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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 Slash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
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96.945
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15.09.2011 1.474
 
Der Abschied fiel dieses Mal nicht ganz so schwer. Wir versprachen Wilm, Antonio und Marta bestimmt wiederzukommen und mit dieser Sicherheit im Herzen liess es sich ganz gut ertragen.
"Toni, wenn du mich vergisst, dann werde ich boese und beisse dich", drohte der kleine Italiener. "Bestimmt nicht, Lovi. Ich habe doch versprochen dir noch so viel zu zeigen, also musst du mich bald besuchen kommen." "Das mache ich, verlass dich darauf. Wir gehoeren naemlich zusammen, nicht?!" Die beiden Jungen umarmten sich. "Genau, fuer immer." Dann, ganz schnell und fluechtig kuesste Lovino Antonio auf die Wange und lief zu Wilm. Natuerlich nicht ohne Ann einen triumphierenden Blick zuzuwerfen, den diese aber nur hochnaesig ignorierte.
Marta wurde von allen noch mal umarmt und schon wenige Minuten spaeter ritten wir in Richtung Debs Haus. Jetzt waren wir nur noch fuenf und ohne den aufgeweckten Lovino war es bedeutend ruhiger. Doch mit Ann und Antonio, die mit jedem Schritt aufgeregter und unruhiger wurden, blieb die lockere Stimmung nicht aus.
"Ich sehe meine Mama, heute sehe ich meine Mama! Ob sie mich noch erkennt? Bin ich gewachsen?", fragte Ann hoffnungsvoll. "Ja, ein ganzes Stueck", kam die Antwort von Ivan hinter ihr. "Gut, dann kann ich ja jetzt- hey, du weisst doch gar nicht, wie gross ich vorher war." Ivan lachte und Ann spitzte schmollend die Lippen, bevor sie auch anfing zu kichern.
Und auf einmal konnte die Kleine gar nicht mehr aufhoeren ueber ihre Mama zu reden. Sie erzaehlte und erzaehlte. "Hast du auch einen Papa?", unterbrach Ivan sie und stoppte den Redefluss augenblicklich. "Nein." War die einsilbige Antwort. "Nur Tiem, Germania und Rom." Damit war das Thema beendet und und sie begann Ivan ueber den Wald und ihren Apfelbaum zu erzaehlen. Der Russe laechelte und nickte.
Der damalige Tagesmarsch zu Fuss liess sich mit gesunden kraeftigen Pferden leicht in nur einem halben hinter sich bringen. Es war Nachmittag und mein Bauch fing gerade an Hunger zu schlagen, als der Weg in das bekannte kleine Dorf fuehrte. Noch einige Minuten mehr und das einsame Haus am Waldrand tauchte vor uns auf.
Im Hof stand Tiems kleine Kutsche und vom Kamin tieg traege Rauch auf. Ann stiess einen Jubel aus und Antonio stimmte freudig mit ein.     

Sobald das Tier auf dem Hof anhielt und Ivan sie vorsichtig zu Boden gelassen hatte, hielt es Ann nicht mehr aus und stuermte auf das Haus zu. Sie war da, sie war endlich Zuhause.
Der erdige Boden war nass vom kuerzlichen Regen und stroemte einen herben, bekannten Duft aus. Alles um sie war so wohltuend vertraut. Das moosige Dach, ihr Apfelbaum, der so kahl und ganz unvollkommen aussah, die Tuer mit dem schlangenaehnlichen Sprung unten rechts und ihr geliebter Waldgeruch, der nach dem Regen besonders stark war. Sie lief den schnellsten Weg zum Haus, stuermte allen vorraus, nach ihrer Mutter rufend.
Streckend und auf Zehenspitzen, oeffnete sie die Tuer und fiel beinah ins Haus. Ein paar letzte Schritte und sie stand in der Kueche, halb ausser Atem. "Ma-!" Sie stoppte abrupt als sie den fremden Mann sah. Ihre Mutter oder Tiem nirgends zu sehen.
"Wer...?" Erschrocken zog sie Luft ein, als der Mann sich zu ihr umdrehte. Braunes, ungewaschenes, schulterlanges Haar. Hartes Gesicht, schmutzige, kraeftige Gestalt. Sie konnte sich nur spaerlich daran erinnern, aber diese kalten, ablehnenden Augen wuerde sie nie vergessen. Schnell wich sie ein wenig zurueck, um dem zu entkommen, doch er hatte sie bereits gesehen.
"Na sieh mal einer an, du bist ja auch noch da." "Ich..." "Hat dich Debira also doch nicht nach Rom verkauft." Er lachte rau, aber seine Augen lachten nicht, sondern fixierten sich kalt auf sie. Traenen sammelten sich automatich in Anns Augen. Was tat er hier? Warum musste er hier sein? Doch sie riss sich zusammen. Sie wuerde nicht weinen, sie war stark geworden. Sie wuerde nicht wegen und schon gar nicht fuer ihn weinen.
