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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
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15.09.2011 1.328
 
Ann in die Arme zu schliessen und Antonios kleine Hand in meiner zu spueren, verbannte alle Sorgen und Aengste der letzten Wochen. Es war ein Wunder, ein Segen, pure Glueckseeligkeit. Das Maedchen war uebermahnt von Gefuehlen und Erschoepfung sogleich wieder eingeschlafen.
Von Antonio hatten wir schliesslich ausfuehrlich und erschreckend die Geschichte der beiden erfahren. Mir kam die Galle hoch und heisse Wut stieg in mir auf, als ich das Leiden der Kleinen hoerte. So gern ich es auch verleugnen wuerde, Anns Verletzungen und ihr Zustand liessen keine Zweifel. So zerbrechlich und am Ende war die sonst so aufgeweckte, froehliche Lebensnatuer fast nicht wiederzuerkennen.
Behutsam streichelte ich die unverletzte Wange und versuchte mir die Angst und Verzweiflung vorzustellen, die diese Kinder erlebt haben mussten. Wie konnte Marcus so etwas nur tun? "Sie wird wieder gut, nicht?!" Schwach laechelnd nickte ich dem Jungen neben mir zu. "Ja und dann gehen wir alle zusammen nach Hause." Gluecklich schmiegte Antonio seinen Kopf gegen mein Bein und drueckte meine Hand. "Danke, Rom." Ich strich ihm durchs Haar und liess ihn dann mit Ann allein im Zimmer. Beide mussten sich noch viel ausruhen.
Germania, Ivan und der Herr des Hauses hatten sich auf den steinernen Vorplatz des Gartens versammelt und die geschaeftlichen Sachen schienen gerade vorrueber als ich dazutrat. Germania lehnte an einer nahestehenden Saeule und kam gleich auf mich zu, als er mich sah.
"Wie geht es ihnen?" "Es war schlimm, aber sie scheinen gute aerztliche Hilfe bekommen zu haben und sie sind noch am leben." Die beiden anderen gesellten sich zu uns. "Ich habe getan, was ich konnte, um ihnen zu helfen", versicherte der Braunhaarige ernst. "Was fuer ein Zufall, das sie ausgerechnet an dich geraten sind, Wilm", laechelte Ivan. "Oder Schicksal." Die Worte hingen eine Weile in der Luft bis ich mich ungemuetlich raeusperte. "Jedenfalls sind wir dir unverbindlich und fuer alle Zeit dankbar, Wilm."
Diese Schuld verminderte sich nicht gerade, als Wilm vorschlug die Tage, die die Kinder brauchten, um sich vollstaendig zu erholen, in seinem Haus zu verbringen. Da weder Germania noch ich einen der beiden Kleine im Moment allein lassen wollten, nahmen wir dankend an. "Ich denke, ich werde auch solange hierbleiben", beschloss Ivan kurzfristig. "Ich moechte schliesslich wissen, wie das alles ausgeht und es hat ja nur Vorteile fuer alle, nicht?!" Er warf Wilm vielsagende Blicke zu, die ich nicht deuten konnte. "Wird Natascha sich nicht Sorgen machen?", fragte Wilm und ich bildete mir ein den Russen fuer einen Augenblick erblassen zu sehen. "Ich bleibe hier", stellte er schnell fest.
Die naechsten Tage waren nicht nur fuer den Koerper eine Erholung. Wir verbrachten den grossten Teil der Zeit damit die Anstrengung und die Aengste der letzten Wochen ausklingen zu lassen.
Mit Freuden durften wir mit ansehen, wie es Ann tatsaechlich langsam besser zu gehen schien. Germania und ich verbrachten viel Zeit an dem Bett des Maedchen. Redeten, erzaehlten ihr oder hielten ihre Hand, wenn sie im Schlaf von Alptraeumen geplagt wurde. Schon bald verlangte sie wie gewohnt nach Geschichten und laechelte sogar ab und an wieder. Jedoch konnte man deutlich die Spuren auf ihr entdecken, die das Abenteuer sie gekostet hatte. Zu unserer Erleichterung konnte unsere Anwesenheit und die sichere Umgebung ihrer Seele etwas Rast geben. In wenigen Tagen wuerden wir in der Lage sein fuer den Rueckweg aufzubrechen.
Das wiederum machte mir etwas Sorgen. Wir gingen nicht in die Stadt oder auf die Strasse, doch Wilm und Ivan die ihren taeglichen Geschaeften nachgingen, brachten immer mehr Nachricht von verschaerften Situationen. Die Tore aus der Stadt heraus wurden jetzt staerker bewacht und die Anzahl von Soldaten in der Stadt stieg von Tag zu Tag. Wuerden wir es ohne Probleme aus Rom schaffen? Selbst mit der Hilfe des Ordens, die uns noch immer Angeboten wurde, duerfte es schwer fallen.
