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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.560
 
Der Mond schien gnaedig in die kalte Dunkelheit. Das bleiche Licht warf grosse Schatten in den Raum und machte die Umgebung nicht gerade schoener. Die beiden Kinder hockten in der nassen, steinernen Zelle und versuchten sich mit einer dreckigen, duennen Decke warmzuhalten. Die Waende und der Boden waren aus grossen Steinen und nur ein kleines, vergittertes Fenster war die Verbindung zur Aussenwelt. Es ging raus auf einen kleinen Hof und zeigte, dass ihr Gefaengnis Unterirdisch war. Ein Fakt, der nicht gerade Mut machte. Doch ohne das Fenster und die gezaehlten  Sonnenauf- und untergaenge haetten die beiden schon laengst jegliches Gefuehl  fuer Zeit und Wirklichkeit verloren.
Die Tage waren lang und die Naechte dunkel. Niemand kam oder sagte den Kindern, was mit ihnen geschehen wuerde. Nur einmal am Tag brachte eine grimmige Wache etwas zu essen. Ihnen wurde mit jeder Moeglichkeit gezeigt, dass sie nicht wichtig und unerwuenscht waren. Antonio wartete nur darauf, dass sie als Sklaven verkauft wuerden. Er war recht klug fuer sein Alter und bekam einiges mit, was ihn aber in dieser Situation auch nicht half.
Es war die dritte oder vierte Nacht in der Zelle. Sie sassen beide in die Decke gehuellt unter dem Fenster an der Wand und zitterten, um sich warm zu halten. Die Arme des aelteren Jungen lagen beschuetzend um das aengstliche Maedchen. Ann wollte es zwar nicht zugeben, aber ihr ging es ziemlich schlecht. Koerperlich sowie seelisch. Ihre Hand war schmerzhaft angeschwollen, ihr Gesicht mager und blass geworden und sie litt unter regelmaessigem Schuettelfrost. Doch das Schlimmste war, dass sie fast kein Wort sagte. Das sonst so gespraechige Maedchen sass still an ihn gelehnt und zitterte. Wenn nicht bald etwas passierte, wusste er nicht, was mit ihr passieren wuerde und diese Vorstellung brachte ihn zum Schlucken und seinen Magen zum Verkrampfen.
„Ann, wie geht es dir?“, fragte er zum 27. Mal, seit das Licht verschwunden war. „Hmhm“, antwortete die schwache Stimme bloss. Sanft strich er ihr ueber den Kopf. Sie war fuer ihn doch eine Freundin geworden, fast schon eine Schwester. Es tat ihm weh, sie so zu sehen. „Keine Sorge, alles wird gut.“ Auch das wiederholte er zum hundertsten Mal und Ann nickte leicht aber hoffnungsvoll. „Wir werden es irgendwie hier wegschaffen, das verspreche ich. Und wir werden zusammenbleiben. Hauptsache zusammenbleiben.“ Dies waren leichtfertige, kindische Versprechungen, dass wusste er nur zu gut. Aber alles war besser, als die Hoffnung zu verlieren.
Er wuerde alles ertragen, wenn er nur Ann zu beschuetzen haette. Zartes Zucken in seinem Arm liess ihn besorgt die Stirn runzeln. “A-antonio, ich will nicht mehr. Ich habe genug, ich will nach Hause.“ Leises Schluchzen erfuellte den kahlen Raum aus Stein. Fuer Ann wurde es zu viel. Die Schwelle des Spieles oder Abenteuers war schon laengst ueberschritten und die Kleine hatte keine Kraft mehr. „Ich moechte zu meiner Mama, ich moechte wieder bei Germania und Rom sein.“ Nun weinte sie richtig. Bis jetzt hatte sie alles zurueckgehalten und krampfhaft versucht stark zu sein, aber sie hatte doch solche Angst. Angst vor dem, was mit ihnen passieren wuerde. Angst, dass man Rom und Germania wehtun wuerde. Angst, dass Gerol wegen ihnen vielleicht tot war und sie ihre Mama nie wiedersehen durfte.
