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Cry me a River

von sabse84
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
11.09.2011
27.09.2011
13
40.127
5
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.09.2011 1.589
 
Hier das nächste kapitel: Alles bleibt wie immer: Nicht meine FF, nur eine Übersetzung ins Deutsche (Link zum Original auf meinem Profil!!), sagt mir wie ihr die Story findet.



Die Gallerie war schlecht beleuchtet. Schatten von zahlreichen Statuen, Büsten, Portraits und Vasen zeigten sich auf den gekrümmten Wänden und kreierten so einen unheimlichen Sinn für monströse Formen hinter den Kulissen.
Alles an diesem Ort schien ein Eigenleben zu besitzen und Evey wusste wenn sie zu irgendeiner anderen Zeit alleine hier gewesen wäre sie wäre versteinert vor Angst gewesen. Aber heute war es anders, das alles gehörte jetzt ihr.

Sie ging durch den Hauptraum. Es war leise, so leise, dass sie nur ihren eigenen Atem und das vage Brummen des Kühlschranks in der Küche hören konnte. Der Fernseher zeigte ein Standbild von Kanzler Sutler, anscheinend von der heutigen Übertragung ans Volk. Lebter er noch? Sie bezweifelte es. Sie wusste sehr genau, dass V Mittel und Wege hatte seine Rache zu nehmen.

Die Miniatur Diskokugel, die an der Decke befestigt war, drehte sich noch immer. Obwohl die Schattengallerie nicht mehr so dunkel war wie vorher wanderten noch immer kleine Lichtpunkte langsam durch den Raum und über die Flächen von jahrhunderte alten Gemälden und Wertsachen. Nur ein paar Stunden zuvor hatte sie hier V`s Armen getanzt als sie sich langsam zur Musik der Jukebox durch den Raum bewegten.

Die Erinnerung an diesen intimen Moment brachte ein unangenehmes Gefühl in ihre Magengegend. Er war so real, so nah. Sojemand konnte nicht einfach aufhören zu existieren.
Sie erinnerte sich daran versucht zu haben die Guy Fawkes zu entfernen. In der Vergangenheit fand sie das Grinsen aus Porzellan überheblich, besonders wenn sie sich hitzig gestritten hatten. Nun, es war immer ein Streit von Eveys Seite aus gewesen. Zurückblickend hatte er sich nie darauf eingelassen außer nach ihrer falschen Inhaftierung. Er kannte sie besser als sie sich selbst und wusste dass sie eine halbe Stunde später zurück kommen würde um sich unendlich zu entschuldigen.
Ihre Lippen kräuselten sich um sich selbst davon abzuhalten laut zu heulen oder los zu schreien.
Sie stand einfach unter dem sanften Licht der Diskokugel und versuchte sich diese Szene wieder hervor zu rufen.
Was hätte er getan wenn sie die Maske abgenommen hätte? Vielleicht ein Messer gezogen, sich vor Schamgefühl umgedreht, oder hätte er ganz anders reagiert?
Sie stellte sich vor wie die Maske von ihren Lederbändern gelöst worden wäre um ein gut aussehendes Gesicht zu enthüllen..nein…sie hatte durch den katastrophalen Zustand seiner Hände schon vermutet, dass sein gesicht nicht viel besser aussehen würde. Das äußere Erscheinungsbild war nicht wichtig, nicht bei V.  Aber wenn sie seine letzte Tarnung entfernt hätte, seinen letzten intakten Zoll, dann, so stellte sie sich vor, wäre ein Teil von ihm immer angewidert von ihr gewesen. Und das war das Letzte auf dieser Welt was sie wollte.
Die zwanghafte Versuchung die Maske selbst nach seinem Tod zu entfernen war nur schwer zu unterdrücken gewesen, aber Evey war stark geblieben und hatte widerstanden. Und für das konnte sie am Ende doch etwas Stolz empfinden. Ohne es zu bemerken hatte sie zu weinen angefangen. Aber nicht wie schon zuvor, nicht mit quälendem Schluchzen und Gewalt; sie empfand keine Traurigkeit, nur Bedauern.
Bedauern für ihm nicht gesagt zu haben wie sie fühlte… wenn sie nur im Voraus gewusst hätte wie er fühlte…sie hatte auf jeden fall geahnt, dass er eventuell gefühle für sie hatte. Aber Liebe? Das war etwas mit dem sie nicht mehr seit dem Tod ihrer Familie gesegnet gewesen war. Das war total und entnervend (?) unerwartet.
Jedes Gefühl das sich in den letzten zehn Jahren an sie gerichtet hatte war entweder Feindseligkeit oder unkontrollierte Lust gewesen und nichts davon schätzte sie besonders.

