Die Entscheidung

GeschichteAbenteuer / P12
OC (Own Character)
30.08.2011
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Simon sprang zur Seite. Sein Atem ging schnell und keuchend. Das Schwert hielt er schlagbereit. Denn der Gegner versteckte sich im Dunkeln. Simons silberne Augen spähten fieberhaft in die ihn umgebende Dunkelheit. Er konnte die Anwesenheit des Yomas spüren. Im Aufspüren von Yoki war er der Beste.
Von der Seite erklang ein Fauchen. Der Yoma sprang auf den Krieger zu, und Simon versuchte noch sein Schwert in die Richtung des Dämons zu drehen. Doch er wusste, dass es zu spät sein würde. Der Yoma würde ihn töten.
Eine schattenhafte Gestalt schoss aus der Finsternis und ließ mehrere, schnelle Hiebe auf den Yoma einprasseln. Noch im Sprung zerteilte sich dessen Körper und fiel in kleinen Stücken zu Boden.
„Alles in Ordnung?“ fragte Laurent.
Er ließ sein Schwert wieder sinken. Simon nickte stumm und sah dann den Körper des toten Dämons an.
„Nie schaffe ich sowas“ dachte er, „Es sind stets die anderen, welche im Kampf Erfolg haben.“
Laurent merkte wohl was in seinem Kameraden vorging, denn er sagte: „Ein wahrer Krieger schert sich wenig um seine Körperkraft. Du bist unersetzlich für uns. Ohne dich würden wir wohl kaum so schnell die Yomas ausfindig machen können.“
Simon ging nicht darauf ein. Er fragte stattdessen: „Wie geht es den anderen?“
„Kevin hat eine üble Verletzung erlitten“ erzählte Laurent, „Genauer gesagt, er hat seinen linken Arm eingebüßt. Aber er ist immerhin ein defensiver Typ, er wird ihn sich wieder nachwachsen lassen können. Aber Kim hat nur einige Kratzer. Die beiden werden immer besser. Ich glaube, Kim musste noch nichtmal sein Yoki aktivieren.“
„Was ist eigentlich mit unseren weiblichen Mitstreitern?“ erkundigte sich Simon.
„Pah“ meinte Laurent, „Die haben immerhin auch gekämpft. Wenn auch mit wenig Erfolg. Zwei der Yomas flohen, und Katrin und Nadja nahmen sofort die Verfolgung auf. Einen konnten die beiden töten, aber als Kim ihnen nacheilte weil unser Kampf schon vorüber war, lag Nadja schwerverletzt am Boden und Katrin kämpfte noch immer mit dem verbliebenen Yoma. Was hat sich die Organisation bloß dabei gedacht, weibliche Krieger zu erschaffen? Das Modell wird mit Sicherheit keine Zukunft haben.“
„Und ihr habt dann also die übrigen elf Yomas getötet?“ wollte Simon wissen.
„Zwölf“ korrigierte Laurent, und wies auf den toten Yoma am Boden, „Mir fiel plötzlich auf, dass du weg warst. Ich eilte in das leerstehende Haus, weil ich dort dein Yoki spüren konnte, und den Rest kennst du ja.“
„Die anderen haben insgesamt 14 Yomas getötet. Selbst die Weiber haben einen besiegt. Oder vielleicht auch zwei. Und ich keinen einzigen.“ dachte Simon niedergeschlagen.
Die beiden Krieger verließen das Haus und gesellten sich zu ihren Kameraden. Kim drehte mehrere der getöteten Yomas vorsichtig mit dem Fuß um, um sicherzugehen, dass sie auch wirklich tot waren. Er war der Jüngste in der Gruppe und sah auch noch ziemlich jugendlich aus. Seine Kleidung war in Mitleidenschaft gezogen, außerdem zierten ihn mehrere, tiefe Schnitte. Aber davon abgesehen, schien er tatsächlich kaum verletzt zu sein.
„Es tut so weh, es tut so weh.“ jammerte Katrin, die auf dem Boden saß und überall am Körper üble Wunden hatte.
„Es stimmt also doch, Frauen sind wehleidig.“ flüsterte Laurent leise zu Simon. Doch offenbar war er nicht leise genug, denn Nadja fuhr zu ihm herum und funkelte ihn zornig an.
„Dieser Yoma war sehr stark“ ereiferte sie sich, „Wir dachten anfangs schon, er sei ein Erwachter.“
„Ach so“ meinte Kim grinsend, „Deshalb habe ich ihn ja auch ganze zwei Hiebe gebraucht, um ihn... was ist denn ein Erwachter?“
„Du hast es noch nicht gehört?“ erkundigte sie sich Nadja ungläubig, „Ein Erwachter ist ein sehr großer, und sehr starker Yoma. Vor fast einem Monat wurde einer unserer Krieger losgeschickt, um ein Nest Yomas auszuheben. Was danach geschah weiß keiner, doch der Krieger tauchte kurz darauf wieder auf. Er war aber kein Mensch mehr.“
„Natürlich nicht, schließlich ist ja keiner von uns einer.“ warf Laurent ein.
„Ja, aber wir sehen so aus wie Menschen“ entgegnete Nadja, „Er hingegen sah so aus wie ein riesiger Yoma, nein, eher wie eine Art Monster.“
„Das stimmt“ meinte Kevin, der nun auch hinzugetreten war, „Eigentlich war es ja nicht nur dieser eine. Insgesamt werden schon neun Kämpfer und vier Kämpferinnen vermisst. Und man geht davon aus, dass sie ein ähnliches Schicksal ereilt hat.“
Er presste seinen Armstumpf eng gegen seinen Körper. Allerdings schienen seine Schmerzen nachgelassen zu haben, und wenn man genau hinsah bemerkte man, dass sich das Fleisch unter seinem Armstumpf bewegte. Es begann wieder nachzuwachsen.
„Der letzte Krieger wird seit gut einer Woche vermisst“ fuhr Kevin fort, „Sein Auftrag war nur drei Tagesreisen von hier entfernt, in der Stadt Carazod. Seitdem wurde Marius von keinem mehr gesehen.“
„Marius?“ fragte Simon erschrocken. Als die anderen in fragend ansahen, meinte er: „Ich kenne ihn, das ist alles.“
Simon schulterte sein Schwert und sah in die Runde.
„Unser Auftrag wäre damit erledigt. Wir sehen uns dann ein andermal.“ sagte er und verließ die Gruppe. Ihm kam ein älterer Mann entgegen, offenbar der Bürgermeister des Ortes. Er trug einen Sack Gold in den Händen und freute sich überschwänglich darüber, dass die Yomas nun besiegt waren.
„Hier ist euer Lohn.“ bot er den Sack Gold Simon an.
