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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.515
 
Er erwachte mit gewaltigen Kopfschmerzen. Seitlich seines Schaedels brannte und haemmerte es. Als er traege und stoehnend die Hand hob, um sich durchs Haar zu streifen, fuehlte er rauen Stoff um seinen Kopf gebunden. Zoegernd oeffnete er die Lider und sah Ann ueber sich.
Ihre Augen waren geroetet, ihr Gesicht blass und entstellt. Ein haessliches dunkles Mahl breitete sich von ihrem rechten Auge ueber ihre Wange aus, gefolgt von einer breiten Schramme. "Was ist denn mit dir passiert?", fluesterte er und als er sich bewegte, bemerkte er, dass sie seinen Kopf auf ihren Schoss gebettet hatte. "Oh, Antonio!" Es war anscheindend nicht das erste Mal, dass sie weinte. Grosse Tropfen vielen auf sein gluehendes Gesicht.
"Du hast so stark am Kopf geblutet. Ich hatte solche Angst." Schnell wischte sie sich die Wangen trocken und reichte ihm ein Stueck Brot von der heutigen Ration. Dankbar nahm er es an und begann daran zu knabbern. "Was ist passiert?" "Erinnerst du dich nicht? Einer der Wachen hat uns erwischt, als wir fliehen wollten. Ach Antonio, ich dachte, du stirbst." Traurig blickte er in ihre grossen dunkelbraunen Augen auf. Etwas an ihr hatte sich seit den unbeschwehrten Tagen in Germanien veraendert. Ihre Stimme und ihr Gesicht hatten an gutglaeubiger Unschuldigkeit verloren und der Schmerz ihres Schicksales spiegelte sich deutlich in beiden wider.
"Es tut mir leid, Ann. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob alles gut wird." "Sag doch sowas nicht. Wir muessen es nur weiterhin versuchen. Ich weiss, wir koennen es schaffen, nicht wahr?!" Eindringlich sah sie ihn an und muehseelig richtete er sich in eine sitzende Position auf. Traurig laechelnd erwiderte er ihren Blick. "Es muesste schon ein Engel kommen, um uns zu retten." Fuer einen Moment wirkte sie fassungslos und bestuerzt. Dann sprang sie auf und rannte zur festen Holztuer.
"Nein, das darf nicht wahr sein. Das darf nicht stimmen! Ich will zurueck. Mama! Tiem! Gerol! Rom, Germania!" Verzweifelt schlug und haemmerte das Maedchen gegen das Tor zu ihrem Gefaengnis. Selbst ihre schmerzende Hand hielt sie weder auf noch ab. "Mama!" Antonio liess angesichts des zerreissenden Momentes den Kopf sinken. Er wuenschte, der Engel von gestern Nacht wuerde wiederkommen.
Ploetzliche, schwere Schritte liessen ihn aengstlich aufgucken und Ann schnell von der Tuer zurueckweichen. Als Marcus in die Zelle kam, sah er nicht gerade gluecklich oder friedlich aus. Seine Miene verzog sich zu einer wuetenden Maske, als Ann mit einem Kampfschrei auf ihn zugestuerzt kam und den Kopf in seinen Bauch rammte. Das zierliche Maedchen versuchte ihn wegzudruecken, um den Weg fuer sie freizubekommen. Doch mit einem Fluch packte sie der Mann am Kragen und winkte einem anderen Soldaten zu, der den geschwaechten Antonio hochzerrte.
Unter Anns Gezehter und Wehren schleppten die beiden die Kinder hinaus in den Gang und hoch in die weiten, weissen Hallen. Der Junge liess sich wehrlos mitschleifen, waehrend Ann immer noch in Marcus Armen um sich schlug und trat, was diesen aber nicht besonders beeindruckte. Als sie in einer der Haupthallen ankamen, trennten sich die Roemer ploetzlich und gingen in verschiedene Richtugnen. "Geh sicher, dass der Junge auch ordentlich verkauft wird und nicht einfach in irgendeiner Gasse landet. Hauptmann Carantas will das Geld sehen."
Entsetzten Blickes mussten die beiden Kleinen mit zusehen, wie sie sich immer weiter voneinander entfernten. "Nein", fluesterte Ann. "Nein!" Antonio jetzt zu verlieren, waere das Schlimmste, was passieren konnte. Das wuerde sie nicht aushalten. Nicht ihr Antonio. Der Gedanke gab ihr ploetzliche Kraft und ihr Kopf schoss hoch. Ihr harter Kinderschaedel krachte schmerzhaft gegen Marcus Unterkiefer. Laut fluchend liess er sie los und spuckte Blut. "Miststueck, na warte!"
Doch Ann wartete nicht. So schnell ihre geschwaechten, kurzen Kinderfuesse sie tragen konnten, rannte sie zu ihren Freund. Antonio streckte seinerseits die Arme aus und begann gegen den Druck des anderen Soldaten zu kaempfen. "Ann!" Ihre Fingerspitzen beruehrten sich fast, doch dann stand Marcus ploetzlich hinter ihr. Sein Fuss traf sie seitlich zwischen die Rippen. Sofort schleuderte die Wucht das kleine Wesen zu Boden, wo sie ein paar Meter schlitterte und dann benommen liegen blieb. Als sie sich wimmernd versuchte aufzurappeln, lag Marcus Hand wieder um ihren Arm und zerrte sie davon.
