder.
Das Haus hatte sich nicht veraendert, seit wir es verlassen hatten. Nur ein paar Spuren von Gerlos Verbleiben waren zu finden, sonst war alles wie vorher. Die schlafenden Kinder legten wir auf das Sofa, was wir einst vom Dachboden getragen hatten. Sie sahen erschoepft und kraenklich aus.
Klein, zierlich, schwach, hilfebeduerftig. Wie hatte ich auch nur einen Moment daran denken koennen sie nicht mitzunehmen.
Zwar war die Reise ziemlich anstrengend und mit den Kleinen nicht gerade einfacher gewesen, doch weder Germania noch ich dachten an Schlaf. Ein Feuer wurde entzuendet und fuer lange Zeit starrten wir einfach nur in die Flammen. Es schien fast so, als wachten wir ueber unsere neuen Schuetzlinge.
Ploetzlich fing der Kleine Blonde an zu wimmern und sich unruhig zu winden. Bis er schliesslich in ein herzzerreissendes Weinen ausbrach. Schnell nahm Germania ihn auf den Arm und wiegte ihn troestend. Leise redete er auf ihn ein und strich durch das feine Haar. Tatsaechlich schafft er es ihn zu beruhigen.
"Rom, das ist kein Zufall. Sie sind so sehr wie sie beiden. Meinst du die Goetter haben sie mir zurueckgegeben?" "Du denkst, sie haben sie ersetzt?", fragte ich zweifelnd.
"Nein, nur eine neue Chance gegeben."
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