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Was wäre, wenn dir das Schicksal eine allerletzte Chance gibt?

GeschichteDrama, Übernatürlich / P18 / MaleSlash
Carsten Reimann Leonhard "Lenny" Cöster
29.08.2011
03.04.2018
49
119.455
5
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29.08.2011 3.860
 
Hallo Ihr Lieben!

Hier das nächste Kapitel. Viel Spaß beim Lesen!

Ich danke Euch allen für das Interesse an dieser Geschichte.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag,

viele liebe Grüße,

Eure Black Cat ;-) ;-) ;-) ;-)
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°°°°°°°


(Lenny)


Unruhig im Zimmer auf und ab schreitend, überlegte ich, wie ich, Repkow am besten die Stirn bot. Repkow war nicht alleine und genau das war mein größtes Problem. Ich bat Carsten vorerst um Stillschweigen. Ich fand bestimmt noch eine andere Lösung. Repkow besaß doch bestimmt noch ein Funken Menschlichkeit. Je mehr ich darüber nachdachte, so absurder wurde mein Gedanke. Repkow und Menschlichkeit, dass ich nicht lachte. Und wenn ich den Spieß einfach umdrehte und stattdessen ihn lächerlich machte?
Ich hatte jetzt wirklich ein Problem - alles hing davon ab, dass es mir gelang, mich Repkow zu widersetzen. Ihm gekonnt die Stirn bot. Ich durfte ihm keinen Spielraum bieten, indem ich angreifbar war. Fuck, Fuck, Fuck!
Es war wirklich ein beschissenes Wochenende. Zwei verdammte Tage würde ich Carsten nicht sehen, die mir jetzt schon vorkamen wie eine halbe Ewigkeit. Am liebsten wäre ich jetzt bei ihm. Aber das ging natürlich nicht. So unter dem Motto: „Hey Stabsgefreiter, haste Bock, mit mir das Wochenende zu verbringen?”
Zumindest konnte ich, in meinen eigenen vier Wänden dafür sorgen, dass Carsten bei mir war ...
Doch als ich vor unserem Haus stand, bekam ich einen großen Schock. Suchte verzweifelt nach unserem Namensschild, bis in mein Bewusstsein drang, dass wir zurzeit noch bei Onkel Daniel wohnten, dort teilte ich mir ein Zimmer mit Lucy ...

Die reinste Horrorvorstellung. Eigentlich freute ich mich ja total auf das Wiedersehen mit meiner Familie. Immerhin waren schon Jahre vergangen, als ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Es war schon ein sehr seltsames Gefühl sie gleich alle wieder zu sehen und in den Armen nehmen zu können. Für sie, war ich bis jetzt, nur für ein paar Tage bei der Bundeswehr gewesen. Kaum hatte ich die Wohnung meines Onkels betreten, schon durfte ich mir, das dumme Gequatschte meines Vaters antun.
„Was ist denn hier los?” fragte ich fassungslos.
Fast alle Arbeitskollegen von Papa waren anwesend, sie saßen am Küchentisch und unterhielten sich angeregt.


„Lenny, na Soldat! Hammer, siehst ja aus, wie ein richtiger Kerl, was!”
Mein Vater hatte keine Ahnung davon, was beim Bund wirklich abging, schließlich wurde er selber nie dazu genötigt. Das Gequatsche ging mir dermaßen gegen die Eier, dass ich mich gleich mal in mein Zimmer verzog. Dort zog ich sofort die lästige Uniform aus. Schmiss sie achtlos in den großen Rucksack.

Bis Lucy aus der Schule kam, dauerte es mindestens noch drei Stunden. Jetzt stand ich hier und wusste nicht weiter. Was sollte ich jetzt tun? Nervös fuhr ich mir immer wieder mit der Hand über meinen Hinterkopf, entsetzt darüber, dass ich keine Lösung fand, ließ ich mich auf meine Matratze fallen. Gegen diese drei Idioten kam ich einfach nicht alleine an. Ich sah vor meinem bildlichen Auge, wie man mich über Nacht in den Spind sperrte. Die anderen beiden von meiner Stube schauten weg, waren wahrscheinlich froh, dass sie nicht auf Repkows Liste standen. Helfen würden sie mir auch nicht, aber genau diese brauchte ich dringend.

