Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Action / Belongo

Belongo

GeschichteAbenteuer / P16
12.09.2011
23.02.2017
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Es lag Misstrauen in der Luft, und das nicht zu knapp. Die vier Männer in der großzügigen Hamburger Wohnung in Altona beäugten einander mit sichtbarem Argwohn. Und am misstrauischsten war der einzige Mann im kleinen Dienstanzug der Bundeswehr mit den Silbersternen eines Leutnants.
"Ach komm schon, Paul!", sagte der dritte Mann aufgebracht. Der leicht übergewichtige Riese war sichtlich genervt. "Als ich noch in der Kartei war, da brauchte ich nur runter zu kommen und sagen, welche Karten ich haben wollte. Du hattest von jeder Karte in jeder Größe drei Dutzend da, und nachdrucken war eine Sache von Sekunden! Ich habe damals mein Wohnzimmer mit einer Karte von Hamburg im Maßstab eins zu zehntausend tapeziert, Planquadrat für Planquadrat. Und jetzt ist das ein so großes Problem für dich?"
Paul, der Angesprochene, musterte seinen Gesprächspartner, dann die beiden schweigend abwartenden Brüder. "Normalerweise ist das auch kein Problem, Bernd. Diese Karten sind keine militärischen Geheimnisse. Aber was Ihr von mir haben wollt sind Karten aus dem Krisengebiet eines befreundeten Landes. Besonders Sie sollten das wissen, Oberleutnant Herwig."
"Oh, bitte nicht die Geschichte", murrte Niklas.
"Außerdem macht mich das hier stutzig. Fünfhundert Euro. Ein großer rosa Schein. Für meine Mühen."
"Ach, das ist es? Willst du mehr?", fragte Bernd.
"Das Problem ist, dass du so wahnsinnig schnell bereit bist, mich mit fünfhundert Euro zu schmieren. Aber gib dir keine Mühe. Du kannst mich auch nicht mit tausend kaufen. Oder fünftausend. Oder zehntausend."
"Wir haben nicht vor, Sie zu bestechen", sagte Axel gedehnt. "Wir wollten es nur leichter für Sie machen."
"Zwecklos. Jeder Offizier mit ein wenig Ehre im Leib reagiert auf einen Haufen Geld mit Misstrauen", sagte Paul bestimmt. "Und ganz besonders in diesem Fall, wenn der suspendierte Oberleutnant Herwig vor mir sitzt."
"Das interessiert mich jetzt aber doch. Warum wissen Sie, dass Niklas suspendiert ist? Oder im Bundeswehr-Sprech krank Zuhause?", hakte Axel nach.
Der Leutnant schnaubte amüsiert. "Als Herwig verschwunden ist, haben sie auf der Hardthöhe sofort mit den Hufen gescharrt. Wir mussten binnen zwölf Stunden unsere Karten über die Region Belongo auf den neuesten Stand bringen und Kamerazeit bei den Amis beantragen, um ein Auge aus dem All auf Ndongo zu werfen. Alles, damit wir beim ersten Anzeichen, wohin Sie verschwunden sind, Oberleutnant Herwig, die KSK sofort mit Daten und Kartenmaterial zu versorgen. Soweit ich weiß standen zwei Teams in der ndongischen Hauptstadt bereit, um sich jederzeit ins Krisengebiet fliegen zu lassen." Er lachte abgehackt. "Man hat Ihr Dienstausweisfoto auf Din A 2 vergrößert und in die Büros gehängt, damit jeder weiß, für wen wir die Mehrarbeit tun. Es fällt schwer, jemanden nicht zu  erkennen, den man drei Wochen lang jeden Tag zwölf Stunden gesehen hat." Der schlanke Mann rang die Hände. "Warum sind Sie eigentlich suspendiert worden? Das habe ich nie verstanden."
Nun war es an Niklas zu lachen. "Ich übrigens auch nicht. Vielleicht weil ich die Frechheit besessen habe, mich von den Briten retten zu lassen."
"Hm. Ich habe gehört, dass die KSK nicht sehr erfreut war, das sie den Weg umsonst gemacht hat. Quasi. Da hat man sich wohl schon auf den Test der Tropenkampfausrüstung gefreut." Paul sah die Männer an. "Ernsthaft jetzt. Noch bin ich nicht aufgestanden und gegangen. Das heißt, Ihr habt die Chance, mich umzustimmen. Aber diesmal bitte mit der Wahrheit. Ausführlich."
Axel zuckte die Schultern. "Wenn es denn sein muss... Als Niklas wiederkam hatte er einen Bergkristall bei sich. Der entpuppte sich beim Juwelier als Diamant. Den hat er aus Belongo mitgebracht, und als einzigen Hinweis haben wir nur den Namen des Ortes, aus dem er stammt. Da vermuten wir eine Diamantenmine, die noch unbekannt ist. Wir haben vor, da runter zu reisen, diese Mine zu finden, und verdammt reich zu werden."
"Herr Herwig, Ihr Talent für Räuberpistolen in allen Ehren, aber damit können Sie einen Kommissar X-Roman schreiben. Mich verkaufen Sie mit diesem hanebüchenen Unsinn nicht für dumm."
"Aber es ist wahr", sagte Axel ernst. "Wir haben uns auch topographische Karten erhofft, anhand derer wir das mögliche Gebiet, in dem die Mine liegt, eingrenzen zu können. Unser Freund Bernd ist Hobby-Geologe und hat uns einiges über Diamanten erklärt. Vulkanismus, Blue Pipes, primäre und sekundäre Lagerstellen, und so weiter und so fort. Wir suchen also entweder ein Gebiet mit erloschenen Vulkanen, eine Hochebene, die vor ein paar Millionen Jahren mal ein Meeresboden gewesen sein könnte, oder ein Abströmungsgebiet, in dem sich die Diamanten nach und nach gesammelt haben."
"Eine tolle Geschichte, Herr Herwig. Sie sollten wirklich eine Karriere als Autor in Erwägung ziehen", sagte Paul sarkastisch. "Also, was ist es wirklich?"
Axel seufzte ergeben. "Ich glaube, er besteht darauf, das wir ihn anlügen."
Niklas nickte. "Als ich verschleppt wurde, hat man einen dieser Kindersoldaten abgestellt, um mich zu bewachen. Ein kleiner, aufgeweckter Bursche von nicht ganz vierzehn Jahren. Aber recht furchteinflößend mit seiner Kalaschnikow. Der Bengel ist bei meiner Befreiung getötet worden. Kopftreffer. Das letzte Wort, das er gesagt hat, das war Ngali. Im Internet wird Ngali als Ort in Belongo beschrieben, und mit den Karten wollen wir ihn finden."
"Um was zu tun? Den Eltern des Jungen erzählen, das ihr Sohn tot ist? Um ein Hilfsprojekt einzuleiten, um dieses Ngali zu einem lebenswerteren Ort zu machen?"
"Nein, um von dort aus auf die Suche nach der Mine zu gehen."
Paul stutzte. Dann aber lachte er und winkte mit dem Zeigefinger. "Jetzt haben Sie mich doch beinahe dran gekriegt, Herr Oberleutnant. Also ein Hilfsprojekt. Und Sie haben einen reichen Geldgeber, der anonym bleiben möchte. Sie kennen die Region, und haben auch noch Zeit. Kein Wunder, das er sich an Sie wandte. Oder Sie sich an ihn. Aber das interessiert mich nur zum Teil. Also, mit einer humanitären Mission habe ich absolut keine Probleme." Er beugte sich vor und strich die fünfhundert Euro ein. "Das nehme ich mal an mich. Fürs Offiziersheim. Das gleicht dann die Unkosten aus, die die Bundeswehr wegen der Karten erleiden wird. Ihr habt eine Aufstellung über die Karten, die Ihr benötigt?"
