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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.167
 
Als sie erwachte, war sie schon wieder allein. Sie hasste Erwachen. Es war schlimmer als Einschlafen. Denn vor dem Schlafen stellte sie immer sicher, dass jemand bei ihr war, womit sie danach nicht rechnen konnte. Das gab ihr dann wenigstens ein bisschen das Gefuehl von Sicherheit, bevor die Alptraeume kamen.
Doch wenn sie erwachte, aengstlich, aufgeloest und niemand bei ihr war, kam dieses Gefuehl wieder. Einsamkeit. Sie bekam Panik. Sie war wieder verlassen wurden, jeder hatte sie zurueckgelassen. Allein.
Dann zog sie die Decke ueber den Kopf und versuchte zu verschwinden. Einfach nicht mehr da zu sein, nicht mehr zu exestieren. Bis irgendjemand kam und sie in die Welt zurueckholte. Meist dauerte dann eine Weile, bis sie sich beruhigte.
Wenn es Germania oder Rom war der sie fand, schaffte sie es in haltenden Armen und unter viel Zureden recht schnell wieder daran zu glauben, dass sie nicht vollkommen allein war. Manchmal rief sie auch nach den Geliebten oder versuchte erst gar nicht einzuschlafen.
Wilm hatte sie etwas von 'Trauma' reden gehoert und sie fuehlte sich schlecht, von so etwas seltsamen betroffen zu sein. Auch wenn sie nicht wirklich wusste, was es bedeutete. Doch die anderen waren stets nett zu ihr und versicherten, dass alles wieder gut war.
Jetzt war sie jedoch wieder einmal allein und egal wie laut sie schrie, niemand kam um sie zu troesten und zu retten. Es war entgueltig geschehen, jetzt war es soweit. Verlassen, allein, zurueckgelassen, unwichtig, verstoert. Schatten ihres verblassenden Alptraumes zogen an ihrem jungen Herzen. Wimmernd und den Koerper gefaltet wie ein Foetus kroch sie unter die Decke. Gedaempftes Schluchzen erfuellte den Raum und uebertoente das Klicken der Tuer.
"Bist du verloren, Maedchen?" Das Schluchzen verstummte fuer einen Moment und der kleine, blonde Lockenkopf schmulte vorsichtig unter der Decke vor. Die betruebten, braunen Augen fanden die eindringlichen Amarylfarbenen. Ivan laechelte ihr zu und langsam richtete Ann sich auf, die Decke noch immer um sich geschlungen.
"Es ist, weil jeder fortgeht und mich vergisst." Der Russe legte den Kopf schief und betrachtete die feutchten Augen und Wangen des Maedchens. Verstehend nickte er und winkte ihr auf seinen Schoss zu kommen. Ohne zu zoegern sprang die Kleine aus dem Bett und lief zu dem Mann. Dieser schlang die Arme um sie und half ihr hoch. Im naechsten Augenblick verflog das Gefuehl von Einsamkeit auf den Beinen des Russen.
Behutsam und laechelnd strich er ihr ueber den Kopf waehrend sie ihn anstarrte. "Viele Dinge sind einsam." "Ehrlich?" "Der Mond ist einsam, Regen ist einsam, das Meer und Schnee ist einsam. Ebenso sind wichtige und starke Menschen einsam." "Selbst die?" "Gerade die. Weil Einsamkeit dich naehmlich stark machen kann. Stark um Dinge zu veraendern." "Bist du auch einsam?" Tiefes Schweigen. Ivan laechelte nicht mehr, sah das Kind auf seinem Schoss eindringlich an. "Wie kommst du darauf?" "Du bist doch stark, nicht?!", stellte sie schlicht fest. "Ausserdem riechst du nach Schnee."
Der Mund des Mannes kraeuselte sich. Erst leicht, dann immer staerker, bis ein ehrliches Laecheln auf seinen Lippen lag. Eines, was vor ihr wahrscheinlich erst wenige zu Gesicht bekommen hatten. "Vielleicht", antwortete er. Nun verschwand auch der ernste Ausdruck in Anns Miene. "Danke", fluesterte sie und schlang ihre kleinen Aermchen fest um den Schal des Russen. Dieser legte seine Hand auf ihren Ruecken und so vergingen die Minuten.