Der mir so vertraute Piepton in meinem Ohr, meldete sich wieder. Ich konzentrierte mich so sehr darauf, dass ich nicht mitbekam wie mein Vater ins Zimmer trat und zu mir sprach.
„Soldat Cöster machen Sie Meldung.”
Als ich ihn schließlich wahrnahm, schaute ich ihn genervt an. Wegen ihm saß ich beim Bund fest. Selbst schuld, hätte ich doch nur rechtzeitig verweigert. Auf der anderen Seite hatte es auch was gutes, “Carsten!”
„Sorry, ich habe geklopft. Aber hörst wahrscheinlich nur noch auf Kasernen Ton. Was?”


„Lass mich damit in Ruhe.”


„Wir machen gerade Mittagspause. Und ich dachte vielleicht hast du Lust mit mir was zu essen?”


„Ich hab keinen Hunger!”


„Erzähl doch mal. Wie ist es denn so beim Bund?”


„Wie soll es da schon sein?”


„Ich mach uns erstmal was leckeres zum Essen.”
Als mein Vater das Zimmer wieder verließ, ließ ich mich erneut auf die Matratze wieder fallen und starrte die Decke an. Meine Gedanken kreisten sich um Repkow und Konsorten, um das, was mit mir geschah, würde ich nicht schnell eine Lösung finden. Fuck, Fuck und noch mal Fuck, es sah alles andere als gut für mich aus. Dann rief auch schon mein Vater nach mir. Schwermütig verließ ich die Matratze wieder, dann das Zimmer, ging zum Esstisch und setzte mich völlig genervt hin. Also plötzlich die Türklingel läutete. Papa öffnete schließlich die Tür ...


„Ach du bist es!”


„Da ist ja Lenny!”
Meine Mutter stürmte durch die Wohnungstür und nahm mich freudig in ihre Arme.


„Komm doch rein, Iris.”


„Hallo mein Großer.”


„Hallo Mama.”
Sofort spürte ich, wie sehr sie mich liebte. Ich hatte sie total vermisst. Was hätte ich nicht alles für ihren Gemüseauflauf gegeben, den niemand so gut zubereitete konnte wie sie.  
„Mama, ich krieg keine Luft.”
Also ließ sie mich wieder los.


„Du siehst ein bisschen schmal aus.  Alles in Ordnung mit dir, Schatz?”


„Das Essen wird kalt, setz dich doch, Iris.”


„Wie geht’s dir denn Lenny?”


„Geht so!”


„Und wie kommst du mit deinen Kameraden klar?”


„Mit dem einen mehr, mit dem anderen weniger.”

„Bei unserem Telefonat neulich, hab ich den Anschein bekommen, dass es ganz schöne raue Gesellen zu sein scheinen, die mit dir auf einer Stube sind.”


„Das war Repkow, er ist ein Vollidiot.”


„Unter Soldaten herrscht halt ein rauer Ton", mischte sich Papa jetzt ein.


„Du musst es ja wissen, Alexander.”


„Na ja, ist ja kein Mädchenpensionat. Unser Großer kann das schon ab. Was Lenny?”


„Du hast doch keine Ahnung, was da abgeht. Du warst doch nie selber beim Bund. Also hör auf, so eine verdammte Scheiße zu reden. Du weißt gar nichts, nicht das Geringste. Ich wünschte, ich wäre dort nie hingegangen. Aber ich habe es nur wegen dir getan, Papa. Damit du mich nicht für so ein erbärmliches Weichei hältst. Aber weißt du was, es ist mir inzwischen scheiß egal, was du über mich denkst und wie ich deiner Meinung sein soll. Ich bin nun mal, wie ich bin. Es spielt keine Rolle mehr, ob du damit einverstanden bist, oder nicht. Es war eine verdammte Scheißidee von mir, dir auf diese Art und Weise, etwas beweisen zu wollen. Deshalb habe ich beschlossen, nachträglich zu verweigern.”


„Was? Das ist nicht dein Ernst Lenny?”
Ich musste das endlich los werden, bevor ich vor Wut noch geplatzt wäre. Mein Vater der Besserwisser, das ging mal gar nicht. Nie selber beim Bund gewesen, wusste aber angeblich, wie es dort abging. Gar nichts wusste Papa.


