Unser Lieblingssong

von Petite
GeschichteRomanze / P12
Benni Fabi Jo Mäx
21.08.2011
26.09.2011
20
19831
 
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Sonntagabend:
Ich saß auf Jo's Bett und blickte meine Tasche an. Schon wieder war das Wochenende viel zu schnell um, schon wieder musste ich zurück nach Frankfurt um dort meiner Arbeit nach zu gehen. Ich seufzte, griff nach dem Top das neben mir lag um es zu falten und danach in die Tasche zu stecken. So konnte das nicht weitergehen. Mit jedenmal dass ich ging entfernten wir uns wieder voneinander. Wir wurden uns immer fremder.
Ich wusste, dass es nicht nur mir so ging. Auch Jo war in letzter Zeit sehr abwesend und zurückhaltent gewesen. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich gesagt, dass wir uns überhaupt nicht kennen.
Ich packte weiter meine Tasche, wie in Zeitlupe stopfte ich meine Sachen hinein. Mein Herz hämmerte wie wild in meiner Brust, als ob es gleich mit einem riesen Schlag aufhören würde zu schlagen. Ich spürte wie mein Gesicht heiß wurde. Mir schossen Tränen in die Augen. Das konnte doch jetzt wohl nicht wahrsein, wieso fing ich denn jetzt auch noch an zu heulen? Außgerechnet jetzt! Hektisch kramte ich in meiner Handtasche nach einer Packung Taschentücher und atmete tief ein. Ganz ruhig. Noch ist nichts schlimmes passiert.
Die Tür ging auf. Jo trat ein Stück ins Zimmer und lehne sich in den Türrahmen.
"Hey.", seine Stimme war belegt.
Er spürte wohl auch, dass es zwischen uns nicht mehr so wie früher war.
Ich räusperte mich: "Hey"
Meine Stimme brach ab. Oh gott, wenn er jetzt auch noch bemerken würde, dass ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch war, würde das ganze heute Abend in einer Katasrophe enden.
"Bist du sicher, dass du selbst fahren willst? Du kannst doch auch mit dem Zug fahren und nächste Woche dein Auto mitnehmen.", er drehte mit dem Zeigefinger seine lederne Kette am Hals hin und her.
"Achwas",erwiderte ich und schüttelte den Kopf."Ich fahr schon, kein Thema."
Er nickte und trat ins Zimmer. Ich stand vom Bett auf und sah auf meine Füße. Ich konnte ihn nicht ansehen, dass machte den Abschied nur noch schwerer. Wir hatten schon viele solcher Abschiede hinter uns, doch irgendwie wurde es jedesmal schlimmer. Kein Abschied war wie der andere. Sie waren grausam und ungerecht, doch sie waren nötig. Jo nahm meine Hände. Seine Hände waren warm und trocken, wie immer. Meine waren eiskalt. Meine Ohren begannen zu rauschen. Ich hatte das Gefühl gleich in Ohnmacht zufallen. Ich sah nicht auf, versuchte mich auf meinen Atem zu konzentrieren und schloss die Augen. Jo sagte nichts. Er stand einfach da, hielt meine Hände und strich mit den Daumen über meinen Handrücken. Alles was er in diesem Moment hätte sagen können, hätte es auch nicht besser gemacht, dass wusste er. Eine Weile standen wir so da. Ich verkrampft, im Kampf mit mir selbst, in der Hoffnung nicht die Fassung zu verlieren, Jo hilf- und ratlos. Da klingelte mein Handy. Ich zuckte zusammen. Jo ließ meine Hände los und sah auf den Schreibtisch zu meinem wild vibrirenden Handy. Ich öffnete die Augen, schlich mich an ihm vorbei und schaute auf die Telefonnummer. Es war Sabrina, meine  beste Freundin. Ich drückte auf 'ablehnen'. Gemein, ich weiß. Aber ich war jetzt nicht in der Verfassung mit ihr zu sprechen, wenn ich einige Kilometer gefahren war und Rast machte würde ich sie zurückrufen.Sie hatte immer Verständnis. Ich nahm mein Handy und ließ es in meine Handtasche neben meiner Reisetasche fallen.
"Ich sollte lieber los, sonst komme ich erst morgen in Frankfurt an.",sagte ich, den Blick immer noch auf den Boden gerichtet zu Jo.
"Hm", machte er und nahm meine Reisetasche in die rechte Hand, die Linke hielt er mir entgegen. Ich schluckte schwer und sah zu ihm auf. Er sah so unglücklich aus. Ich nahm meine Handtasche und legte meine Hand in seine. Er seufzte.
