Faust I: Ungehaltene Rede einer ungehaltenen Frau

von Ilai
GeschichteAllgemein / P12
25.08.2011
25.08.2011
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Sehr geehrte Teilnehmerinnen der Feministisch Christlichen Partei,
ich freue mich außerordentlich, Sie alle begrüßen zu dürfen. Besonders freut es mich, dass weit und breit das männliche Geschlecht nicht zu anzutreffen ist!
Wie gut, dass wir unter uns sind und wie bedrückend der Anlass wegen dem wir uns heute so kurzfristig versammelt haben:
Ich muss Ihnen mitteilen, dass Margarethe von uns gegangen ist. Viele von Ihnen werden sie wahrscheinlich unter dem Namen Gretchen kennen: ein äußerst liebes, frommes Mädchen, das immer verantwortungsbewusst ihre Pflichten erledigt hat und doch ab und zu mit dem ein oder anderen getratscht hat, nicht wahr meine Damen?
Nun aber zum eigentlichen Thema, denn Gretchen ist nicht einfach so von uns gegangen. Mit ihren doch so zarten 14 Jahren ist sie in Gottes Reich aufgestiegen und hat in den letzten Augenblicken ihres Lebens um Erlösung gefleht. Oh- körperlich gesehen, ging es ihr eigentlich gar nicht mal so schlecht, mal von der Schwangerschaft abgesehen.
Oh ja! Schwangerschaft! Meine Damen, ich höre doch schon ihr Getuschel, aber hören sie zu Ende. Ich bin sicherlich nicht hier, um eine von uns zu verurteilen!
Kennen Sie nicht das Gefühl, in  jemanden verliebt zu sein und für ewig mit ihm irgendwo nah bei einander zu verweilen? Ah- einige lächelnde Gesichter sehe ich da, doch die eine oder andere Dame scheint doch etwas betrüblich?
Und nun stellen Sie sich folgende Situation vor:
Ein junges, unschuldiges Mädchen, verliebt sich in einen Schönling, der selbst in großem Maße von ihr schwärmt, ihr mit einen Geschenken huldigt und kein Augenblick seines Daseins lebenswert ohne sie wäre.
Und jetzt übersetze ich mal die wahren Absichten eines Mannes, der so handelt:
Die Schwärmerei ist notwendig, damit man auf ihn aufmerksam wird, das Geschenk wider rum ein Danke dafür, dass man ihm die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hat. Mal ganz ehrlich, wer von Ihnen ist denn nicht entzückt, ein wertvolles Schmuckkästchen von dem männlichen Geschlecht zu erhalten? Man wird schon ganz weich und zutraulich. Noch ein paar kleine Komplimente hier und Schwups wird Liebe gemacht.
Was wir Frauen nicht bedacht haben? Es ist doch langweilig für den Mann, immer wieder die gleiche Tour zu vollziehen. Herausforderungen sind doch viel interessanter! Also springt der Herr von Bett zu Bett.
Dass eine Frau dann noch schwanger wird, entehrt wird, ihrer großen Liebe so sehr vertraut hat, dass sie unabsichtlich die eigene Mutter getötet hat, ja das ist ja mal völlig unwichtig! Und dass der Mann den Bruder noch tötet -nebensächlich! Wenn die Frau dann noch wahnsinnig wird und daraufhin ihr Kind umbringt… ach ihre Gefühle interessieren doch keinen! Ist `ne Frau!  Na, die ist eindeutig eine Hure, sollte zum Tode verurteilt werden! So eine Frau muss dafür büßen! Alles ihre Schuld!
Was lernen wir daraus? Männer sind Schweine.
Mit diesen Worten verabschiede ich mich, meine Damen… lernen sie aus meinen Fehlern und hören sie auf zu lieben! Gott ist die einzig wahre Liebe!
Ich wende mich nun ihm zu.

Verbleibe die Eure- die verstorbene Margarethe
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