Leugnen

von -Mai-
GeschichteDrama / P12
08.09.2011
08.09.2011
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AN: Na ihr!
Wenn ich es richtig gesehen hab, ist das die erste Young Avengers Fanfiction hier?! Das kann doch nicht sein? Sie brauchen viel mehr Liebe!! >.<
Naja, ich hoffe, dass trotzdem jemand hier dran Spaß hat...

~~~

Es war nicht so, dass Tommy es nicht versucht hätte. Es war nicht so, dass er nicht wirklich und wahrhaftig versucht hätte, sie in Ruhe zu lassen, sie denken zu lassen, bis sie es begriffen.  Er hatte sich Mühe gegeben, wirklich. Aber dann hatte es diesen einen Moment gegeben, als etwas in ihm einfach gekippt war.

Er war ins Wohnzimmer gekommen und hatte nichts als die besten Absichten gehabt. Sich aufs Sofa setzten, einen schlechten Film schauen und warten, bis sie alle endlich darüber hinweg waren. Und da hatte er es gesehen. Kate -von allen gottverdammten Menschen auf dieser Welt ausgerechnet die starke, entschlossene Kate-, die heulend zusammengebrochen war und sich wie ein Häufchen Elend in Elis Armen verkrochen hatte.

Das hatte etwas geändert. Bis dahin hatte er sich gefühlt, als ob ihn die ganze Sache nichts angehen würde, aber dass selbst Kate den Kopf verlor, hatte ihn wach gerüttelt. Aber statt den Gefühlen, die zu erwarten gewesen wären -Trauer, Schuld, Hoffnungslosigkeit- war da nur eins gewesen: Wut.

Wut auf alles und jeden. Auf Cassie, die schluchzte, als ob es ihr etwas bedeuten würde. Auf Vision, der überfordert herumgeisterte und immer nur im Weg war. Auf Eli, der die Situation ausnutzte um Kate zu beweisen wie sensibel er doch war. Auf Kate, die darauf herein fiel. Auf Teddy, denn wenigstens der musste doch wissen, dass das alles für nichts und wieder nichts war.

Er musste die Wut irgendwie loswerden, also beschloss er zu seinem alten Selbst zurückzukehren. Was vielleicht insofern keine so gute Idee war, als dass dieses alte Selbst seinen Höhepunkt erreichte, als es seine Schule in die Luft sprengte. Aber irgendjemand musste ja aus diesem Wahnsinn ausbrechen. Und außerdem fühlte es sich gut an.

Gut, Kates Schuhe durch welche auszutauschen, die zwei Nummern kleiner waren. Gut, nasse Schwämme auf alle Türen zu legen, sodass der nächste, der sie öffnete sich gleich im Anschluss die Haare waschen konnte. Gut, Elis Deo mit Veilchensirup zu versetzen. Gut, Nadeln auf allen möglichen Sitzflächen anzubringen.

Er war gerade dabei, ein paar Schrauben an Cassies Fahrrad (mal ganz ehrlich, wer war so dumm heutzutage noch Fahrrad zu fahren?) zu lockern, als Teddy den Garten betrat.

Er wusste, dass die anderen nur darauf gewartet hatten, dass Teddy zusammenbrach. Dass er groß und grün wurde und alles in seiner Nähe zu Kleinholz verarbeitete. Dass er sich von der nächsten Brücke stürzte (nicht, dass das etwas gebracht hätte. Oder?). Dass er zumindest mal ordentlich weinte.

Nichts hatte er getan. Teddy war gefasst gewesen. Ruhig. Hatte auf die Kaplan-Jungs aufgepasst, Jeff und Rebecca gezwungen zu essen und zu trinken und zu leben, trotz allem und hatte sogar die gottverdammte Beerdigung mit vorbereitet. Die Rächer waren da gewesen und sogar die X-Men, die Tommy nie vorher gesehen hatte. Billy hätte es wirklich gefallen, hatte er gedacht. Er wäre zum kreischenden Fanboy geworden. Tommy hatte laut gelacht bei diesem Gedanken und die anderen hatten ihn angesehen und waren entsetzt gewesen. Wie respektlos, auf einer Beerdigung.

