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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.422
 
Der muffige, kuehle Geruch draengte sich tief in mein Bewusstsein und noch bevor ich erwachte, wusste ich, wo ich war. Es lag etwas Bekanntes darin, was mich schaudern liess.
Gut und deutlich erinnerte ich mich an die Stunden, die ich hier verbracht hatte. Ausserhalb der Tuer zu beginn meiner Militaerskarriere und innerhalb in meinen wilden Jugendjahren fuer die ein oder andere Nacht, bevor das Geld und der Einfluss meiner Familie mich wieder rausgeholt hatte. Ein unangenehmes Gefuehl lag in beiden Erinnerungen. Das enttaeuschte, abwertende Gesicht meines Vaters und die schmerzerfuellten, bettelnden Schreie der Gefangenen, die ich bewacht hatte, hatten einen bitteren Nachgeschmack in mir zurueckgelassen. Bitternis, die jetzt zurueck von meinem Magen, durch Brust und Hals in meinen Mund stroemte, als ich die Augen aufschlug und die Kette an meinen Haenden spuerte. Angebunden wie ein Hund, an die Wand gepinnt, wie ein gerupfter Vogel.
Die schwere Holztuer mit dem Gitter spottete in mein Gesicht und blieb hartnaeckig geschlossen. Fuer eine lange Zeit. Sofort wusste ich in welcher Situation ich mich befand und was mich erwarten wuerde. Ich hoffte nur, dass Germania mit Ann entkommen konnte. Wuerde Marcus Aufmerksamkeit noch auf ihnen liegen, wo er mich doch jetzt in seiner Hand hatte? War ich sein einziges Ziel gewesen? Dann war alles, was ich tun musste um die anderen zu beschuetzen, hier bleiben und...und was? Sterben? Waere es damit getan? Waere es beendet?
Ich stellte mir Germania vor, der kalt und zerstoert an zwei Graebern stand und allen Menschen, die ihm je wichtig gewesen waren, Blumen auf die toten Koerper legen musste. Hatte ich ihm nicht versprochen fuer immer bei ihm zu bleiben und Grund fuer sein Leben zu sein? Er wuerde wieder zerbrechen und es waere meine Schuld. Seine eisblauen Augen noch einmal in diesem Schmerz zu sehen, sein Engelsgesicht noch einmal in Apatie und vollkommene Leere zu versetzen. Das durfte ich nicht zulassen! Mein Tod? Schoen und gut, damit konnte ich umgehen. Aber wenn ich gehen wuerde, wuerde ich ihn automatisch mit mir nehmen. Das durfte nicht passieren! Germania musste leben, mit mir.
Die Tuer zu meiner Zelle oeffnete sich langsam, wie das Maul eines Ungeheuers. Mein tauber Koerper fing bei der Erinnerung der Schmerzen, die mir diese Maenner zugefuergt hatten, an zu pochen und unruhig zog ich an den Seilen die meine Haende an die Wand hefteten. Was auch immer man hier mit mir vorhatte, es wuerde nicht angenehm werden. All die Zeit zuvor hatte ich gehofft, dass Marcus sich zeigen wuerde. Etwas in mir hatte ihn noch nicht aufgegeben und hatte auf ein Zeichen von dem alten Freund gewartet, der er frueher gewesen war. Doch seit ich ihn auf dem Markt gesehen hatte, seit ich in diese irren Augen geblickt hatte, wollte ich einfach nur noch alles hinter mir lassen. Einfach gehen. Fort von all dem. Fort von der Vergangenheit, die mich verfolgte und in letzter Zeit bedrohlich aufholte. Momentan war es in meinem Zustand unmoeglich auch nur an Flucht zu denken. Aber ich wuerde warten und auf eine Gelegenheit lauern. Bis dahin konnte ich nur beten, dass sie alles an mir dran lassen wuerden.
"Rom!" Ein aelterer Soldat, den ich noch von frueher erkannte, laechelte mich boese mit gelben Zaehnen an. "Der Senat hat getagt und dein Urteil wurde beschlossen. Dir wird Verrat und Flucht vor der Pflicht vorgeworfen." Ohne auf die Pergamentrolle zu sehen, verkuendete er mein Schicksal. "Du wirst hingerichtet, um deine Suenden zu bestrafen."
Als das Maul des Ungeheuers sich wieder schloss und Stille auf meine Starre sank, erinnerte ich mich daran zu atmen. Mein Kopf sackte auf meine Brust. Eine Ratte huschte vor meinen Fuessen ueber den dreckigen Boden. Die gelben, kleinen Augen sahen mich fuer einen Moment einschaetzend an, dann verschwand das Tier in einem der Mauerritzen. Nun tatsaechlich gaenzlich allein goennte ich es mir ein wenig und still zu verzweifeln.          

Wuetend schlug meine Faust gegen die steinerne Oberflaeche der Saeule. Der weisse Marmor blieb unberuehrt,waehrend durch meine Hand einen pochender Schmerz fuhr. Ein beruhigender, konzentrierter Schmerz. Etwas, was mir in den letzten Tagen oft geholfen hatte Ruhe und mich selbst zu bewahren.