Axel reichte ihm ein eng bedrucktes Papier. "Das sind alle unsere Wünsche. Zwanzig Exemplare pro Karte, bitte. Und auf DVD, bitte. Für unsere GPS-gebundenen virtuellen Karten."
Stirnrunzelnd nahm der Leutnant den Zettel entgegen und überflog ihn. "Okay... Okay. Ja, das ist alles machbar. Kein Problem. In zwei Tagen haben Sie das alles. Ich schicke es regulär mit der Dienstpost an Sie raus, Oberleutnant Herwig." Den Zettel in der Hand haltend erhob sich der Leutnant. "Wenn es das gewesen ist, werde ich Sie jetzt wieder verlassen, meine Herren. Ich hatte einen langen Tag, und meine Nacht wird kurz." Er drückte jedem der drei Männer die Hand. "Und wenn Sie meinen Rat möchten: Bleiben Sie doch von Anfang an bei der Wahrheit."
"Eine Frage noch, Herr Leutnant", sagte Axel schnell, "den amerikanischen Satelliten betreffend. Steht das Ding immer noch so, dass es Belongo sehen kann?"
"Ja, und da wird er noch eine ganze Zeit bleiben. Die Amis parken das Ding da oben aus wirtschaftlichen Gründen, hat man mir gesagt."
"Und wir haben Zugriff auf die Kameras?", hakte er nach.
"ICH habe Zugriff, Herr Herwig."
Niklas fühlte das Bedürfnis, sich die Rechte an die Stirn zu schlagen. Axel hatte noch eine Idee gehabt, das war nicht zu überhören gewesen.
"Nun, dann kommen wir vielleicht noch auf Sie zurück, Herr Leutnant. Livebilder eines Satelliten könnten bald über Leben und Tod entscheiden."
Paul lachte amüsiert. "Nehmen Sie ein gutes Internet mit runter, wenn Sie mich kontaktieren wollen. Und benennen Sie eine Wasserpumpe nach mir. Meine Herren, einen schönen Abend noch."
Er nahm seine Dienstmütze auf, nickte ein letztes Mal in die Runde, und verließ die Wohnung.

"Na, was habe ich euch gesagt?", ereiferte sich Bernd. "Lief doch alles bestens."
"Wenn das bestens ist, möchte ich dein schlecht nicht erleben", sagte Niklas grimmig.
"Ach kommt, Leute. Wir haben doch was wir brauchen. Oder vielmehr Ihr habt was Ihr braucht."
"Also, ich fand, das wir klang schon ganz gut, Bernd", sagte Axel gedehnt. "Wir können durchaus noch Leute gebrauchen."
"Nicht, dass ich gerade keine Zeit hätte", murmelte er gedehnt. "Und die Aussicht reich zu werden ist ja auch nicht zu verachten. Aber... Niklas, du weißt es doch am Besten, was wir da unten brauchen. Zu dritt ist das nicht zu schaffen. Man braucht da schon eher eine Kompanie oder mehr. Und dann das Material. Es muss Feuchtigkeitsresistent sein und vielseitig einsetzbar. Wir müssen die Topographie und das Gelände studieren. Und wir müssen damit rechnen, dass uns die Regierungstruppen, die Rebellen oder alle zusammen hart zusetzen werden, solange wir in der Region sind. Jeeps, Motorräder, Scharfschützengewehre, Munition, Hubschrauber, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht brauchen wir sogar Panzer. Und wenn wir schon mal bei einer Kompanie sind, woher sollen wir die nehmen? Der durchschnittliche Söldner wird dir mit Freude die Kehle durchschneiden, wenn er dadurch Besitzer eine Diamantenmine werden kann."
"Na, das klingt doch schon gut strukturiert", sagte Axel optimistisch. "Und du hast schon wieder wir gesagt."
"Was soll ich sagen? Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl im Magen, dass Ihr ohne mich verloren seid. Niklas kann sie drillen und kommandieren. Ich kann meine Kontakte nutzen und uns die Ausrüstung zusammen kaufen und nach den Diamanten suchen. Du leitest die Operation und machst den ganzen Verwaltungs- und Verhandlungs-Scheiß. Aber woher die Leute nehmen? Es sollten auch ein paar Schwarzafrikaner darunter sein, am Besten solche, die die Landessprachen sprechen, als Kundschafter. Und, und, und. Ach ja, da habe ich das Problem der Ärzte noch nicht angesprochen. Wir müssen auch Ärzte und Sanitäter mit runter nehmen. Oder glaubst du, in der unruhigsten Region ganz Ndongos geht es ohne Verletzte und Tote ab? Und dann ist da noch das Gerät, das wir für den Abbau der Diamanten brauchen werden. Mein Gott, ich will damit gar nicht erst anfangen."

"Meike", sagte Niklas sofort.
"Meike?", echote Axel. "Das ist nicht dein Ernst."
"Ausgerechnet Meike? Ich reiße dein Herz raus und trample darauf rum-Meike?" Bernd lachte gehässig. "Die Frau, die dir die miesesten drei Jahre deines Lebens beschert hat?"
"Sie ist Ärztin. Sie sucht eine Anstellung. Und früher hat sie mich immer damit genervt, für ein Jahr freiwillig in die armen Länder der Erde zu gehen oder auf diesem Ärzteschiff zu arbeiten. Ehrenamtlich, natürlich."
"Noch besser, sie ist Unfallchirurgin. Aber sie wird nicht mitmachen, wenn wir ihr sagen, dass wir da runter gehen, um Diamanten zu suchen", sagte Axel nachdenklich.
"Na, dann lassen wir sie eben ihre karitative Arbeit machen und den Menschen ein paar Impfungen geben", ereiferte sich Niklas. "Überlege doch mal, Axel, wir wollten uns unsere neuen Nachbarn doch ohnehin gewogen machen. Wenn wir unseren Arzt die Runde machen lassen, dann sind sie mit Sicherheit netter zu uns als zu ihren Nachbarn mit M16' und Kalaschnikows."
"Ach, und du glaubst, wir exponieren unseren einzigen Arzt auf so unglaublich dämliche Weise?"
"Axel, was soll ihr passieren? Wir reden hier von Meike! In einer dunklen Gasse mit fünf Typen mit Messern, die mich in Streifen schneiden wollen, wen habe ich da am liebsten bei mir?"
"Meike!", intonierten die drei Männer zugleich.
"Dennoch, das ist nur Spaß. Wir können sie nicht...", begann Axel.
"Wir können sie fragen. Du weißt doch, Geld interessiert sie nicht. Nicht bei den Eltern. Aber wenn wir ihr das Abenteuer und ein wenig Sozialarbeit schmackhaft machen können... Vielleicht steuert sie auch ein wenig Kapital bei. Dann brauchen wir die Ertragslast nicht allein mit den fünf Millionen von Onkel Paul tragen."
"Meike also." Axel brummte unwillig. "Bist du immer noch nicht über sie hinweg?"
"Damit hat das nichts zu tun", erwiderte Niklas kühl. "Sie ist nur die einzige Ärztin, die wir kennen und die bereit wäre, bei diesem Wahnsinn mitzumachen. Oder, Bernd?"