„Nein, der ist nicht für uns“ meinte Simon, „In einigen Tagen kommt ein ganz in schwarz gekleideter Mann vorbei. Er wird die Belohnung abholen. Achtet aber darauf, dass ihr das Gold dem Richtigen gebt! Wenn der Mann leer ausgeht, werden wir euch künftig keine Hilfe mehr schicken.“
Der Bürgermeister verzog keine Miene. Stattdessen fragte er: „Können wir sonst noch etwas für euch tun?“
„Eine Kameradin von mir sollte besser einige Tage bei eurem Arzt bleiben, bis sie sich erholt hat“ antwortete Simon, „Und ich brauche Verpflegung für drei Tage und eine Wegbeschreibung nach Carazod.“
Der Bürgermeister versicherte eilfertig, dass er alles Nötige veranlassen würde und ging zu seinen Leute zurück. Simon dachte an das, was ihn wohl in Carazod erwarten mochte und murmelte dabei: „Was ist nur mit dir passiert, Bruder?“

Simon konnte sich ein schmales Lächeln nicht verkneifen, als er sich den Gesichtsausdruck des Bürgermeisters von vor drei Tagen wieder ins Gedächtnis rief. Der Mann konnte tatsächlich nicht glauben, dass ein einfacher Apfel Simon als Nahrung für die drei Tage reichen würde. Eigentlich hatte er den Apfel sogar überhaupt nicht gebraucht. Die Claymore-Krieger konnten ohne Weiteres eine Woche lang auf Nahrung verzichten. Und bis der Nahrungsmangel sie beeinträchtigte, dauerte es sogar noch länger.
Genüsslich aß er seinen Apfel, während Simon gemäßigten Schritts immer weiter in Richtung Carazod ging. Obwohl er es nicht wollte, schweiften seine Gedanken stets zu seinem jüngeren Bruder Marius ab. Was war nur aus ihm geworden? Was war ein Erwachter? So tief in Gedanken versunken, bemerkte er das Yoki hinter ihm erst, als es zu spät war. Erschrocken fuhr er herum und legte eine Hand auf den Griff seines Schwertes.
„Wenn ich ein Yoma wäre, hätte ich dich schon längst angegriffen.“ meine Laurent, leise lachend.
„Was... bist du mir etwa gefolgt?“ wollte Simon verwirrt wissen.
„Eigentlich nicht“ gab Laurent zu bedenken, „Ich habe mich gefragt, weshalb du so eilig aufgebrochen bist, und meine Schritte müssen mich unbewusst in deine Richtung geführt haben.“
Simon guckte mürrisch. Dann schüttelte er leicht den Kopf, als wolle er so sein Missfallen abschütteln, und meinte: „Also gut, und warum bist du nun hier?“
„Na ja“ druckste Laurent herum, „Weil du nicht unbedingt kämpferisch bist, wollte ich dir beistehen... falls es Probleme gibt.“
„Ist das so?“ fragte Simon gereizt. Doch dann schüttelte er wieder unbewusst den Kopf.
„Ich sollte doch froh sein, dass er mir helfen will“ dachte der Krieger, „Gute Freunde sind selten, und ich kann jede Hilfe gut gebrauchen... falls ich meinem Bruder irgendwie helfen muss.“
„Wer ist eigentlich noch mit dir mitgekommen?“ wollte Simon wissen.
„Häh? Niemand. Ich bin völlig alleine hier.“ antwortete Laurent.
„Ich spüre aber, dass noch jemand von uns hier sein muss“ entgegnete Simon, „Zuerst habe ich ihn nicht gespürt, weil dein Yoki sehr groß ist. Du bist ja auch die Nummer Sechs. Aber jetzt spüre ich ihn. Ein Yoma kann es auf garkeinen Fall sein, dazu ist er viel zu stark. Komisch, aber das Yoki kommt aus der Richtung, in welcher Carazod liegt.“
„Es ist bestimmt Marius“ meinte Laurent, „Sein Auftrag hat wohl länger gedauert, und jetzt ist er halt noch dort.“
„Unmöglich!“ beharrte Simon, „Mein Bruder ist die Nummer 44. Aber dieses Yoki ist wesentlich stärker. Dessen Träger muss mindestens so stark sein wie du.“
„Dein Bruder?“ fragte Laurent mitfühlend.
„Ja“ antwortete Simon, „Marius war... ist mein kleiner Bruder. Wir standen uns noch nie sehr nahe. Aber natürlich war ich um ihn besorgt, als ich Nadja hörte. Und da dachte ich... Jetzt hat er uns bemerkt. Ich spüre, dass das Yoki rasend schnell auf uns zukommt.“
Laurent knirschte mit den Zähnen. „Irgendwie habe ich ein ganz schlechtes Gefühl.“ beschied er, und zog sachte sein Schwert aus der Rückenscheide. Simon tat es ihm gleich. Denn obwohl er seine Waffe nur selten im Kampf einsetzte, gab ihm das Gefühl etwas Sicherheit.
Die beiden Krieger spähten angestrengt zum Waldrand. Sie wussten nicht, was sie erwarteten. Einen Yoma? Einen Krieger? Oder einen der sogenannten Erwachten? Das Yoki kam immer näher, langsamer nun. Und die Büsche teilten sich.
„Marius?“ rief Simon.
Tatsächlich. Die Gestalt konnte nur Marius sein. Er bemerkte Laurent und Simon, und ging gemächlich auf die beiden zu.
„Marius, so ein Glück“ freute sich Simon und senkte sein Schwert, „Ich dachte schon, dir sei etwas passiert. Nach allem was ich gehört habe...“
Simon stockte. Etwas stimmte hier nicht. Und nun fiel es auch Laurent auf.
„Das ist merkwürdig. Seine Haare, sie sind ja garnicht mehr hellblond. Und seine Augen sind auch nicht mehr silbern.“ meinte Laurent.
Inzwischen war Marius nahe genug heran, um die beiden Krieger anzusprechen. Er trug seine Rüstung nicht mehr. Stattdessen hatte er jetzt die Kleidung eines Bauern an.
„Was ist los mit dir?“ erkundigte sich Simon erstaunt „Warum siehst du jetzt so anders aus?“
„Ich habe zu meiner wahren Erfüllung gefunden.“ antwortete Marius. Dabei grinste er wölfisch.
Kaum hatte er ausgesprochen, krümmte er sich auch schon. Es sah zuerst so aus als habe er Schmerzen, doch dann wuchs seine Gestalt immer höher und sein Körper veränderte sich. Ihm wuchs ein weiteres Paar Arme, seine Haut verfärbte sich gelbbraun, sein Gesicht streckte sich vor und nahm eine echsenartige Form an. Seine Augen glühten in einem raubtierhaften Gelb. Vom Kopf bis zum Schwanz wuchsen ihm Panzerplatten, welche nach oben ragten. Er war schon über sechs Meter groß, als seine Veränderung plötzlich aufhörte.
„Ich glaube...“ presste Laurent hervor, „Ich glaube, wir haben es hier mit einem dieser Erwachten zu tun.“
„Unsinn. Das ist doch mein Bruder.“ entgegnete Simon.
„Er war dein Bruder. Jetzt ist er nur noch ein Monster.“ beharrte Laurent.
Als wären diese Worte der Auslöser gewesen, schossen die Arme des Monsters vor um die beiden Kämpfer zu packen. Simon und Laurent wichen nur mit Mühe aus.
„Er ist schnell, sehr schnell.“ brachte Laurent heraus.
Dann sprang er schon in die Luft und ließ sein Schwert vorzischen. Die Klinge verfehlte Marius nur knapp, sorgte aber dafür, dass er ausweichen musste. Der Erwachte brüllte vor Wut und schlug erneut zu. Doch Laurent war schneller.
