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We are family!

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Gaara Kankuro Matsuri Temari
31.08.2011
11.08.2012
38
94.150
23
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Dieses Kapitel
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31.08.2011 1.704
 
Und so fing alles an...


Es gab doch nichts Schöneres auf der Welt, als sich auf der Hängematte des Balkons mit einem eiskalten Glas Cola in der Hand zu sonnen. Die Hitze brannte auf meiner Haut. Es war fast schon schmerzhaft und doch gab es einem dieses freie Gefühl. Neben mir tropfte meine nasse Schultasche vor sich hin, selbst die heißen Sonnenstrahlen taten sich schwer sie zu trocknen. Irgendein Idiot meinte mal wieder seinen Kakao darin entleeren zu müssen! Das war schon das dritte Mal diesen Monat. Doch die Mobbingattacken gehörten schon längst zu meinem wunderbaren Alltag. Es fing mit nervigen Sprüchen an und ging dann über zum Klauen von meinen persönlichen Sachen, die ich danach meist kaputt im Müll fand. Nun musste ich mir auch noch Ausreden einfallen lassen, warum meine Schulsachen so oft beschädigt waren.
Ganz toll.

Hey, du faules Stück! Zerbrech’ dir über diese unterentwickelten Idioten nicht den Kopf.

Und da war sie wieder, die Stimme in meinem Kopf. Diese nervige und doch so wohltuende Stimme.
„Ich zerbrech’ mir nicht den Kopf, also lass mich bitte nur für fünf Minuten in Ruhe!“
Ich trank meine Cola leider Gottes etwas zu schnell, sodass ich mich verschluckte.

Wenn ich könnte, würde ich dir auf den Rücken klopfen.

Irrte ich mich, oder machte sich Ryu über mich lustig?
Ich versuchte mit einem einfallsreichem ’Nicht witzig!’ zu antworten, doch alles was ich herausbekam war ein erbärmliches Husten. Ich hörte mich an als würde ich jeden Moment meine Gedärme auskotzen.

Ey, ist alles in Ordnung bei dir?

Jetzt klang er doch besorgt. Nein, natürlich war nicht alles in Ordnung! Nach gefühlten Ewigkeiten war dieser äußerst unangenehme Anfall auch schon überwältigt. Bekomme ich eine Ehrenurkunde?

Ich dachte schon du krepierst mir hier!

Er klang erleichtert und wenn er eine reale Person wäre, hätte er sich bestimmt mit dem Handrücken den nicht vorhandenen Schweiß von der Stirn gewischt. Okay, bei der Hitze wäre dort sicherlich Schweiß gewesen.
„So schnell wirst du mich nicht los.“ Ich räusperte mich noch einmal.

Was ein Pech aber auch. Wenn ich existieren würde, würde ich ja einfach wegrennen, aber...

Er sprach den Satz nicht aus.
Brauchte er auch nicht, ich wusste ganz genau, dass er unfreiwillig in meinem Magen lebte.

Ja, in meinem Magen.
Um genau zu sein war Ryu nicht eine Stimme die sich mein Gehirn aus Sehnsucht nach einem Freund herbeigezaubert hatte, sondern ein Regenwurm der in meinem Magen vor sich hin schmorte und einfach nicht sterben wollte. Mir wurde schlecht als ich mich daran erinnerte wie die beiden Jungen mir ein Messer an die Kehle gehalten hatten. Es war ein nicht besonders scharfes Taschenmesser gewesen, doch es hatte mir einfach Angst gemacht. Ich hatte laut ihrer großen Klappe die Wahl:

Entweder ich hätte den Wurm gegessen, oder aber sie hätten mich umgebracht.