„Doch, das ist mein voller Ernst!”


„Du hältst auch wirklich nichts durch. Du bist doch erst seit Kurzem beim Bund. Wann hast du je was auf die Reihe gekriegt? Da wirst du etwas härter angepackt und schon kneifst du deine Eier zusammen.”


„Alexander es reicht!” mischte sich Mama sauer ein.


Wütend stand ich auf und stellte mich vor meinem Vater hin.
„Du hast echt nichts kapiert, von dem, was ich gerade gesagt habe, Papa. Warum wundert mich das jetzt nicht? Kapier es endlich. Es geht hier nicht um dein Leben. Ich alleine entscheide, wie ich leben will. Und eine Karriere bei der Bundeswehr, gehört nicht dazu. Hast du das jetzt endlich kapiert?”
Ohne auf seine Antwort zu warten, ging ich zurück in mein Zimmer, bevor die Situation zwischen uns völlig eskalierte.


„Alexander, manchmal bist du wirklich ein Riesenidiot. Die Bundeswehr ist nichts für Lenny, wenn er nachträglich verweigern möchte, dann ist es sein gutes Recht.  Deshalb brauchst du ihn nicht als Weichei abstempeln. Lenny hat völlig recht, du selber warst nie dort, weißt also nicht, wie es da abgeht. Also lass ihn bloß in Ruhe.”


„Klar Iris, du weißt über alles viel besser Bescheid. Und natürlich auch darüber, was das Beste für unseren Sohn ist.”


„Alexander, komm mir nicht so. Du kapierst wirklich gar nichts. So hat das keinen Zweck, mit dir weiter zu diskutieren. Ich gehe lieber. Tschüss.”


Einige Minuten später ...

Außer mir vor Wut und Enttäuschung lief ich wieder im Zimmer hin- und her. Mein Vater hatte mich wieder einmal zur Weißglut gebracht. Die ganze Situation setzte mir ziemlich zu. Weiß Gott, meine Familie hatte mir so unglaublich gefehlt. Jetzt, wo ich wieder mit ihnen vereint war, gab es nur Streit. Warum stellte mein Vater, erneut meine Entscheidungen in Frage? Und wenn ich noch mal mit diesem in aller Ruhe redete? Aber würde das was bringen?

Ruhelos ließ ich mich wieder auf seine Matratze zurückfallen. Fuhr immer mal wieder mit meiner rechten Hand über meinen Hinterkopf. Ungläubig schüttelte ich schließlich meinen Kopf. Mein Vater kapierte es einfach nicht, er mischte sich in mein Leben ein. Von wegen, man würde mich nur etwas härter anpacken, mein Vater hatte echt keinen Schimmer. Zum weiteren Nachdenken kam ich nicht, da Lucy die Tür aufriss und auf mich zu stürmte. Freudig nahm auch  sie mich in ihre Arme. Augenblicklich wurde mir bewusst, wie sehr ich meine kleine, nervige Schwester, vermisst hatte. Unsere Gespräche, genauso wie unseren vertrauten Umgang miteinander, all das, war mir stets wichtig gewesen.


„Deine Lieblingsschwester ist wieder da. Hey, das ist toll, dass du wieder da bist.”


„Es tut echt gut, wieder zu Hause zu sein.”
Dann saßen wir auf meiner Matratze und quatschten über dies und das.


„Ausgerechnet Phillip, ich hätte niemals gedacht, dass wir mal Freunde werden.”


„Freak und Freak, passt doch ganz gut.”


„Halt die Klappe. Erzähl lieber wie war die erste Woche beim Bund?”


„Geht so.”


„Na, da gibt es doch sicher jede Menge Idioten.”


„Na ja, die gibt es doch überall.”


„Und wer nervt am meisten?”


„Na ja, da ist einer auf meiner Stube, ein richtiges Arschloch. Nach oben buckeln und nach unten treten. Der hält sich für den Obercoolsten und alle kuschen vor dem. Der macht jeden zur Sau, der ihm nicht in den Kram passt.”


„Hast du auch richtig Stress mit dem?”


„Ja, den hab ich.”
Ich hatte es satt wieder alles in mich hineinzufressen. Und meiner Schwester konnte ich vertrauen. Trotzdem würde ich ihr nicht alles erzählen, damit sie sich nicht unnötig um mich Sorgen machte.
„Besonders seine Sprüche nerven.”


