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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.942
 
Mit baumelnden Beinen sass sie in der Kueche an dem leeren Tisch. Sie hatte keinen Hunger, schaffte es aber auch nicht sich aufzurappeln und zu gehen. Kein Antrieb, kein Verlangen fuer nichts. Einfach nur sitzen, sein und warten. Warten, bis jemand kommen wuerde, um sie abzuholen. Bis jemand kommen  und ihr erneut sagen wuerde, dass alles gut werden wuerde.
Germania hatte ihr zwar immer wieder versprochen, dass er nicht boese auf sie war, dass niemand boese auf sie war, doch Ann wuenschte sich, sie waeren es. Denn es war ihre Schuld. Es war mehr als ihre Schuld, es war ihr Fehler. Wenn Rom sterben wuerde, dann starb er wegen ihr. Wegen ihrer Dummheit, wegen ihrer Selbstsucht, wegen ihr.
Ihr Kopf sank auf ihre Arme, die krampfhaft auf dem Tisch lagen. Wenn sie doch nur wirklich verschwunden waere, wie sie es sich so oft gewuenscht hatte. Wenn, wenn, wenn. Jetzt war es zu spaet und es gab nichts, was sie unternehmen konnte.
Lautes Poltern und die zwei Jungen kamen in den Raum gestuerzt. Als Antonio Ann sah, blieb er sofort stehen und stolperte kurz, als Lovino in ihn reinrannte. "Ann, hier bist du. Wir haben nach dir gesucht." Er schob einen Stuhl nahe an Anns und kletterte darauf, dann half er Lovino und zusammen betrachteten sie das Maedchen, was noch nicht mal aufgesehen hatte.
"Ann?", fragte Antonio vorsichtig und stupste die Freundin an der Schulter an. "Willst du mit uns spielen?" Noch immer bewegte sie sich nicht. "Lass sie doch, Toni", quengelte Lovino. "Nein, ich kann nicht, sie ist doch meine Freundin, sie ist  meine Familie."
Wie wuetend, eifersuechtig, sauer oder genervt Ann auch je auf den Aelteren gewesen war, das bedeutete jetzt alles nichts mehr. Stumm warf sie sich in Antonios Arme und hielt sich ganz fest, um nicht von ihrer Schuld und Angst davongespuelt zu werden.     

Die Kammer war klein und stickig. Als die alte Tuer sich hinter mir schloss und nur noch ein schwacher Kerzenschein den Raum erleuchtete, stieg in mir ein bekannter Fluchtinstinkt auf. Gnadenlos unterdrueckte ich meine innere Stimme, die mir zuschrie von hier zu verschwunden. Ich musste hier sein, fuer Rom. Es war meine einzige Chance.
"Hallo, Germane." Die dunkle, kratzige Stimme hallte dumpf von den mit Pergamentrollen vollgestopften Regalen wieder. Aus dem Halbschatten trat eine grosse Person. Ein Roemer. Hastig liess ich pruefend meinen Blick ueber ihn gleiten. Fettige, zurueckgekaemmte Haare, breite Brust, lange krumme Nase und eine weisse Narbe, die sich genau ueber sein rechtes Auge zog. Genau wie in Ivans Beschreibung.
Dieser Mann, konnte mir helfen. Wenn ich dem Russen glauben schenken konnte, war der 'Kraeher' eine Wache im Palast mit besonders viel oertlichem Wissen und Kenntnis, was das Gebauede anging. Und was noch viel wichtiger war, mit wenig Interesse an Loyalitaet.
"Ich hoerte, du koenntest helfen", sagte ich und versuchte kalt und bestimmend zu klingen. Die breiten Lippen des Kraehers verzogen sich zu einem fleischigen Grinsen. "Kommt darauf an, was du willst, Kleiner. Und was du zu bieten hast." Sicherheitshalber trat ich ein paar Schritte zurueck, als er ein paar auf mich zutat. "Zeige mir einen Weg in den Palast und zu den Gefangenen." "Oh, das ist eine Sache, hmm." seine dicken Finger kratzten sich am behaarten Kinn. Es war klar, dass er mit mir spielte. "Das wird nicht so einfach, weisst du?" "Sag mir einfach, ob du es kannst."
