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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.799
 
Tropf, tropf.
Das stetig tropfende Wasser von einer der feuchten Stellen an der Decke war das einzige Geraeusch, was ich fuer lange Zeit hoerte. Ich hoerte es, wenn ich schlief oder eher ruhte, ich hoerte es, wenn ich wach war oder die Schmerzen ertrug, die von den 'Vorbestrafungen' tiefe Spuren in meinen Koerper frassen.
Es war kalt und ziehender Durst plagte mich fast bis zum Wahnsinn. Der Hunger war nach dem zweiten Tag ohne Essen bald verschwunden. Ob sie mich verhungern lassen wollten? Ich konnte es mir ja fast nicht vorstellen, dass Marcus sich mein Blut entgehen lassen wuerde. Lange konnte es jedenfalls nicht mehr dauern, der Durst wurde immer intensiver.
Tropf, tropf.
Das monoton, andauernde Geraeusch halte in meinem leeren Kopf. Der war das einzige, welcher sich leicht und wie mit Wolken gefuellt anfuehlte. Im Gegensatz zum Rest meines Koerpers. Ich hing immernoch gefesselt an der Wand, meine Fuesse beruehrten gerade so den Boden und meine Gelenke waren wundgeschaeuert. Die alte Verletzung an meiner Schulter war anscheinend auch wieder aufgegangen, fiel aber unter den anderen Wunden auf meinem Ruecken  fast nicht mehr auf.
Ich war ein Soldat, ich konnte Schmerz und Folter aushalten, dafuer war ich ausgebildet. Viel schlimmer war die dunkle, stille Zeit zum Nachdenken, die mir zur Genuege gegeben wurde. Sie hatten mir gesagt, dass ich sterben wuerde, aber nicht wann. Seit Tagen rechnete ich damit meinem Ende entgegengestellt zu werden. Doch nie kamen sie, um mich zu toeten. So wechselten sich Hoffnung und das Schmieden von Fluchtplaenen mit Verzweifeln und dem Akzeptieren von meiner Exekution ab.
Das Einzige, was mich einigermassen bei Vernunft hielt, war der Gedanke an Germania. In den Stunden von Isolation und Schmerz schaltete mein Koerper meinen Verstand und meine Sinne ab und im Zustand zwischen Schlaf und Wachen traeumte ich von meinen blonden Elfenprinzen. All unsere Begegnungen, jede Beruehrung, jedes Wort spielte sich noch einmal in mir ab. Oft erwischte ich mich dabei, wie ich im Rausch von Hunger und Traeumen seinen Namen fluesterte oder sogar rief. Ich stoppte mich jedes Mal, da ich wusste, dass ich ihn dadurch in Gefahr brachte, sollte einer der Soldaten es hoeren.
Wenn ich nur wuesste ob es Germania und den anderen wirklich gut geht. Ob sie sich auf den Rueckweg machen wuerden? Ob sie etwas unternahmen, um mir zu helfen? Hoffentlich nicht, das war viel zu gefaehrlich. Vielleicht halfen Ivan und Wilm den dreien ja, aus Rom zu kommen und es wuerde alles gut fuer sie? Bei den Gedanken an den Russen, wie er sich grinsend um meinen Blonden kuemmerte, kam mir fast die Galle hoch. Es fiel mir schwer mir einzureden, dass alles in Ordnung waere, solange es Germania gut ginge. Egal wer auf ihn aufpasste, wenn ich nicht da war, solange er in Sicherheit war, war es gut.
Es musste gerade Tag sein und in meinem Kopf schwirrte einer der vielen Ausbruchsplaene an denen ich in der letzten Zeit gearbeitet hatte. Ploetzlich hoerte ich schleppende, schwere Schritte draussen im Gang ausserhalb meiner Zelle. Angestrengt hob ich den Kopf und versuchte meinen Blick zu klaeren damit ich die Tuer im Auge behalten konnte. Fast erwartete ich einen der Soldaten oder sogar Marcus, die mich zu meinem letzten Gang begleiteten. Ich machte mich bereit in das spottende Gesicht meines ehemaligen besten Freundes zu blicken, doch als das schwere Holz sich bewegte und sich  aechzend einen Spalt oeffnete, konnte ich nur auf das blonde Haar starren. Blau auf bleicher Haut, Rot in schimmernden Gold, Rot ueberhaupt ueberall.