„Was willst du jetzt dagegen unternehmen? Du kannst zwar einfach weghören, wenn der dummes Zeug labert, aber ob das die Lösung ist?”


„Wohl kaum, deshalb habe ich beschlossen, nachträglich zu verweigern. Aber dieser Typ ist nicht der einzige Grund, die Bundeswehr ist einfach nicht mein Ding. Das habe ich auch schon Mama und Papa erzählt. Papa hat natürlich ein Problem damit, aber um ihm geht es nicht, sondern nur um mich. Auch wenn er das nicht kapieren will. In ein paar Wochen kann ich der Bundeswehr den Rücken zu kehren. Aber bis es soweit ist, heißt es durchhalten.” ließ ich sie gefasst wissen.


„Ich finde es gut, dass du verweigern willst. Vergiss Papa, der hat doch nun wirklich keine Ahnung, wie es beim Bund ist.”


„Du Lucy, ich gehe jetzt duschen.”


„Mach das Lenny. Ich verzieh mich ins Wohnzimmer, dort warten schon die Hausaufgaben auf mich. Bis später dann.”

„Bis später Lucy.”


Dreißig Minuten später ...

Frisch geduscht betrat ich gerade mein Zimmer, als sich mein Vater an meinen Bundeswehrsachen zu schaffen machte. Wütend kam ich gleich zur Sache.
„Was machst du da?”


„Macht doch ganz schön was her, was!”


„Das sind meine Sachen, bist du pervers?”


„Sach mal, was ist denn los mit dir? Ich wollte doch nur kurz deine Uniform anschauen. Das wird ja wohl nicht so schlimm sein. Willst du wirklich nachträglich verweigern?"


„Ja, das werde ich. Ende der Diskussion. Wann kriege ich eigentlich mein eigenes Zimmer?”


„Du weißt doch wie wenig Platz wir haben.”


„Ich kenne keinen achtzehnjährigen der sich mit seiner kleinen Schwester das Zimmer teilen muss. Nicht mal am Wochenende kann man seine Ruhe haben, ständig nervt jemand.”


Lucy gesellte sich zu uns, das laute Gebrülle überhörte man nicht.
„Zofft ihr euch schon wieder?”
Papa schien mich nicht wiederzuerkennen. Verstand einfach nicht was in mir vorging. Schnappte sich Lucy und machte dann fassungslos von außen die Tür zu. Ich hatte so was von die Schnauze voll. Zog mich an und bemühte mich, dass ich mich wieder beruhigte. Dann legte ich mich wieder auf die Matratze und versuchte, etwas Schlaf zu finden, als Lucy ins Zimmer platzte.
„Lenny?" flüsterte sie.


„Kann man nicht mal für fünf Minuten seine Ruhe haben?”


„Sorry, wollte nur meine Tasche haben, bin schon wieder weg.”


Kaum war Lucy verschwunden, platze Papa rein.
„Lenny? Lenny?”


„Was denn?” maulte ich sauer.


„Ich wollte nur sagen es tut mir leid. Ich weiß du solltest eigentlich dein eigenes Zimmer haben. Was ist denn los?”

„Kopfschmerzen!” blaffte ich genervt.


„Okay. Ich gehe dann mal wieder! Soll ich dir noch eine Tablette holen?” fragte er ein wenig besorgt.
Ich schüttelte nur mit dem Kopf. Ich wollte nur, dass er endlich aus dem Zimmer verschwand.
„Wenn du doch etwas brauchst, dann sagst du Bescheid, ja? Und wegen des Zimmers überleg ich mir was. In Ordnung? Ich habe da auch schon eine Wohnung für uns im Auge. Vielleicht klappt es ja. Dann habt ihr wieder euer eigenes Zimmer. Und wegen deiner Verweigerung, überleg es dir noch mal.“


Mein Vater bekam keine Antworten von mir. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben. Dieser grelle Piepton in meinem Ohr, schaffte mich. Egal, was ich auch versuchte, ich wurde dieses unerträgliche Piepen nicht los. Mit meinen Überlegungen kam ich auch nicht weiter. Ich erinnerte mich daran, wie ich damals aus reiner Verzweiflung, ein Glas Wasser mit Salz getrunken hatte, damit ich länger zu Hause bleiben konnte. Aber das kam jetzt nicht in Frage, schließlich war das auch keine Dauerlösung. Ich musste mich Repkow stellen, auch wenn es mir nicht gefiel. Ich konnte vor meinen Problemen nicht wegrennen, was dann mit mir geschehen würde, wusste ich ja jetzt ...


