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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.565
 
Es war zu kalt fuer schoenes Wette, aber trotzdem liess es sich gut aushalten in dem grossen Garten hinter dem Haus. Der Abendwind hatte die leichte Waerme des Tages davongeblasen und hinterliess klare Nachtluft. Ich zog das roemische Gewand, was ich bekommen hatte, enger um mich. Verdammt unpraktisch diese Kleidchen.
Der Mond schien voll aber dumpf, als wuerde ein Nebel ihn verdecken. Meine blasse Haut schien dieses Licht foermlich aufzusaugen, genauso wie meine Augen. Die helle runde Scheibe war die gleiche, wie ich sie zurueck in Germanien immer sah, es war der gleiche Himmel mit den gleichen Sternen. Und doch sitze ich hier in dieser fremden Stadt, in diesem fremden Land, versuchte erneut etwas wichtiges zu retten, nur um erneut diese Angst auf Versagen zuverspueren. Die Aussicht auf Erfolg war gering.
Meine germanischen Instinkte rieten mir, einfach zum Schwert zu greifen und den Gegner ohne Zoegern zu zerstoehren, bevor es zu spaet war. Nur, dass sich mir als Gegner in diesem Fall eine ganze Stadt mit ihrem korupten System entgegenstellte. Zudem hatte dieser Drang heute schon einmal Kontrolle ueber mich erlangt und neue Narben hinterlassen.
Ich hatte nie willentlich und grossartig getoetet. Gekaempft ja, aber nie getoetet. Wenn man von den Morden an den Soldaten absah, die Lu und Gil umgebracht hatten. Aber daran konnte ich mich fast nicht erinnern. Ich hatte immer gehapert ein Leben zu nehmen. Doch als die Roemer heute in die Katakomben eindrangen, hatte alles, was diese Menschen mir und den anderen angetan hatten, meinen Verstand ausgeschaltet. Ich hatte nur noch an eines denken koennen: Rache. Loesche alles aus, was diese Welt verseucht. Ich dachte, es wuerde sich gut anfuehlen und die Ketten um mein Herz etwas lockern. Doch das tat es nicht.
Ich seufzte und loeste das Band in meinen Haaren. Es wurde Zeit die Obstbaeume, unter denen ich die letzten Stunden verbracht hatte, zu verlassen und zurueck ins Haus zu gehen. Rom schlief bestimmt noch. Eine drueckende Einsamkeit lastete auf mir und ich verspuerte das Verlangen nach seinen starken Armen. Er war das einzige, was mich nach meinem Kampf mit den Roemern heute zusammengehalten hatte. Aber er war jetzt sauer. Ich hatte nicht ganz verstanden warum, aber ploetzlich hatte er so komisch reagiert. Es war mir nicht recht gewesen, ihn alleine gehen zu lassen, doch mein Stolz hatte mir verboten ihm nachzulaufen. Ich war doch nicht sein Hund.
Kurz ueberlegte ich, jetzt zu ihm zu gehen und ihn zu wecken. Jedoch er hatte sich vorhin einfach aus dem Staub gemacht, das liess mich vielleicht ein wenig schmollen. So entschied ich mich kurzfristig etwas zum Essen zu suchen. Da weder unser Gastgeber, noch die komische Frau in den letzten Stunden aufgetaucht waren, bediente ich mich selbst. Richtigen Hunger hatte ich nicht, nur das Gefuehl, etwas in meinem aufgewuehlten Magen haben zu muessen. So gab ich mich mit einem Stueck Brot und einem Apfel zufrieden.
Dann wanderte ich erneut durchs Haus. Viel gab es immer noch nicht zu sehen, aber immer hin war ich beschaeftigt. Im zweiten Stockwerk sah ich lange aus dem Fenster auf die entfernte Stadt,die sich in einem Tal vor uns ausbreitete. Wo Ann und Antonio in diesem Meer aus Seelen und Haeusern wohl waren? Ich hoffte mit allem Zuvertrauen in das Schicksal, dass es ihnen gut ging. Mit den Zaehnen in meiner Lippe und geballten Faeusten wandt ich mich wieder ab. Die Villa lag fast komplett im Dunkeln und ich kam mir vor wie ein verlorener Jaeger im schwarzen Wald.
Als ich um die naechste Ecke bog, sah ich unter einer entferten Tuer einen Spalt Licht. Leise trat ich naeher und schon bald hoerte ich gedaempfte Maennerstimmen: "Wie willst du ihn alleine kriegen, ohne dass er Verdacht schoepft? Wir haben noch immer nicht genug Anhaenger unter ihnen." "Aber wir koennen nicht mehr laenger warten. Mit jeden Tag, der verstreicht, wird seine Macht ausserhalb verheerender. Wenn wir nicht bald eingreifen, geht das Imperium unter." Schweigen und ein resignierendes Seufzen. "Ueberleg es dir noch mal. Wir sehen uns dann, sobald er sich wieder meldet." "Gut, bis dahin wie immer. Braucht ihr noch finanzielle Unterstuetzung?" "Nein, ich denke bis zum naechsten Monat nicht. Gib Acht Brutus."
Die Tuer ging auf und der Flur wurde von hellem Licht geflutet. Ich blinzelte und hob den Arm vors Gesicht. "Oh, dein Besuch fuehlt sich wohl vernachlaessigt, Ivan." Ein Grinsen zierte das markante Gesicht des Roemers. "Verzeih mir, Germane, aber ich muss schon gehen. Es waere mir eine Freude, bei unserem naechsten Treffen etwas mehr ueber dich zu erfahren." Damit nahm er eine Straehne meines Haares und liess sie durch die Finger gleiten. Eine Geste, wie ich sie sonst nur bei Rom kannte. Meine Gedanken wanderten fuer einen Augenblick zu dem Schlafenden. Automatisch wurde ich rot und wich ein wenig zur Seite. "Ich weiss nicht, wieso unsere Wege sich noch mal kreuzen sollten." "Wer weiss..." raunte er, legte, nach wie vor grinsend, seine Hand auf meinen Kopf und verschwand dann im dunklen Gang.
