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Make me legend

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Deutschland Germanien Preussen Rom Russland Spanien
15.09.2011
23.03.2012
79
96.945
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15.09.2011 1.399
 
Die Feder in seiner Hand kratzte gleichmaessig ueber das Papier. Schon seit Stunden sass er in seinem Buero und arbeitete, doch der Stapel Dokumente wollte einfach nicht kleiner werden. Er lehnte sich im Stuhl zurueck und strich sich durch die silbernen Haare. Es hatte ihn schon immer aelter aussehen lassen, als er eigentlich war, ihn aber gleichzeitig auch auch den noetigen Respekt eingebracht. Respekt, den er in seiner Position brauchte.
Diese Stadt, dieses Land war ein Chaos, wenn nicht bald was passierte, wuerde das roemische Reich untergehen. Seufzend holte er ein bereits beschriebenes Pergamant hervor und begann mit ernster, konzentrierter Miene den Brief weiter zu verfassen. Wenn man nicht immmer alles alleine machte. Manchmal hatte er das Gefuehl, dass ohne ihn gar nichts lief. Sogar der maechtige Ceaser verliess sich so sehr auf ihn, dass er fast schon zu viel Macht verspuerte, als seinem Posten zustand.
Zufrieden verstaute er gerade das gefaehrliche Dokument, als es an seiner Tuer klopfte. „Hauptmann?!“ „Tritt ein, Marcus.“ Der folgsame Soldat kam herein und gruesste zackig: „Heil Ceaser!“ „Heil“, nuschelte er beileufig und nun wieder den Dokumenten zugewand.“Was gibt es?“ „Herr, in der Stadt wurde ein Germane gesehen. Bei ihm war anscheinend auch ein Roemer.“
Der Silberhaarige sah mit kalten Augen auf, sodass der Juengere kurz zusammenzuckte. „Was ist mit den beiden geschehen?“ Marcus zoegerte. „Sie-sie sind entkommen, Hauptmann.“ Tiefe Stille und unruhiges Schlucken. Seri seufzte angestrengt auf und erhob sich von seinem Schreibtisch. Mit den langsamen Schritten eines Raubtieres naeherte er sich seinem Untergebenen.
„Ach Marcus, was soll ich nur mit dir machen?“, sagte er gedehnt und tadelnd. Die Ironie in der Stimme war nicht zu ueberhoeren. „Es tut mir leid, Hauptmann.“ „Bist du nicht entschlossen dein Ziel zu erreichen?“ „Doch, natuerlich.“ „Ich habe dich nur zu meiner zweiten Hand gemacht, weil ich diese Staerke und Entschlossenheit in dir gesehen habe.“ Er tigerte um den eingeschuechterten Mann, der krampfhaft seine Augen geradeaus hielt.
„Sonst waerst du jetzt immer noch einer dieser dumpfen Fusssoldaten, die zu tausenden auf den Schlachtfeldern sterben. War es nicht Rom, der dich dorthingebracht hat?!“ Marcus Gesicht verzog sich bitter. „Ja“, knurrte er. Die sehnige, feste Hand des Hauptmannes legte sich kuehl auf die Wange des Soldaten und er kam bedrohlich nahe. „Er hat dich verraten und wegen ihm wurdest du fuer eine Sache bestraft, fuer die du nichts konntest.“
Strammes Nicken. „Denkst du nicht auch, dass der Mann in Begleitung des Germanen Rom gewesen sein muesste?!“ Die Stimme des Aelteren war jetzt nur noch ein tiefes Raunen. „J-ja.“ „Dann gebe lieber dein Bestes, um die beiden aufzuspuehren.“ „Jawohl!“ „Gut.“ Mit einem Mal entfernte sich Seri ein paar Schritte und nahm wieder den freundlichen, herzlichen Ton an. „Dann kannst du ja jetzt gehen.“ Schnell drehte sich Marcus um und marschierte schnurstracks zur Tuer.
„Ach, eines noch. Was ist mit den Kindern? Haben sie noch was Nuetzliches rausgegeben?“ „Nein, Herr. Sie werden morgen auch fortgebracht. Wir stellen sicher, dass sie uns nicht mehr im Weg stehen und Rom sie nicht findet.“ „Sehr gut, weiter so.“ Die Tuer schloss sich und schmal laechelnd setzte sich Seri an den Tisch zurueck.
Alles lief wie geplant.