Fest, fast schon panisch krallte sie ihre Finger in den Stoffhasen Loki, den sie die ganze Zeit hatte retten und verstecken koennen. Der kleine Freund war ihre einzige Verbindung und Erinnerung an Zuhause. Doch leider hatte er den vertrauten Geruch schon laengst verloren und roch nach muffiger Erde und kuehler Feuchtigkeit. Verzweifelt drueckte sie die nassen Wangen an Antonios Brust. Wenigstens war er bei ihr. Ihr Schluchzen und Weinen wurde schon bald schwaecher. Sie hatte keine Kraft mehr zum Verzweifeln. „Antonio, ich will hier raus, sofort! Ich habe Angst hier drinnen und ich moechte nicht zurueck zu dem komischen Mann.“ Damit war Seri gemeint. Er hatte bei beiden einen seltsamen, nicht geheuren Eindruck gemacht. Schlimmer als Marcus, der sie doch sogar geschlagen hatte.
„Das geht aber erst mal nicht. Die einzige Moeglichkeit waere das Fenster, aber du bist zu...das ist zu schwer fuer uns“, erwiderte Antonio gedehnt. Aber Ann war viel zu aufgeloest, um auf Einwaende zu hoeren oder sich taeuschen zu lassen. „Mir geht es gut, ich kann das schaffen.“ Langsam stand sie auf, wischte sich ueber das feuchte Gesicht und sah pruefend auf das Fenster weit ueber ihnen. Das war ganz schoen hoch. „Bitte, Antonio!“, sagte sie eindringlich. Der Junge seufzte. Er wollte doch auch nichts lieber als verschwinden, aber war das eine gute Idee? Selbst wenn sie es schaffen wuerden hier raus zu kommen, was dann? Wo sollten sie hin? Wer wuerde ihnen helfen? Wo lag ihre Heimat? „Antonio!“ „Ok, aber du sagst mir, wenn es zu viel fuer dich wird und du musst leise sein.“ Eifrig nickte Ann. Der Plan gab ihr ein wenig Kraft und vor allem die Hoffnung auf Freiheit.
„Gut, wir machen es so: Ich helfe dir auf meine Schultern und du versuchst dich an der Stange hochzuziehen und rauszuklettern. Die Luecke duerfte breit genug fuer uns sein.“ Wieder nickte Ann. Fuer einen Erwachsenen war das Fenster zu eng und fuer Kinder zu hoch. Aber die beiden zusammen duerften es vielleicht schaffen. Vorsichtig bildete Antonio mit seiner Hand fuer Anns Fuss eine Hilfe und hievte sie, an die Wand gestuetzt, auf seine Schultern. Wackelig stand sie nun auf ihm und streckte die Arme nach dem Gitter aus. Sie machte sich lang, streckte sich, spannte alles an und stellte sich auf die Zehenspitzen. Doch sie konnte es nicht erreichen. „Ich schaffe es nicht, ich bin zu klein“, schnaubte sie vor Anstrengung und versuchte es noch einmal. Mit der vordersten Spitze ihrer Finger beruehrte sie das Metall, aber sie bekam es nicht zu fassen.
“Warte, mach dich bereit zum Zugreifen und Klettern“, presste der Junge unter ihrem Gewicht hervor. Auch an seiner Staerke hatte die Gefangenschaft genagt. Mit der letzten Kraft in seinen Beinen, stellte er sich auf die Zehenspitzen und als das auch nicht reichte, sprang er ein wenig ab.  Ann bekam die Stangen gerade so zu fassen. Krampfhaft krallte sie sich daran fest und schluchzte schmerzhaft auf, als sie ihre verletzte Hand so doll anstrengte. So schnell es ging, drueckte Antonio von unten gegen ihre Fuesse. „Hab...es“, aechtzte das Maedchen und biss sich hart auf die Zunge, um mit beiden Haenden festzuhalten und nicht loszulassen. „Gut!“ Gemeinsam zogen und drueckten sie und mit vereinter Anstrengung gelang es Ann tatsaechlich aus dem Fenster durch die Gitter zu krabbeln. Erschoepft liess sie sich draussen auf die kalten, mondbeschienenen Steine sinken. Ihr kleiner Koerper bebte vor Adrealin und Schwaeche.
