As I Promised

von AyAkoChiN
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P16
02.09.2011
14.04.2014
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Meine erste Prosa.
WICHTIG: Ich benutze die Schweizer Rechtschreibung (also IMMER ss)
Alle Figuren sind frei erfunden und Ähnlichkeiten mit echten Personen sind nicht beabsichtigt.
Ansonsten war es schon alles. Have fun.





Melissa rannte den Trottoir entlang, Derek laut keuchend und schnaufend hinter ihr. Georgie und seine zwei Laufburschen hatten sie schon längst abgehängt. Melissa und Derek mochten Georgie nicht, er machte sich immer über Derek lustig. Bloss weil Derek mehr auf den Hüften hatte. Sehr viel mehr auf den Hüften. Mit acht Jahren war Derek 1.30 Meter gross und wog stolze 47 Kilogramm. „De-Fat-Rek“, der überaus gemeine Spitzname für den dicken Jungen, den sich Georgie ausgedacht hatte. Einfallsloserweise hatte man beim Namen „Derek“ einfach ein „Fat“ dazwischen gequetscht, woraus ein Wortspiel entstand. „De-Fat-Rek“ hört sich an wie „The fat Rek“, der fette Rek.

Eigentlich hatte Melissa mit der ganzen Sache nichts zu tun. Sie war nur eine Beobachterin gewesen, bis zum heutigen Tag. Schon viel zu oft hatte sie auf dem Pausenhof mit zugesehen, wie Georgie und seine zwei Laufburschen sich über Derek lustig gemacht hatten. Die ganzen wüsten Beschimpfungen und Hänseleien. Wie oft hatten sie ihm ein Bein gestellt oder haben ihn nach der Schule abgefangen um etwas mit ihm zu „spielen“?

Heute war ihr der Kragen endgültig geplatzt. Sie war ein ganz normales achtjähriges Mädchen, nicht einmal besonders mutig. Sie hielt sich gerne aus Angelegenheiten raus, die sich nichts anging. Hänseleien und Mobbing gab es in ihrer Schule reichlich, der dicke Derek war nicht das einzige Opfer. Auch sie war nicht von seinen gemeinen Ausrufen verschont geblieben, jedoch hatte sie es weitaus besser als er. Doch irgendwas an dem dicken Jungen, hatte das Mädchen berührt. Sie hatte von Anfang an eine Art Verbundenheit gespürt. Wenn Georgie Derek geschupst hatte und dieser in eine dreckige Pfütze gelandet war, woraufhin seine Augen sich augenblicklich mit Tränen gefüllt hatten, so hatten sich ihre Augen auch mit Tränen gefüllt.

Derek war auf dem nach Hause weg gewesen, als ihn die drei Jungs abfingen. Heute hatten sie Schwimmen im Turnunterricht gehabt und Derek hatte aus Scham sich oben ohne zu zeigen, geschwänzt. Das konnte Georgie nicht dulden. Er hatte mit einem fiesen Grinsen vorgeschlagen, den dicken Jungen bis auf die Unterhose auszuziehen und seine Laufburschen hatten seinem Vorschlag grölend zugestimmt.

Dann war Melissa aufgetaucht, mit einem dicken Ast und hatte Georgie und Laufbursche Nummer eins auf den Hinterkopf geschlagen. Danach hatte sie Derek an der Hand gepackt und war mit ihm weggerannt. Laufbursche Nummer zwei war zu perplex gewesen um ihnen hinterher zu rennen und die andere zwei zu benommen.

Am Ende der Strasse kamen Melissa und Derek endlich zum Stehen. Beide waren aus der Puste, besonders Derek, der sich aber bemühte nicht allzu laut zu Keuchen, was wiederum dazu führt, dass er zu wenig Luft bekam und noch roter anlief als er es eh schon war.

„Warum hast du das getan?“, fragte er sie schnaufend.

Sie, deren Atmung sich wieder beruhigt hatte, antwortete: „Weil ich Georgie doof finde. Er ist fies zu dir.“

Dereks Augen fühlten sich mit Tränen, er schluckte sie aber wieder hinunter. Er wollte nun wirklich nicht vor einem Mädchen weinen. Morgen würde Georgie sich darüber lustig machen, dass Derek sich von einem Mädchen hatte retten lassen. Das war jetzt egal. Hauptsache war, dass überhaupt Jemand den Mut besessen hatte ihm zu helfen.

„Ich hab bei dir was gut! Sag mir was ich für dich tun kann, egal was, ich tu’s!“, rief Derek aus und meinte er es todernst.

„Ehrlich?“, wollte sie wissen.

„Ehrlich, Melissa.“

„Nenn mich ruhig Melly“, meinte sie kichernd. Melly – so durften nur ihre Freunde sie nennen. Leider hatte sie noch nie Jemand so nennen dürfen. Das hier war also eine Premiere.

„Melly“, kam es zögerlich aus Derek heraus und sein Kopf glühte dabei.

„Ja, das bin ich. Lass uns Freunde werden. Für immer Freunde. Wir sind dann füreinander da. Wir gegen den blöden Georgie! Das ist ein Versprechen!“, sagte sie enthusiastisch.

Dereks Augen weiteten sich vor Erstaunen. Meinte das Mädchen es wirklich ernst? Hatte sie überhaupt eine Ahnung, in welcher Lage sie sich da hinein manövrieren würde? Derek glaubte schon. Soweit er sie kannte, sie gingen in dieselbe Klasse, war sie nicht dumm. Im Gegenteil.

„Okay. Immer für einander da sein. Das hört sich gut an“, sagte er peinlich berührt.

Sie strecke ihm herausfordernd den kleinen Finger hin und er verschränkte seinen kleinen Finger in ihren.

„Ein Versprechen ist ein Versprechen“, sagte sie lächelnd.

„Jep“, stimmte er ebenfalls lächelnd zu.

Melissa würde ihr Versprechen nicht halten können.
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