„Ich muss etwas tun“ dachte Simon, „Mein einziger Daseinszweck besteht darin, Yomas zu jagen. Und das hier ist doch ein Yoma. Ich muss Laurent helfen.“
Doch Simon konnte sich nicht vom Fleck rühren. Laurent keuchte vor Anstrengung, da handelte Simon doch. Er schleuderte sein Schwert auf Marius, welcher ihm den Rücken zugekehrt hatte. Als hätte er die Gefahr geahnt, drehte sich der Erwachte um und duckte sich unter das Schwert hinweg. Es gelang ihm jedoch nicht völlig. Das Schwert schlug ihm eine Hand gleich unterhalb des Handgelenks ab, sauste weiter, und blieb schließlich zitternd in einem Baumstamm stecken.
„Bruder“ rief Simon, der nun die Aufmerksamkeit des Monsters auf sich gezogen hatte, „Hör doch bitte auf uns anzugreifen.“
„Bruder?“ antwortete der Erwachte höhnisch, „Ihr seid für mich bestenfalls Spielzeug. Es ist an der Zeit, meine Krallen ein wenig zu wetzen.“
Seine abgeschlagene Hand wuchs ihm bereits nach. Mit zwei weiteren Händen versuchte er Simon zu packen, der jedoch wieder ausweichen konnte und in die Luft sprang.
„Zwei Hände?“ dachte Simon noch verwundert, als er die dritte Hand schon vor sich sah. Die Finger verlängerten sich blitzschnell und schossen vor. Mitten in der Luft konnte er nicht mehr ausweichen, und so durchbohrten ihn fünf Krallen. Simon schrie vor Schmerz auf.
Ein Schatten zog heran und mit einem befreienden Schmerz war Simon wieder frei. Laurent war gekommen, hatte die Finger des Erwachten abgeschlagen und Simon beim Sprung in der Luft gefangen. Er bettete seinen Gefährten auf der Wiese und zog die Krallen aus seinem Körper.
„Ist mir dir alles in Ordnung?“ fragte Laurent seinen Kameraden.
Simon nickte nur.
„Gut“ meinte Laurent erleichtert, „Deine Wunden werden sich schnell wieder schließen. Und bis dahin bin ich mit diesem Monster hier fertig. Wenn du gestattest, leihe ich mir das hier kurz aus.“
In der anderen Hand lag Simons Schwert. Simon wollte ihm gerade antworten, als sein Blick auf Laurents Gesicht fiel. Seine Augen waren nun raubtierartig gelb und seine Zähne hatten sich in Reißzähne verwandelt, welche aus seinem bereits veränderten Gesicht ragten. Laurent hatte inzwischen schon mehr als 30 Prozent seines Yokis aktiviert.
„Hey, ich bin auch noch da.“ dröhnte das Monster und griff an. Inzwischen waren ihm auch die Finger wieder nachgewachsen.
Laurent wirbelte beide Schwerter herum und sprang auf den Erwachten zu. Marius parierte die Schläge spielend und setzte seinerseits nach. Der Krieger keuchte wieder vor Anstrengung und setzte weiterhin Yoki frei. Inzwischen war er schon bei 50 Prozent angelangt.
Simon setzte sich wieder keuchend auf. Die Wunden hatten sich inzwischen notdürftig geschlossen, bis sie jedoch völlig verheilt waren, würde es noch einige Stunden dauern. Er bemerkte den unruhigen Yoki-Fluss, dem sein Kamerad ausgesetzt war, als er wieder auf die Kämpfenden sah.
„Laurent, nein“ keuchte er, „Du hast schon fast 80 Prozent deines Yokis aktiviert. Du musst sofort aufhören. Vielleicht entstehen die Erwachten ja, wenn... oh...“
Die Wunden hatten sich wieder geöffnet, und Simon der gerade aufstehen wollte, sank schmerzerfüllt wieder zu Boden.
Marius brüllte vor Wut und Schmerz, als ihm klar wurde, dass er den Kampf verlieren würde. Der Erwachte zielte nun mit allen vier Händen auf seinen Gegner und ließ seine Finger vorschnellen. Doch kein einziger traf Laurent, welcher nun in die Luft sprang und auf dem Rücken des Monsters landete. Mit einem sauberen Schwertstreich köpfte er Marius, und sprang von dem Körper des Erwachten herunter.
„Du hast gewonnen.“ jubelte Simon und stand wieder auf.
Er torkelte auf Laurent zu und wollte ihn vor Freude umarmen, doch mitten im Schritt stockte er. Laurent war kaum noch menschlich. Sein Gesicht war zur Fratze eines Yomas verkommen, und auch sein restlicher Körper war seltsam verformt.
„Ich kann es nicht mehr aufhalten“ presste er mühsam hervor, „Schon bald werde ich so wie er sein.“ Er deutete auf den toten Marius.
„Kann ich... kann ich dir irgendwie helfen?“ fragte Simon verzweifelt.
Der Krieger schüttelte den Kopf. Nun wuchs er in die Höhe, sodass die Rüstung die er trug auseinanderbrach. Sein Mund stülpte sich vor, wurde zur Schnauze eines Raubtiers.
„Ich will dir nichts antun“ stöhnte Laurent, „Also, lebe wohl, Simon.“
Simon wollte ihn noch aufhalten, da sprang Laurent schon – beinahe erwacht wie er war – in den Wald und entfernte sich rasch vom Schauplatz des Geschehens. Simon sah noch eine Weile traurig in die Richtung, in welche Laurent verschwunden war. Aus der Ferne spürte er dann das Überfließen des Yokis, und wusste, dass auch Laurent sich nun in ein Monster verwandelt hatte.
Simon hob die beiden Schwerter auf, welche Laurent zurückgelassen hatte. Sein Schwert schob er zurück in seine Rückenscheide. Das Schwert von Laurent rammte er in den Boden, und legte die Reste seiner Rüstung darum herum. Es war nur symbolisch ein Grab für den Krieger, Laurent war ja nicht gestorben. Doch nun ist er zu einem Monster geworden, welches von der Organisation gejagt und getötet werden würde.
„Ich schwöre, dass ich stärker sein werde.“ sagte Simon entschlossen.
Dann drehte er sich um und ging den Weg nach Carazod weiter.

Etwa ein halbes Jahr später

Der Yoma knurrte vor Wut und Ärger. Simon stand ihm entgegen, das Schwert kampfbereit vorgestreckt. In der engen Gasse gab es keine Fluchtmöglichkeiten. Plötzlich lachte der Menschenfresser.
„Was ist denn so lustig?“ wollte der Krieger wissen.
„Dass du denkst, ich sei alleine.“ antwortete der Dämon.
Zwei Schatten stürzten sich von den Dächern herab, genau auf Simon zu. Simon ging leicht in die Hocke und war mit einem Mal verschwunden. Noch in der Luft fielen Die Yomas auseinander, in viele Stücke zerschnitten, und Simon tauchte unversehens hinter dem Yoma in der Gasse auf.
„Ich bin schneller als du denkst, stimmt´s?“ fragte er.