"Lass mich da bitte raus. Wenn du dich wieder unglücklich machen willst, meinetwegen. Aber ich bin sehr froh darüber, dass sie mich nie gequält, oder noch schlimmer, sich für mich interessiert hat."
"Es ist nichts Persönliches! Nur reine Logik!", beharrte Niklas.
"Na, Hauptsache, du glaubst es selbst", sagte Axel jovial und tätschelte seinem Halbbruder die Schulter.
"Also haben wir eine Ärztin in Aussicht", sagte Bernd zufrieden. "Aber da stellt sich mir noch eine Frage: Wenn Ihr von Paulchen Trakener fünf Millionen für euer Steinchen kriegt, warum wollt Ihr da runter und noch mehr finden? Zweieinhalb Mille pro Nase, das reicht doch für euch."
"Ja, aber nicht für dich, Bernd", erwiderte Axel grinsend. "Und wenn es einen Menschen gibt, den ich gerne reich machen will, dann bist du das."
"Du brauchst mir keinen Honig ums Maul zu schmieren. Ich bin schon mit von der Partie", erwiderte er.
Axel grinste schief. "Außerdem haben wir die Chance, richtig reich zu werden. Ich meine, so wirklich richtig. ALDI-reich. Abgesehen davon wird das eine spannende Erfahrung für uns, oder? So ein richtiges Abenteuer."
"Na, ich weiß nicht. Kennt einer von euch den Film "Die Wildgänse kommen"? Ich will ja keine Parallelen ziehen", murrte Niklas.
"Zu spät. Ich sehe es gerade vor mir, und es gefällt mir nicht", sagte Bernd. "Verdammt, musstest du mich runter ziehen?"
"Wir sind aber nicht die Wildgänse, und wir haben auch mehr als einen Tag Zeit, um unser Ding durchzuziehen. Außerdem sind wir unsere eigenen Auftraggeber. Wer sollte uns also hängen lassen? Wir uns selbst?" Axel lachte laut auf. "Sicher nicht. Also, Bernd Klein, überleg dir mal genau, was wir da unten brauchen könnten, auch ohne die Karten einzusehen. Und überlege, wie wir das zusammen kriegen. Unser Budget ist fünf Millionen Euro. Und dann müssen wir uns überlegen, wie wir Meike bequatschen und die restlichen Leute zusammen bekommen."
"Bleibt es bei einer Kompanie? Ich hätte da vielleicht den einen oder anderen Kontakt..."
Axel legte einen Arm um Bernds breite Schultern. "Siehst du. Und genau aus diesem Grund sind wir zu dir gekommen. Du kennst praktisch jeden, nicht wahr?"
"Fast jeden. Wenn er schon mal eine Waffe in der Hand gehalten hat."
"Ich lasse dir vollkommen freie Hand. Schaffe ran, wen immer du willst."
"Okay. Ich überlege mal. Wir brauchen Pioniere für die Erdarbeiten und um das Camp zu bauen. Sechs bis acht Mann und Gerät. Hubschrauber. Wir brauchen mindestens vier Hubschrauber. Am besten gut bewaffnet. Einen in der Wartung..."
"Wieso einen in der Wartung?", fragte Axel verblüfft."
"Wenn die Dinger bei der Luftfeuchtigkeit im Dschungel funktionieren wollen, ist immer einer in der Wartung", sagte Bernd.
"Moment, wir wissen doch gar nicht, was für ein Gelände uns da erwartet."
Niklas lachte gehässig auf. "Heißer Dschungel. Nasser, heißer Dschungel."
"Einer ist also immer in der Wartung", sagte Bernd feixend. "Und einer muss uns mit der Außenwelt verbinden. Axel, wir brauchen einen externen Stützpunkt, über den wir zusätzliches Material kriegen, und über den wir die Diamanten ausfliegen können. Falls wir tatsächlich welche finden. Es ist dann wesentlich besser, wenn die Steinchen nach Möglichkeit nicht lange im Camp bleiben. Das weckt nur Begierlichkeiten."
"Wozu der externe Stützpunkt?", fragte Niklas. "Wir nehmen Vorräte für einen Monat mit runter, und fertig."
"Ein Monat kann sehr lang werden. Und bedenke bitte eines: Selbst mit vier Hubschraubern kriegst du das Material nicht auf einen Schlag runter. Halt, halt, ich weiß genau, was du jetzt sagen willst. Ob wir dann nicht mit weniger Material und Leuten auskommen, und so. Niklas, da unten herrscht Faustrecht. Und du willst doch mit Sicherheit einer von denen sein, der Recht behält, oder? Na siehste. Also eine Kompanie, ein externer Stützpunkt. Da brauchen nicht viele sein. Nur eine kleine Firma und eine Lagerhalle auf einem Flugfeld. Dazu ein großer Transporthubschrauber und eventuell ein zweites Wartungsteam. Mensch, da bietet sich doch Panadia an. Grenzt ja schon an Belongo. Hast du von deiner Befreiung noch ein paar Kontakte über, Niklas?"
Nachdenklich strich sich der Oberleutnant übers Kinn. "Es gibt da einige Leute, die nichts gegen eine illegale Aktion hinter der Grenze sagen würden, einfach weil es Ndongo schadet. Fragt nicht warum. Ist so ne Koloniegeschichte. Wenn man hier und da ein wenig schmiert, sollten wir einen sehr sicheren Hafen haben. Zufällig kenne ich da auch ein Flugfeld, das größtenteils zivil genutzt wird. Über das haben sie mich ausgeflogen. Die haben vor meiner Nase geschmuggelt, und allen war es egal."
"Das klingt doch viel versprechend. Ich frage mich, ob Boxie Lust hat, mitzumachen."
"Boxie?"
"Ah, ein ehemaliger Bundeswehrpilot. Hubschrauber. Man hat ihn raus geschmissen, weil er... gewisse Macken entwickelt hat."
"Bernd, deine Freundschaften in allen Ehren, aber ich will keine Psychopathen", sagte Axel streng.
Abwehrend hob Bernd die Arme. "Kein Psychopath. Er hat einfach nur diesen Tick. Der ist nicht schlimm, wirklich nicht. Und er ist ein guter Pilot, und kennt auch eventuell ein paar Leute. Piloten, Techniker, und so. Dann brauchen wir mindestens einen weiteren Arzt, Sanitäter, ein paar Leute, die dich bei der Verwaltung unterstützen, Axel, einen Haufen Infanteristen, ein paar Scharfschützen, und vielleicht auch noch Panzercrews."
Niklas räusperte sich vernehmlich. "Statt Panzer solltest du lieber Panzerfäuste mitnehmen. Wir sollten auf Flexibilität setzen, nicht auf angreifbare feste Stellungen. Ich gebe die Mine lieber auf und erobere sie zurück, als zerquetscht zu werden, weil ich mit dem Rücken zur Wand stehe."
"Falls wir sie überhaupt finden", sagte Axel.
"Falls wir sie überhaupt... Also wirklich, großer Bruder. Jetzt sei mal konstruktiver. Es ist deine Idee."
