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Alsharin Himmelsflamme - Oneshotsammlung

von Tarvian
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
21.08.2011
28.08.2011
2
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21.08.2011 1.352
 
„Lass dich ansehen Liebes.“ Die spitzen Lippen zu einem Lächeln verzogen beugte sich Sillária Himmelsflamme vor um das Gesicht ihrer Tochter im Spiegel begutachten zu können. Dabei legte sie ihre Hände auf Alsharins Schultern.
„Auf deinen Lippen ist zu viel Farbe. Das wirkt aufdringlich.“
Sofort trat das Dienstmädchen, welches bei Sillárias Eintreten gehorsam zur Seite getreten war, an das Schminktischchen und begann die rote Lippenfarbe mit einem Tuch abzustreichen. Sillária beäugte das Tun des Mädchens mit kritischem Blick.
„Pass auf, dass ihre Mundwinkel nicht voller Farbe sind.“, fuhr sie das Mädchen an.
„Natürlich, Lady Himmelsflamme“, antwortete die Bedienstete gehorsam und säuberte penibel die Mundwinkel, wohl darauf bedacht nicht mehr Farbe als nötig auf Alsharins Gesicht zu verreiben.
„Sehr gut. Tritt bei Seite.“, befahl Sillária und trat neben ihre Tochter. Mit spitzen Fingern griff sie nach einem der bereitliegenden Farbpinseln, nahm ein warmes, nicht allzu kräftiges Rot mit ihm auf und begann die Farbe auf Alsharins Lippen aufzutragen.
„Du wirst wunderschön aussehen, Liebes. Du wirst die erste Wahl von Lady Salithrien sein.“
Alsharin drehte den Kopf leicht um ihre Mutter direkt ansehen zu können.
„Denkt Ihr nicht, dass die anderen Mädchen nicht auch-“
„Tatata“, fiel Sillária ihr ins Wort. „Keine der anderen Bewerberinnen wird so gut aussehen wie du. Denn wir wissen, worauf es ankommt.“ Sie lächelte, während Alsharin nur leicht nickte. Dann legte sie den Pinsel zurück auf das Tischchen und griff nach einer silbernen Kette, deren Blickfang ein blitzender Brillant bildete.
„Mutter.“
„Ja, mein Liebes?“
„Diese Kette muss ein Vermögen gekostet haben.“
Sillária lächelte erneut. „Wenn es darum geht, dass meine Tochter Gesellschaftsdame von Lady Salithrien wird, dann lasse ich mir das gerne etwas kosten.“
„Aber Mutter…“
„Kein Wort weiter.“, unterbrach Sillária Alsharins Widerspruch und steckte ihr zwei Ohrringe an, die mit mehreren Brillanten geschmückt waren. Alsharin schaute nur fassungslos ihr Spiegelbild an. Das Licht brach sich in einigen der Diamanten.
„Deine Hand, Liebes.“ Alsharin schaute ihre Mutter an, während diese bereits Alsharins rechte Hand in die ihre nahm und ihre einen Ring ansteckte.
„Mutter…mir fehlen die Worte.“
„Aber nicht doch, mein Herz. Dieser Schmuck ist einer Dame deines Standes mehr als nur angemessen.“
Alsharin wollte etwas erwidern, wurde jedoch von der sich öffnenden Tür unterbrochen. Sie drehte sich auf ihrem mit rotem Samt bezogenen Schemel herum und blickte den Elfen an, der den Raum betrat. Er hatte langes silbrig graues Haar und war in eine mehrlagige Robe aus vorwiegend weißem Stoff gekleidet.
„Hochmagister Himmelsflamme“, war es von dem Dienstmädchen zu hören, die sofort einen Knicks machte und gehorsam zu Boden schaute.
„Vater.“, sagte Alsharin lächelnd.
„Meine Tochter. Komm her, lass dich ansehen.“, sagte der Elf mit wohlklingendem Bass. Alsharin erhob sich und der silberne Stoff ihres Kleides fiel elegant an ihrem schlanken Körper hinab.
„Wunderbar. Einfach nur wunderbar.“
„Ich danke Euch, Vater.“ Sillária trat neben ihren Gatten und beschaute ihre Tochter.
„Ihr sprecht mir aus tiefster Seele Varedh. Lady Salithrien wird hin und weg sein.“
„Wie wahr, wie wahr.“ Alsharin konnte nur lächeln.