Auch Germania zeigte sich aufgebracht. Er schien noch immer mit sich selbst zu ringen und manchmal sah ich in seinen Augen noch den Blutdurst und das Begehren nach roemischem Tod. Ausserdem schien Ivans haeufige Anwesenheit ihn nervoes zu machen. Der Russe hatte sich bisher jedoch neutral und mit seinem typischen Laechlen gezeigt. Trotzdem behielt ich zur Sicherheit immer ein Auge auf Germania.
Nur Antonio war anscheinend der einzige, dem es jeden Tag praechtig zu gehen schien. Der kleine Junge Lovino schien es ihm ganz schoen angetan zu haben. Die beiden hingen aneinander wie die Federn an des Vogels Leib. Es war eine Freude zu sehen wie sie spielten und sich gegenseitig neckte. Ann wiederum schien das gar nicht zu passen. Sie war noch ans Bett gebunden und wurde oft von den Spielenden vergessen. Schon bald schien sie auf eine entzueckende Art zu schmollen und wurde schrecklich von Langeweile geplagt.
Am Nachmittag vier Tage nach dem wir die Kinder fanden, sassen Germania, Ivan, Wilm und ich im Garten, als das Maedchen im Nachthemd und mit verschraenkten Armen aus dem Haus stolziert kam. Die Jungen waren irgendwo tief im Haus Unsinn anstellen und so war es bis jetzt friedlich ruhig gewesen. "Ich will nicht mehr im Bett bleiben, dort ist es doof", brachte sie ihre Beschwerde vor und sah mich und Wilm herausvordernd an.
Wir waren die beiden, die am meisten darauf bestanden an ihre Gesundheit zu denken und die ihr Aufstehverbot gegeben hatten. Der Winter hier war schon fast vorbei und die Luft war warm und erfuellt mit frischen Dueften. Die bequemen Stuehle, gutes Wetter und leckere Getraenke hatten uns bis jetzt den Tag versuesst. Ich wollte nicht, dass uebereilte Handlungen einen Schatten darauf warfen.
"Sei vernuenftig, Ann, geh zurueck ins Bett." "Warum?" Ich seufzte tief. "Weil der Doktor sagt, dein Zustand ist noch immer nicht gut." "Ich fuehle mich aber gut", beharrte sie. "Du musst dich ausruhen." "Warum?"
Ich sah verdutzt zur Seite. Die Frage kam nicht von der Kleinen. Ivan sah erst mich dann Ann musternd an. Er hatte bis jetzt nicht viel mit ihr zu tun gehabt, aber jetzt konnte ich diesen Ausdruck von Interesse in seinen Augen pulsieren sehen. "Der menschliche Koerper braucht Herausvorderungen und gerade im Kindesalter ist man flexibel genug Grenzen zu ueberschreiten." Auch Ann wendete sich jetzt an den grossen Mann. Bis her war er ihr fremd und unwichtig gewesen, aber gerade hatte er sich auf ihre Seite geschlagen. Die dunklen, braunen Augen betrachteten die fremdlaendische Gestalt  und die seltsame Kleidung.
"J-ja, genau", warf sie schnell ein. "Danke, Mister." Ivan laechelte, doch verbarg es die unheimliche, todbringende Atmosphaere nicht, die er ausstrahlte. Ich erwartete, dass das Maedchen zurueckweichen wuerde, wie es vernuenftig war, doch stattdessen ging sie naeher zu ihm und kletterte halb auf seinen Stuhl. Fast sass sie auf seinem Schoss, ihre kleinen Haende auf seinem Arm gestuetzt.
Erschrocken atmete ich auf und auch Germania spannte sich sichtlich an. "Sind deine Augen echt?", fragte die Kleine. "Ja, ganz echt." "Die sind toll. Kommst du aus einem fremden Land?" Der Russe nickte und sein Laecheln wurde breiter. "Aus einem grossen, maechtigen Land." "Ein Koenigreich?" "Ein Koenigreich aus Schnee, Eis und Kaelte." Gespannt liess Ann sich jetzt ganz auf Ivans Beinen nieder und sah ihn mit diesen grossen, hungrigen Augen an.
So kam es, dass sie Gefallen an Ivan und seinen Geschichten fand, die er zu erzaehlen hatte. Mir gefiel das ganz und gar nicht, aber er hatte diese alten Zuege in ihr geweckt. Die spuerbare Grausamkeit und die Gefahr, die von dem Russen ausgingen, schien das Kind dabei nicht zu stoehren. Eher war sie gebannt und faszieniert davon. Tatsaechlich half er ihrer Besserung und mehr Bewegung schien ihr wirklich gut zu bekommen.
Damit waren alle Schwierigkeiten, die wir beseitigen konnten, beseitigt. Mit der voranschreitenden Erholung Anns, wurde es Zeit die Rueckreise zu planen.
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