"Jedenfalls rede ich morgen mit Boxie. Wollt Ihr mitkommen? Anschließend gehen wir gleich zu Fräulein Herryhaus und bequatschen sie zu dritt. Für die Pioniere fällt mir sicher auch noch jemand an. Ich kenne da einen Oberfeldwebel, der hat sich in den Kopf gesetzt, mit vierzig eine neue Lehre anzufangen und der Bundeswehr den Rücken zu kehren. Wenn er die Schnauze voll von Schreinerarbeiten hat, macht er vielleicht mit. Und er kennt auch 'nen ganzen Haufen ehemaliger Zeitsoldaten. Da sind auch Scharfschützen und Fallschirmjäger dabei."
"Stopp! Mir schwirrt der Kopf. Ruf deinen Oberfeldwebel meinetwegen an, aber erwähne die Diamanten nicht. Das gilt für alle hier. Wir erklären unser Ziel nur Leuten, von denen wir sicher sind, das sie uns nicht sofort umbringen, sobald das Wort Diamantenmine fällt. Oder bei denen wir wissen, das sie uns erst umbringen, wenn wir nichts finden. Okay?"
"Meinetwegen, Axel. Du bist der Boss."
Der ältere Herwig schnaubte amüsiert. "Das bin ich wohl wirklich, oder? Also gut, Jungs. Fahren wir morgen diesen Boxie besuchen, und danach schrecken wir Meike aus ihrem langweiligen Alltag auf, um ihr ein Abenteuer zu bieten. Ach, und wenn du schon dabei bist, Bernd, kümmere dich gleich mal um Waffen. Einer wie du kommt doch sicher unauffällig an G3 oder G36 ran, oder?"
"HK33. Das sind G3, die auf NATO-Standard-Munition modifiziert sind. Ich schätze mal, die kriegen wir da unten leichter als den alten Bundeswehr-Standard. Und natürlich nehmen wir die gute alte P8 mit. Und Uzis. Die verballern beide den gleichen Munitionstyp."
"Ja, ja, das überlasse ich alles dir. Und wenn du kannst, treibe auch gleich noch ein paar KSK-Leute auf."
Verständnislos gegenüber dieser Tagträumerei schüttelte Bernd tadelnd den Kopf. "Axel, jetzt fängst du an zu spinnen. Nie im Leben kriegen wir auch nur einen von denen."
"Äh, wie auch immer. Wir sind im Geschäft. Und morgen früh besuchen wir deinen paranoiden Freund, und danach Meike."
"Er ist nicht paranoid. Seine Macke ist nicht schlimmer, als die meisten Menschen mit sich rumschleppen. Nur seine sieht man wenigstens", murrte Bernd.
"Wie auch immer. Ist dir neun Uhr Recht? Müssen wir weit fahren?"
"Nur rüber nach Bremen. Stunde hin, Stunde zurück. Neun Uhr ist gut. Dann sind wir spätestens gegen zwölf zurück, und dann ist Meike auch aufgestanden."
Die Herwig-Brüder grinsten verräterisch. "Also, dann bis morgen um neun, Bernd." Niklas klopfte dem alten Freund auf die Schulter, Axel schüttelte ihm die Hand.

Während sie zu Niklas' Wohnung fuhren, fühlte Axel noch mal vorsichtig vor. "Weißt du, wenn das doch was Persönliches ist, dann kannst du mir das ruhig sagen. Dann sorge ich dafür, dass dich niemand stört, wenn du versuchst..."
"Ach, Axel, das weiß ich doch zu schätzen. Aber ich bin einfach nicht Manns genug, um es mit Meike aufzunehmen. Das Schlimmste ist, obwohl sie mich so fertig gemacht hat, bin ich immer noch mit ihr befreundet. Sie hat es nicht zugelassen, dass ich mich nicht mehr melde, oder ihr aus dem Weg gehe. Sie ist so... Resolut. Sie ist ein Albtraum. Okay, nicht optisch, aber ansonsten ist sie furchtbar. Sie überwältigt jeden. Ich frage mich, ob man so geboren wird, oder ob man das erlernen kann. So ähnlich muss es gewesen sein, wenn man damals mit Kennedy zu tun hatte."
"Na, dann hast du ja nichts dagegen, wenn ich es versuche, oder?", scherzte Axel. "Sie ist eine schöne Frau, und ihre Persönlichkeit stört mich nicht."
"Nur zu, sei mein Gast. Dann bleibt sie wenigstens in der Familie."
Die beiden Brüder lachten wie über eine gelungene Pointe.
"Sag mal", meinte Axel, als er beinahe das Mehrfamilienhaus mit Niklas' Wohnung erreicht hatte, "hast du eigentlich Polizeischutz, oder so?"
"Polizeischutz? Ist dir die Diamantensache zu Kopf gestiegen? Ich bin suspendiert, mehr nicht."
"Na, dann erkläre mir bitte mal diesen auffällig-unauffälligen Schrank von Kerl, der Kettenrauchend vor deiner Haustür steht. Also, einer deiner Nachbarn ist das nicht."
Axel hielt den Wagen an. "Ich steige lieber mit aus. Wenn er Ärger sucht, werfe ich mich dazwischen, und während er mich verprügelt, rufst du die Bullen."
"Hat dein Arzt schon mal was wegen deinem Verfolgungswahn gesagt?", stichelte Niklas.
"Ja, und zwar, dass man nicht ausschließen kann, tatsächlich verfolgt zu werden." Axel verließ den Wagen, Niklas zögerte. Es war zwar dunkel, aber der große Kerl hatte eindeutig zu ihm herüber gesehen und ihn erkannt. Wenn man lange genug mit Menschen zu tun hatte, Rekruten, Mitarbeitern, Soldaten fremder Länder, dann musste man sehr schlecht sein, um nichts zu lernen.
Nur zögernd öffnete er die Tür, während Axel schon zwischen ihm und dem Riesen stand. "Kann ich Ihnen helfen?"
Der große Mann musterte ihn launisch. "Ich möchte gerne mit Oberleutnant Herwig sprechen."
"Dann müssen Sie zuerst mit mir reden. Ich bin sein Chef, derzeit."
"So?" Der Mann hob spöttisch eine Augenbraue. "Sie sehen nicht aus wie ein Bundeswehroffizier."
"Das habe ich auch nicht behauptet. Aber immerhin habe ich es bei den Panzerfahrern bis zum Stabsgefreiten geschafft. Was wollen Sie von meinem Bruder?"
"Das ist privat", schnarrte er als Antwort.
"Wie passend. Mein Bruder und ich teilen alle privaten Dinge."
Mittlerweile war Niklas ausgestiegen und hinzu getreten. "Lass gut sein, Axel. Wer sind Sie? Was wollen Sie von mir?"
Der Mann musterte den Oberleutnant eindringlich, dann nickte er schließlich und zündete sich eine neue Zigarette an. "Der Marsch über zweihundert Klicks Dschungel ist Ihnen gut bekommen, wie ich sehe."
"Es gab genug zu essen, und ich konnte das Wasser aufbereiten. Woher wissen Sie davon? Es stand nichts in der Zeitung."
"Ach, wissen Sie, ich wollte mir nur mal den Arsch anschauen, der meine Karriere vernichtet hat, und mich vergewissern, dass er es wert gewesen ist."
"Ihre Karriere vernichtet?" In Axels Kopf schien es laut und vernehmlich Klick zu machen. "Jetzt erzählen Sie mir nicht, Sie gehören zu den KSK-Leuten, die runter geflogen sind, um Niklas zu retten."