Wieder bei der Bundeswehr ...

Auf dem Weg zu meiner Stube bekam ich ein ungutes Gefühl. Was erwartete mich dort? Ich spürte, eine unangenehme Enge in meiner Brust. Als ich in die Stube trat, umgab mich eine Stille, von den anderen, war weit und breit noch nichts zu sehen. Schnell verstaute ich meine Sachen ordentlich in den Spind. Ich hatte mich gerade auf mein Bett gesetzt, als Repkow und die anderen ins Zimmer platzten.


„Na, du verdammtes Kameradenschwein. Haste dich bei deinem großen Beschützer, am Donnerstagabend, genug ausgeheult? Glaub ja nicht, dass du einfach so davon kommst.”
Repkows Stimme spiegelte seinen Hass gegen mich wieder. Ich schwieg, egal was ich ihm jetzt antworten würde, es änderte ja doch nichts.
„Die Schwuchtel redet wohl nicht. Oder hast du einfach Angst? Die solltest du auch haben, schließlich ist dein Beschützer, nicht rund um die Uhr bei dir. Ich mach dich fertig Jenny.”


Ich stand auf, schaute Repkow eiskalt in die Augen.
„Repkow du bist echt das Letzte. Du willst mich also fertig machen, da haste aber Glück gehabt, dass du zwei Doofe gefunden hast, die dir helfen, allein würdest du doch nicht gegen mich ankommen. Und dass der Rest der Stube einfach wegschaut, kommt dir natürlich auch sehr gelegen. Wer ist hier das feige Kameradenschwein? Drei gegen einen, wirklich sehr kameradschaftlich, überhaupt nicht feige. Du miese, erbärmliche kleine Ratte. Ohne Stubbe und Katz bist du ein Niemand. Egal wie oft ihr mich in den Spind sperren werdet, mich feige und hinterhältig angreift, du bleibst ein Niemand. Tatsache bleibt Tatsache. Du tust mir echt leid und das ist schon erbärmlich, tauschen möchte ich mit dir niemals.“


„Jetzt habe ich genug von dir, heute Nacht wirst du im Spind übernachten. Dann kannst du uns ein gute Nachtlied singen. Und kein Wort zu Reimann, sonst wirst du bluten", schnauzte Repkow sichtlich aufgebracht.
Er war außer sich vor Wut, ich unterwarf mich ihm nicht.
Dann versuchte ich auch noch an das Gewissen der anderen zu appellieren. Nicht mit Repkow. Stubbe und Katz waren nach wie vor auf seiner Seite. Und die anderen beiden, würden aus Angst bestimmt nicht gegen Repkow vorgehen. Trotzdem hatte ich es endgültig satt, mir alles gefallen zu lassen. Ich nahm mir ganz fest vor, egal, was auch passierte würde, mich gegen Repkow, Katz und Stubbe zu wehren. Repkow war in meinen Augen ein Niemand.
Ich hatte Repkow durchschaut und war nicht bereit wieder dessen Opfer zu sein, mit dem er alles machen konnte. Nicht noch einmal. Ich nahm ab sofort keine Rücksicht mehr auf Repkow. Pitbull war wieder da und diesmal bekamen nur die Menschen was ab, die es verdient hatten. Als Pitbull legte ich mich locker mit drei Leuten gleichzeitig an. Warum sollte ich mein Wissen und meine Kampftechniken nicht dafür nutzen?
Auch mit Tuner und den Scholzis hatte ich mich angelegt, wenn es nötig war und die waren nun wirklich nicht harmloser als Repkow, Stubbe und Katz. Mir war durchaus bewusst, dass ich die Kämpfe nicht unverletzt überstehen würde , aber meine Gegner auch nicht. Ich hatte mir damals geschworen, dass ich nie wieder ein Opfer sein würde, die Zeit war gekommen, dass ich mein Schwur umsetzte ...
Eine bedrückende Stille hatte sich im Raum verteilt. Noch immer hielt ich den Blickkontakt zu Repkow stand. Als plötzlich Carsten in die Stube platzte ...