"Wie auch immer, ich bleibe eh nicht lange hier. Brauche nur ein bisschen Geld, dann bin ich weg." "Aber-" Da war wohl etwas tief in ihr, dass ihn noch nicht losgelassen hatte und auch nicht vorhatte ihn aufzugeben. "Aber was ist mit mir? Papa, warum-"
Der folgende Schlag liess sie zuruecktaumeln und nahm ihr fuer einen Moment die Sicht. Ihre Wange brannte und nun liessen sich die Traenen nicht mehr zurueckhalten. Leise schluchzte sie und hockte sich taumelnd zu Boden. "Nenn mich nicht so. Ich habe nichts mit dir zu tun oder muss ich noch deutlicher werden?" Drohend kam er naeher, seine Stimme veraechtlich knurrend.
Ann wollte aufstehen und weglaufen aber ihre Beine bewegten sich nicht. Mit weit geoeffneten Augen starrte sie zu Boden, die Hand noch auf ihrer schmerzenden Wange und hoffte, so verweilen zu koennen, bis er gegangen war.
"Gibt es hier ein Problem?" Warme Haende fassten sie und hoben sie hoch. Auf ihre Fuesse gesetzt, wirbelte sie herum und stuerzte sich in die Arme des Russen. Ihr Vater wich etwas vor der grossen, bedrohlichen Gestalt zurueck. "W-wer sind Sie?" Doch Ivan ignorierte ihn, hockte sich nur vor Ann und strich ihr vorsichtig ueber die geroetete Wange. "Na na, jetzt ist ja alles gut", versiegelte er ihre stummen Traenen und an ihn gedrueckt nickte sie.
Nun richtete Ivan sich auf und wandt sich dem anderen Mann zu. Als Ann zu ihm aufsah, erschrak sie beinah selbst. Wenn sie ihren Beschuetzer nicht kennen wuerde, haette sie bei seinem Gesichtsausdruck die Flucht ergriffen. Ohne ein Wort zog der Russe ein Messer. Ann quietschte alarmiert auf: "Nein!" Ohne sein Opfer aus den Augen zu lassen hielt Ivan inne. "Warum nicht?", fragte er ruhig. "Er...er ist doch mein Papa." Nun guckte selbst der sonst so Undurchschaubare erstaunt.
In diesem Moment kam der Rest von draussen herein und Rom reagierte schnell, als er die Situation und das Messer erfasste. Er schlug die Waffe aus Ivans Hand und zog  Ann von ihm weg. "Was soll das werden, Braginski?", grollte er wuetend. "Nein, es ist nicht seine Schuld!", empoerte Ann sich schnell. Das lief alles ganz falsch. Warum verstand denn keiner?
Nun oeffnete sich eine Tuer am anderen Ende der Kueche. "Arest, ich habe nur das hier fuer dich, also wenn du wieder gehen koenntest und-"
Deb erschien im Raum, einen schmalen, ledernen Beutel in der Hand in dem es verdaechtig klimperte. Tiem hinter ihr. Ueberrascht starrte sie auf die fuenf neuen Gesichter vor ihr und klirrend fiel der Beutel auf den Boden, sodass Geld sich quer auf dem Holzboden verteilte.
"Mama!", jubelte Ann, wandt sich aus Roms Armen, rannte durch den Raum und ohne zu stoppen flog sie in Debs Arme. Die fiel schluchzend auf die Knie und presste ihre Tochter fest an sich.
"Oh Ann, meine Ann!" "Antonio!" Nun lag auch der Junge in den Armen seines Vaters. Es war eine herzerwaehrmende Szene. Wiedervereinte Familie, Freude, Erleichterung, pures Glueck. "Oh mein Armes Kinde, was hast du dir nur dabei gedacht?" "Es tut mir leid, Mama. Jetzt bin ich ja wieder da." Deb bedeckte Anns Stirn mit Kuessen. "Du kleines Dummerchen, ich dachte, ich bekomme dich nie wieder."
Rom und Germania warfen sich vielsagende Blicke zu. Ihre Aufgabe, ihr Ziel hatten sie edlich erreicht.
"Was fuer eine ruehrende Familienvereinigung. Da will ich auch nicht weiter stoeren. Gib mir das Geld und ich bin weg." Die Magie war gebrochen. Alle Augen lagen auf Arest, Anns Rabenvater. Deb stand auf, ihre Miene kalt und sauer. Sie hob das Geld auf, zog den Lederbeutel zu und schmiss es foermlich auf ihren ehemaligen Mann.
"Du bist das Letzte, Arest. Und dies ist das letzte Mal, dass du hier angeschlichen kommst und unser Leben in den Dreck ziehst." Das war keine Bitte, das war ein Befehl. "Ich bin sicher, er wird nicht mehr kommen", fuegte Ivan boese grinsend hinzu. Das war eine Drohung.
Anns Vater schluckte, sah von Ivan zu Tiem und Deb und dann zu Ann. Diese reckte das Kinn und starrte zurueck. Damit hatte sie gewonnen. Vielleicht fuer immer. Mit dem Geld in der Tasche verschwand Arest fluchend.
Als er an Ivan vorbeischlich, schlug dieser blitzschnell zu. Der Mann flog hart gegen die Wand, rappelte sich auf und hielt sich die blutende, gebrochene Nase. "Das ist von Ann", laechelte der Russe und Arest machte, dass er davonkam.
Fuer eine lange, seltsame Weile war es still. Dann, ueberraschend und unerwartet, fing Germania an zu lachen. Es war ein leichtes, fliegendes Lachen, das alle ansteckte, bis jeder frei war von Schatten.
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