Bis ploetzlich die Tuer aufflog und zwei kleine Personen ins Zimmer gepoltert kamen. Antonio stoppte als erstes, als er Ann auf dem Schoss des Russen sah, dann lief Lovino unbeholfen in ihn hinein.
"Ann, was tust du da?", fragte ihr Freund skeptisch, hielt aber sicheren Abstand. "Nichts, ich bin nur gerade erst aufgewacht." Schnell loeste sie die Arme von Ivan und sah verlegen beiseite. Der Letzte, der sie so schwach sehen sollte, war Antonio und sein neuer Freund Lovino. "Du solltest spielen gehen, Maedchen."
Vorsichtig hob sie der Russe von sich und setzte sie auf den Boden. Unbeholfen stand sie da und kam sich fuer einen Moment schutzlos und verloren vor. Doch schnell fand sie sich. "Ich will nicht spielen", schnappte sie schnippisch und drehte sich von Antonio und Lovino weg. Sie hatte nicht vergessen, wie oft ihr Freund sie in den grossen, leeren Zimmer allein gelassen hatte und wem er ihr stetig vorzog. Sollte er doch mit seinem neuen Freund spielen. Ihn brauchte sie nicht mehr.
"Ann, willst du nicht mit uns kommen? Wir haben einen tollen Platz im Garten unter einen Kirschbaum gefunden, wo man sogar-" "Nein, danke!" "Aber du-" "Lass sie doch, Toni." Ungeduldig zog Lovino am Aermel seines Freundes. "Wenn sie doch nicht will. Die ist eh langweilig."
Mit aufgepluesterten Wangen drehte Ann sich um und funkelte den kleinen Italiener wuetend an. "Bin ich nicht! Ich...ich gehe nur lieber zu Germania und Rom und rede und dispo...disgo...distotiere wie Erwachsene." "Aber du bist doch gar nicht erwachsen", warf Antonio vorsichtig ein. "Ausserdem finden es Erwachsene nervig, wenn Kinder wichtig reden und gross sein wollen. Ich bin sicher die brauchen dich eh nicht."
Lovino hatte das einfach so eingeworfen und sich nichts weiter dabei gedacht. Er wollte einfach nur dieses langweilige Gespraech beenden, um weiter mit Antonio spielen zu koennen. Doch Ann traf es wie ein Faustschlag in den Magen. Man brauchte sie nicht! Sie war unerwuenscht, unwichtig! Man wuerde sie zuruecklassen! Aengste und Erinnerungen kamen zurueck und erstarrt schlang sie die Arme um ihren Koerper, damit dieser nicht auseinanderfiel.
"N-natuerlich brauchen sie mich. Sie werden nicht gehen. Ich bin hier, weil sie mich brauchen. Sie werden nicht fortgehen!" Ihre Stimme war duenn, doch schrie sie. "Ich werde immer jemanden haben. Das haben sie mir versprochen! Solange ich Loki habe, weiss ich, dass sie-"
Ann stockte und sah in ihre leeren Haende. Natuerlich, das war der Grund, warum ihr alles entglitt. Ihr Loki war nicht da. Die Goetter hatten ihre fuehrenden Haende von ihr genommen, weil sie Loki verloren hatte. Er war wahrscheinlich noch immer in dem steinernen Raum in dem grossen, weissen Haus und-
Da fing sie auch schon an zu rennen. Hinaus aus dem Zimmer, ihre Gedanken auf ihr Ziel gerichtet. Auf die Stimmen hinter ihr achtete sie nicht. "Ich werde Loki holen und dann wird alles gut", rief sie nur atemlos und rannte so schnell sie konnte. Durch die Gaenge, aus der schweren Tuer auf die Strasse. Es war einer der wenigen Tage an denen in Rom nicht die Sonne schien.
Eine duenne Wolkenschicht bedeckte den Himmel und hatte Muehe nicht zu zerreissen. Doch so wusste Ann nicht genau, welche Tageszeit war und welche Himmelsrichtig sie musste. Also waehlte sie einfach eine Seite der Strasse und lief, in der Hoffnung, dass ihr Instinkt oder die Goetter sie leiten wuerden.
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