"Beeindruckende Kombinationsgabe, Herr Stabsgefreiter. Leutnant Hannes Malicke. Ich war unten zuständig für die Indizienverwertung. Ich sollte Sie finden, Oberleutnant. Und dann sollte ich Ihre Befreiung leiten. Und dann, als ich meinen ersten echten brauchbaren Hinweis bekam, als meine Jungs schon im Hubschrauber saßen, um Sie raus zu hauen, wurde der Einsatz abgebrochen. Wissen Sie, wie dämlich ich da stand, als ich hören musste, dass ein paar popelige Ranger Sie gerettet haben? Nicht mal eine panadische Spezialeinheit, eine simple Army-Patrouille! Das Sternchen war stinksauer und hat mich gleich ein Vierteljahr kalt gestellt. Wahrscheinlich schmeißt er mich auch noch raus. Und dann nehmen die Kampfschwimmer mich auch nicht mehr zurück."
"Und was tun Sie jetzt?", fragte Axel vorsichtig.
"Nun, Ihr Bruder hat zwar meine Karriere zerstört, aber er kann nichts dafür. Und er scheint mir ein solider Kerl zu sein, also bin ich ihm nicht böse, weil er sich nicht hat von mir retten lassen. Also, wie wäre es, wenn Sie mich auf irgend etwas Alkoholisches einladen, und wir tauschen ein paar Details aus? Ich möchte zu gerne wissen, wie es in Gefangenschaft war. Und wie Sie es geschafft haben, in dem Klima bei den Norm-Klamotten, mit denen Sie ausgestattet waren, so schnell so weit zu laufen. Ich habe Sie fünfzig Klicks tiefer im Land gewähnt, mit wund gelaufenen Hacken und Blasen groß wie Äpfel an den Füßen."
"Wenn Sie nichts gegen meinen alten Kumpel Johnny Black Label haben, fühlen Sie sich eingeladen, Malicke", sagte Niklas. "Tut mir leid, das Sie meinetwegen Ärger hatten. Ein Vierteljahr sind Sie suspendiert, sagten Sie?" Er schloss die Tür auf und bot den beiden Männern Einlass. "Ich glaube, wir haben uns einiges zu erzählen."
***
Am nächsten Morgen - man war auf Malickes Audi A 8 gewechselt, weil der Wagen schneller war als Axels guter alter Passat - warteten sie zu dritt auf Bernd.
Als der übergewichtige Mann, noch immer kauend, in den Wagen sah, runzelte er die Stirn. "Soll ich nicht besser fahren? Ihr seht nicht so aus, als wärt Ihr dafür schon wieder in der Lage. Sie sind also Leutnant Malicke."
"Tach, Herr Assay. Quetschen Sie sich nach hinten zu diesem Überredungskünstler Axel. Meinen Wagen fährt niemand anderes als ich."
"Wie Sie meinen", seufzte Bernd und setzte sich hinten rein.
Als die Tür zuschlug, stöhnte Axel gequält auf. "Mensch, Bernd, das ist eine Autotür, kein Scheunentor." Er zwinkerte ein paarmal. "Können wir uns irgendwo saure Heringe besorgen? Ich habe Kopfschmerzen."
"Hör auf zu jammern, du Mädchen. Du wolltest nach dem Johnny ja noch unbedingt den Jamaica Rum trinken. Jetzt hast du deinen Willen gehabt, und es ist Dir auch wieder nicht Recht. Komm, Hannes, fahr zu. Mit ein bisschen Glück schläft er wieder ein, und wir haben unsere Ruhe."
Der KSK-Leutnant ließ ein Geräusch hören, das irgendwo zwischen gequältem Stöhnen und zustimmenden Knurren lag. "Also, ich fand das mit den Heringen keine schlechte Idee", sagte er mit gepresster Stimme. Er blinkte und fuhr auf die Straße zurück.

"So, so. Ihr drei Wahnsinnigen wollt also in Afrika Diamanten suchen gehen", stellte Malicke fest, während sie auf der A1 Richtung Bremen fuhren.
"Wir vier Wahnsinnigen", korrigierte Niklas. "Du kommst schließlich mit."
"Noch so ein Abenteurer?", argwöhnte Bernd.
"Wie man es nimmt. Ich bin ein Vierteljahr suspendiert. Wegen Unfähigkeit. Und bevor ich die  Hände in den Schoß lege, will ich lieber was Sinnvolles tun. Zum Beispiel ein paar deutsche Staatsbürger beschützen, oder ein paar Scharfschützen kommandieren. Etwas in der Art."
"Check", sagte Bernd nur, während er gelangweilt aus dem Fenster sah. Trotz des sicherlich vorhandenen Restalkohols fuhr der Herr Leutnant sicher und mit guter Reaktionszeit. KSK eben. Wer nicht über einige hervorragende Eigenschaften verfügte, bekam die Truppe nicht mal zu sehen.
"Check?", fragte Malicke.
"Ach, Bernd ist unser wandelndes Faktotum. Er hat im Kopf eine Liste für unseren grandiosen Trip, und eben gerade hat er einen Posten auf der Liste abgehakt", erklärte Niklas grinsend. "Wofür hast du denn den guten Hannes eingeteilt?"
"Na, für die Infanterie natürlich. Du übernimmst ja das Oberkommando. Aber jemand muss ja die ganzen Typen mit den Gewehren herum scheuchen.. Wenn es recht ist, Herr Leutnant."
Malicke winkte ab. "Ich bin mit allem zufrieden, solange es sinnvolle Arbeit ist, die ich kann. Ich hätte auch als Dolmetscher gedient. Ich kenne den Wodango-Dialekt einigermaßen. Dazu etwas Mende, Tuogi und ein paar Brocken Suaheli."
Bernd grinste über das ganze Gesicht. Augenscheinlich war er mit seiner Aufteilung zufrieden. "Ach ja, ich habe meinen Oberfeld kontaktieren können. Wie ich es mir gedacht habe, hängt es ihm zum Hals raus, der Stift zu sein. Er hat sich vorgenommen, den nächsten Monat sterbenskrank zu sein und eine andere Klimazone aufzusuchen, wo er in Ruhe gesunden kann."
"Heißt diese Klimazone etwa Subtropen?", fragte Niklas gut gelaunt.
"Wie hast du das nur erraten? Und jetzt kommt das Beste: Er bringt ein paar seiner Pionier-Freunde mit. Mach dir also darum mal keine Sorgen."
Axel grinste, trotz seiner Kopfschmerzen. "Ich wusste, es war eine gute Idee, die Sache in deine bewährten Hände zu geben, Bernd."
"Ich gebe zu, es macht richtig Spaß, die Sachen zusammen zu stellen. Zur Zeit jage ich nach Hubschraubern, die wir gebrauchen können. Ich habe da so ein paar Sowjet-Modelle im Auge, die ganz brauchbar sind und die die Russen auch nach da unten verscheuert haben. Die kriegt man einerseits recht günstig, weil es da unten nur wenige qualifizierte Piloten für diese Dinger gibt, und andererseits kann man sie hinterher auch wieder verkaufen. Irgend einen Abnehmer hat man immer,  wenn der Preis stimmt."
"Und dein Boxie kann die fliegen?", fragte Axel.
"Boxie kann alles fliegen."
"Nur mal so Interessehalber, Herr Assay, warum heißt Ihr Freund Boxie?"
"Das können Sie sich gleich selbst ansehen. Hier bitte ab."
"Jetzt bin ich gespannt", murmelte Axel.

Sie erreichten ein kleines, privates Flugfeld, das für die neuartigen Mini-Hubschrauber Verwendung fand. Von hier aus starteten die Piloten der winzigen, offenen Maschinen mit ihren zahlenden Kunden, um die Wesermarsch, das Wattenmeer und die Inseln zu überfliegen.
