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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.240
 
"Rom! Germania!" Aufgeregt schoss der Kleine durch die Tuer, Lovino an der Hand und vor Hektik ganz rot im Gesicht. Ich hatte mir gerade ein weiteren Kelch Wein eingeschenkt und war dabei das koestliche Suess-saeuerliche in meiner Kehle zu geniessen.
Wir diskutierten eigentlich gerade mit Wilm, wie wir aus der Stadt entkommen konnten, waren aber irgendwie vom Gespraech zum Wein abgekommen. Nun blieb mir jedoch das rote Getraenk im Hals stecken und hustend wuergte ich es hinunter.
"Ann ist weggelaufen!" "Sie ist was?" Neben mir sprang Germania alarmiered auf. "Wo ist sie?" Hinter dem Jungen der ungluecklich und schuldbewusst den Boden fixierte, kam Ivan in den Raum. "Sie sagte etwas in der Art, dass sie einen Loki zurueckholen will." "Loki?" Verwundert sah ich zu Germania doch der erwiderte meinen fragenden Blick nur.
Erst als Antonio aus heiterem Himmel zu schluchzen begann und sich prompt auf seinen Hosenboden fallen liess, begann ich zu verstehen. "Sie hat Loki in der Zelle lassen muessen und denkt nun, sie muss ihn wegen irgend so einem Versprechen zurueckbekommen muss." Noch bevor der Kleine zu Ende gesprochen hatte, war ich schon aus dem Raum.
Nicht jetzt. Das durfte nicht passieren, nicht wo doch jetzt fast alles wieder gut war. Auf dem sandigen Pfad vor dem Haus blieb ich kurz stehen. Wo konnte sie jetzt sein? Wusste sie den Weg zum Stadtzentrum? Hinter mir hoerte ich Germania aus dem Haus kommen und entschied mich einfach loszulaufen und zu hoffen, zu beten, dass es die richtige Richtung war. Germania durfte da nicht mit reingezogen werden, sonst musste ich am Ende noch zwei Vermisste suchen.     

Die Luft brannte in meiner Lunge und meine Schulter fing schon wieder an zu schmerzen. Keuchend hielt ich inne und lehnte mich an den Saum des steinernen Caesers. Die Wolken des Vormittages hatten sich verzogen und die Sonne strahlte schon wieder unermuedlich. Unruhig suchte ich den lauten Platz um mich herum ab.
Natuerlich, aussgerechnet heute war Markttag und alles ueberfuellt. Die Strassen quollen ueber von Menschen und Tier, der Marktplatz droehnte vor Leben. Sie musste hier irgendwo sein. Ich hatte vorhin einen Bauern an einem Gemuesestand gefragt und zu meiner Erleichterung hatte er wirklich ein kleines Maedchen das auf Anns Beschreibung passte, gesehen. Doch hier schien ich wieder vollkommen ihre Spur verloren zu haben.
Ein kleines Maedchen in duennem Hemd und Barfuss muesste doch eigentlich auffallen. Ich hoffte ja gleichzeitig, dass es das nicht tat. Zwar wurden die beiden Kinder an Wilm verkauft, aber man konnte ja nie wissen und ich wollte sie lieber nicht in der Naehe von Roemern sehen.
Ich loeste mich vom Schatten Caesars und schritt aufmerksam durch die Menge. Einen Mann auf einem Esel und eine alte Frau mit einem Korb Blumen fragte ich noch nach Ann, doch fing ich nur skeptische Blicke und brummende Ablehnung ein.
Langsam fragte ich mich, ob es das Kind wirklich den ganzen Weg zurueck zum Palast geschafft hatte. Das waere erstaunlich. Erstaunlich und schlecht. In den letzten Tagen hatten Ivan und Wilm immer mehr Nachrichten von suchenden und kontrollierenden Roemern bekommen. Wer weiss, in was Ann reingeraten und wer sie finden wuerde? Das durfte nicht passieren.
Ich ueberlegte gerade mehr in den Gassen und auf den abgelegenen Strassen zu suchen, als ich sie sah. Ihr blonder Lockenkopf und das reine weisse Hemd fiel einem sofort ins Auge. Schnell eilte ich auf Ann zu und rief ihren Namen. Doch das Maedchen schien mich nicht zu hoeren. Sie stand einfach nur zwischen all den wuselnden und beschaeftigten Menschen und ruehrte sich nicht. Ich betete, dass sie in Ordnung war und beeilte mich zu ihr zu kommen.
Dann passierte vieles auf einmal. Die Kleine drehte sich mit grossen Augen zu mir um, hinter ihr tauchte ein mir schrecklich bekanntes Gesicht auf und im letzten Moment erreichte ich sie. Bevor Marcus Hand an sie legen konnte, zog ich sie schnell zu mir. Durch sein erst erstauntes Gesicht huschte Triumph und eine haessliche Freude. Ein heftiger Schmerz an meinem Kopf und in meinem Ruecken brachten mich zum Straucheln und noch bevor ich die Soldaten sah, wusste ich, dass es nicht gut fuer mich enden wuerde.
Schwarze Punkte schoben sich in mein Blickfeld und mit schrecklichem Bewusstsein und letzter Kraft stiess ich Ann von mir. Das Maedchen sah mich fuer eine Sekunde entsetzt an und streckte die Arme nach mir aus, ehe der Schatten einer Gasse sie verschluckte. Ich war nicht einmal ueberrascht Germania zu sehen, der sie dort sicher auffing. Seine blauen Augen sahen mich anklagend und mit einer Spur von Angst und Schmerz an. Als letzte Regung schenkte ich ihm ein entschuldigendes Laecheln. Dann schlug die Faust in meinem Magen und in meinem Nacken mich nieder.     

