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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.429
 
Als das blonde Maedchen erwachte, erwartete sie die Zelle und kaltes Tageslicht zu erblicken, wenn sie die Augen oeffnete. Doch zu ihrer Ueberraschung vernahm sie reine Kleidung, einen hellen, sauberen Raum und einen kleinen Jungen, der sich neugierig ueber sie lehnte. Erschrocken richtete sie sich eilig auf. Der Junge lief davon. Es war der gleiche, der bei dem Mann gewesen war, der sie mitgenommen hatte.
Die Erinnerungen kamen schmerzhaft zurueck. Nun fuehlte sie auch die dicke Beule an ihrem Kopf, den steckenden Schmerz zwischen ihren Rippen und die Verunstaltung ihres Gesichtes von dem Wachmann vom naechtlichen Ausbruchsversuch. Sie presste die Zaehne zusammen und gab keinen Laut des Schmerzes von sich. In einer fremden Umgebung unter unbekannten Umstaenden wollte sie sich keine Schwaeche zeigen. Ein grausames Gefuehl von Einsam- und Verlassenheit ueberfiel sie und schnell schlang sie die Arme um die Brust.
Wo war Antonio? War er fort? War er in Gefahr? Schemenhaft erinnerte sie sich, wie er freiwillig und fast gluecklich mit dem fremden Mann mitgegangen war. Wie konnte er nur? Beinah fuehlte es sich an wie Verrat, auch wenn sie nicht genau wusste, was das ueberhaupt fuer ein Gefuehl war. Was sollte sie jetzt machen? Wo war sie ueberhaupt und was hatte man mit ihr vor? Waren sie jetzt Sklaven und mussten wie Sarina fuer einen dummen, gemeinen Roemer arbeiten? Langsam stand sie auf und schwang ihre Beine aus dem weichen, gutriechenden Bett. Der Raum, in dem sie erwacht war, war gross und gut ausgestattet, also musste ihr 'Kaeufer' ein wichtiger oder reicher Mann sein. Was aber alles nichts zur Sache tat, da sie schnellstens Antonio finden und von hier verschwinden musste. Vorsichtig spaehte sie durchs Zimmer, um nicht doch einen boesen Roemer zu uebersehen, der ihr wehtun wuerde. Doch der Weg war frei und so rannte sie los. Hektisch durch den Raum und aus der Tuer um die Ecke.
Mit Schwung und einem spitzen Schrei stiess sie gegen eine grosse Person. Sie waere sicherlich hart gefallen und haette ihrem Koerper noch mehr Schaden zugefuegt, doch zwei vorsichtige, starke Arme fingen sie und hoben sie hoch. Erschrocken hing sie in der Luft, ein grosser Mann mit braunem Haar und seltsamen gruenen Augen vor ihr. "Aber sowas, nicht so stuermisch, Maedchen. Du hast dich noch nicht ganz erholt." Sie starrte ihn an und nun in einem Zustand von mehr Klarheit als vorher, dachte sie erst, er waere Rom. Schnell bemerkte sie ihren Irrtum und ihre Augen verengten sich. "Bist du derjenige, der uns gekauft hat?!", stellte sie boese fest. Doch der Fremde lachte nur. "Schon gut, du brauchst dich nicht zu bedanken", sagte er ironisch und setzte Ann zurueck auf den Boden. "Lassen Sie Antonio und mich gehen. Wir muessen nach Hause." "Ja, natuerlich." Verstehend nickte er, was Ann fuer einen Augenblick verwunderte. "Sie lassen uns gehen?" "Ich-"
"Ann!" Aufgeregt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht rannte Antonio um die Ecke und zog sie in eine feste Umarmung. "Ah-aua! Antonio, du tust mir weh!" "Gib Acht Junge, zwei ihrer Rippen sind gebrochen." Vorsichtig zog der Mann den Kleinen etwas von ihr weg. Was dessen Erleichterung und Freude nicht zu trueben schien. "Ich bin so froh, dass es dir wieder besser geht. Du warst so krank und verletzt." Sacht strich er ihr ueber die geschundene Wange. "Wenn Lovino uns nicht letzte Nacht gesehen und Wilm uns dann gerettet haette, waeren wir jetzt sicherlich an einem schrecklichen Ort. Aber jetzt wird alles besser, Ann." Gluecklich nahm er ihre Haende und versteckt hinter seinem Ruecken musterte sie der kleine braunhaarige Junge. Verwirrt legte das Maedchen den Kopf schief. "Wer?" Misstrauisch schaute sie zu dem Mann, der sie nur versoehnlich anlaechelte und die drei Kinder zurueck in den Raum schob. "Wir erzaehlen dir alles, aber jetzt wird erst mal was gegessen. Spaeter kommt noch der Doktor, da musst du bei Kraeften sein."