Ein wenig wuenschte ich, dass er verneinen wuerde und ich gehen konnte, aber er war meine einzige Hoffnung. "Hmm, ich denke ich koennte was tun." Unruhig blinzelte ich hinter mir zum Ausgang und naeherte mich dann dem Roemer vorsichtig. "Was?" "Es gibt da so einen schoenen Gang, der von innerhalb des Palastes nach aussen fuehrt. Oder auch von aussen nach innen. Er wurde errichtet, um geheime Botschaften oder andere persoenliche Sachen des Adels aus oder in den Palast zu schaffen. Heute gibt es andere Moeglichkeiten." "Wo ist der Haken?" Ich traute dem Kerl nicht. Er war Roemer, schon das brachte die Haerchen auf meiner Haut zum Stehen. Aber ich riss mich zusammen und trat unter seinen stinkenden Atem.
"Da ist kein Haken, nur eventuell ein paar Wachen, die den Weg bewachen. Wir lassen doch so einen Schwachpunkt wie diesen nicht allein." Nun war ich es, der kalt laechelte. "Gegen ein paar Roemer zu toeten habe ich nichts. Also zeige mir die Stelle." "Nicht so schnell, Kleiner."
Ehe ich mich versah, war ich derjenige der mit dem Ruecken an der Wand stand. Die breite Gestalt des Kraehers verdeckte die Tuer und ich sass in der Klemme wie ein Voegelchen. "Ich habe da eine tolle Karte, die dir helfen koennte, doch ich denke, wir verstehen uns, wenn ich dir sage, dass nichts umsonst ist auf dieser Welt." "Tss, Roemer" murmelte ich abwehrend und hielt dem gierigen Blick aus schlammigen Augen eisern stand. "Was willst du? Ich kann dir kein Geld geben." "Das dachte ich mir schon."
Ob ich es nun wollte oder nicht, ich musste schlucken. Das gefiel mir nicht. Kurz zuckte meine Hand zu dem Messer in meinem Mantel, aber mit zusammengepressten Kiefer liess ich sie wieder sinken. Mir blieb nicht mehr viel Zeit. Was auch immer sie mir Rom vorhatten, lange wuerden sie nicht mehr warten. "Was willst du?", fragte ich erneut.
"Hmm, mal ueberlegen." Es war klar, dass er es schon wusste und ich fing ebenfalls an zu ahnen, als ich seinen Blick auf mir intensiver zu spueren anfing. "Weisst du, als Wache hat man nicht so ein einfaches Leben und das Geld reicht auch nicht aus, um alle Beduerfnisse zu befriedigen." Er grinste dreckig. "Ich will dich, deinen Koerper. Gib dich mir freiwillig hin und ich helfe dir zu bekommen, nach was du so sehr verlangst."
Meine Augen wurden gross und meine Haende kalt. Schon allein bei der Vorstellung wurde mir schlecht. Wenn dieser Mann mich auch nur beruehrte, wuerde ich mich uebergeben muessen. Wenn er auch nur einen Finger... Wut und Abschaeu brannten in mir auf.
"Du dreckiger Koeter, als ob ich-" Staub wirbelte auf als seine Hand ploetzlich neben meinem Kopf an  die Wand fuhr. "Also ist der Kerl im Gefaengnis doch nicht so wertvoll fuer dich? Dann ist ja gut, dann kann ich dir ja beruhigt sagen, dass er eh ziemlich bald exekutiert wird." Er lehnte sich dicht zu mir und sah mich hochmuetig und siegessicher an. "Also?"
Schnell drehte ich den Kopf weg und biss mir auf die Lippe. Ich sass mehr in der Falle, als ich geahnt hatte. Wenn ich dem Wunsch des Kraehers nicht folge leistete, wuerde ich nicht schnell genug einen Weg finden Rom zu befreien. Meine Wuerde gegen Roms Leben. Mein Kopf arbeitete wie verrueckt und alles in mir streubte sich, alles wollte nur das Blut dieses Kerles an meiner Messerklinge schimmern sehen.
"Ich werde bestimmt nicht..." Ich schwankte. Ein Bild von Rom flackerte in meinem Kopf auf. Blutend, leblos, tot. In diesem Moment wuerde auch mein Leben enden. Ohne es zu bemerken entschloss ich mich. Etwas in mir straeubte sich immer noch mit Zaehnen und Krallen, aber das einzige, an was ich denken konnte, war ein lebender Rom. Nach der 'Bezahlung' wuerde ich ihm zwar nie wieder in die Augen sehen koennen, aber er wuerde nicht sterben.