Und was tat ich?
Richtig, ich aß den Wurm.
Ich erinnere mich noch genau an dieses widerliche Gefühl in meinem Mund, als ich das rosane Fleisch zerbiss und sich ein ekelerregender Geschmack in meinem Mund ausbreitete. Ich schluckte das Ding einfach herunter und übergab mich danach. Die Jungs lachten mich aus, beschimpften mich und ließen mich dann alleine in der Gasse zurück, in die sie mich zuvor hereingezerrt hatten. Ich wusste noch genau wie ich mich in mein Zimmer eingesperrt hatte und mir Dads Schlaftabletten nahm. Ich hatte auf die ganzen dummen Sprüche, auf die Schikane, auf die Erpressungen einfach keine Lust mehr. Ich konnte nicht mehr. Meine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt mehr mit meinem Sorgerecht beschäftigt gewesen als mit mir. Ich hatte niemanden mit dem ich reden konnte, mit dem ich lachen und weinen konnte. Ich fühlte mich so einsam, so alleine. Einfach nutzlos. Gerade als ich mir die erste Tablette in den Mund schieben wollte, hörte ich es dann. Ein leises Röcheln. Ich bildete mir darauf nichts ein und steckte mir das erste Medikament in den Mund.

Meine Fresse ist das ekelhaft hier! Hallo? Hallo?! Scheiße, wo bin ich?! Oh mein Gott! Lasst mich hier raus!

Das waren die ersten Worte die ich von Ryu gehört habe.
Sie hatten mich so erschrocken, dass ich mich verschluckte und die Tablette nach einem Hustenanfall auf dem Teppich landete. Und seit diesem Tag an hörte ich ihn. Anfangs hatte er mir Angst gemacht. Ich hatte ihn angefleht zu verschwinden, ich dachte ich sei endgültig verrückt geworden. Doch nach ein paar Tagen musste ich es einsehen. Ryu war der Wurm den ich verschluckt hatte, und von diesem Moment an mein einziger und bester Freund, den außer mir niemand hören konnte. Da wurde er schon einmal schnell beleidigt, wenn ich mich nicht mit ihm unterhielt. Unpraktisch, oder?

Ist deine Tasche eigentlich schon trocken?

Ich zuckte bei dieser Frage etwas zusammen, drehte mich dann aber zu dem tropfenden Ding um. „Nö.“, sagte ich schlicht und nippte an meinem Cola Glas.

Mach’ dir nichts draus, Matsuri! Diese Typen sind einfach dämlich, denen ist nicht mehr zu helfen. Hör gar nicht auf die!

Diese aufmunternden Worte hatten mir schon mehrmals das Leben gerettet. Ich schmunzelte leicht.
„Matsuri! Ich bin wieder da!“, trällerte die fröhliche Stimme meiner Mutter an mein Ohr.
„Hey, Mum! Ich bin auf dem Balkon!“
Ich hörte wie die Schritte näher kamen und mir schließlich ein Schatten die Sonne wegnahm.
„Ist dir schon wieder der Kakao ausgelaufen?“, fragte sie auch sofort besorgt nach und betrachtete sich die Tasche.
„Ja.“, war meine einzige Antwort.
Was sollte ich auch groß sagen? Ihr die ganzen Sachen anvertrauen die mir in der Schule angetan wurden?
Lieber nicht.
Nachher heißt es nicht ’Matsuri, das Opfer’ sondern ’Matsuri, die Petze’.
Außerdem wollte ich Mum nicht mit meinen Problemen konfrontieren, sie hatte schließlich ihre eigenen. Die paar Jahre Schule hielt ich auch noch aus, danach würden die alle für mich putzen, wie Ryu immer so schön sagte. „Ich verklag’ die Hersteller irgendwann.“, knurrte Mum, brachte die arme Tasche kurz mit einem Killerblick um und grinste mich dann breit an.
„Hiro und ich sind ja schon seit einem Jahr zusammen, richtig?“
Wie kam sie denn jetzt von meiner alten Schultasche zu ihrem Freund?
„Ich weiß, und du hast ihn mir noch immer nicht vorgestellt!“, sagte ich empört, stand nun von der Hängematte auf und stellte mich genau vor ihr.

Als ich 11 war ließen sich meine Eltern scheiden.

Als ich 11 war fingen die Mobbingattacken an.

Als ich 11 war erschien Ryu.

Irgendwie mochte ich die Zahl 11 nicht.
Aber das ist lange her. Mit 15 Jahren ist man reifer, kann Sachen besser verarbeiten und hat sich damit abgefunden, dass der untreue Vater nicht an einem interessiert ist und sich nach Shinjuku-ku, einem Bezirk von Tokyo, verpisst hat. „Ich weiß, aber das wird sich jetzt ändern.“ Diesmal riss Mum mich aus meinen Gedanken und grinste mich noch breiter an als zuvor. Mein Gesicht strahlte wohl genug Verwirrung aus, sodass sie erkannte, dass ich kein Wort von dem verstand was sie mir sagen wollte.