Als er brutal niedergeschlagen und zu Boden gedrueckt wurde, spuelte eine Welle aus erstarrender Angst alle Waerme in mir davon. Ich hielt Ann, die ich gerade so aufgefangen hatte, krampfhaft fest. Der Schatten zweier Gebaeude schuetzte uns, waehrend auf Rom, im grellen Sonnenlicht ein paar Meter vor mir, gnadenlos eingedroschen wurde.
Meine Haede zuckten und alles in mir reagierte. Ich drueckte Ann hinter mich und wollte ihm zur Hilfe eilen, als sein Blick mich fing. Blut lief ihm die Stirn herunter und seine Augen waren gerade noch so geoeffnet. Doch ich verstand, als er langsam die Lippen bewegte. "Nein! Verschwinde!" Erstarrt hielt ich inne.
Er wollte von mir, dass ich Ann nahm und uns in Sicherheit brachte. Sicher, noch hatten uns die Roemer nicht entdeckt, ihre Konzentration lag qualvoll genau auf Rom. Und es waren nicht gerade wenige, denen ich mich stellen muesste. Aber alles in mir, jede Zelle, jedes Haerchen straeubte sich ihn allein, in den Haenden des Feindes zu lassen. Meine Finger krallten sich in Anns Schulter und bitter schloss ich die Augen. "Du Idiot!"
Das Fluestern wurde je von Anns Schrei unterbrochen, ehe ich meine Hand auf ihren Mund druecken konnte. Ich sank auf die Knie und presste die Kleine hart an mich. Die duennen Arme stampelten und wehrten sich schwach. "Nein, nein, nein! Rom! Was machen die mit ihm? Wir muessen ihm helfen, Germania!" Ich schuettelte langsam den Kopf und verdeckte ihr leises Schluchzen mit meiner Brust. Entsetzt blickte sie zu mir hoch und es schien, als wuerde sie verstehen, als sie das Feuchte in meinen schmerzerfuellten Augen sah. Das Kind verstummte und schlang ihre Arme um meine bebenden Schultern.
Im Schatten und ohne hinzusehen, warteten wir, bis die Soldaten mit Rom verschwunden waren. Waere Ann nicht mit hier, laege ihr Leben nicht in meinen Haenden, haette ich alles gegeben, alles geopfert, um Rom zu helfen. So musste ich es zulassen, dass er durch die Menschen, die ich am meisten hasste, von mir getrennt wurde.
Irgendwann nahm ich Anns Hand, stuelpte die Kapuze ueber meinen Kopf und versuchte einen sicheren Pfad zurueck zu Wilms Anwesen zu finden. Die kleinen Finger in meinen zitterten und waren kalt. Doch es blieb still, den ganzen Weg ueber. Ich versuchte nicht zu denken und meine Konzentration auf Anns Sicherheit zu richten. Aber es stellte sich als haerter heraus, als ich gedacht hatte.
Es war das erste Mal, das Rom mich verlassen hatte und er seine Arme nicht um mich legen konnte. Ich fuehlte schon jetzt, wie etwas grosses, schmerzhaftes sich in mein Herz frass. Die roemische Sonne schien warm auf die rottende Stadt und ich fing an zu frieren.
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