Welcome To My Behading!

von Curare
GeschichteThriller / P12
Alice
12.09.2011
25.04.2012
4
3497
 
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DISCLAIMER: Keine der handelnden Figuren, Orten und sonstigem gehört mir. Das Urheberrecht liegt bei Lewis Carroll und hat auch da zu bleiben. Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte.




Als Alice das Haus betrat, fielen ihr als erstes die vielen Nähmaschinen auf, die nicht nur auf dem Boden, sondern auch an allen übrigen vier Wänden und der Decke verteilt waren. Alice fragte sich, wie sie wohl halten mochten und kam zu dem Schluss, dass sie festgeschraubt sein mussten. Im hinteren Teil des Hauses, das aus nur einem Zimmer zu bestehen schien, saß eine alte Frau auf einem einfachen Holzstuhl. Da Alice vermutete, dass das wohl die Näherin sei, ging sie, gefolgt von der Grinsekatze auf sie zu. Die Frau trug blutverkrustete Verbände um Unterarme, Fußknöchel, einen Oberschenkel und, was Alice am meisten erschreckte, um die untere Hälfte ihres Gesichts. Fragend blickte Alice die Grinsekatze an. Diese grinste und sagte: „Sie besitzt zwar sechsundzwanzig und dreiviertel Nähmaschinen, aber kein einziges Stecknadelkissen.“ Alice sah immer noch verwirrt aus, also fuhr die Grinsekatze fort: „Sie benutzt sich selbst.“ Alice’ Augen weiteten sich und wie um die Worte des Tieres zu unterstreichen, drückte sich die Schneiderin zwei Stecknadeln tief in die Haut ihres noch freien Oberschenkels. Im Gegensatz zu Alice zuckte sie nicht einmal zusammen, obwohl zwei dünne Blutrinnsale ihre Beine hinunterliefen und die winzigen Stücke Stoff, die sie auf den Knien liegen hatte, um sie zusammenzunähen, rot färbten. Bei näherem Hinsehen erkannte Alice jedoch, dass gar kein Faden durch das Nadelöhr geführt worden war. Folglich konnten die Stoffstücke nur auseinander fallen. Weil sie sich keinen Reim daraus machen konnte und die Katze nur die dürren Achseln zuckte, beschloss Alice zu fragen. „Verzeihung?“, begann sie, doch die Frau zeigte keinerlei Reaktion. „Verzeihung“, sagte Alice noch einmal, „ich möchte Sie keinesfalls kränken, sicher liegt mir im Augenblick nichts ferner, aber sehen Sie denn nicht, dass kein Faden in der Nadel ist?“ Die Näherin hob langsam ihren mit Verbänden bedeckten Kopf und sah Alice aus schwarzen, eingefallenen Augen an. Sie waren leer und stumpf und hatten tiefe Augenringe unter sich, als hätte die Besitzerin schon Ewigkeiten nicht mehr geschlafen. Bei diesem Anblick bekam Alice fürchterliche Gänsehaut, aber sie sah mutig weiter hin. In dem Verband war ein Loch, sodass die Frau atmen und sprechen konnte, doch so wie die raue, verklebte Stimme klang, hatte sie das schon lange nicht mehr getan. „Natürlich sehe ich das. Aber ich nähe dieses Kleid für mich selbst, weißt du?“ Und als wären damit alle Fragen geklärt, wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu. Beflissen fuhr sie mit der unnützen Nadel immer wieder durch den Stoff, von dem Alice nie geglaubt hätte, dass er einmal ein Kleid werden sollte, denn so klein, wie er war, hätte er nicht mal der kleinsten Puppe gepasst, die Alice zuhause hatte. „Aber“, fing sie erneut an, „was hat das denn miteinander zu tun?“ Die Näherin legte ihre mit entzündeten Wunden und Nadeln übersäten Hände in den Schoß und sah Alice unverwandt an. „Mein liebes Kind“, sagte sie, „du musst doch sehen, dass dieses Kleid viel zu eng für mich wäre!“ Pikiert, denn sie hasste es, wenn irgendjemand sie für dumm verkaufen wollte, antwortete Alice: „Selbstredend sehe ich das!“ „Also, warum sollte ich dieses Kleid dann festnähen, wenn es mir doch sowieso nicht passen würde?“ Und mit diesem Satz drehte sich die Näherin entschieden um und ignorierte Alice. Diese stand eine Weile herum, nicht wissend, was sie sagen oder tun sollte, bis ein markerschütternder Schmerzensschrei ihren Blick in die Ecke lenkte. Dort saß etwas, das sie bisher für einen Haufen Stoffreste gehalten hatte, was zum Teil stimmte. Es war ein kleines Kind, vielleicht gerade mal 2 Jahre alt. Es war komplett nackt, doch hatte man es mit zerschnittenen, dreckigen Stofffetzen bedeckt. Irgendetwas störte Alice, aber sie wusste einfach nicht was, bis sie dann genauer hinschaute und erkannte, was es war: Das Kind hatte nur Büschel von Haaren auf dem Kopf, der restliche Körper war komplett haarlos. Keine Augenbrauen. Keine Wimpern. Es hatte eine große, schwere Stoffschere in der Hand, mit dem es seine eigenen, gerade ausgerissenen (daher der Schrei) Haare zu kleinsten Härchen zerschnitt. Dann nahm es diese Schnipselchen, legte je eines vorsichtig auf seinen Zeigefinger, drückte die Augen ganz fest zu und pustete das Haar weg. Alice sah dem Kind eine Weile dabei zu, bis die Grinsekatze begann, ungeduldig zu werden. „Komm jetzt, Alice! Wir müssen weiter!“ „Doch sag mir: Was ist das? Müssen wir ihm nicht helfen?“ Die Katze lachte. „Nein, Alice! Du kannst nicht helfen! Kümmere dich nicht darum, das ist bloß ein Wunschkind.“ Alice ging von dem Wunschkind weg und folgte der Katze nach draußen. „Was ist ein Wunschkind?“, fragte sie. „Du kennst doch den Aberglauben, dass, wenn du eine Wimper auf den Finger legst, die Augen schließt und sie wegpustest, ein Wunsch in Erfüllung gehen soll? Das sind Kreaturen, die sich so sehr ins Wünschen versteift haben, dass sie nach und nach zusammenschrumpfen. Sie reißen sich die eigenen Haare aus und pusten sie weg, so lange, bis sie kein einziges Haar mehr besitzen und vor Verlangen nach der Erfüllung ihrer Wünsche sterben müssen.“ „Wie traurig.“, sagte Alice und dachte an ihren letzten Geburtstag, an dem sie ihre Geburtstagskerzen ausgeblasen hatte und sich ebenfalls etwas gewünscht hatte.


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