Stirnrunzelnd sah ich ihm nach. Seltsamer Kerl. "Germania." Ich zuckte auf und fuhr herum. Die Stimme des Russen klang komisch und auch sein waehrendes Laecheln war anders. Nicht mehr kindlich oder unschuldig. "Komm doch rein. Wolltest du etwas von mir? Brauchst du etwas?" Langsam trat ich in den hellen Raum und schuettelte kaum merklich den Kopf. Ueberall lagen Papiere, Notizen und Pergamentrollen. Verstohlen versuchte ich einen Blick darauf zu werfen, konnte mit den fremden Schriftzeichen aber nichts anfangen. Auf dem einen Blatt waren eckige Linien gezeichnet, wie bei einem Plan oder den Grundmauern eines riesigen Hauses. " дворе́ц", las ich leise. Bevor ich verstand oder mich wundern konnte, lag Ivans Hand auf dem Stueck und zog es weg. Als ich aufblickte stand der Russe ziemlich nah und sah eindringlich auf mich herab.
"Ganz schoen neugierig. Ich dachte ihr Wilden seid nicht so besonders gebildet." "Du dachtest auch nicht, dass es einer bis nach Rom schaffen wuerde", erwiederte ich den Angriff trocken. Die starre Miene wich einem undefinierbaren Grinsen. "In der Tat, du steckst voller Ueberraschungen." Er kam noch ein paar Schritte naeher, doch ich wich nicht zurueck. Etwas an diesem Mann regte mich an, ihm die Stirn zu bieten. Keine Schwaeche zeigen, kein Zaudern, keine Verwirrung. Ich starrte ihm fest in die beinah schon lilanen Augen.
Wie Brutus vor ihm nahm er meine Haare in die Hand. Dabei beruehrten seine Finger mein Kinn und ein Schaudern durchfuhr mich. Seine Haut war kalt wie der Nordwind. "Das in den Katakomben war erstaunlich. Das hat mich beeindruckt. Du hast mich beeindruckt." "Ich bin nicht stolz darauf." "Nein?! Hat es sich nicht gut angefuehlt diesen вы́родок abzuschlachten?!" Er war jetzt so dicht bei mir, dass seine Stimme nur noch ein bedrohliches, duesteres Fluestern war und sein Atem meine Haare bewegte. Ich schluckte schwer und biss mir auf die Lippen.
"Doch, sie haben bekommen, was sie verdient haben, aber..." "Hattest du nicht das Gefuehl einen Hoehenflug zu erleben, als dein Schwert durch ihr Fleisch und ihre Knochen schnitt?! Hat es dich nicht befriedigt etwas mehr Gerechtigkeit auf der Welt geschaffen zu haben?!" Mein Mund war trocken und meine Zaehne stiessen bis aufs Blut, welches sich in duennen Tropfen von meiner Lippe schob. "In einer gewissen Weise bist du doch wie ich, Germania. Du bist wild, ungebrochen und stark." Seine grosse Hand liess von meinem Haar ab und fuhr unter mein Kinn. "Ungebaendigt."
Mit eisigen Fingern verwischte er das Rot auf meinen Lippen und drueckte gegen diese, bis sich sein Daumen zwischen meine Zaehne schob. Ich schmeckte mein eigenes Blut und eine scharfe Kraeuternote. Meine Augen starrten in seine, mein Atem ging flach. Wie eine Schlange schien er mich im Wuergegriff zu haben. Sein Gift meine Sinne betaeubend. Unfaehig mich zu bewegen, konnte ich nichts tun, ausser mich ein wenig von ihm wegzulehnen. Aber da war seine andere Hand schon an meinem Ruecken, staehlern und fest. Ich war gefangen. Konnte nicht sprechen, nichts sagen, nicht denken.
Was tat dieser Mann? Wer oder was war er und vor allem, was wollte er? Als ich mich dazu durchrang, endlich meine Lippen zu bewegen, um etwas zu sagen und den Mund leicht oeffnete, kam sein Gesicht bedrohlich nah. Zu nah. Ich hielt den Atem an.
Ein heftiger Knall und die Tuer krachte gegen die Wand. Im dunklen Flur, gerade so vom Licht des Zimmers angeleuchtet, stand Rom. Der groesste Teil seines Gesichtes war nicht zu sehen, doch seine Mundwinkel waren verdaechtig nach unten verzogen. Ich konnte kaum fassen, wie froh ich in diesem Moment war ihn zu sehen. Noch immer in Ivans Griff konnte ich ihn nur anstarren. Doch er schien das nicht zu erwidern. Mit jaehen Schritten war er bei uns, riss mich von dem Russen los, drueckte mich hinter sich und schlug mit voller Kraft seine Faust in dessen Gesicht.
Ich zuckte erschrocken zusammen und konnte nur die Augen aufreissen, als Rom mich dann wuetend und und besitzergreifend kuesste. Seine Arme wie Ketten um mich gelegt, seine Zaehne schmerzhaft an meiner Zunge.
"Halt dich ja von ihm fern, er gehoert mir!", zischte er unbeherrscht und dann waren wir schon aus dem Zimmer im dunkeln. Mein Handgelenk fest in seiner Hand.
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