„Dort ist es.“ Der Bedienstete deutete auf ein prunkvolles Anwesen, dessen Fenster direkt auf den Sonnenhof schauten. An der Hauswand standen die Prunkwinden in voller Blüte.
„Achte auf deinen Blick“, raunte Sillária ihrer Tochter zu, die beeindruckt zu den Kletterpflanzen empor blickte.
„Weiter jetzt“, fügte Varedh hinzu. Sie folgten dem Bediensteten durch das Eingangsportal, durchschritten die Eingangshalle und betraten den edel eingerichteten Salon. Varedh sah sich um und wendete sich seiner Frau zu.
„Die Sonnenlieds sind hier, sowie die Rubinschwinges. Und neben dem Kamin stehen die Wolkensangs.“, flüsterte er ihr zu.
„Gut gut. Kannst du die Sonnenzorns irgendwo entdecken?“
„Nein. Aber dafür Morgenwind, Lourille und Falithrien. Und einige, deren Stand viel zu niedrig ist, als dass sie es schaffen könnten.“
„Sehr gut.“ Alsharin beugte sich leicht in die Richtung ihres Vaters.
„Sogar Admiral Silbersturm. Am Fenster.“, flüsterte sie ihm zu.
Varedh drehte seinen Kopf dezent, um zum Fenster schauen zu können. „Tatsächlich.“ Überall im Salon standen Vertreter der Adelshäuser Quel´Thalas´ mit ihren Töchtern. Jeder von ihnen führte leise Gespräche unter sich und beäugte die Vertreter der jeweils anderen Häuser. In diesem Moment trat ein älterer Elf durch die Tür und verkündete mit näselnder Stimme: „Die Bewerberinnen mögen sich in der Eingangshalle einfinden.“
Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und verschwand in die Eingangshalle. Die Adeligen folgten ihm, eine Familie nach der anderen.
„Die Damen mögen dann vortreten, wenn sie aufgerufen wurden“, rief die näselnde Stimme über das Rascheln der Kleider und Roben und der Geräusche der Schuhabsätze hinweg.
Auf der ausladenden Treppe der Eingangshalle standen Lord Alasath und Lady Rubiniriel von Salithrien mit ihrem Sohn Adamus und schauten die versammelten Adeligen mit gekünsteltem Lächeln an.
„Als erste möge Lady Silbersturm vortreten.“ Die junge und blondhaarige Tochter des Admirals trat vor und stellte sich vor die Salithriens, die sie eingehend musterten. Alsharins Blick ruhte nicht auf ihrer Konkurrentin, sondern auf Adamus, dessen Blick ganz offensichtlich nur dem Ausschnitt der ersten Bewerberin galt. Da ertönte plötzlich wieder die näselnde Stimme.
„Lady Silbersturm. Schwört Ihr, dem Hause Salithrien treu zu dienen?“
„Ja, bei der Ehre meines Hauses. Das schwöre ich.“, antwortete die Angesprochene.
„So nehmt Euren Platz ein.“ Der Diener deutete neben den rechten Endpfeiler der Treppe, vor dem sich die Aufgenommenen zu platzieren hatten und den Lady Silbersturm nun direkt ansteuerte.
„Sie hat den selben Schwur geleistet, wie wir ihn vorbereitet hatten“, flüsterte Sillária Varedh zu.
„Ich weiß.“, erwiderte dieser mit zusammengekniffenen Zähnen.
„Als nächste möge Lady Sonnenlied vortreten.“
Eine braunhaarige Elfe in einem blaugrauen Kleid trat vor und senkte demütig den Blick vor den Salithriens.
„Lass dir schnell einen anderen Schwur einfallen. Wir können es uns nicht erlauben, das Gleiche zu schwören, wie Silbersturm“, sagte Varedh zu Alsharin in schnellem Flüsterton.
„Natürlich Vater.“
Alsharin blickte zu Lady Salithrien. Sie hatte ihr schwarzes Haar zu einem festen Knoten zusammengebunden. Der scharfe Blick hätte es fast mit dem von Sillária aufnehmen können. Dann nickte sie nur ganz leicht und schon ertönte die näselnde Stimme erneut.
„Lady Sonnenlied. Schwört Ihr, dem Hause Salithrien treu zu dienen?“
„In aller Demut schwöre ich dem Hause Salithrien meine Treue und meine Dienste.“
„Bei allen Sonnen, seit wann schwören die Sonnenlieds Dienst in Demut?", ging es Alsharin durch den Kopf.
„Lady Rubinschwinge möge vortreten.“
„Und da wäre die Dritte“, flüsterte Sillária Varedh zu.
Und tatsächlich wurde auch Lady Rubinschwinge der Treueschwur abgenommen.
„Nur noch zwei. Und wir können nichts tun.“
„Hab Geduld und vertrau unserer Tochter. Sie wird es schaffen.“
Die Ungeduld war Sillária deutlich anzusehen. Doch glücklicherweise wurden die nächsten sechs Bewerberinnen allesamt mit den Worten „die Nächste möge vortreten“ abgewiesen.
„Lady Himmelsflamme möge vortreten.“
Alsharin trat vor. Kurz schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, ihre Eltern anzusehen, doch sofort schalt sie sich dafür. Es wäre unschicklich gewesen. Und es hätte von Unsicherheit gezeugt. Einige Schritte vor der Treppe blieb sie stehen, senkte den Blick und legte ihre Hände in einander. Warten. Nichts geschah. Ob es bei den anderen auch so lange gedauert hatte? Dann schien die Stimme des Dieners zu dröhnen.
„Lady Himmelsflamme. Schwört Ihr, dem Hause Salithrien treu zu dienen?“
Alsharin wollte aufschauen, doch auch diese Bewegung gestattete sie sich nicht. Stattdessen sprach sie mit zu Boden gerichtetem Blick.
„Ich schwöre, dass all mein Handeln von Treue dem Hause Salithrien gegenüber geleitet sei. In aller Dankbarkeit über ihre Gnade, stelle ich mich in den Dienst, dieser ehrbaren Familie und schwöre weiterhin, demütig und gehorsam zu sein.“ Von irgendwo konnte man eine Stimme flüstern hören, jedoch waren die Worte nicht zu verstehen. Hatte sie zu viele Worte gesprochen als Ihr zugestanden hatten? Oder hatte sie gar falsch formuliert? Sie wusste es nicht. Erst jetzt wagte Alsharin es aufzublicken, mied dabei jedoch die Salithriens und schritt zu den anderen drei zukünftigen Gesellschaftsdamen. Als sie ihren Platz vor dem Pfeiler einnahm, blickte sie zu ihren Eltern. Sillária beäugte bereits die vortretende Elfe, während Varedh seiner Tochter kurz zulächelte, ehe auch er den Blick wieder nach vorn richtete. Innerlich jubelte Alsharin. Sie hatte es geschafft. Sie gehörte nun zur gehobenen Dienerschaft der Salithriens. Sie wusste, was nun auf sie zukam und dass nur die erste Hürde genommen worden war.
 
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