"Ich..." Mir war elend. Ich wollte das nicht. Ich...ich...ich..."Ich verstehe. B-bringen wir es hinter uns." Das war nicht mein Mund der diese Worte emotionslos und kalt aussprach. Das war nicht mein Koerper der still hielt als der Kraeher mich gierig an die Wand drueckte und seine Haende unter mein Oberteil gleiten liess. Ich war bei Rom und versuchte eine Entschuldigung fuer die Schande zu finden, die ich ueber mich ergehen liess.
Die Haende des Roemers waren rau und eisig. Ich begann zu zittern, als er ueber meine Brust und meinen Ruecken fuhr. Sein kraeftiger Koerper presste sich gegen mich und drueckte Luft und Leben aus mir. Angestrengt versuchte ich nichts zu fuehlen und mich nicht zu wehren. Einfach nur an Rom denken, einfach nur an Rom... Als seine dicken Finger in meine Hose krochen, zog ich scharf Luft ein um vor Wut und Eckel nicht in seine Schulter zu beissen und ihm meine Klinge in den Bauch zu rammen. Nur Rom durfte mich beruehren, nur Rom durfte mich so anfassen, nur er durfte sagen-
"Du bist mein", kraechste der Kraeher und in dem Moment haette ich am liebsten laut aufgeschrien. Meine Beine liessen es sich jetzt nicht mehr nehmen stark zu zittern und wenn ich mich nicht irrte, stiegen mir sogar ein paar Traenen in die Augen. So weit gesunken, so tief gefallen, so dreckig wuerde ich nie wieder wuerdig sein Rom auch nur anzufassen, geschweige denn seine Zuneigung und Aufmerksamkeit zu bekommen.
Die Haende waren grob und plump. Sie brannten auf meiner Haut wie Saeure. Sein Atem stank nach altem Fleisch und ich konnte rote Adern in seinen stumpfen Augen sehen, als sein Gesicht sich naeherte. Nass beruehrten seine Lippen meinen Hals und als er biss, spuerte ich nur Schmerz. Dann hob sein Gesicht sich und seine Lippen kamen naeher. 'Wenn er mich kuesste, werde ich innerlich sterben', schoss es mir durch den Kopf. Schnell schloss ich die Augen und machte mich bereit. Rom!
"Du wirst dich nie veraendern, Kraeher. Dreckig, morallos und verdorben." Der Koerper, der mich zu ersticken drohte, wurde von mir gerissen und Freiheit und Erleichterung umspuehlten mich. Zitternd und vor Entsetzen atemlos rutschte ich die grobe Wand herunter. Ich haette nie gedacht, dass so etwas so einen starken Einfluss auf mich haben koennte.
"Was zum Teufel machst du hier?", knurrte der Kraeher bissig, doch kurz darauf ertoente ein dumpfer Schlag auf dem Stille folgte. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich noch immer die Augen fest zusammenpresste. Ich versuchte mich und meinen Koerper zu beruhigen, aber so oft ich mir auch ueber die beruehrte Haut strich, das schmutzige Gefuehl wollte nicht verschwinden. Erst als starke Arme mich hochzogen und mir ein Stueck Papier in die Hand drueckte, sah ich auf in Ivans lila Augen.
"Ich haette wissen sollen, dass so etwas passiert. Verzeih mir." Das erste Mal, seit ich mich erinnern konnte, hoerte sich seine Stimme so ernst und ehrlich an. Seine Faust war blutig doch ich zweifelte, dass es sein eigenes war. Er schien den Kraeher mehr als noetig 'gestoppt' zu haben. Mein Kopf klaerte sich und ich betrachtete das Pergament in meiner Hand. Ein Plan. Ein Plan des westlichen Teil des Palastes, mit einer deutlichen schwarzen Linie hinaus aus dem Gebaeude in die Umgebung - der Gang. Erstaunt sah ich auf.
"Beeil dich und geh ihn retten." Sacht wischte er mir etwas von der Wange Ich hoffte es war nur Dreck. Stumm nickte ich und auf einmal war alles andere vergessen. Natuerlich ging es hier nicht um mich, nur um Rom. Einst hatte er mich gerettet, jetzt brauchte er mich. Alles andere war unwichtig...fast.
"Danke", nuschelte ich und stellte mich auf die Zehenspitzen, um Ivan kurz zu umarmen. Unheimlich, brutal, undurchschaubar, er war nach allem trotzdem ein guter Mensch. "Natuerlich und jetzt flieg, Voegelchen." Waere ich aufmerksam gewesen, waere mir vielleicht aufgefallen, dass in Ivans Grinsen mehr lag als das uebliche unschuldige Laecheln.
Etwas zufriedenes, bedrohliches.
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