Evey strich mit ihrer verletzten Hand über ihr Gesicht um sich den Kummer weg zu wischen. Sie öffnete die Augen weiter und schüttelte sich als ob sie sich aufwecken wollte als Müdigkeit sich auf sie nieder schlug wie eine Flutwelle. Es war Zeit das alles wenigstens für ein paar Stunden zu vergessen. Sie fühlte sich irritiert darüber, dass sie unter solchen Umständen kein Bedürfnis nach Schlaf empfand, aber sie hatte schon genug Tränen vergossen.
Erschöpft wandte sie sich um und ging Richtung Schlafzimmer. Die Flurlichter brannten noch immer allerdings ebenfalls noch immer leicht gedämmt. Er hatte in der Galerie immer die Tageszeit nachempfunden, wahrscheinlich um ihr das Gefühl zu geben noch an der Oberfläche zu wohnen. Solche kleinen netten Gesten hatten sie immer zum Grinsen gebracht und selbst nach seinem Tod bemerkt sie wie sich ein Lächeln auf ihren Lippen bildete.
Sie öffnete die Tür zu ihrem Zimmer und plumpste auf ihre ordentlich gemachten Bettbezüge. Er war hier drin gewesen seit sie gegangen war…da stand ein Stuhl neben dem Bett und die Steppdecke war mit so einer Genauigkeit weggelegt worden, es war fast unnatürlich für einen Mann sich so sehr um die Zimmerreinheit zu kümmern.

Die Ruhe war hier nur noch ausgeprägter besonders mit ihrem schweren Herzschlag, der gegen ihre Brust hämmerte. Sie wollte nicht in diesem Bett schlafen. Es hing ein Duft von Moschus im Raum, der Duft von irgendeinem maskulinen  Parfum. Der Duft war schwach, aber sie würde ihn immer mit V verbinden. Evey wusste nicht ob er immer so gut roch, aber es schien ziemlich entartet auf eine solche Weise an ihn zu denken.
Sie stand langsam vom Bett auf und ging unentschlossen den Korridor zu den anderen Räumen entlang. Sie hatte die Meisten erkundet einfach weil sie in den Monaten in denen sie hier gefangen gehalten wurde nichts anders zu tun hatte. Ein Raum war für sie allerdings immer verschlossen geblieben. Nicht weil er verschlossen gewesen  wäre, sondern weil sie V in eine der seltenen Gelegenheiten wenn er tatsächlich schlief darin verschwinden gesehen hatte.
Damals war ihr bewusst geworden, dass das sein privater Bereich war und respektierte seinen unausgesprochenen Wunsch diesen Raum nicht zu betreten. Aber wer sollte sie jetzt daran hindern?

Ihre Hand griff nach dem polierten Messingtürgriff erstarrte dann aber doch für eine Sekunde. Ihre Finger zitterten schrecklich und ihr Atem schien sich augenblicklich und rapide zu erhöhen. Dies war unbekannter Raum, ein Ort an dem ebenso gut ein `ZURITT VERBOTEN`- Schild hätte an die Holztür genagelt sein können. Sie ignorierte ihre Hemmungen, sie drückte den Türgriff und stieß die Tür auf.

