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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 Slash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
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96.945
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15.09.2011 1.472
 
Wir hatten beim Planen unserer Rueckreise beschlossen erst einmal bei Marta anzuhalten, um dort in Erfahrung zu bringen, ob die roemischen Truppen in dem Dorf, in dem Deb wohnte, schon abgezogen waren.
Ich freute mich das nette, gutmuetige Laecheln der alten Dame zu sehen. Der Garten und das Haus sahen noch genauso aus, wie ich es in Erinnerung hatte. Ueberhaupt schien sich in der ganzen Gegend nichts veraendert zu haben, seit ich vor einiger Zeit mit Germania zur Flucht aufgebrochen war.
Die Pferde banden wir am Zaun vor dem Haus an. Das Holz sah morsch aus und die Gartenpforte quietschte, als ich sie oeffnete. "Die sollte ich bei Gelegenheit mal reparieren", schmunzelte ich und Wilm neben mir blickte unverstaendlich.
Ivan und Germania blieben mit den Kindern bei den Pferden, wir wollten Marta ja nicht gleich mit dem ganzen Trupp ueberrennen.
Vorfreudig klopfte ich kraeftig. "Und du bist dir sicher, wir koennen deiner Informantin trauen?", fragte Wilm skeptisch. Ich lachte. "Du bist nicht mehr in Rom. Weit entfernt vom taeglichen Verrat, Betrug und weit entfernt vom Orden. Sie ist keine Informantin, sie ist eine Freundin."
Wie aufs Stichwort oeffnete sich die Tuer vorsichtig. Martas sanftes aber achtsames Gesicht spaehte zu uns. Ihr Blick fiel als erstes auf mich und bevor ich mich versah, ging die Tuer ganz auf und die alte Dame stand ueber beide Wangen grinsend vor mir. "Mein lieber Rom! Ich habe gar nicht mit dir gerechnet. Wie schoen dich gesund zu sehen."
Sie taetschelte meine Wange, dann erst sah sie den Rest der Gruppe und ihre Augen weiteten sich vor Erstaunen. "Oh, du hast Freunde mitgebracht. Ich weiss gar nicht, ob ich soviel Tee und Gebaeck im Haus habe. Aber kommt doch erst mal rei-"
Sie drehte sich um, um uns alle ins Innere zu geleiten. Dabei streifte ihr Blick nun Wilm und blieb an ihm haengen. Blankes Entsetzen und Unglauben liessen ihre froehliche Miene entgleiten. "Oh ihr Goetter!" "Marta?" Als haette sie einen Geist gesehen, starrte sie auf Wilm und ihre alten, faltigen Haende fingen an zu zittern.
Verwirrt sah ich zu Wilm, der mich auch nur hilflos anblickte. Marta naeherte sich ihm, als wollte sie ihn beruehren, doch sie zuckte zurueck und lehnte sich gegen den Tuerrahmen, das Gesicht in den Haenden versteckt. "Ist alles in Ordnung mit Ihnen?" Schnell stuetzte Wilm die alte Dame und musterte sie besorgt.
Als er seinen Arm helfend um sie schlung, packte Marta seine Hand und hielt sie fest gegen ihre Wange gedrueckt. "Oh, ich habe nicht zu hoffen gewagt dein Gesicht je wieder zu sehen." "Entschuldigen Sie, aber ich denke nicht, dass ich sie kenne." Ein schmerzvolles Schluchzen liess uns zusammenschrecken und auch Ivan und Germania sahen jetzt besorgt herueber.
"Nein, ich irre mich nicht. Ich wuerde dich immer erkennen, mein Sohn!" Erstarrtes Schweigen. "W-wilm ist dein Sohn?", japste ich entsetzt. Es wuerde Sinn machen. Jetzt fiel mir auch wieder ein, dass Deb damals gesagt hatte, dass ich Martas verstorbenen Sohn aehnle. Und als ich Wilm das erste Mal begegnet bin, war er mir gleich bekannt vorgekommen. Bekannt, weil er mir aehnelte.
"Ist das wahr, Wilm?" "Ich-ich weiss nicht." Er sah ziemlich gehetzt und hilflos aus. "Ich-ich..."
"Er hat sein Gedaechtnis verloren. Als wir, der Orden, ihn vor vielen Jahren fanden, konnte er sich an nichts mehr erinnern. Amnesie, wahrscheinlich durch einen schweren Schlag auf den Hinterkopf." Ivan kam langsam naeher, der Rest der Gruppe hinter ihm. "Es ist ein wahrlich unpraktischer Platz fuer eine alte Geschichte. Ob wir wohl reingehen koennen?" Er deutete mit dem Blick auf ein paar Nachbarn die  neugierig vor ihren Haeusern standen und zu der Aufruhe hier spaehten. "Natuerlich, kommt nur. Ihr muesst muede sein, ich mache euch etwas Warmes."
Kurze Zeit spaeter sassen wir um den Kuechentisch und tranken frischen Tee. Die Kinder waren schnell und erschoepft eingeschlafen und lagen nun auf einem Teppich vor dem Kamin im angrenzenden Raum.