Und so musste Ann sich wieder ins Bett setzen, waehrend sich die drei anderen davorstellten und eine Weile dabei zusahen, wie sie einen leckeren, suessen Brei runterschlang. Der Mann laechelte immer noch guetig und der braunhaarige Kleine hing wie eine Klette an Antonios Aermel. Stumm und mit einem gewissen widerspenstigen Blick. Ihr Freund sah gesund und munter aus, also konnten sie nicht an einem ganz so grausamen Ort gelandet sein. "Also, weisst du", begann Antonio schliesslich. "Wir sind hier in diesem grossen, tollen Haus von Wilm. Er hat uns gekauft, weil Lovino ihn darum gebeten hat. Das heisst wir verdanken ihnen unsere Freiheit. Wilm hat naemlich auch versprochen, dass er uns freilaesst und uns hilft." Der Mann nickte. "Ich kann doch zwei unschuldige Kinder nicht in den Haenden dieser Ruepel lassen. Antonio hat mir alles von eurem Unglueck erzaehlt und wo ihr herkommt. Man hat euch ganz schoen mitgespielt." Bitternis schwang in seiner Stimme und es klang, als habe er schon mehr Erfahrungen damit.
"Also muessen wir nicht fuer dich arbeiten und du schlaegst uns nicht? Ich dachte, du bist ein Roemer?!" "Ach Kind, nicht alle Roemer sind schlechte Menschen. Ausserdem bin ich genaugesehen nicht mal richtig roemisch. Ich komme wahrscheinlich aus einem weit entfernten Land." "Wahrscheinlich?" "Ja, weisst du... ach, das ist eine andere Geschichte. Ich will dich nicht ueberanstrengen. Ruh jetzt erst einmal bis der Doktor kommt. Antonio und Lovino koennen bei dir bleiben, damit du nicht so einsam bist. Ich muss noch mal in die Stadt." Beide Jungs nickten.
Dann waren die drei Kinder alleine und Ann nicht sicher, was sie jetzt tun sollte. Es war ihr unangenehm jetzt zu schlafen, aber Antonio und Lovino waren nur mit sich beschaeftigt. Ihr Freund sass auf einem Stuhl, waehrendessen der Juengere gerade versuchte auf seinen Schoss zu klettern. Zu Anns Erstaunen liess Antonio das sogar zu und laechelte. Er strich durch das dunkle, wiederspenstige Haar und zupfte neckisch an der seltsam abstehenden Locke. Lovino zuckte zusammen und schuerzte schmollend die Lippen. "Lass das!", grummelte er. Antonio lachte. "Aber das ist so niedlich." "Ich bin nicht niedlich, Idiot!" Stuermisch schlang der Aeltere die Arme um den Kleinen und knuddelte ihn grinsend. "Du bist suess, Lovi!" "Nenn mich nicht suess!" "Engelchen." "Bah, Idiot!" Seine kleinen Finger zogen an Antonios Wange und liessen die Grimasse nicht los, bis der andere komische Geraeusche machte.
Ann beobachtete das ganze und die folgenden Stichelein. Die beiden schienen ja ziemlichen Spass zu haben. Sie war froh, dass sie es aus der Zelle geschafft hatten und anscheinend in Sicherheit waren. Aber nach wie vor verlangte ihr Herz nach ihrer Mama, Rom und Germania und ihrer guten Heimat. Im Gegensatz zu Antonio konnte sie es kaum erwarten von hier wegzukommen. Natuerlich war sie Wilm dankbar, er war der erste, der sie nach langer Zeit menschlich behandelte. Aber es war schon viel zu viel Zeit vergangen, seit sie von den anderen getrennt worden war. Zu viel Zeit fuer ein kleines Maedchen. Und dann schien Antonio sich ueberhaupt nicht um sie zu kuemmern.
Mit verdrehten Augen schmiss sie sich in die Laken und zog die weiche Decke ueber den Kopf. Sie war nicht eifersuechtig, nur ein bisschen eingeschnappt. Kurzer Hand entschloss sie sich, doch zu schlafen. "Ahhh!" "Ann, was ist?" Antonio schreckte auf, schob Lovino von seinem Schoss und eilte besorgt zu ihr. "Tut dir was weh?" Traenen sammelten sich in den grossen, braunen Augen. "Loki ist weg. Ich habe Loki verloren!"    
       
Nach wenigen Umsehen trat der junge Mann naeher. Nervoes strich er sich die wirren Haare aus dem Gesicht. "Hauptmann Carantas?" "Ah, Wilm, mein Freund." Breit laechelnd schritt Seri hinter einer der breiten Saeulen auf den Neuankoemmling zu.
"Ich habe den Brief fuer sie." "Grossartig! Sag ihm, dass ich die Antwort dem Jungen mitgeben, damit er sie wie immer bei dir abholen kann." Wilm presste hart die Lippen zusammen. "Das werde ich. Aber, Hauptmann, ich moechte nicht, dass Lovino da weiterhin mit hineingezogen wird." Seri grinste locker, aber in seinen grauen Augen funkelte die Warnung. "Natuerlich, sorge nur dafuer, dass alles so ablaeuft, wie wir es abgesprochen haben." Der Juengere nickte knapp und verliess das Regierungsgebaeude ohne zurueckzusehen.
"Ach ja, Wilm. Richte ihm noch was aus: Die Planeten stehen gut und der Adler ist bereit zum Sturzflug."
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