„Was ist hier los?“ fragte er aufgebracht.
Wir schauten ihn sofort an.
„Ich habe was gefragt.“


„Nichts Herr Stabsgefreiter.“
Mein Herz jubilierte, als ich endlich wieder in Carstens Augen schaute.
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(Carsten)

Ich war besorgt, deutlich spürte ich, den Hass, der sich gegen Grenadier Cöster richtete.
„Los fertig machen, zur ABC - Übung.“


„Ja wohl, Herr Stabsgefeiter.“


„Ihr habt fünf Minuten.“
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(Lenny)


Laut ertönte die Stimme vom Unteroffizier Meister, der den ABC - Alarm auslöste ...
„Wenn Sie nicht krepieren wollen dann sollten Sie Ihre Gasmasken aufsetzen. Zehn, neun, acht ...”


„Kommen Sie Cöster. Ich helfe Ihnen, so geht’s leichter.”


„Danke, Herr Stabsgefreiter!”


„Sieben, sechs ... Alle Mann Stopp, Grenadier Repkow ist soeben krepiert. Repkow, mit Ihren Verhalten haben Sie die ganze Gruppe in Gefahr gebracht. Sie robben jetzt alleine so lange durchs Feld, wie ich es Ihnen sage.”


Ich grinste, endlich bekam Repkow einen verdienten Anschiss ...


Die ABC - Übung war zu Ende, nachdem Repkow, einige Male durchs nasse, matschige Feld kriechen musste ...
Ich wollte mit Carsten sprechen, aber er kam mir zuvor ...



„Na, lief doch ganz gut heute!”


„Mmh", nuschelte ich.


„Die ABC - Ausrüstung macht den meisten am Anfang noch zu schaffen.”


„Ich wollte noch mal mit Ihnen reden.”


„Stimmt. Und?” hakte Carsten hellhörig nach.


„Also ich will nachträglich verweigern.”


„Wieso das denn, Cöster?”


„Das hier ist einfach nicht mein Ding. Ich muss hier raus, am besten sofort.”


„Lassen Sie uns, in Ruhe darüber reden. Am besten wir setzen uns dazu in die Sonne. Kommen Sie Grenadier Cöster.”


„Ja wohl, Herr Stabsgefreiter.”


„Was bei uns zählt ist Teamwork und Verantwortung. Das wird Ihnen im späteren Leben immer wieder helfen.”


„Teamwork? Hier geht es doch nur darum, sich gegenseitig fertig zu machen.”


„Sie meinen die arroganten Arschlöcher wie Repkow, zum Beispiel?”

“Zum Beispiel.”


„Ich war auch drauf und dran alles hinzuschmeißen, weil ich auch zwei von der Sorte, auf meiner Stube hatte. Nur dann habe ich mir überlegt, um wem es hier eigentlich geht. Um mich. Um mein Leben. Um das was ich will. Ich bin froh, dass ich mir nicht von irgendwelchen Blödmännern, hab die Zukunft versauen lassen. In zwei Wochen spätestens ist Repkow weg. Mein Wort drauf. Ich kenn das. Ich würde mich freuen, wenn du bleibst.”
Carsten reichte mir die Wasserflasche, die ich natürlich annahm.
„Mein Name ist Carsten.”


„Mich nennt man Lenny. Mag sein, dass du Recht hast, trotzdem möchte ich nachträglich verweigern. Repkow ist zwar ein Grund, aber nicht der Einzige. Also hilfst du mir?”


„Schade, dass du trotzdem den Bund verlassen willst, klar helfe ich dir. Es ist deine Entscheidung, dabei hättest du echt gute Chancen, Unteroffizier zu werden. Am besten du kommst morgenfrüh in mein Büro und holst die entsprechenden Unterlagen ab. Okay?”

„In Ordnung, danke.”


„Dann wäre das geklärt. Ich würde sagen, du gehst jetzt duschen, der Gestank ist ja nicht auszuhalten.”


„Ja wohl, Herr Stabsgefeiter.”