"Ann!" "Nein, Antonio..." Ann zog und staemmte sich mit aller Kraft gegen den Roemer. "Lass mich los, lass mich los. Antonio, verlass mich nicht, bitte geh nicht! Ich will nicht allein sein, ich habe Angst!" Frische Traenen rannten ueber die geschundenen Wangen und bei jedem Schrei zuckte ein gleissender Schmerz, direkt von ihren Rippen, durch ihre Brust. Alles um sie drehte sich und Antonios Bild verschwamm vor ihren Augen. "Antonio!" "Halt die Schnauze, Mischling!" Genervt und wuetend hob Marcus die Hand, um dem ein Ende zusetzen.
"Halt, warte mein Freund." Es war noch recht frueh am Morgen uns so hatte keiner der Soldaten damit gerechnet jemanden hier anzutreffen. Aber nur stand, ein paar Schritte von ihnen entfernt, ein grosser, braunhaariger Mann in edler Tunika. Hinter ihm ein kleiner Junge mit der selben Haarfarbe. Antonios Atem stockte.
"Warte, wohin bringst du diese Kinder?" Im geschaeftlichen Ton kam der Mann naeher. "Das sind Sklaven, sie werden zum Verkauf gebracht." "Sie gefallen mir, sie sehen wie gute Ware aus." Skeptisch hob Marcus die Augenbrauen. Der Wert der Goeren duerfte im Moment alles andere als wertvoll sein. "Spaeter. Ich meine, sie werden spaeter bestimmt einen guten Preis machen. Wieviel willst du fuer sie?" Blicke wurden ausgetauscht und Schultern gezuckt. So blieb den beiden Roemern wenigstendder Weg zum Markt erspahrt. Bereitwillig begannen die Erwachsenen einen Preis auszuhandeln.
Inzwischen lukte der kleine Junge mit der widerspenztigen Locke, vorsichtig hinter dem Mann hervor. Antonio musste ihn einfach anstarren. Die kleine Hand, in der heute keine Tomate lag, winkte zoegerlich. Ann ging es inzwischen nicht sonderlich gut. Ihr Kopf fuehlte sich seltsam leicht und voll an. Ein Pfeifen in ihrem Inneren liess sie fast die Beherrschung verlieren und ihr ganzer Koerper schmerzte als ein Ganzes. Sie hing schlaff an Marcus Hand und bekam nichts von all dem mit.
Erst als sie dem Fremden uebergeben wurde, erwachte sie aus ihrer Starre. Mit Schreien, Traenen, Tritten und Schlaegen fuhr sie um sich konnte kaum beruhigt werden. Antonio ging nach vollendetem Kauf freiwillig und gern mit dem Mann in dem huebschen Gewand. Sein Engel war schliesslich bei ihm und da war es keine Frage, dass er mitging. Er vertraute seinem Engel. Schnell versuchte er die Freundin zu beruhigen, um den neuen Besitzer nicht  gleich schon zu veraergern.
Doch dieser blieb ganz ruhig und nahm das Maedchen mitleidig auf den Arm. Sie an sich gepresst und mit den beiden Jungen neben sich, verliess er das Regierungsgebaeude. Verlegen griff der kleine Junge nach Antonios Hand und dieser drueckte sie dankbar, noch immer erstaunt, dass sein Engel echt war. Ann hatte die groesste Wehr schnell aufgegeben. Sie hing erschoepft, kraftlos und schluchzend an der Schulter des Mannes. Sie wollte fort. Sie wollte gehen. Sie wollte Heim.
"Mama!" Ihr letzter verzweifelter Schrei hallte ueber die morgendlichen Daecher von Rom und verschwand mit einem aufschreckenden Vogelschwarm weisser Tauben.

Irgendwo weit weg in Germanien erwachte Deb schweissgebadet in ihrem kalten Bett. Gaensehaut lief ihr ueber den ganzen Koerper und Schluchzer bahnten sich ihren Weg durch ihre trockene Kehle. Sofort war Tiem bei ihr und schloss sie in die Arme. Zaertlich strich er ihr ueber den Ruecken.
"Schsch, es ist gut Deb. Es war wieder nur ein Traum." "Das weisst du doch gar nicht." Sie schniefte ungluecklich. "Ich sehe immer wieder, was ihnen passieren koennte, wo sie sein koennten, wie sie leiden. Oh Tiem, ich habe solche Angst um die beiden."
Als sie vor ein paar Wochen gemerkt hatten, dass Ann und Antonio verschwunden waren, hatte sich Tiem kurz darauf auf den Weg gemacht und war Rom, Germania und Gerol gefolgt. Es war ihnen als die einzige Moeglichkeit erschienen. Zu seinem Entsetzen fand er bei dem grossen Haus jedoch nur seinen verletzten Vater vor, der schlechte Nachrichten zu berichten hatte. Natuerlich hatte er ihn mit zurueckgenommen und Deb die schrecklichen Neuigkeiten ueberbracht.
Seit dem konnten sie nur noch warten und hoffen. All ihre Gedanken waren bei Rom, Germania und den Kindern im fernen Italien. Sie mussten einfach daran glauben, dass sie es schafften wuerden. "Ich halte das nicht mehr aus. Sie koennen laengst alle tot sein. Ich werde noch wahnsinnig!"
Mit ruhigen Augen nahm er ihr traenenerfuelltes Gesicht in seine Haende und kuesste sie lange. Als er wieder auf sie herabsah, hatte sich Deb ein wenig beruhigt. "Wir koennen nur warten. Und das wird sich lohnen. Nur noch ein bisschen Debira. Habe Vertrauen." Die Braunhaarige nickte schwach und schmiegte sich an seine warme Brust.
Heute wollte sie nicht mehr alleine sein, nur noch bei ihm. Wenn auch er sie verlassen wuerde, und waere es nur fuer Minuten, koennte sie das nicht mehr ertragen.
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