Der Dämon war blass geworden, soweit man das bei ockerfarbener Haut sagen konnte. Er rannte los, breitete die Flügel auf seinem Rücken aus und flog hinauf. Simon blieb ruhig. Er spannte sich, sprang auf das Dach und dann in Richtung des Yomas. Der Yoma lachte, als er sah, dass er schon zu hoch war, als dass Simon ihn erreichen könnte. Doch Simon schleuderte sein Schwert auf den Yoma. Die Klinge schwang durch die Luft und schnitt die Flügel direkt oberhalb der Schultern ab. Der Yoma schrie vor Entsetzen und Schmerz, als er der Erde entgegenfiel. Simon trat ihn in der Luft jedoch in eine andere Richtung, und der Yoma landete auf der Spitze eines Kirchturms und wurde aufgespießt.
Der Kämpfer landete geschickt auf dem Boden. Sein Schwert stak in einer Hauswand. Simon ging darauf zu, als er das Yoki von drei Kameraden spürte. Er drehte sich um und sah sie auf sich zukommen. Sie waren alle weiblich.
„Was fällt dir ein, einfach so loszuschlagen?“ fragte ihn die Erste vorwurfsvoll, „Du hattest die Anweisung bekommen, auf Verstärkung zu warten.“
„Tja, wir Jungs sind halt nicht sehr auf Gehorsam bedacht. Ich dachte mir, dass ich mit drei Yomas schon klarkommen würde.“ antwortete er.
„Ich tat es für dich, Laurent. Wenn du noch du selbst wärst, was würdest du wohl sagen wenn du mich jetzt sehen könntest, als echten Krieger?“ dachte er.
„Ich werde dein aufmüpfiges Verhalten jedenfalls melden!“ drohte die Kriegerin.
Simon drehte sich um und ging wieder auf sein Schwert zu, als ihm plötzlich etwas einfiel.
„Warum seid ihr alle Mädchen?“ fragte er, „Werden denn keine Krieger mehr in den Kampf geschickt?“
Die Drei sahen sich verdutzt an. Eine von den beiden, die bisher sehr still waren, sagte: „Ich habe vor zwei Monaten zusammen mit vier anderen Kameraden gegen ein seltsames Monster gekämpft. Es war so eine Art Yoma, nur viel größer und viel stärker. Unter den unsrigen waren auch zwei Männer. Einer von ihnen kam im Kampf zu Tode, eine Kameradin auch, aber das Untier konnten wir trotzdem besiegen. Seither habe ich aber auch nur noch weibliche Kameraden gesehen.“
„Warum fragst du überhaupt danach?“ wollte die Sprecherin wissen.
„Mir ist nur aufgefallen, dass ich schon länger keine Krieger mehr gesehen habe, sondern nur noch Kriegerinnen.“ antwortete Simon.
Er zog sein Schwert aus der Hauswand und sagte: „Nun denn, gehabt euch wohl. Ich muss zu meinem nächsten Auftrag.“
Gemächlich verließ er den Ort des Kampfes. Ein junger Mann folgte ihm, und Simon blieb geduldig stehen.
„Ich bewunderte euch“ sagte der Mann, „Ich würde gerne so sein wie ihr. Ich weiß, die meisten Menschen meiden euch Claymores, aber ich nicht. Ich möchte auch kämpfen lernen.“
„Ist das wirklich ein Leben, dass du dir wünscht?“ fragte Simon, „Mein einziger Daseinszweck besteht darin, Yomas zu jagen und zu töten.“
„Ich möchte ja auch keiner von euch sein, ich möchte nur so stark sein und so gut kämpfen können. Der König sucht starke Kämpfer für sein Heer, und ich könnte schnell an Macht und Einfluss gelangen. Aber nur, wenn ihr mich trainiert. Ich möchte euch begleiten.“ antwortete der Mann.
Simon biss sich verärgert auf die Lippe. Er mochte es schon nicht, dass die meisten Menschen ihn und die anderen Krieger mieden, aber machtgierige Menschen mochte er noch viel weniger.
„Na gut, ich werde dich trainieren“ sagte Simon, „Aber vorher musst du einen Test bestehen.“
Bei diesen Worten hob er einen Stock auf, der die Dicke von zwei Fingern hatte. Er hielt ihn zwischen Zeigefinger und Daumen und streckte ihn dem jungen Mann hin.
„Wenn es dir gelingt, mir diesen Stock zu entreißen, dann werde ich dir das Kämpfen beibringen.“
Der Mann lächelte siegesgewiss. Er packte das Ende des Stocks mit einer Hand und zog daran. Der Stock rührte sich nicht. Dann zog er mit beiden Händen, warf sich nach hinten um sein Körpergewicht mit hineinzulegen, doch ohne Erfolg.
„Ich schaffe es einfach nicht“ klagte er, „Es fühlt sich an, als würde ich versuchen, eine Eisenstange aus einer Verließwand zu reißen.“
„Dann wird dir wohl Ruhm und Ehre verwehrt bleiben.“ entgegnete Simon feixend.
Er drehte sich um und ging weiter, sagte aber noch: „Unsere Nummer eins, Isley, hat angeblich Gefallen daran gefunden, gelegentlich einem Menschen das Kämpfen beizubringen. Vielleicht solltest du ihn mal suchen und fragen.“
Nach diesen Worten ging Simon fort, ohne sich umzudrehen, und verließ den Ort.

In der Nacht saß Simon vor dem Lagerfeuer. Er warf einen weiteren Ast in Flammen, welcher ein kurzes Knacken hören ließ, und dann selbst auch Feuer fing. Nachdenklich spähte er in den Wald. Gerade als der Krieger den nächsten Ast ins Feuer werfen wollte, fühlte er sich beobachtet. Geschmeidig sprang er auf und zog sein Schwert, innerhalb von nur einem Moment. Doch die schwarze Gestalt die zu ihm ans Feuer getreten war, war keineswegs eine Bedrohung für ihn. Es war einer der Männer, welche die Organisation bildeten.
„Aufmerksam und kampfbereit wie ich sehe“ bemerkte der Mann, „Von dir habe ich auch nichts anderes erwartet, Nummer zwölf, Simon.“
„Sei gegrüßt, Elruk“ entgegnete Simon und ließ sein Schwert wieder sinken, „Was führt dich zu mir? Bekomme ich einen neuen Auftrag?“
„In der Tat, in der Tat“ erwiderte der Mann in Schwarz, „Dich erwartet eine ganz besondere Mission. Du wirst einen alten Bekannten treffen. Nummer acht, Kim.“
Simon freute sich, dass er ihn bald wiedersah, und verbarg dieses Gefühl auch nicht. Die Erinnerung, wie sie vor einem halben Jahr das Yoma-Nest aufmischten, war ihm noch frisch im Gedächtnis. Ganz kurz, mit einem schmerzhaften Anflug, kam ihm auch Laurent in den Sinn, und welches Schicksal ihn ereilt hatte.
„Das erfreut mich doch stets an euch, Jungs“ meinte Elruk, „Ihr zeigt eure Gefühle offen. Die weiblichen Krieger wirken hingegen immer so distanziert und kalt. Die Menschen haben fast mehr Angst vor ihnen, als vor den Yomas.“ Bei den letzten Worten lachte er leise.
„Werde ich auch Kevin wiedersehen?“ erkundigte sich Simon.
„Unsere Nummer 17 ist leider... verschwunden.“ sagte Elruk zögernd.