Einer dieser Piloten war Boxie, und er widmete sich mit großer Hingabe der Wartung seines Gyrocopters.
"Nein", sagte er, bevor Bernd überhaupt etwas sagen konnte.
Der große Mann seufzte. "Darf ich vorstellen? Michael Draeger, Leutnant der Reserve und ausgebildeter Pilot für den Kampfhubschrauber Eurocopter, den sogenannten UH Tiger."
"Angenehm. Axel Herwig. Das ist mein Bruder Niklas, Oberleutnant bei den Panzerjägern. Und der große freundliche Herr ist Leutnant Hannes Malicke von den KSK. Und den guten Bernd Assay kennen Sie ja schon."
Leidlich interessiert ließ Draeger für einen Moment von seiner Arbeit ab. "Wenn Sie einen Rundflug wollen, bin ich Ihr Mann. Wenn Sie meine Zeit stehlen wollen, können Sie wieder gehen."
Axel zückte sein Portemonnaie und griff nach einem Fünhundert Euro-Schein. "Was kostet denn ein Rundflug?"
Diese Erwiderung ließ ein freudiges Lächeln über Draegers Gesicht huschen. "Ich hole schnell meine Meerschweinchen."
Axel fand die Antwort irritierend. "Nein, nein, wir müssen nicht fliegen. Ich will Sie nur für die Zeit bezahlen, Herr Draeger."
Das Lächeln verschwand. "Dann nicht."
"Wieso eigentlich Meerschweinchen, Herr Draeger?"
"Wieso eigentlich keine Meerschweinchen, Herr Herwig?", konterte er.
Bernd grinste wissend. "Und genau deshalb nennt man ihn Boxie. Er fliegt nur mit seinen Meerschweinchen an Bord. Er ist der festen Überzeugung, dass sie ihm Glück bringen. Und das sie ohne das Fliegen gar nicht mehr leben können."
"Und das stimmt ja wohl auch und ist empirisch bewiesen", wetterte Draeger. "Die medizinischen Untersuchungen haben ergeben, dass sowohl der Pilot als auch die Meerschweinchen einen geringeren Ruhepuls haben, wenn wir gemeinsam an Bord sind! Das wollte die Bundeswehr aber nicht wahrhaben!" Er zuckte die Achseln. "Jeder Mensch hat seine Macken. Ich weiß nicht, warum ausgerechnet meine jetzt so schlimm sein soll."

Die vier Männer wechselten vielsagende Blicke. Mit Macken und Menschen kannten sie sich aus.
"Mensch, Boxie, jetzt hast du uns so lange zugehört, jetzt kannst du dir doch auch den Rest anhören, oder?", säuselte Bernd.
Draeger seufzte verhalten. "Mach's kurz, Bernd."
"Wir brauchen jemanden, der ein Team übernimmt. Drei bis vier Besatzungen für Kampfhubschrauber in einer subtropischen Region in Afrika. Aufsicht über das Team, die Wartungsmannschaft und Herstellung der Einsatzbereitschaft. Eventuell Kampfeinsatz. Die Maschinen werden russische Mi-35, wenn alles so läuft wie ich mir das erhoffe."
Draeger sah den Dicken an, als hätte er ein Alien vor sich. "Hallo, Bernd, nur weil die Bundeswehr mich rausgeschmissen hat, werde ich doch kein verdammter Söldner! Und überhaupt, die Sache stinkt doch, wenn ein Panzerjäger und einer von den KSK auftauchen, und nicht ein einziger Goldstern dabei ist! Haut wieder ab, ich habe zu tun."
"Vielleicht sollten wir doch einen Rundflug machen", bot Axel an und hielt den Schein hoch.
"Vergessen Sie's. Gehen Sie einfach nur wieder. Es gibt nichts, was mich dazu bringen könnte, Ihnen noch eine Sekunde länger zuzuhören. Wahrscheinlich sollte ich die Feldjäger benachrichtigen, oder noch besser, die Polizei."
"Aber fehlt dir denn das Fliegen in einem richtigen Flugzeug nicht, Boxie? Überleg doch mal, eine Mi-35. Vielleicht original Mi-24D! Und ein richtiger Einsatz, mit einer Crew, die du handverlesen darfst", sagte Bernd beinahe verzweifelt. "Und das Ganze dauert nur einen läppischen Monat, bringt garantiert zehntausend Euro und eventuell einen satten Bonus!"
"Ich sagte, vergiss es. Ich bin kein Söldner und werde auch kein Söldner. Und erst Recht werde ich keine internationalen Gesetze brechen, Tod und Elend über Zivilisten bringen und dergleichen."
Ratlos wechselten die Männer Blicke miteinander. "Bernd, es hat wohl keinen Sinn."
"Aber er ist gut! Boxie hat die Marotte mit dem Meerschweinchenkäfig, aber er ist richtig, richtig gut! Und er kann führen, das verspreche ich! Wir dürfen nicht aufgeben! Er ist einer der Besten!"
"Hör auf mir zu schmeicheln! Ich mache es nicht, nicht mal für hunderttausend Euro", brummte Draeger.
Irgendwo schien es Klick zu machen. Niklas kannte dieses Geräusch zur Genüge. Es bedeutete, dass Axel eine Idee hatte. Normalerweise ein Umstand, den er zu fürchten gelernt hatte. Aber diesmal war er erstaunlicherweise gespannt darauf, was der Bursche für eine Idee hatte.
Axel räusperte sich vernehmlich. "Gut, wenn Sie wirklich nicht wollen, Leutnant der Reserve, Draeger, dann können wir hier abbrechen." Er wandte sich um und winkte den anderen, ihm zu folgen. Während sie dahin schritten, rief er ohne sich umzuwenden: "Dabei hätten Sie Ihre Meerschweinchen mitnehmen dürfen, Boxie! Wir hätten in jeden verdammten Heli entsprechende Halterungen einschweißen lassen! Einen schönen Tag noch!"
"Einen Moment mal! Verscheißern Sie mich jetzt? Ich darf Willi und Antoinette mitnehmen? Wann immer ich aufsteige?"
Verblüfft starrte Niklas seinen Bruder an. Wie hatte er das nur wieder gemacht?
Axel wandte sich um und lächelte gewinnend. "Bei jedem einzelnen Flug. Ihre Meerschweinchen werden als mindestens so essentieller Bestandteil Ihres Flugplans behandelt wie einer Ihrer Piloten." Axel deutete auf den Gyrocopter. "Wie wäre es denn jetzt mit einem Rundflug, Herr Draeger?"

Eine halbe Stunde später landete die schlanke Maschine wieder, im hinteren Tandemsitz einen leicht durchgefrorenen Axel Herwig. Leichtfüßig sprang Draeger aus seinem Sitz und ging zum seitlich angehängten Käfig für seine Meerschweinchen. "Gell, euer Fell hat euch warm gehalten, meine Lieben. Ihr seid nicht so wie der dumme Onkel hier, der meinte, mit einem einfachen Hemd könne man in einem offenen Hubschrauber fliegen."
"Na schönen Dank auch, das Sie mich nicht gewarnt haben", knurrte Axel ärgerlich und nieste ein paarmal.
"Was ist passiert?", fragte Niklas.