"Ger-Germania!?" Schmal laechelte er mich an. Ohne zu antworten oder seinen Blick von mir zu nehmen, kam er naeher und zog einen Dolch aus seinem Aermel. "Was tust du hier? Verschwinde, du musst dich in Sicherheit bringen, wenn sie dich in die Finger bekommen, gibt es keinen Ausweg fuer dichgeben, nur den Tod." Doch er verzog keine Miene und schien mich noch nicht einmal zu verstehen. Angestrengt versuchte ich mein Herz davon abzubringen vor Freude zu zerspringen. Er durfte hier nicht sein. "Ok, mach mich los, dann werde ich dich hier raus bringen." "Raus? Ich bin doch gerade erst gekommen." "Was?" "Ich liebe dich, Rom."
Unter seinem boshaften Grinsen sah ich das Blut aus meinem Bauch dringen. Mein Blut. Der glaenzende Dolch war kuehl und vor Schmerz schrie ich auf. "Ger...man.." "Der Adler faellt, Rom, weil der Falke ihn die Augen auspickt und sein Herz stielt." Damit drehte er die Klinge in mir und stiess sie weiter in mich.
Ich zuckte zusammen und schreckte aus dem Schlaf auf. Japsend riss ich die Augen auf nur um sie kraftlos wieder zu schliessen. Der Schmerz aus dem Traum war verschwunden, doch der Schreck sass tief. Mein Atem  raste und Schweiss rann ueber meine Stirn. Nur ein Traum. Ein erschreckender und seltsamer, aber nur ein Traum. Ich war froh, dass Germania nicht wirklich hier war. Trotzdem, warum war so etwas in meinem Traum passiert? Ich war froh, dass ich aufgewacht war. Warum eigentlich?
Etwas fuehlte sich seltsam an. Etwas war anders. Etwas fehlte. Das Tropfen. Aus irgendeinem Grund hatte es aufgehoert. Meine Augenlieder flatterten und nervoes blickte ich endlich hoch. Das bekannte Gesicht loeste leicht Panik in mir aus, aber da ich damit schon die letzten Tage gerechnet hatte, wurde es schnell durch Resignation ersetzt. Der Roemer starrte mich unentwegt an und machte es nicht gerade einfach dem meinen Alptraum zu vergessen.
"Germania?! Das ist also der Name dieses Wilden." Ich schluckte und versuchte nicht so ertappt auszusehen. Wie lange war er schon hier und was hatte ich im Schlaf noch alles gesagt? "Was willst du Marcus? Kannst es wohl kaum erwarten mich tot zu sehen!?" Ein wiederliches Grinsen kroch auf sein Gesicht, eines das ich bei ihm frueher nie gesehen hatten. "In der Tat, mein alter Kamerad." Bedrohlich kam er naeher. "Aber vorher wuerde ich dich gern noch etwas leiden sehen."
Sein Blick wanderte abschaetzig an mir herunter. "Allerdings haben koerperliche Schmerzen dich ja noch nie sonderlich interessiert." "Dann lass mich einfach sterben oder besser noch gehen." "Mach keinen Narren aus mir, Rom!", zischte er und ich zuckte kurz zusammen, als er meinen Namen so ausspuckte. "Du wirst sterben und ich werde dafuer sorgen, dass du vorher leidest. Dieser Wilde fuer den du mich- fuer den du uns verlassen hast, scheint dir ja ohne Zweifel ganz schoen wichtig zu sein."
Mein Seufzen erstarrte und entsetzt sah ich Marcus das erste Mal richtig ins Gesicht. Seine Zuege hatten sich veraendert. Er schien gealtert und die jugendliche Entschlossenheit, die ich von ihm kannte, fehlte voellig. "Du hast doch jetzt mich um deine Wut auszulassen. Lass ihn aus dem Spiel er hat damit nichts zu tun." Rasend arbeitete mein Kopf um Germania darauszubekommen. "Ausserdem ist er nur gekommen, um die Kinder zurueckzuholen, die du gestohlen hast. Er hat kaum was mit mir zu tun!" "Zu schlecht, Rom." Er grinste. "Aber ich kenne dich zu gut, um den Wert eines Menschen zu erkennen, wenn du seinen Namen schreist." Verdammt! Ich biss mir auf die Lippen und drehte den Kopf weg, um ihn nicht noch mehr in meinem Gesicht lesen zu lassen. "Ich werde sehen, was ich fuer dich tun kann", saeuselte er in einen ironischen, schrecklich suessen Ton und wand sich dann ruckartig zum Gehen ab.