Bei dem Wort „verschwunden“ war Simon fast unmerklich zusammengezuckt. Ihm schossen Bilder in den Kopf, wie Marius und Laurent aussahen, nachdem sie ihre Grenzen überschritten hatten. Und für einen Moment fragte er sich, ob Kevin auch zu solch einer Kreatur geworden war.
Elruk bemerkte nichts von Simons Reaktion, und fuhr fort: „Das ist eine Mission, welche nur ihr beide gemeinsam ausführen könnt. Wir haben euch ausgewählt, da wir euch beide für die kompetentesten Krieger halten. Du wirst gleich morgen früh in den Westen aufbrechen. An den Osthängen der Berge von Urisar wirst du Nummer neun treffen. Über alles weitere weiß er Bescheid.“

Einige Tage später hatte Simon die Osthänge des Gebirges erreicht. Er spürte das Yoki seines Kameraden und hielt darauf zu. Als die beiden Krieger sich sagen, fielen sie sich freudestrahlend in die Arme. Als sie sich voneinander lösten fiel Simon die Gestalt auf, welche reglos und halb verborgen im Gebüsch lag. Sie sah aus wie eine riesige, olivfarbene Schlange, sofern man davon absah, dass sie Flügel und unverkennbare, weibliche Formen hatte. Die Spuren an ihrem Körper ließen darauf schließen, dass sie einen ziemlich heftigen Kampf hinter sich hatte, bevor sie getötet wurde.
„Kannst du dich noch an unsere Nummer 35, Nadja, erinnern?“ fragte Kim, „Da liegt das, was aus ihr geworden ist.“
„Weißt du denn auch, wie sie getötet wurde?“ fragte Simon, und besah sich die Wunden genauer.
„Das habe ich getan.“ antwortete Kim, „Sie lauerte offenbar auf uns. Oder zumindest auf Kameraden von uns. Ich habe mein Yoki so stark unterdrückt, wie ich es nur konnte und mich dann angeschlichen. Als ich in ihrer Reichweite war, glaubte sie offenbar, leichtes Spiel mit mir zu haben. Tatsächlich war es aber genau andersherum.“
Simon staunte. Noch einmal wanderte sein Blick zu der erschlagenen Erwachten.
„Ich glaube, es gibt etwas, worüber wir uns unterhalten sollten.“ meinte Kim.

Das Prasseln des Lagerfeuers übertönte die anderen nächtlichen Geräusche. Simon nahm im Hintergrund noch das Zirpen von Insekten wahr, achtete aber nicht darauf. Kim saß ihm gegenüber. Nach einer längeren Erzählung hatte er nun geendet.
„Bist du dir auch sicher?“ brach Simon schließlich das Schweigen.
„Ich war der Organisation schon lange gegenüber misstrauisch“ erwiderte Kim, „Und deshalb habe ich Nachforschungen angestellt. Für die Faktenlage bin ich wirklich nicht verantwortlich, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich mich irre. Wir beide sind die letzten Krieger.“
„Und alle anderen... sind erwacht?“ fragte Simon.
„Aus irgendeinem Grund fühlt sich das Erwachen für männliche Krieger besonders genussvoll an“ meinte Kim, „Schon zu Anfang unserer Missionen, sind die schwächeren Krieger, die in den Rängen 40 und darunter liegen, schon nach sehr kurzer Zeit im Kampf gegen normale Yomas erwacht. Nach und nach überschritten auch die stärkeren Krieger ihre Grenzen, weil sie gegen ebenjene Erwachten antraten, welche zuvor noch wie sie waren. Als die Organisation das merkte, schickte sie alle männlichen Kämpfer auf besonders gefährliche Missionen. Kamen sie zurück, so bekamen sie erneut riskante Aufträge. Seit einigen Monaten schon, habe ich nur noch weibliche Kämpfer gesehen. Ich glaubte, dass ich der Letzte sei. Bis ich erfuhr, dass ich mit dir gemeinsam eine Mission durchführen soll.“
„Aber wieso... wieso sind wir beide dann noch wir selbst?“ fragte Simon, „Warum bekamen wir keine riskanten Aufträge?“
„Dich hat man möglicherweise übersehen. Vielleicht hat man es mit dir auch zu einem späteren Zeitpunkt geplant. Ich allerdings... ich hatte weniger Glück.“ erzählte Kim und sah abwesend in die Nacht, als würde er etwas betrachten, was in weiter Ferne lag.
„Ich war vor vier Monaten auf der Jagd nach einem Erwachten“ erzählte Kim, „Es war ein eher schwaches Exemplar, habe ich später gehört. Trotzdem war er der stärkste Gegner, dem ich bisher begegnet bin. Der Kampf dauerte lange, und nach und nach setzte ich immer mehr von meinen Yoma-Kräften frei. Bis es beinahe zu spät war. Ich war schon so gut wie erwacht, mein Körper hatte sich bereits verwandelt, bloß mein Gesicht und meine Augen haben sich nicht verändert. Als ich an der kritischen Grenze von 80 Prozent war, verspürte ich einen intensiven Genuss, dem ich mich nur schwer widersetzen konnte.“
Simon lauschte gebannt, und unterbrach seinen Freund nicht.
Kim fuhr fort: „Ich hätte beinahe nachgegeben... bis ich dann ein Bild vor Augen hatte. Ich sah wieder den Yoma, der meine große Schwester getötet hat.“ Kims Stimme zitterte. „Sie hat mich im Schrank versteckt und mir eingeschärft, ja keinen Laut zu machen. Und dann sah ich... sah ich... wie das Untier ihre Eingeweide fraß. Als ich im Kampf schon fast erwacht war, fiel mein Blick in eine Pfütze auf dem Boden. Darin spiegelte sich die Fratze eines Yomas. Bloß war es diesmal meine eigene. Ich legte meine gesamte Willenskraft in den Gedanken, wieder ein Mensch zu sein. Ich dachte daran, dass ich kurz davor war, auch ein Monster zu werden, wie das das meine Schwester ermordete; dass ich womöglich bald einem anderen kleinen Jungen die Schwester nehmen würde, oder den Bruder, oder die Eltern. Und die Rückwandlung gelang. Am Ende war der Erwachte vernichtet, ich war nackt, aber immerhin wieder ein Mensch. Na ja, ein Halbmensch.“
Kim sah wieder entrückt in den Wald, und setzte hinzu: „Hätte ich nicht in die Pfütze geguckt, hätte ich nur ein Stück weniger Willenskraft gehabt, hätte ich nur bisschen weniger an meiner Schwester gehangen... dann wäre ich jetzt wahrscheinlich auch ein Erwachter. Aber... es gab trotzdem eine Veränderung. Obwohl ich mich zurückverwandelte, behielt ich meine mit dem Beinahe-Erwachen hinzugewonnene Körperkraft. Seitdem hat mich die Organisation auf fünf weitere Missionen geschickt, jedesmal musste ich im Alleingang ein Nest Yomas ausheben oder gegen einen Erwachten antreten, aber stets gewann ich, ohne mich nennenswert anzustrengen.“
„Das ist ja echt unglaublich.“ kommentierte Simon.