Aber ihr blieb nicht viel Zeit. Kurz schaute sie sich um. Ein kleiner Hof, von einer Steinmauer mit einem verfallenen, offenen Tor umgeben, lag vor ihr. Niemand war zu sehen. Schnell wandt sie sich zu  Antonio um und beugte sich tief in die Zelle zurueck, wo sich ihr Freund ihr entgegen streckte. Jetzt fiel ihnen die Schwachstelle ihres Planes auf. Sie konnten sich auf diese Weise nicht erreichen. Beide Haende waren weit von einander entfernt.
Resigniert liess der Junge die Arme sinken. „Antonio, Nein!“, wimmerte Ann schwaechlich. „Schon gut. Du solltest gehen. Geh irgendwo hin, wo man nett ist und dich gut behandelt. Und pass immer gut auf dich auf.“ Sich weit streckend warf er ihr Loki zu und schenkte zum Abschied ein leichtes Laecheln. Doch Ann nahm weder ihren Hasen an, noch akzeptierte sie das Lachen. „Nein! Antonio, du kommst auch mit. Ich will nicht alleine sein, ich will dich nicht verlassen. Bitte! Du hast doch gesagt, wir bleiben zusammen. Hauptsache zusammen!“  „Das war gelogen. Und jetzt geh, bevor es zu spaet ist. Hauptsache, du kannst fliehen.“ Traenen liefen ihr uebers Kinn und tropften in die dunkle Zelle zurueck. „Komm schon, Ann. Du schaffst es. Es tut mir leid.“ Doch sie ruehrte sich nicht und ruettelte nur vergebens an den festen Stangen.
Traurig sah er einem Tropfen nach, der von seiner Hand auf die Decke unter ihm fiel. Da ging ihm ein Licht auf. „Schnell, Ann, nimm die Decke und mach sie irgendwie an den Stangen fest. Vielleicht koennen wir doch zusammen gehen.“ Die Kleine verstand sofort und tat wie gesagt. Tatsaechlich funktionierte es. Als sich Antonio weit genug hochgezogen hatte, klammerte sich Ann um seinen Arm und half ihm hoch.
Er war fast draussen und der truebe Vollmond schien auf sein Gesicht, als sein Blick auf das Tor vor ihnen fiel. Fuer einen Moment sah er einen kleinen Jungen, juenger als er und mit braunem Haar. Eine widerspenztige Locke kringelte sich von seinem Schopf in die Luft und sein Gesicht guckte unschuldig und neugierig zu ihnen. Staunend sahen sie sich an. Ihre Blicke lange und seltsam verbunden. Mit langsamer Bewegung streckte der fremde Junge seinen Arm aus und hielt ihm in der offenen Hand eine Tomate entgegen.
Dann verschwand das Mondlicht ploetzlich und ein gefaehrlicher Schatten legte sich auf Ann und ihn. Mit grober Hand wurde Antonio hochgezerrt und schmerzhaft zu Boden geschleudert. Ann schrie neben ihm und er spuerte wie sein Kopf sich warm und feucht auf den Steinen anfuehlte. Noch bevor er sein Blut sah, schwirrten seine Augen rastlos auf der Suche nach dem Tomatenjungen. Er wollte ihn rufen, aber der magische Moment war vorbei und der Junge verschwunden.
„Es muss ein Engel gewesens ein“, hauchte er bevor, unter  Anns eindringlichen Rufen und Bitten, die Dunkelheit ueber ihn fiel.
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