"Er hat die Wahrheit aus mir herausgepresst. Immer wenn er meinte, ich würde etwas verheimlichen oder nicht ehrlich sein, hat er sich einen dicken, kalten Wind ausgesucht, in den er rein geflogen ist." Axel nieste erneut. "Verdammt effizient, dieser Boxie. Ich will ihn haben, unbedingt."
"So, so", sagte Draeger, öffnete den Käfig und setzte seine beiden Lieblinge zu Boden. Dort blieben sie neben seinen Füßen liegen. "Ihr plant also eine Diamantenlagerstätte in Ndongo zu finden und auszubeuten. Das erklärt, warum Ihr mit Bernd arbeitet. Er kennt so ziemlich jeden, der mal eine Waffe getragen hat." Nachdenklich nahm er eines der Meerschweinchen auf. "Was hältst du denn davon, Antoinette? Der liebe Onkel hier hat mir versprochen, ich darf mir meine Leute selbst zusammenstellen. Und mir fallen da wirklich ein paar Gute ein, die einen Monat Zeit hätten. Und Ihr dürft immer mitkommen, wenn ich fliege." Er schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. "Aber warum erzähle ich dir das denn? Du hast doch alles mitgehört, genau wie der Willi."
Draeger sah Niklas in die Augen. "Der Chef hat mir volle Kompetenz auf meinem Spezialgebiet gewährt, Herr Oberleutnant."
"Ich gebe Ihnen die Ziele vor. Sie müssen Sie erreichen, mehr verlange ich nicht. Mehr verstehe ich vom Luftkampf auch nicht", erwiderte Niklas.
"Dann haben Sie soeben eine Flugstaffel rekrutiert. Wann und wo sollen wir uns melden?"
"Sie meinen jetzt Sie und die Meerschweinchen?", fragte Malicke sarkastisch.
"Nein, ich und die Crews und Wartungsleute."
"Das hat noch ein paar Tage Zeit", sagte Bernd. "Es dauert noch etwas, bis ich weiß, was ich da unten für Flugzeuge kriege, und vor allem wie viele. Aber plane schon mal für mindestens drei Mi-35 und einen großen Transporter."
"Du willst das Gerät mit einem Hubschrauber ins Gebiet bringen, nicht mit einem Transportflugzeug?", fragte Draeger verdutzt.
"Ich weiß nicht, ob wir mal eben eine achthundert Meter lange Landebahn mitten aus dem Dschungel planieren können", erwiderte Bernd sarkastisch.
"Gut, dann such mir 'ne Mi-26. Die Russen habe dieses Jahr einhundert ältere Modelle aussortiert, und wie ich gehört habe, gingen zwanzig nach Gjenja, und davon wurde die Hälfte weiter verkauft."
"Woher weißt du das denn schon wieder?", fragte Bernd stirnrunzelnd.
"Internet, und ein paar Helibegeisterte russische Freunde. Wollen Sie auf die Kälte einen Tee oder gleich einen Grog, Chef?"
"Ein Grog ist eine gute Idee", erwiderte Axel. "Himmel, ich glaube, ich werde nicht mehr warm."
"Keine Sorge. Wir fahren ja hiernach zu Meike. Und die heizt dir schon ein, vertrau mir", scherzte Niklas.
"Ach ja, da war ja noch was."
***
Wer nach Blankenese kam, der lernte zwei Dinge schnell zu schätzen: Den wunderbaren Blick auf und vom Elbhang, und die stattlichen großen Häuser. Diese Häuser sagten: Hier wurde Geld verbaut, und das nicht wenig. Eines dieser Häuser, eine Stadtvilla aus der Jahrhundertwende, das sich ehrfurchtgebietend auf dem Hang erhob, hatte es der Zweckgemeinschaft besonders angetan. Es war ein ganz besonderes Haus - die Brüder Herwig hatten hier jederzeit freien Zugang, ganz so, als wären sie die Söhne des Besitzers.
Als sie also an dem Gebäude mit der stattlichen Anzahl vom fünfunddreißig Zimmern klingelten - die alten Gesinderäume nicht zugerechnet, die aber heutzutage anderen Zwecken dienten - ließ sie Herr Worms, der Hausdiener, sofort ein. "Herr Axel Herwig, Herr Niklas Herwig, es tut gut, Sie wieder zu sehen. Herr Bernd Assay, Sie leben noch? Und wen bitte darf ich in Ihrem Fall melden?"
Malicke räusperte sich vernehmlich, während Bernd mit einem Augenrollen über die Worte des Hausdieners hinweg ging. "Hannes Malicke, ein Freund von den Herren Herwig."
"Ah. Ein Freund der Herren Herwig. Der ist im Herryhaus-Anwesen natürlich gerne gesehen. Es gibt Ausnahmen, natürlich", sagte Herr Worms mit einem zweideutigen Blick auf Bernd. "Bitte folgen Sie mir. Lediglich Fräulein Meike ist anwesend, in der Bibliothek."
"Was hat er denn gegen dich?", flüsterte Malicke in Bernds Richtung.
"Ist eine lange Geschichte", erwiderte Bernd vorsichtig.
"Und sie beinhaltet Schnaps, den jüngsten Sohn des Hauses, die Putzhilfe und zwei kaukasische Bordsteinschwalben, wenn ich mich recht entsinne", fügte Niklas grinsend hinzu.
"Jannik hat sich nicht beschwert, wenn ich mich recht erinnere", protestierte Bernd.
Herr Worms sah über seine Schulter zurück. "Nein, das hat der junge Herr Jannik tatsächlich nicht. Es ist auch eher die Indiskretion, Herr Assay, die uns zu schaffen macht. Wir wissen, dass es... Viele Dinge auf der Welt gibt, die unsere Zöglinge noch nicht kennen, und das sie eines Tages mit ihnen konfrontiert werden. Einzig es sachlich zu tun und..."
"Heimlich?", half Axel aus.
"Danke, Herr Herwig. Einzig es sachlich zu tun und heimlich, das ist die Herausforderung. Seien Sie einfach froh, dass es nur ein einziger Streifenwagen war, Herr Assay. Ansonsten hätte ich Sie nur unter Protest eingelassen." Herr Worms sah wieder nach vorne und ging stur seiner Wege.
"Eines interessiert mich noch. Die Putzhilfe?", fragte Hannes.
"Auch das ist eine lange Geschichte. Eine lange, merkwürdige Geschichte." Niklas unterdrückte ein Glucksen. "Mit sehr merkwürdigem Ausgang."

"Fräulein Meike, Sie haben Besuch. Es sind die Brüder Herwig, Herr Assay und ein Herr Hannes Malicke."
"Es ist gut, Jürgen, lass sie rein kommen. Und gewöhne dir endlich ab, mich Fräulein zu nennen. Sage einfach... Ach, vergiss es."
"Wie Sie wünschen, Fräulein Meike."
Axel und Niklas stiegen auf die Zehenspitzen und streckten sich nach links. Als Herrn Worms kein Gegenstand undefinierbaren Gewichts hinterher flog, sanken sie unisono wieder auf die Ballen. "Sie scheint gute Laune zu haben", sagte Axel und schritt mit Elan zur Tür aus.
Die anderen folgten ihm und traten in die Bibliothek ein. Herr Worms schloss hinter ihnen zu. Als die schwere Eichentür im Schloss klickte, ging Hannes ein kalter Schauder über den Rücken. Ein wenig fühlte er sich wie... In einer Falle.