„Etwas das wirklich unglaublich ist, ereignete sich erst vor einigen Wochen“ erzählte Kim trocken, „Offenbar hat die Organisation nun auch beschlossen, störrische und unbequeme Mitglieder loszuwerden. Nachdem ich meinen letzten Auftrag abgeschlossen hatte, nahm ich einen größeren Umweg auf meinem Rückweg. Ich wollte wiedermal das Dorf sehen, in welchem ich als kleiner Junge gelebt hatte. In einem Wald in der Nähe tobte ein heftiger Kampf. Fünf Kriegerinnen mussten es mit einem Erwachten aufnehmen. Als ich eingriff, waren zwei von ihnen schon tot, und zwei weitere kurz davor, ebenfalls ihre Grenzen zu überschreiten. Die überlebende Kriegerin erlöste beide auf deren Wunsch hin, noch bevor ich ihnen von meiner Rückwandlung erzählen konnte. Es war unsere Nummer 16, Nadja. Sie ist viel stärker geworden, seitdem ich sie zuletzt sah. Ich erfuhr, dass sie und die anderen gegen die Organisation aufbegehrt hätten. Daraufhin sollten sie ein Nest Yomas aufmischen. Bloß, dass sie auf keinen einzigen Yoma stießen, sondern auf einen sehr starken Erwachten.“
„Die... die Organisation hat unsere fünf Kameradinnen also absichtlich in den Tod geschickt?“ fragte Simon entsetzt.
„Danach sah es offenbar aus“ entgegnete Kim, „Ich besiegte den Erwachten und rettete sie. Dabei stellte sich heraus, dass ich offenbar eine neue Fähigkeit erlangt habe. Ich kann mein Yoki soweit unterdrücken, dass es nahezu unmöglich wird, es aufzuspüren. Das gibt mir eine Überlegenheit im Kampf, denn sowohl Yomas, als auch Erwachte und andere Krieger, orientieren sich im Kampf an dem Yoki des Gegners. Damit bin ich für sie also unsichtbar. Ich weihte Nadja in meine Nachforschungen ein. Und sie erklärte sich dazu bereit, mir zu helfen.“
Verschwörerisch senkte Kim seine Stimme, obwohl ohnehin niemand in der Nähe war, der sie beide hätte belauschen können: „Ich verlasse die Organisation gleich nach diesem Auftrag. Nadja will sich ebenfalls absetzen. Bis dahin sucht sie allerdings noch Verbündete, welche sich ebenfalls gegen die Organisation wenden wollen. Und dich frage ich nun, ob du mitkommst.“
Simon überschlug den Vorschlag in Gedanken. Wenn er bei der Organisation blieb, dann würde man ihn, da er ein männlicher Krieger ist, gegen immer stärkere Gegner in den Kampf schicken, bis er sich ebenfalls eine monströse Yoma-Kreatur verwandeln oder sterben würde. Und sollte er vorher aufmüpfig werden, so erwartete ihn eine Mission, bei welcher er sehr wahrscheinlich nicht überleben würde. Ging er jedoch mit Kim, so würde sich eine Möglichkeit finden lassen, diese niederträchtige Organisation zu bekämpfen. Und selbst wenn dies nicht gelänge, dann würde er aber immerhin frei sein, und nicht mehr an die Organisation gebunden.
Seine Antwort war kurz und knapp: „Ja.“

Gleich nach Tagesanbruch waren sie losgezogen. Simon und Kim wanderten in den Bergen umher. Die Sonne war hoch aufgestiegen, als sie das fremde Yoki spürten. Simon bemerkte es als Erster und zog sein Schwert. Kim griff ebenfalls nach seinem Schwertgriff, zog es aber noch nicht. Der Gegner ließ sich bisher nicht blicken. Die beiden Krieger sahen sich um und bemerkten, dass um sie herum nur zerklüftete Felsen emporragten. Nirgendwo ertönte ein Geräusch, die Natur war still. Mit einem leisen Scharren zog nun auch Kim seine Waffe und streckte sie kampfbereit empor. Die beiden Kämpfer suchten aufmerksam die Umgebung ab. Eine Gestalt stand am oberen Ende des Steilhangs. Es war ein junges Mädchen mit langen, braunen Haaren. Sie trug eine einfache Bauerntracht, wie sie in dieser Gegend wohl nicht unüblich war.
Das Mädchen sprang in die Luft, drehte sich im Sprung geschmeidig und landete nur wenige Meter von den Kriegern entfernt, auf dem Boden. Es war sofort klar, dass sie es hier mit keinem Menschen zu tun hatten.
„Ich muss sie töten, noch bevor sie sich verwandelt.“ dachte Kim und stürzte vor. Während er sprang drehte sich sein Schwert in der Luft, und hielt auf seinen Gegner zu. Seine Gegnerin wich spielend aus. Schneller, als Simons Augen ihr folgen konnten, duckte sie sich unter dem Schwert hinweg und sprang seitlich weg.
„Wie schön“ sagte sie, „Wir ersparen uns alle Höflichkeitsfloskeln, und gehen gleich zum Kampf über. Das gefällt mir.“
Noch während sie sprach veränderte sich ihr Körper. Das Mädchen wuchs zehn Meter in die Höhe, ihre Haut verfärbte sich zu einem leuchtenden, hellen Grün und aus ihrem Rücken wuchsen zehn lange Tentakel, welche in Stachelkeulen mündeten, die so ähnlich wie Morgensterne aussahen. Ihr Mund streckte sich in die Länge und wurde schnauzenartig, ihr Kopf und Nacken überzog sich mit Panzerplatten und aus ihren Hüften wuchs ein weiteres Paar Beine. Dann ließ sie sich auf alle sechs Beine nieder und brüllte ihre Lust auf Blut, Kampf und Tod hinaus.
Kim sah zu Simon und nickte ihm auffordernd zu. „Ich hoffe, du bist bereit.“ sagte er und griff an. Simon erwiderte das Nicken und aktivierte 40 Prozent seines Yokis. Seine Muskeln traten deutlich hervor und sprengten beinahe die Ärmel der Rüstung, seine Augen nahmen die Form raubtierhafter Yomaaugen an, und seine Zähne verwandelten sich in Fangzähne.
Kim sprang in die Höhe und ließ eine Folge schneller Schwertschläge auf das Monster niedergehen. Die Erwachte wich nicht aus, während sie mehrfach an Kopf und Hals getroffen wurde. Die Schwertschläge prallten wirkungslos von ihren Panzerplatten ab, und die Erwachte lachte schallend, mit einer Stimme die klang, als würde raues Eisen an altem Stein gerieben werden. Simon rollte sich ab und landete unter seiner Gegnerin. Er stieß sein Schwert in ihren Bauch und zog einen langen Schnitt bis zu ihren Hinterbeinen. Violettes Blut ergoss sich über Simon. Die Erwachte schrie vor Schmerz und ließ ihre Tentakel auf den Krieger zusausen. Simon zerrte an seinem Schwert, wusste aber, dass er den Angriff nicht mehr rechtzeitig würde abwehren können. Mit einem mal stand Kim vor ihm, schwang seine Klinge und wehrte drei der Stachelkeulen mit einem lauten Klirren ab. Die vierte Keule traf ihn in den Rücken und schleuderte ihn weg. Simon wehrte geschickt eine weitere Keule ab, bis auch er gleich zweimal getroffen wurde und durch die Luft flog.