„Wir werden ihn heute Abend besuchen und lernen uns alle bei einem gemütlichen Abendessen kennen!“
Sie hörte sich an wie der glücklichste Mensch der Welt. Schön, dass wenigstens eine von uns beiden Spaß am Leben hatte. „Um wie viel Uhr fahren wir los?“, fragte ich und schaute ihr in ihre schwarzen Augen. Die hatte ich von ihr geerbt. Das war allerdings auch schon das Einzige. Im Gegensatz zu mir hatte sie lange, wunderschöne blonde Haare, die über ihre Schultern fielen wie Goldregen. Aber auch vom Charakter unterscheiden wir uns enorm. Sie war meist der Sonnenschein, extrem naiv und ein richtiger Quälgeist. Was Mode anging war sie sofort an erster Stelle und so sah sie auch aus:
Sonnengeküsste Haut, Topmodelmaße und die Haare, sowie ihr Make-up, saßen immer perfekt.

Und ich?

Ich war eher der zurückgezogene, stille Typ.
Meine schulterlangen, hellbraunen Haare sahen eher langweilig aus. Ich war ziemlich blass und mager. Auch meine kleinen Brüste waren oft Bestandteil der Beleidigungen, die ich mir anhören musste. Doch es hatte auch seine Vorteile nicht so hübsch zu sein wie Mum. Sie wurde von vorne bis hinten von dem reizenden, männlichen Geschlecht verarscht. Ihre Beziehungen dauerten früher meistens um die zwei Wochen. Wenn die Typen mit ihr Schluss gemacht hatten, kam sie danach meist betrunken um halb vier nachts in mein Zimmer. Dann heulte sie sich bei mir aus und versuchte mir einzureden, dass ich ja die Finger von den Kerlen lassen soll. Und es dauerte nicht mal einen Monat, da hatte sie schon den nächsten Freund. Deswegen brannte ich schon förmlich darauf Hiro kennenzulernen, die Beziehung mit ihm dauerte schließlich schon ein ganzes Jahr, obwohl es eine Fernbeziehung war!
„In zehn Minuten, die Autofahrt nach Saitama dauert eine Stunde, wie du weißt.“
Ich stöhnte genervt auf. Da ist endlich Freitag und man freut sich auf das Wochenende um der Hölle mal für zwei Tage zu entfliehen und da wird man zu einem ’Kennenlern-Essen’ mitgeschliffen, was in einem Ort eine Stunden von dieser kleinen, gemütlichen Wohnung entfernt lag. Ich könnte kotzen vor Freude. „Er kann gut kochen! Besser als ich!“, versuchte sie mich aufzumuntern.

Ohne Erfolg.

„Das ist auch nicht sonderlich schwer.“, murrte ich.
Wenn Mum kochte gab es Dosensuppe, oder verbrannte Pfannekuchen. Sehr appetitlich, ich weiß. Sie schaute mich kurz mit einem entsetzten Gesichtsausdruck an, schüttelte dann aber den Kopf „Also, zieh’ dir was anderes an. Du kannst da schließlich nicht in Bikini aufkreuzen!“ Noch ein aufmunterndes Grinsen und eine Hand, die meine Haare verwuschelte, dann verschwand sie summend in der Wohnung.

Das wird bestimmt lustig! Hoffentlich kann er wirklich gut kochen, ich hab Hunger! Du übrigens auch, dein Magen ist leer. Naja, bis auf mir eben.

Ryu lachte und brachte mich zum Schmunzeln. Wenn er eine reale Person wäre, hätte ich mich längst in ihn verliebt. Nein, ich hatte mich schon in ihn verliebt. Aber ich musste einsehen, dass ich mit einem Wurm der in meiner Magensäure badete, keine Beziehung führen konnte. Schade aber auch. Ich exte meine Cola leer und verschwand in der kühlen Wohnung um mich fertig zu machen. Der erste Eindruck ist schließlich immer der beste Eindruck.
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So, eine neue FF meinerseits (:
Wiedermal ein fettes Dankeschön an Shaya-chan, da sie mich wie immer mächtig unterstützt!
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen, Reviews wären wie immer sehr nett! ;D
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