Er sah das Blut vor seinen Fuessen fliessen und versuchte krampfhaft sich nicht zu uebergeben. Das Schwert in seinen Haenden begann zu zittern. Nur mit viel Kraft konnte er es heben, um den Angriff des naechsten Wilden abzuwehren. Erst als auch dessen Blut den Erdboden bedeckte, liess er die Waffe  ein wenig sinken. Diese Schlacht war besonders brutal und vorallem blutig. Er hasste das. Ja, er war freiwillig und mit Stolz Soldat geworden, aber soetwas hatte er nicht vorausgesehen. Er hoffte nur, dass er irgendwie ueberlebte. Und natuerlich sein Hauptmann. Wo war der eigentlich?
„Rom?“ Er hatte ihm doch versprochen, waehrend des Kampfes bei ihm zu bleiben, wie es ein guter Offizier bei seinem Hauptmann tat. Warum musste Rom in dieser wichtigen, hohen Position auch die dumme  Angewohnheit haben, selbst in den Schlachten zu kaempfen. Keiner der anderen Hauptmaenner tat das. Seine Begruendung war gewesen, dass er seine Leute nicht im Stich lassen und so ihre Motivation staerken wollte. Ehrlich gesagt, war es ja gerade das, was er und alle anderen in ihrer Einheit, so an ihm verehrten.
Manchmal war er ziemlich stolz auf seinen  Freund. Trotzdem war es dumm. Wenn er als Hauptmann fiel, waren sie alle verloren und er selbst wuerde es sich  nie verzeihen. „Rom?“, schrie er laut, was aber im Laerm der Stoehnenden, Kaempfenden und Sterbenden unterging. Jedem Krieger  aus dem Weg gehend, sah er sich nach dem Vermissten um.
„Wo steckt der Kerl? Sei bitte nicht tot, Rom“, murmelte er vor sich hin und wuenschte sich, sein Freund waere nicht immer so energiegeladen. Kurz hielt er inne und ueberlegte. Er kannte Rom schon lange und muesste eigentlich wissen, wo dieser am ehesten zu finden war: Wenn nicht umringt von Frauen, dann im groessten Gewimmel einer Schlacht.
Eilig hechtete er auf eine Gruppe Soldaten zu, die mit mehreren Germanen beschaeftigt waren. „Ro-“ Erschrocken unterbrach er sein Rufen, als ein Pfeil direkt vor seinem Gesicht vorbeisirrte. Zurueckschreckend taumelte er etwas und sah sich reflexartig nach dem Geschoss um. War es auf ihn gezielt oder hatte es ein anderes Opfer gefunden? „Was zum...?“  
Anstatt des Pfeiles sah er etwas ganz anderes. Rom. Er stand am Waldrand, einige Meter von ihm entfernt, neben ihm ein Germane. Von der Kleidung her war der Wilde kein Krieger, aber etwas anderes verwunderte ihn mehr. Was tat Rom da? Warum griff er nicht an oder entfernte sich von dem Mann? Im naechsten Moment griff der Blonde nach Roms Hand und die beiden verschwanden im Wald. Er konnte nicht rufen oder sich bewegen, er sah nur seinen Freund ihm den Ruecken zukehren.
„Was?“ Innerhalb Sekunden hatte er sich gefasst und setzte an seinem Hauptmann zu folgen. Doch nach wenigen Schritten, in denen er nur auf  die Stelle starren konnte, wo Rom gerade noch stand, durchzuckte ihm ein gleissender Schmerz in der Schulter.  Aechzend fiel er auf die Knie und griff mit beiden Handen um den Pfeil, der in seiner Haut steckte. Der erste Schuss hatte wohl doch ihm gegolten. Mit einem Schrei fuhr er herum und schleuderte sein Schwert in den Hals des ueberraschten Germanen. Seine Schulter schmerzte furchtbar und mit verschwommener Sicht blickte er wieder zu den Baeumen.
„Rom?“ Wo war er hingegangen? Warum war er diesem Wilden gefolgt? Warum hatte er ihn verlassen ?
„Rom!“
Sein Schrei hallte ueber dem Schlachtfeld voller Leichen und riss ihn aus dem Schlaf. Laut keuchend und verkrampft in seinem Bett sitzend realiesierte er, dass es nur wieder ein Traum gewesen war. Schwach und undeutlich sah er den verschwindenden Rom vor seinen traenenden Augen. Seit damals war es nicht das erste Mal, dass ihm diese Erinnerung im Schlaf heimsuchte. Wahrschein hatten die Worte seines jetzigen Hauptmannes und die Tatsache, dass Rom ihm nun so Nahe war, einiges in ihm aufgeruettelt.
Neue, heisse Wut stieg in ihm auf. Wut, die ihn das letzte Jahr immer weiter getrieben hatte und seinem Ziel so nahegebracht. Rom wuerde dafuer buessen, dass er seine Pflicht als Soldat verletzt, die Armee verlassen und vorallem ihn verraten hatte. Damals nach dem Sieg auf dem Schlachtfeld, war ihre Einheit vollkommen rat und fuehrungslos gewesen und beim Einkehren ins Hauptlager, war heillose Verwirrung ausgebrochen. Er selbst war zu mitgenommen und verletzt gewesen und hatte den Glauben an Rom behalten. Also erzaehlte er niemandem, was passiert war.
Leider gab es noch andere Zeugen und bevor er sich versehen konnte, wurde er als Mitschuldig erklaert. Man glaubte, dass auch er hatte fliehen wollen und es nur nicht geschafft habe. Wegen Mithilfe und versuchter Flucht vor der Pflicht wurde er bestraft und seiner Position enthoben.
Als Hauptmann Seri Cantaras ihn dann spaeter fand, war er ein einziges Frack aus Zweifel und Trauer. Zu dem Zeitpunkt glaubte er noch daran, dass Rom zu ihm zurueckkehren wuerde. Cantaras hatte ihm die Augen geoeffnet, ihn unterstuetzt und dorthin gebracht, wo er heute war. Fast an die Spitze und in der Lage Macht auszuueben. Seither hatte er nie vergessen, was sein ehemaliger bester Freund ihm angetan hatte.
Die Angst und der Schock waren abgeklungen und zornig stieg er aus dem Bett. Der Morgen war noch nicht angebrochen, aber er konnte nicht noch mehr Zeit mit Nichtstun verschwenden. Hauptmann Carantas hatte recht, er musste sich auf sein Ziel konzentrieren. Rom wuerde bezahlen. Rom wuerde dafuer buessen.
Schon sehr bald.
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