Der Krieger prallte gegen eine Felswand und sank zu Boden. Kim war mit einem Sprung bei ihm und half ihm auf. Währenddessen hatte sich der Schnitt im Bauch des Monsters wieder geschlossen.
„Ist alles mit dir in Ordnung?“ erkundigte sich Kim.
Simon nickte, spuckte Blut und erhob sich wieder.
„Offenbar habe ich euch unterschätzt“ grollte die Erwachte, „Das wird kein zweitesmal passieren, das garantiere ich euch.“
„Ich denke, sie könnte als Kriegerin ein offensiver Typ gewesen sein“ flüsterte Simon, „Und ich richtig liege, und wir Glück haben, dann hat sich das auch im Erwachen nicht geändert, und sie tut sich mit dem Regenerieren schwer.“
„Also gut, dann wollen wir´s versuchen.“ meinte Kim.
Alle zehn Tentakel sausten auf die beiden zu, doch Kim und Simon sprangen jeweils links und rechts zur Seite und gingen ihrerseits zum Angriff über. Kim führte wieder eine Reihe von Schwerthieben, welche aber alle nicht trafen, da die Erwachte auswich. Simon tauchte über ihrem Kopf auf und landete auf ihrem Rücken. Er vollzog zwei schnelle Bewegungen, und trennte vier Tentakel ab. Die Erwachte brüllte abermals vor Wut und Schmerz und ließ die anderen sechs Stachelkugeln auf Simon herniederprasseln. Der Krieger wehrte drei Kugeln ab, wurde dann allerdings wieder getroffen und gegen die Wand geschleudert. Das Mädchen hämmerte ihre Fäuste auf Simons Beine, und der Claymore-Kämpfer schrie qualvoll auf. Mit beiden Händen packte und umschloss sie ihn.
„Deine Beine sind gebrochen, nun kannst du nicht mehr davonspringen“ sagte die Erwachte und grinste sardonisch, „ Aber selbst wenn dem nicht so wäre, könntest du mir nicht mehr entkommen. Denn nun habe ich dich.“
„Nein, ich habe dich.“ erwiderte Kim, schoss vor und schwang sein Schwert. Beide Hände fielen dem Monster ab, und erneut ertönte ein schmerzhafter Schrei, während Kim Simon auffing, auf dem Boden landete und ihn sachte wieder absetzte.
„Es ist so wie ich dachte“ flüstere Simon und wies auf die Erwachte, „Weder ihre Tentakel noch ihre Hände sind wieder nachgewachsen. Sie braucht viel länger, um sich zu regenerieren.“
„Ihr Drecksäcke!“ schrie das Monster, „Jetzt werde ich euch beide töten!“
Kim sprang auf und stürmte auf seine Gegnerin zu. Sie ließ erneut ihre Stachelkeulen durch die Luft sausen, doch Kim wich locker aus.
„Verdammt, warum kann ich ihn nicht treffen?“ murmelte die Erwachte. „Ach, jetzt weiß ich es. Er unterdrückt sein Yoki, sodass er für mich nicht erkennbar ist.“
Aus dem Augenwinkel nahm sie eine Bewegung wahr. Simon, der noch am Boden lag, schleuderte sein Schwert auf sie zu. Die Klinge verfehlte die Erwachte um mehr als zwei Kopflängen, und prallte an einer Felswand ab, an der sie eine lange, tiefe kerbe im Fels hinterließ.
„Wolltest du etwas bestimmtes treffen?“ höhnte das Scheusal lachend.
„Suchst du mich denn nicht mehr?“ erkundigte sich Kim.
Er saß auf einem kleinen Felsvorsprung, knapp unter der Kerbe. Die Erwachte brüllte vor Wut auf und schlug alle sechs ihr verbliebenen Stachelkeulen auf den verhassten Krieger. Kim sprang zur Seite, und der Angriff traf die Felswand, welche in Stücke brach und die Erwachte unter sich begrub.
Kim ging langsam auf Simon zu. Er grinste über´s ganze Gesicht und meinte: „Die wären wir damit wohl losgeworden. Der Auftrag ist erledigt.“
Der Steinhaufen bewegte sich. Ehe Simon Kim warnen konnte, schüttelte die Erwachte alle Steine ab und befreite sich von den Felsen. Sie fauchte und spie einen langen Stachel aus, welcher auf die Krieger zuflog. Kim wurde von hinten getroffen und der Stachel durchbohrte seinen Körper. Er drang durch den Rücken ein und trat aus dem Brustkorb wieder aus. Kim brach verletzt zusammen.
„Nein, Kim!“ schrie Simon entsetzt und wollte aufstehen. Ein scharfer Schmerz der durch seine Beine fuhr, hinderte ihn daran.
Kim zog stöhnend den Stachel heraus und stand wieder auf. Er warf den blutverschmierten Stachel weg und nahm wieder eine kampfbereite Position ein. Aus seiner Wunde tropfte unablässig Blut auf den Boden. Simon sah sich den Stachel genauer an. Er war etwa so lang wie ein Arm und hatte eine Dicke von drei Fingern als Durchmesser. Vorne war er ganz spitz, ansonsten aber gleichmäßig rund.
„Wenn ich mich in diesem Zustand heile, wird Kim sterben.“ schoss es Simon durch den Kopf, und er aktivierte mehr Yoki.
Simons Gesicht veränderte sich weiter. Sein Mund schob sich weiter vor, sodass er nun fast wie eine haarlose Wolfsschnauze wirkte. Seine Muskeln traten deutlicher hervor, spannten sich und zerstörten die Rüstung die er trug.
„60 Prozent, 70 Prozent... ich brauche mehr... 80 Prozent.“ dachte er.
Die Knochen in seinen Beinen fügten sich wieder zusammen und heilten. Simon stand auf und nahm sein Schwert auf. Er wollte den Fluss seines Yoki umleiten... doch es ging nicht. Simon brüllte, ließ sein Schwert fallen und sank zu Boden. Er kämpfte gegen das Erwachen an, aber er verlor.
Die Erwachte lachte. Kim hatte den Kampf mit ihr wiederaufgenommen, war aber viel zu schwerverletzt, um für sie ein ernstzunehmender Gegner zu sein. Sie spielt mit ihm, wie eine Katze mit einer Maus spielen mochte, und wehrte seine schwachen Angriffe halbherzig ab. Der Krieger spuckte Blut und brach zusammen. Sein Blick suchte Simon, dessen Körper sich immer weiter veränderte.
„Du schaffst es!“ ermunterte er ihn, „Wenn es mir gelungen ist, dann gelingt es sicher auch dir! Halte daran fest, was dich zum Menschen macht.“
Simon dachte an seine Familie, seine Familie die von Yomas gefressen worden war. Er dachte an Laurent, und welches Schicksal ihn ereilt hatte. Er dachte daran, wie er als Mensch ausgesehen hatte, wie er als Claymore-Krieger aussah, und dass er keinesfalls wie ein Yoma würde aussehen wollen. Und langsam, ganz langsam, sank sein Yoki wieder.
Simon legte sich auf den Rücken und seufzte erleichtert auf. Er besah seine Hände, und war froh, dass er Finger sah, und nicht Krallen, Klauen oder Tentakel. Er hatte seinen menschlichen Verstand und seinen halbmenschlichen Körper behalten, zumindest diesmal.