"Also?", fragte ich vorsichtig und taetschelte Martas Hand, die neben mir sass. "Es ist wie Ivan sagte. Ich verlor meine Erinnerung vor vielen Jahren. Als sie mich fanden, lag ich schwer verwundet auf einem Schlachtfeld. Ich war wohl Soldat. Das und mein Name, mehr weiss ich nicht mehr." "Du warst Soldat, wie dein Vater und genau wie er kamst du eines Tages nicht mehr wieder." Marta klang bitter. Dann sah sie ihn lange an, stand auf und schritt auf ihn zu.
"Kein Zweifel, du bist mein Wilm." Mit feuchten Augen umarmte sie ihn. Er war immer noch unsicher und hilfesuchend blickte er von einem zum Anderen.
"Das koennte gut stimmen. Du hattest anfaenglich diesen Akzent, den man hier spricht und die Schlacht war in einem Germanengebiet", sagte Ivan zwischen zwei Schlucken Tee. "Da er der einzige Ueberlebende in dem zurueckgelassenen Gemetzel war, nahmen wir ihn mit. Was sich spaeter ja als ziemlich nuetzlich erwies. Praktischer Weise wies er eine gewisse Abneigung gegen das roemische Reich auf und wir entschieden ihn in unsere Plaene einzubringen. Natuerlich erst als wir von dem Verlust deines Gedaechtnis erfuhren. Wir schleusten ihn in den Adel ein und er arbeitete sich sogar in eine ziemlich hohe Position und wurde sehr hilfreich fuer unsere Plaene."
"Also...bin ich wirklich dein Sohn?" "Natuerlich bist du das und es ist ein Wunder der Goetter, dass ich dich noch mal in meinen Armen halten darf." Eine Traene lief die faltige Wange herunter. "Ich habe also doch eine Familie. Ich habe eine Mutter und ein Zuhause", stellte Wilm bleich fest und nun legte auch er die Arme um die alte Frau.
"Puh, das ist echt..." "Schicksal?!", unterbrach mich Germania und laechelte seicht. "Wie schoen, wenn eine Familie sich wiederfindet." "Ja, deswegen sollten wir auch in erster Linie an Ann und Antonio denken."
Sanft loeste sich Wilm von Marta und kuesste sie auf die Wange. "M-Mama, weisst du, ob in aeh-" "Deb." "Ob in Debs Dorf das roemische Winterlager schon abgebrochen wurde?" "Bei Deb? Soweit ich weiss, sind die Soldaten vor einigen Wochen abgezogen. Aber warum fragt ihr? Kommt ihr nicht gerade von dort?" "Nun, eigentlich nicht."
Mit einem Blick nach draussen, wo die Dunkelheit bereits einbrach, setzte sich Wilm wieder und half seiner Mutter es ihm gleich zu tun. "Wir koennen doch die Nacht ueber bleiben, oder?" "Natuerlich. Ich habe zwar nicht genug Lager fuer jeden, aber ich werde tun, was ich kann."
"Gut, denn die Geschichte wird etwas laenger", griff ich Wilms Ansatz auf. "Alles hat angefangen, als Germania und ich dich damals fluchtartig verlassen mussten." "Nein, alles hat angefangen, als eine Gruppe Roemer meine beiden Brueder ermordet hat." Drei erstaunte Gesichter wandten sich zu dem Blonden und ich nahm sacht seine Hand in meine. Langsam fuehrte ich sie zu meinen Lippen und kuesste sie. "Ja, man kann wohl sagen, dass so alles angefangen hat."
Schmerzhaft genau erinnerte ich mich an den Tag, wo ich Germania das erste Mal in Martas Haus gebracht hatte. An seinen Zustand und seine Verzweiflung zurueckzudenken, machte es schwer sich zurueckzuhalten und ihn nicht troestend in die Arme zu nehmen. In meinem Blick musste wohl genau das geschrieben gestanden haben. Germania erwiderte den Druck meiner Hand und laechelte vorsichtig.
"Es war das Ende fuer mich und ich haette nie gedacht, dass daraus ein Anfang werden wuerde. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich die Hand gegriffen habe, die mir so geduldig entgegengestreckt wurde." Diese Worte von seinen Lippen liessen mich fuer einen Moment alles um mich vergessen. Erst als mein Starren von durchdringenden Schweigen unterbrochen wurde, riss ich mich zusammen und setzte die Geschichte fuer alle fort.
Es dauerte eine Weile, aber als ich dann zu der ersten Begegnung mit Ivan und Wilm kam, ergaenzten sie das eine oder andere und wir bekamen einigermassen alles zusammen.
Marta hoerte geduldig und aufmerksam zu. Bei den blutigen Stellen schlug sie die Hand vor den Mund und bei der Errettung von Ann und Antonio seufzte sie erleichtert auf, ging gleich zu den beiden Kindern, um nach ihnen zu sehen.
Germania war neben mir mit dem Kopf auf dem Tisch eingeschlafen. Es war ein langer Tag gewesen. Ich entschuldigte uns und nachdem Marta mir noch mein altes Zimmer angeboten hatte, trug ich meinen schlafenden Prinzen  ins Bett.
Er murmelte leise im Schlaf und laechelte leicht, als ich ihn auf die Stirn kuesste.
Wenn er so laecheln konnte, was es das alles wert gewesen.
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