„Tommy.“ Teddy klang so freundlich, so widerwärtig entspannt. „Lass uns das wieder zusammenbauen, ja? Cassie könnte sich weh tun.“

Tommy verzog das Gesicht, ließ es aber zu, dass Ted ihm den Schraubenzieher aus der Hand nahm.

„Du solltest ein bisschen… zurückhaltender sein, hm? Es ist gut möglich, dass Kate dir das nächste Mal, wenn sie was in ihrem Zimmer findet, das da nicht hingehört, einen Pfeil durch den Kopf jagt.“
Tommy hasste Teddys verständnisvollen, sanften Tonfall. Er war kein kleines Kind und er war auch nicht psychisch labil. Ob Teddy verschwand, wenn man ihn ignorierte?

Teddy fuhr fort ohne auch nur aufzusehen. „Ich war gestern in Billys Zimmer. Da lag eine Tüte auf seinem Bett. Von dir?“

Das war es also. Tommy wusste, was jetzt kommen würde. Er antwortete trotzdem, widerspenstig. „Ja. Die neusten Batman-Comics. Und anderes Zeug. Mich wundert’s, dass du nicht daran gedacht hast. Du weißt doch ebenso gut wie ich, dass B durchdreht, wenn er wieder kommt und merkt, wie viele Neuerscheinungen er verpasst hat.“

„Er kommt aber nicht wieder, Tom. Billy ist tot.“

Jetzt hatte Teddy doch aufgesehen. Sein Gesichtsausdruck war neutral, aber sein Blick schien in Tommy einzudringen.
Tommy schaute zurück, für einen Moment wollte er die Herausforderung annehmen und Teddys Blick einfach standhalten, aber er konnte nicht. Tommy ließ sich nach hinten fallen. Als sein Kopf auf den Rasen traf, trieb ihm der Schmerz kurz Tränen in die Augen.

Die Welt war verschwommen, für einen Moment nichts als ein geräuschloser Farbstrudel. Dann durchbrach ein Laut die Stille. Lachen. Tommy lag auf dem Rasen und lachte, lachte sich die Seele aus dem Leib.

Als er sich beruhigt hatte und sich die Tränen aus den Augen wischte, war Teddy immer noch da, unbewegt, abwartend.
„Du! Teddy, du meinst das doch nicht ernst, oder? Erzähl mir nicht, dass er sogar dich dran gekriegt hat. Zumindest du fällst doch nicht auf dieses Affentheater rein, oder?“
„Er ist tot.“
Nein. Nein, nein, nein. Tommy schüttelte den Kopf. Wie konnte es sein, dass noch nicht einmal Teddy die ganze Absurdität dieser Situation begriff? Teddy, der Billy besser gekannt hatte als alle anderen. Zumindest er musste doch begreifen, dass jemand wie Billy nicht einfach tot sein konnte.

„Das ist nicht wahr, Ted. Er ist nicht tot! Überleg doch einfach mal, ja? Er ist allmächtig, oder zumindest verdammt nahe dran. Wie willst du so einen einfach killen?“

Er war aufgestanden und ging jetzt auf und ab. Teddys Blick folgte ihm.
„Er war nicht allmächtig. Und außerdem… Das war Wanda, Tommy. Niemand ist mächtiger als sie, auch er nicht.“

„Aber sie haben keine Leiche gefunden! Ohne Leiche gibt es keinen Toten, dass weiß ja sogar ich. Und er war ihr Sohn. Sie würde nicht ihren eigenen Sohn töten!“
„Das Feuer war zu groß, Tommy. Das hat alles zerstört, du hast doch selber gesehen, dass nichts zurückgeblieben ist. Und sie hat auch vorher Menschen getötet, die ihr etwas bedeutet haben.“

Tommy konnte über so viel Naivität nur den Kopf schütteln. „Das glaubst du doch nicht wirklich, Teddy! Wenn du denken würdest, er wäre wirklich tot, dann wärst du doch nicht so… nicht so!“ Unwillkürlich schüttelte er seine Hand in Teddys Richtung und neben ihm auf dem Fußboden explodierte ein Büschel Unkraut.