Das dritte Mal, seit die Roemer Rom mitgenommen hatten, ging die Sonne unter. Das dritte Mal, seit sie ihn vor meinen Augen niedergeschlagen hatten, ueberfiel mich die Dunkelheit der Nacht allein.
Widerwillig und nicht ohne Anstrengung hatte ich es geschaft Ann zurueck zu Wilms Anwesen zu bringen. Knappe Worte hatten gereicht, um die anderen verstehen zu lassen. Ivan hatte nur dunkel das Gesicht verzogen, waehrend Wilm Muehe hatte Ann und Antonio zu beruhigen. Letztendlich hatten sie mich auch davon abhalten muessen sofort zurueckzueilen und Rom zu befreien. "Du laeufst in deinen Tod, Junge. Bleib hier, wir finden einen Weg", hatte Wilm argumentiert und seine Hand nicht von mir geloset, um mich gehen zu lassen. "Wenn du Glueck hast, toeten sie ihn nicht gleich", meinte Ivan und ehe er unter Wilms wuetenden Blick verstummte, verlor ich die Beherrschung. Ich hoerte erst auf um mich zu schlagen und mich zu wehren als Ivans Faust in meinen Magen ruhte und ich in seinen Armen zusammensackte.
Die folgenden Stunden Ruhe und das blaue Auge, das ich Wilm in meinem Wahn verpasst hatte, liessen mich realisieren, dass ich tatsaechlich besonnen bleiben und mir einen Plan machen musste. Zu meiner eigenen Sicherheit hatte der Russe beschlossen mich "anzubinden", damit ich nicht doch was dummes anstellen konnte. "Rom waere mir dankbar", laechelte er und liess mich mit am Bett gefesselten Haenden toben.
Selbst jetzt, wo ich draussen auf dem gepflasterten Garten hinter dem Haus sass, umklammerte die Kette mein Handgelenk. Der letzte Tag war ohne Erfolg geblieben, in jeder Hinsicht. Ich hatte keinen Plan, Wilm hatte nichts ueber Rom in Erfahrung bringen koennen und Ivan hatte Nachrichten gebracht, dass der Palast sich in eine Festung verwandelt hatte. Mit jeder Sekunde versuchte ich angestrengter nicht zu verzweifeln. Rom wuerde sterben! Es bohrte sich qualvoll deutlich in meinen Verstand, egal welchen Gedanken ich fasste. Ich musste etwas unternehmen, ich musste etwas unternehmen! Als erstes sollte ich einen Weg in den Palast finden, dann herausbekommen, wo Rom festgehalten wurde. Um den Rest konnte ich mich spaeter spontan kuemmern.
Heftig presste ich meine Hand gegen die Kette, um loszukommen, doch das Metall klimperte nur verdaechtig. "Brech dir nicht die Hand, Wildfang." "Ivan", fauchte ich und der Aeltere erwiderte meinen Blick nur laechelnd. "Mach mich los, ich muss gehen, jetzt!" "Wohin?" "Zu Rom!" "Willst du dich zusammen mit ihm toeten lassen?" Ruhig liess er sich neben mich auf die Stufen nieder, die tiefer in den Garten fuehrten. "Nein, aber-" "Du hast eingesehen, dass du einen Plan brauchst, nicht?! Also warum jetzt kopflos loslaufen, wenn du am Ende des Weges wohl wirklich den Kopf verlieren wuerdest?" Verbissen blickte ich auf meine Haende, die voll von Schrammen und stellenweise Blut waren.
"Ich-ich kann einfach nicht mehr warten. Wenn er stirbt, habe ich eh nichts mehr zu verlieren." Ivans kindliches Laecheln verschwand. Er griff nach der Kette, die mich band und zog pruefend daran. "Du wuerdest also dein Leben fuer ihn geben?" Diese Frage kam mir dumm und laecherlich vor. Ich hatte nie darueber nachgedacht, aber die Antwort war klar, bevor der Russe die Frage ueberhaupt formuliert hatte. "Er ist mein Leben." Damals als ich mich aufgegeben hatte, war er ohne zu fragen in mein Leben getreten und hatte mir einen Grund, hatte mir mich selbst wiedergegeben.
"So, ist er das?" Mit einem schmalen Schmunzeln riss Ivan ploetzlich an der Kette und die eisernen Ringe bogen sich. Problemlos glitt meine Hand aus der geweiteten Schlinge. Verdutzt sah ich ihn an.
"Glaube nicht, das ich das umsonst mache." Ruckartig schnellte er vor, packte meinen Kopf und drueckte seine Lippen kurz aber deutlich auf meine. Ich schmeckte den herben Geschmack von Wildgraesern und die Kaelte vieler Winter. Ehe ich mich gefangen hatte und beginnen konnte mich zu wehren, leckte er ueber meinen Mund und loeste sich grinsend.
"Ich bekomme immer, was ich will." Die Schatten in den lilanen Augen wuchsen und ich wich schnell zurueck. "Ach ja und was willst du?", fragte ich mit duesterer Miene und wischte mir demonstratiev ueber die Lippen. Doch seltsamerweise fing Ivan an zu lachen und stand zu seiner vollen Groesse auf. "Vieles, mein Lieber, vieles." Mit laengerwerdenen Schatten verschwand er im Haus.
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