„Ich habe gewusst, dass du es schaffen würdest.“ flüsterte Kim.
„Du hast hier nichts mehr zu melden!“ grollte die Erwachte und schmetterte zwei ihrer Stachelkeulen auf den hilflosen Krieger.
„Nein!“ schrie Simon und sprang auf.
Er fühlte sich leichtfüßig und geschmeidig, und voller Kraft erfüllt. Wie Kim sagte, hatte das Beinahe-Erwachen seine Kraft tatsächlich um ein Vielfaches erhöht. Der Krieger nahm sein Schwert wieder auf und stürmte auf das Monster zu. Die Erwachte schleuderte alle Stachelkugeln auf den Kämpfer, der aber mühelos auswich. Ihre Tentakel spannten und streckten sich und schlugen weiter nach Simon. Dieser schwang sein Schwert so schnell, dass die Erwachte ihm mit ihren Blicken nicht folgen konnte. Alle sechs Tentakel wurden gekappt und das Monster hatte damit seine stärkste Waffe verloren.
Sie sprang in die Luft und spie einen weiteren Stachel nach Simon aus. Er wehrte diesen lässig mit dem Schwert ab. Sie öffnete ihr Maul und Dutzende Stacheln schossen heraus auf ihren Gegner zu. Simon ließ sein Schwert tanzen und zerteilte die Stachel in der Luft oder ließ sie zur Seite abprallen. Doch er traf nicht alle. Ein Stachel durchbohrte seinen linken Oberschenkel, und ein weiterer traf ihn in die rechte Schulter. Als Simon das sardonische Grinsen seiner Gegnerin sah, zog er beide Stachel wieder heraus, und die Wunden schlossen sich in weniger als einem Augenblick.
„Das... das kann doch wohl nicht wahr sein.“ hauchte die Erwachte und landete auf ihren vier verbliebenen Beinen auf dem Boden. Simon wirkte auf sie wie ein zorniger Rachedämon, und das Mädchen wandte sich zur Flucht. Sie sprang an eine Felsklippe hoch und kletterte über den Berghang, als sie hinter sich eine Gestalt sah, die ihr gefolgt war.
„Was denn? Er ist so schnell?“ dachte die Erwachte, als Simon sein Schwert kreisen ließ, und im Sprung auf sie zusauste.
„Ich lasse dich nicht entkommen.“ sagte Simon und schlug zu.
Das Schwert traf sie mehrmals und durchtrennte ihren Körper in mehrere kleine Stücke. Am Ende lag das Monster zerteilt und verstreut auf den Felsen.
Simon sprang zu Kim, der schwerverletzt noch immer dort lag, wo die Erwachte ihn hingeschleudert hatte. Sein Herzschlag wurde schwächer und seine Augen wurden langsam trüb.
„Kim, halte durch!“ rief Simon und nahm seine linke Hand zwischen seine eigenen Hände, um sie tröstend zu drücken.
„Es ist für mich wohl vorbei“ flüsterte der Krieger, und spuckte Blut, „Vergiss nicht, was ich dir über die Organisation gesagt habe, halte dich fern von ihr und bekämpfe sie.“
„Ich verspreche es dir.“ schwörte Simon.
Kim lächelte noch einmal und starb.

Simon saß lange vor dem Grab. Er hatte seinen Freund begraben, die Reste seiner Rüstung auf das Grab gelegt und sein Schwert in die Mitte gesteckt. So war es Brauch. Die letzten Worte seines Freundes, und dass was er am Abend zuvor sagte, gingen Simon immer wieder durch den Kopf.
Plötzlich hörte er hinter sich Schritte. Simon stand auf und drehte sich um. Nadja stand nur wenige Meter von ihm entfernt und sah ihn an. Mit einem Mal wurde Simon bewusst, dass er vollkommen nackt war, der letzte Rest seiner Rüstung war zerstört worden, als er beinahe seine Grenzen überschritten hatte. Lediglich das Schulterteil, in welchem er sein Schwert steckte, war noch halbwegs gebrauchbar. Er schämte sich aber nicht, dass eine Kameradin ihn so sah, zumal sein Körper auch nur zur Hälfte menschlich, und damit für Frauen vollkommen uninteressant oder sogar abstoßend war.
Nadja warf ihm eine Kutte zu, welche sie mit sich trug.
„Die war eigentlich für Kim“ sagte sie, „Er wollte unerkannt bleiben. Aber nun kannst du sie wohl besser gebrauchen.“
Simon zog sie an und schaute zu Nadja zurück. „Was wirst du der Organisation erzählen?“ fragte er schließlich.
Nadja zuckte fast gleichmütig die Schultern und antwortete: „Ich war in den Bergen. Ich habe zwei männliche Erwachte beobachtet, welche sich in der Nähe eines zerstückelten Körpers herumtrieben. Zum Glück haben sie mein Yoki nicht bemerkt, und kletterten weg, statt mich anzugreifen. Damit ist dann wohl endgültig klar, dass es keine männlichen Krieger mehr gibt.“
Simon nickte ihr dankbar zu und steckte sein Schwert wieder in die Rückenscheide. Er setzte die Kapuze auf, sodass man ihn nicht mehr erkennen würde. Nadja warf ihm eine kleine Schachtel zu, die er geschickt auffing.
„Darin sind kleine Pillen, welche dein Yoki unterdrücken. Sie verfärben auch deine Augen, sodass du dich unerkannt unter Menschen bewegen kannst. Zumindest eine zeitlang. Irgendwann lernst du es sicher auch, dein Yoki zu unterdrücken, dann brauchst du sie nicht mehr. Vielleicht solltest du dir auch die Haare färben, falls du jemals ohne Kapuze herumläufst.“ erklärte sie.
Wortlos wandte sie sich um und wollte gehen, doch Simon rief ihr nach: „Werden wir uns wiedersehen?“
Nadja antwortete: „Irgendwann werde ich wohl auch auf einer Mission verschwinden. Dann mache ich mich vielleicht auf die Suche nach dir. Bis dahin muss ich aber noch mehr in Erfahrung bringen. Ich muss noch mehr über die Organisation herausfinden. Und vielleicht gelingt es mir sogar, weitere Verbündete zu gewinnen. Bis dahin, lebe wohl. Und, Simon, bleib der der du bist und lass dich niemals töten.“
Bei den letzten Worten lächelte sie schwach.
„Auf Wiedersehen.“ antwortete Simon und wandte sich ab.
Gemäßigten Schrittes ging er weiter in die Berge. Ihm war klar, dass sich eines Tages Kriegerinnen gegen die Organisation wenden und sie stürzen würden. Auch wenn er scheitern sollte, und auch wenn Nadja nichts würde erreichen können; auch wenn er vorher doch noch erwachen oder im Kampf sterben sollte; auch wenn sein Name vergessen werden sollte, und man von den männlichen Kriegern eines Tages nur würde sagen können, dass sie eigentlich ein Erfolg waren, aber dem Genuss des Erwachens nicht widerstehen konnten; so war ihm doch eines klar. Irgendwann würde diese hinterhältige Organisation fallen.
Und er würde den ersten Hammerschlag setzen.

ENDE
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