Wir gingen aus seinem Zimmer, die Treppe hinunter.
"Sie sitzen alle im Wohnzimmer", sagte Jo und nickte mit dem Kopf in Richtung der großen Tür die zum Wohnzimmer führe.
Der Fernseher lief. Ich hörte Fabi husten. Ich sah ihn an und nickte. Wir gingen ein Stück ins Wohnzimmer. Ich setzte ein halbwegs glaubwürdiges Lächeln auf, ich war es ja gewohnt zu Lächeln auch wenn mir nicht danach war:
"Macht's gut alle zusammen, bis nächste Woche." Ich sah jeden einmal an.
Fabi stopfte sich gerade eine handvoll Chips in den Mund und hob die Hand zum Abschied.
Jos Vater grinste: "Bis dann. Fahr' vorsichtig."
Jo's Mutter sah besorgt aus: "Willst du wirklich fahren? Es ist schon so dunkel und es soll noch starken Regen geben heute Abend."
Jo sah mich an.
"Ja, aber noch regnet es ja nicht. Wenn es zu stark wird halte ich an, versprochen.", sagte ich beschwichtigend.
"Nagut",seufzte sie und drückte mich nocheinmal."Melde dich aber wenn du zuhause angekommen bist,sonst kann ich die ganze Nacht wieder nicht schlafen vor Sorge."
Sie sah mir in die Augen. Ich nickte. Jo nahm wieder meine Hand und drückte sie zärtlich. Ich wusste was das bedeutete.
"Tschüss", sagte ich noch einmal mit meinem sicheren, auf der Arbeit einstudierten Zuckerlächeln. Jo's Mum seuftze und gesellte sich wieder zu ihrem Mann und ihrem zweiten Sohn auf die Couch. Jo und ich gingen zur Haustür. Er reichte mir meine Jacke. Ich zog sie an, wobei ich sie wohl sowieso gleich im Auto wieder ausziehen würde. Er öffnete die Tür, ich ging durch. Auf der Treppe lag schon wieder ein wenig Schnee. Es gab dieses Jahr erstaunlich viel Schnee. Mein Auto war zum Glück noch frei. Ich drehte mich zu Jo um, der sich auch gerade seine Jacke überzog. Er nahm wieder meine Reisetasche und dann gingen wir gemeinsam Hand in Hand die Treppe hinunter zu meinem Auto. Ich schloss es auf, Jo stellte meine Tasche auf die Rückbank und ich warf meine Handtasche auf den Beifahrersitz. Ich schloss die Beifahrertür und ging auf die andere Seite des Autos um die Fahrerseite aufzuschließen.(Ich soltte mir dingend mal eine Zentralverriegelung besorgen!) Jetzt kam der wohl Schlimmste Moment dieser gesamten Abschiedsschoße. Ich spürte wie mein Gesicht wieder begann zu brennen.Jo folgte mir um das Auto herum und stand nun mit mir in der Fahrertür.
Er legte die Arme um mich und küsste mich auf die Stirn: "Pass auf dich auf."
Ich schlang meine Arme um ihn. "Ich versuchs", schon kullerten die heißen Tränen über meine kalten Wangen.
Jo wischte sie mit seinen Daumen weg:"Hör auf zu weinen. Du musst doch noch etwas sehen, wenn du gleich durchh die Gegend fährst."
Er lächelte. Ich nickte und atmete tief ein. Er hatte Recht.
Jo fuhr mir mit  der rechten Hand durch die Haare: "Bis nächste Woche, sei vorsichtig!"
Dann küsste er mich. Ich hatte einen Kloß im Hals. Es fühlte sich so an, als ob es, dass letzte Mal sei, dass er mich küsste. Schließlich ließ er von mir ab und fuhr mir noch einmal sanft mit dem Zeigefinger über die Wange.
"Bye", sagte ich leise und stieg ins Auto.
Jo schloss die Fahrertür. Ich startete den Motor. Jo lächelte und hob die Hand. Ich fuhr los. Gottverdammt ging es mir nun schlecht. Bevor ich aus der Straße bog schaute ich nochmals in den Rückspiegel, ich sah wie Jo wieder im Haus verschwand, dann bog ich ab.

Die Wolken hingen wie Blei am Himmel, diesen Abend. Regen war jedoch noch keiner zu sehen. Alles war grau in grau. Das Wetter passte schon genau in meine Gefühlslage. Wir mussten dringend etwas verändern, wir konnten nicht weiterhin so tun als sei alles in Ordnung, denn wir Beide spürten dass unsere Beziehung sich in Luft auflöste  und das ohne jeglichen erkennbaren Grund.