Teddy schien es nicht mal zu bemerken. „Und? Was würde es nützen, dagegen zu protestieren? Das bringt ihn nicht zurück, weißt du Tommy? Es ist sinnlos. Es ist völlig sinnlos, was ihr alle tut!“

Teddy hatte die Fäuste geballt uns sein Gesicht wirkte verkrampft. Tommy konnte es nicht fassen. Er glaubte es wirklich.

„Mag sein, dass Kate und Eli und die anderen alle sinnlos sind. Ich ganz bestimmt nicht. Ich bin nämlich anscheinend der einzige hier, der es nach diesem Vorfall wieder geschafft hat, sein Hirn einzuschalten. Du denkst vielleicht, ich sei völlig verblödet. Das stimmt aber nicht! Und in allererster Linie habe ich Billy geliebt. Mehr als du, wie es im Moment aussieht.“

Es schien fast, als habe er jetzt tatsächlich etwas in Teddy berührt. Er machte nun wenigstens den Eindruck wirklich zuzuhören. Sah Tommy endlich an. Und war da nicht irgendwo ein winziger Funke des alten Kampfgeistes in den Augen zu sehen?

„Billy war nämlich das einzige bisschen an Familie, dass ich je hatte. Das einzige bisschen, das funktioniert hat. Er war der Erste, der mir das Gefühl gegeben hat, dazu zu gehören. Zu ihm. Auch wenn ihr das alle nicht bemerkt hat. Ich durfte sogar bei ihm einziehen, verdammt noch mal, weil meine eigenen Eltern mich nicht mehr wollten, obwohl ich rehabilitiert wurde. Er war mir wichtig."

Teddy nickte unsicher. „Ich hab ihn damals für verrückt erklärt. Meine Mum hätte mich eingeliefert, wenn ich ihr vorgeschlagen hätte, mein Alien-Freund und mein aus dem Knast entlaufener spiritueller Zwillingsbruder sollten für eine Zeit bei uns wohnen. Aber Billy hat es einfach gemacht.“

Tommy grinste. „Er ist halt was Besonderes. Und deshalb kann er nicht tot sein, richtig? Das hätte ich gespürt, in mir drin. Ist doch so, oder? Wir hätten es gespürt?“

Teddy sah ihn nur an. „Man denkt immer, man spürt es. Aber…“

„Nein, kein aber! Er ist am Leben, Teddy! Und weißt du was? Mir ist grad etwas klar geworden!“ Tommy wippte unruhig auf seinen Fußballen auf und ab. Es gab etwas zu tun, dass spürte er ganz deutlich. „Wir sitzen hier schon viel zu lange untätig rum. Wir können nicht abwarten, dass er die ganze Arbeit macht! Wir müssen auch mal etwas tun!“

Er streckte Teddy die Hand entgegen. „Komm! Wir gehen ihn suchen!“

Teddy starrte ihn nur an. „Du spinnst doch!“ sagte er. Aber er lächelte dabei. Und wie er lächelte. Halleluja, der selbsternannte Eisklotz zeigte wieder Gefühle.

„Tu ich nicht und das weißt du auch! Komm!“
„Selbst wenn er noch lebt, er könnte überall auf diesem Planeten sein. Oder auf irgendeinem anderen!“
„Und? So einen Planeten hat man schnell abgesucht. Nimm meine Hand, verdammt, mein Arm wird lahm! Gleich gehe ich ohne dich!“

Teddy schüttelte noch einmal den Kopf, dann griff er nach der sich ihm entgegenstreckenden Hand.
„Aber lass uns den Kaplans wenigstens einen Zettel schreiben, ja?“
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