Das erste was ihr auffiel war die offensichtliche Bemühung die in die Einrichtung des Zimmers gesteckt worden war. Die Wände waren in einem tiefen, glänzendem Rot gestrichen, die Art von Farbe, die Eleganz und Reife ausströmte.
Sehr V.
Evey ging verwundert durch den Raum und der bekannte Duft aus ihrem Schlafzimmer hing in der Luft. Das Zimmer war groß und rund, die Art von Gestalt, die sie nicht in der Schattengalerie erwartet hätte. Aber die Galerie hielt immer wieder neue Überraschungen bereit. Es gab ein XXL Bett in der Mitte der am weitesten entfernten Wand neben einem kleinen aber praktischen Mahagonitisch. Eine altmodische Lampe, die mehr Licht verbreitete als Evey erwartet hätte, stand daneben. Sie schaffte es den kompletten Raum zu beleuchten.
Ein riesiger Eichenschrank stand hinter der Tür. Ohne zu zögern öffnete sie die dicken Türen, das Holz ächzte und schien eine eigene, protestierende Stimme zu besitzen. Im Inneren befanden sich Reihe um Reihe schwarzer Kleidung, alle im mehr oder weniger gleichen Stil, aber einige merkbar mit einem harten Material verstärk-kugelsicher, vermutete sie. Am Boden des Kleiderschrankes befanden sich einige Schubladen aber ihre Neugierde endete dort. Sie vermutete, dass sich darin persönlicher Besitz befand, oder aber sie würde heraus finden welche Unterwäsche ein Terrorist trägt.

Sie stellte sich V`s Gesichtsausdruck vor, wenn er wüsste wie sie sich seine Unterwäsche vorstellte und musste leise lachen. Er würde wahrscheinlich etwas ungehaltenes erwidern und sie dauerhaft aus seinem Heim verbannen.

Mit einem noch immer sichtbaren Lächeln nahm sie ein schwarzes Seidenshirt auf. Sie hatte ihn nie darin gesehen, aber es strahlte seinen Geschmack und Raffinesse aus. Evey hielt es sich für eine Minute an, atmete den Duft ein und bekämpfte die starken Gefühle, die sich irgendwo in ihrer Magengegend bildeten und sie zu überwältigen drohten. Schließlich zog sie die cremefarbene Strickjacke aus und zog sich vorsichtig V`s Shirt über den Kopf.  Sie leibet das Gefühl des Stoffes auf ihrer Haut.
Sie warf die Jacke ohne Umschweife auf den polierten, Holzboden und ging zu seinem Bett. Dort strich sie mit den Händen über das dunkle Laken.
Ja, hier würde sie heute Nacht schlafen.

Sie zog sich bis auf das Shirt aus und kletterte allmählich ins Bett. Der Gedanke, dass er hier seine Nächte verbracht hatte gab ihr das sichere und beschützte Gefühl das sie auch in seiner Gesellschaft gehabt hatte. Das Bett schien ihren kleinen Körper zu verschlucken und das Gefühl des eingehüllt seins wuchs in ihr als sie so eingewickelt in diesem Kokon dalag. Sie legte ihren Kopf aufs Kissen und streckte sich nach der Nachttischlampe aus. Merkwürdigerweise fühlte sie sich grade nicht so zerstört, vielleicht weil sie trotzdem einen Weg gefunden hatte in V`s Nähe zu sein- und sie mochte das.

Mit einem Klick erlosch das Licht im Raum ebenso wie Eveys Bewusstsein.
Heute Nacht würde sie tief und traumlos schlafen.

Mitten in der Nacht öffnete sich eine Tür Stück für Stück. Evey schlief und war sich der schwerfälligen Schritte nicht bewusst, die den  Hauptraum der Galerie durchquerten und wieder verschwanden. Gefolgt von dem leichten Geräusch der wieder schließenden Tür. Sie wäre aus dem Bett gesprungen um zu sehen wer der Störende war, wenn sie wach gewesen wäre. Stattdessen hielt Schlaf sie in seinem Bann gefangen.
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