Meike sah kurz auf als die Männer herein kamen. Dann widmete sie sich wieder ihrem PC und einem Stapel aufgeschlagener Bücher auf einem der Arbeitspulte der Bibliothek. "Kommt ran, Jungs, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Um es kurz zu machen, ich komme mit."
"Wie, du kommst mit?", fragte Axel erstaunt.
Meike sah zu ihm herüber, mit einem Blick voller Wut und Esprit, der einen geringeren als ihn zurück getrieben hätte. Ironischerweise wichen Hannes und Bernd vor diesen Blick nach hinten. Es gab keinen Zweifel, die junge Frau war schön, aber auch leicht reizbar und sehr temperamentvoll. "Bernd hat gepetzt. Kaum das Ihr gestern seine Wohnung verlassen habt, war er hier und hat mir alles haarklein erzählt." Sie taxierte die Brüder ärgerlich. "Mir geht es nicht um eure Scheiß Diamanten. Aber ich lege euch da keine Steine in den Weg. Wenn Ihr wirklich etwas da runter bringt, was eine militärische Truppe sein könnte, und wenn sie gut genug ist, um auf internationale Regeln zu scheißen wenn es darum geht, Menschen zu beschützen, die ich behandeln und impfen will, dann komme ich mit."
"Hör mal, Meike", wagte Axel einzuwenden, "ich weiß nicht, was Bernd dir alles gesagt hat, aber in erster Linie sollst du unsere eigenen Leute versorgen."
"Dann hat Bernd also gelogen, als er sagte, Niklas will meine karitative Ader ködern, indem er mich die Leute in der Umgebung behandeln lässt? Nein? Na also. Ich komme mit. Und ich suche mir mein Team selbst aus. Das ich übrigens ebenso wie die medizinische Ausrüstung selbst finanzieren werde. Natürlich hat eure Diamantensuchersöldnerkollage Vorrang. Ein paar Sanis werden immer im Lager sein. Und sie werden auch meine Priorität sein. Aber ich weiß, dass Axel einen Haufen Versorgungsgüter mit runter nehmen wird. Werkzeuge, Pumpen, Solarzellen zur Stromerzeugung, und so weiter, um die Menschen in den Dörfern gewogen zu machen. Deshalb werde ich mit medizinischen Versorgungsgütern mit runter fliegen. Belongo ist ein Krisengebiet, ein rechtsfreier Raum. Mit einer normalen Hilfsorganisation wäre ich da nie hingekommen. Und Schutz durch internationale Hilfstruppen ist ein besserer Witz. Entweder plündern und morden sie selbst, oder sie helfen dir nicht, weil sie nur "beobachten" dürfen."
"Ist das jetzt gut oder schlecht, das Bernd geplaudert hat?", fragte Niklas nachdenklich.
"Natürlich gut, mein Schatz", sagte Meike entschlossen. "Hättet Ihr zwei mir irgendeinen Quatsch erzählt, und wäre ich später dahinter gekommen, dass es nur um Diamanten geht - oder noch schlimmer, hättet Ihr mir vorgespielt, dass es eine humanitäre Mission wäre - dann wisst Ihr, was euch geblüht hätte."
Abwehrend hob Axel beide Hände. "So etwas hätten wir nie versucht. Wir wären nur nicht gleich mit der Tür ins Haus gefallen."
"Na, das will ich euch mal glauben." Sie räusperte sich und deutete auf einen Packen Ausdrucke. "Ich habe schon ein paar Leute kontaktiert. Ich nehme einen Junior-Arzt mit, dazu acht Sanitäter und zwei OP-Pfleger. Zwei Drittel werden Frauen sein. Ich hoffe, das stört euch nicht. Es ist einfacher, Hilfe von einer Frau anzunehmen als von einem Mann, behaupte ich mal."
"Es ist auch einfacher, eine Sonnenbrille aufzusetzen, wenn man mit dir redet, um nicht von deiner Schönheit geblendet zu werden, behaupte ich mal", versetzte Axel sarkastisch.
Meike seufzte ergriffen. "Ach, Axel, du bist soooo süß. Siehst du, Niklas, würde dir mal so was einfallen, wären wir immer noch zusammen."
"Spaß beiseite. Du übernimmst das medizinische Equipment, und die Medikamente?"
"Zumindest den ersten Schwung, Axel. Sollte deine Diamantenmine aber tatsächlich Profit abwerfen, dann will ich anteilig bezahlt werden - in medizinischen Versorgungsgütern!"
"Meike, wir bleiben nur einen Monat. Höchstens."
"Ja, ist klar. Aber wie sagt Bernd doch immer: Keine Planung übersteht den Feindkontakt. Und ein Monat ist eine Menge Zeit. Nicht genug, um ganz Belongo zu retten, das ist mir klar. Aber ich will in dieser Zeit so viel schaffen wie ich nur kann." Sie ballte die Hände zu Fäusten. "Alleine hätte ich mich da nie runter gewagt. Niemals. Und ich hätte mir auch nicht zugetraut, so etwas wie militärischen Begleitschutz zu organisieren. Aber so, wie es gerade läuft... Ist das die beste Chance, um da etwas zu bewirken. Wenigstens etwas."
Axel stutzte. Es war kein Klick-Moment, aber er stutzte. "Woher kommt dein Interesse für Belongo, Meike-Schatz? Planst du schon länger, da runter zu gehen?"
"Nein, du Dummerchen. Erst seit dein Bruder sich da unten hat entführen lassen. Ich war drauf und dran, ihn selbst suchen zu gehen, weil die Bundeswehr zu blöde war, um ihn zu finden."
"Na danke für deine Sorgen", sagte Niklas.
Hannes fügte mit vor Zorn geröteten Wangen hinzu: "Wir waren ihm mit zwei Einheiten der KSK dicht auf den Fersen! Einen Tag länger, und wir hätten ihn selbst befreit, Frau Herryhaus."
Meike merkte auf. "Ach, Sie waren da unten? Und haben Ihren Job von Rangern der panadianischen Armee erledigen lassen?" Sie sah Axel an. "Den willst du mitnehmen?"
"Wieso nicht? Dich nehme ich ja auch mit."
"Hm", machte sie, teils ärgerlich, teils amüsiert. "Dein Bruder konnte mich schon immer besser kontern als du, Niklas." Bevor der jüngere Herwig aber etwas sagen konnte, wandte sie sich wieder Hannes zu. "Aber Sie sagen nicht dieses schreckliche Fräulein-Wort zu mir, und Sie behandeln mich mit Respekt. Ich glaube, ich sehe da Hoffnung für Sie, junger Mann."
"Wie überaus großzügig von Ihnen."
"Vorsicht, hier in diesem Haus ist nur einer sarkastisch, und das bin ich.
Habt Ihr schon einen zentralen Rekrutierungsort und eine Kaserne, die Ihr nutzt, um die Leute zu sammeln?"
"Nein, aber Bernd hat schon ein paar Kontakte spielen lassen."
"Gut. Ihr könnt sie hierher einladen. Und wenn ich schon dabei bin, ab jetzt bitte ich um mehr Geheimhaltung. Sehr viel mehr Geheimhaltung."
"Wir sollen die Söldner hier im Haus unterbringen? Das wird Herrn Worms nicht gefallen", sagte Niklas.
"Wieso nicht? Dann wird es endlich wieder etwas lebhafter. Und wir machen es ja auch... Diskret."
Meike lächelte ihr strahlendstes Lächeln, und die Herwig-Brüder mussten leise lachen. Man konnte Meike nicht hassen. Das war das Problem mit ihr.