„Abmarsch mit dir.”
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(Carsten)


Als ich Lenny hinterher schaute, überrollte mich ein Verlustgefühl. Mir wäre es lieber, wenn Repkow, Stubbe und Katz die Bundeswehr verlassen müssten. Lenny wäre mit Sicherheit ein guter Ausbilder geworden, die anderen drei Volldeppen, waren in meinen Augen dafür ungeeignet. Denen fehlte einfach die Menschlichkeit.

Im Grunde verstand ich Lenny sehr gut. Auch ich war schon längere Zeit unzufrieden, immer diese Repkows und Konsorten, mit denen man sich abgeben und herumärgern musste, aber das konnte ich Lenny schlecht sagen. Gott sei Dank, waren die Jahre, die ich mich verpflichtet hatte, bald vorbei. Für mich gab es keinen Grund, warum ich mich weitere vier Jahre verpflichten sollte. Schließlich wollte ich nicht ewig nur Stabgefreiter bleiben, der sich mit den Rekruten herumärgern musste, irgendwie ging es mit meiner Karriere nicht vorwärts. Ich hörte jetzt schon meinen „Alten", wie er mich als Versager beschimpfte  ...

Ich beschloss, dass ich genug gegrübelt hatte und machte mich ebenfalls auf dem Weg, allerdings würde ich nicht duschen gehen, sondern mein Büro aufsuchen. Im Büro wartete noch eine Menge Papierkram auf mich. Man hatte ich vielleicht eine Lust dazu. Vor meiner Bürotür, lief mir Repkow fast in die Arme. Er bekam gleich mal eine ordentliche Abmahnung. Nach wie vor behielt ich ihn im Auge ...
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(Lenny)


Fünfzehn Minuten später ...

Ich war gerade im Begriff die Dusche zu verlassen, als mir Repkow, Katz und Stubbe den Weg versperrten ...


„Jetzt zeigen wir dir mal, was wir mit Verrätern machen.”
Sie stürzten sich auf mich. Ich verpasste ihnen, einige gekonnte Schläge, sie gingen zu Boden. Repkow, Katz und Stubbe waren irritiert, damit hatten sie nun wirklich nicht gerechnet.
Ich war verflucht schnell mit der Verteilung meiner Schläge. Strategie war alles in so einem Kampf, sonst waren meine Chancen gleich null. Nur leider dauerte es nicht lange, sie standen wieder auf, stürzten sich erneut auf mich. Sie umkreisten mich und packten gleichzeitig zu ...
Katz hielt mich fest, während Repkow mir ins Gesicht schlug. Daraufhin trat ich diesem in die Eier. Schmerzhaft schrie Repkow auf und krümmte sich. Stubbe verpasste mir gerade einen Schlag in den Magen, als sich Carsten einmischte ...


„Sofort aufhören, lassen Sie ihn sofort los. Repkow, ich hätte Sie für schlauer gehalten, so wird das nichts mit der Unteroffizierskarriere. Und jetzt raus hier.”
Wütend verließen sie den Duschraum.
„Alles in Ordnung Lenny? Brauchst du einen Arzt?”


„Nein, ich brauche keinen Arzt. Danke, geht schon", antwortete ich angeschlagen.


„Bist du dir sicher?” hakte Carsten erneut besorgt nach.


„Ganz sicher, Carsten.”


„Okay, wie du meinst. Dann zieh dich jetzt an, anschließend kommst du zu mir ins Büro.”


„Mach ich, bis gleich.”


„Bis gleich.”
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(Carsten)

Ich war außer mir. Ich fasste es immer noch nicht, was sich gerade im Duschraum abgespielt hatte. Drei gegen einen, was für feige Schweine. Hoffentlich würde Lenny Meldung machen, sie durften nicht einfach so davon kommen ...
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(Lenny)


Als er das Büro betrat, war Carsten nicht alleine.
„Setzen Sie sich Grenadier Cöster.”


„Danke, Herr Stabsgefreiter.”


„Ich kann den Vorfall melden. Aber dazu brauche ich Ihre Aussage. Repkow wurde bereits von mir verwarnt. Jetzt wird ein Disziplinarverfahren gegen ihm eröffnet werden.”


„Das heißt?”


„Dass er die Truppe verlassen muss. Er wird rausgeschmissen! Dann sind Sie ihn los!”


„Wo muss ich unterschreiben?”
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