In meinem Gehirn arbeitet es noch immer rasend, aber ich sah ein, dass ich in diesem Spiel verloren hatte. "Marcus!" Der Roemer blieb stehen ohne sich noch mal zu mir umzudrehen. "Warum, Marcus? Ich verstehe es nicht. Wir haben uns doch damals versprochen-" "Du wagst es von Versprechen zu reden?" Seine scharfe Stimme hallte laut in dem kalten Raum und mit wenigen Schritten war er doch wieder bei mir. In seinen Augen funkelte purer Hass und Zorn, doch auch eine Verletzlichkeit, die mich verwirrte. "Aus deinem Mund etwas von einem Versprechen zu hoeren ist laecherlich. Du hast mich beinah zu Grunde gerichtet, als du einfach verschwunden bist. Hatte Hauptmann Carantas nicht-" "Was? Ich- ich habe was?"
Eine schlimme Ahnung beschlich mich. War es wirklich meine Schuld? "Als du gingst und uns in der Schlacht allein liesst-" "Ihr wart als Einheit stark genug, da kam es auf mich nicht an." "Du warst unsere Fuehrung, unsere Zusammenhalt." Er schnaubte verbissen. "Wir haben gewonnen, aber dein Verrat hat uns alle in Gefahr gebracht. Weil ich dich aufhalten wollte, dachten sie, dass ich mit dir fliehen wollte. Mir wurde damals alles genommen und du hast dich mit irgend so einem stumpfen Wilden davon gemacht und darueber all unsere Traeume vergessen." "Ich-ich wusste nicht...ich dachte...Ich hatte dir damals von nichts erzaehlt, weil  ich dachte es waere das Beste und Sicherste fuer dich. Ich dachte, wenn ich nicht mehr da waere, koenntest du Hauptmann werden und an meiner Stelle-" "Verarsch mich nicht! Es ist mir egal, ich will nichts mehr hoeren. Du wiederst mich an, Rom." "Marcus..." "Wir sehen uns vor deinem Tod. Wenn ich es schaffe, bin ich derjenige, der dein huebsches Koepfchen abtrennen darf."
Damit ging er und liess mich zitternd zurueck.
     
Kurz nach dem Klopfen und der einladenden Stimme trat Seri Carantas ein. Er verbaeugte sich gemaess und grusste seinen Herren.
"Was gibt es, Hauptmann?" Caesar sah von seinem Treffen mit dem Senat auf und kam schnellen Schrittes auf ihn zu. "Entschuldigt mich kurz, meine Herren." Damit nahm er Seri am Arm und zog ihn ein wenig beiseite. "Was ist, ich habe nicht viel Zeit."
"Verzeihnt, Caesar. Aber ich habe einen wichtigen Brief von einem unserer Aussenstellen. Unser Vertreter der Handelsorganisation im bevoelkerten Germanien, ist im Palast erschienen und wuenscht ein Treffen mit euch zu vereinbahren." "Ist das so dringend? Kann das nicht warten?" Der Grauhaarige schuettelte leicht den Kopf. "Ich fuerchte nicht. Ausserdem verlangt er, dass ihr ihn euch allein anhoert, da es anscheinend um sehr wichtige Verhandlungen geht." "Allein?" Wieder Nicken.
"Der Rest steht in dem Dokument, aber wenn ich ehrlich bin, kommt mir das auch sehr seltsam vor, Herr. Soll ich euch begleiten?" Caesars Blick schwankte kurz, dann sah er den Hauptmann herabblickend und stolz an. "Natuerlich nicht, wenn der Vertreter es ausdruecklich wuenscht, werde ich dem Nachgehen." "Wie ihr meint, Herr."
Der Kaiser schnappte sich das Papier und drehte sich um ohne Seri noch mal eines Blickes zu wuerdigen. Auch dieser verliess schliesslich den Besprechungsraum.
Ein breites Grinsen auf den Lippen.
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