Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

#9 - Zehn Drabbles mit Antrieb

von Vistin
GeschichteAllgemein / P12
Derrial Book Inara Serra Jayne Cobb Kaywinnit Lee Frye River Tam Simon Tam
19.08.2011
19.08.2011
1
1.078
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
19.08.2011 1.078
 
Diese Geschichte gehört zu meinem Versuch das 120er Projekt zu schaffen.
http://forum.fanfiktion.de/t/7084/1
Sie wurde zum neunten Begriff geschrieben: Drive – Antrieb

Eine Liste aller Beiträge findest du in meinem Profil.

***


Titaniumlamellen in Goldlegierung auf einer sechs Zoll Triebwelle. Acht Volt Microimpulse im 20.000 Watt Leistungsfeld. Ein Rotationstriebwerk auf Fusionsbasis. Abertausende von den unterschiedlichsten Teilen, aus verschiedenen Metallen, aus Keramik, Glas und Kunststoff. Raffiniertes Gas, das mit tausend Bar durch neunschichtige Leitungen gepresst wird, verschiedene Öle, die Wärme ab- oder zuleiten sollen, die Reibung verringern oder Druck erhöhen. Thermoelemente knapp über null Kelvin kalt und andere an die 600 Kelvin heiß. Dazwischen ungezählte Kabel, Bolzen, Platinen und eine M6-Schraube mit abgenutztem Gewinde, die sich bei einer zu holprigen Landung gelöst hatte und nun über ein Abdeckblech rollte, kurz wackelte und fiel.

*


Sie drückte ihr Ohr an die Wand, doch sie konnte nichts hören. Ihre nackten Füße tasteten über den Boden, doch sie spürten nichts. Angst stieg in River auf. Ihre Hände strichen suchend weiter, sie lief los, mit geschlossenen Augen, suchte die Wärme, die sie eben noch gespürt hatte. Die Serenity schwieg, doch sie atmete noch! Erleichtert sank River auf die Knie und presste ihren schlanken Körper gegen einen Schaltkasten. Zum Glück war sie nicht tot, sie schlief nur. River rollte sich zusammen, drückte ihren Rücken gegen das leicht vibrierende Metall, wie gegen die Brust einer Mutter und schloss die Augen.

*


„Wir werden fliehen! Keine Gewalt kann uns hier halten!“ - „Nein! Ihr werdet für ewig in der Schwärze gefangen sein! Harhar!“ Wash schloss die Klappe des Schaltkastens und tiefe Finsternis senkte sich auf die beiden Dinosaurierfiguren.

„Elektronik, Hydraulik und Steuerung überprüft! Alles paletti. Ich suche bei den  Triebdüsen weiter“, meldete er Kaylee, legte sich auf die Bodengitter und griff durch einen Kabelschacht von hinten in den Schaltkasten, um das Spielzeug zu befreien. Mit verstellter Stimme führte er den Dialog der Dinosaurier weiter, während er überlegte, ob man die Reaktionszeit des Steuerungssystems durch einen verzinkten Klinker verbessern konnte.

*


Beruhigt notierte Zoë, dass der Luft- und Wasseraufbereiter problemlos noch einen Monat lang Strom hatte. Auch die Essensvorräte würden noch eine ganze Weile halten, sofern Jayne sie nicht alle auf einmal in sich hineinstopfen würde. Doch auf der anderen Seite war es besser, wenn Jayne satt und damit zufrieden war, denn neben einem Reaverangriff war ein mies gelaunter Jayne die größte Gefahr, die hier draußen drohte.

Sie klappte den Notizblock zu und sah sich prüfend um, dabei glitt ihre Hand automatisch zu der Waffe an ihrem Gurt. Es war alles gesichert und sie konnte Wash vor tödlicher Langeweile retten gehen.

*


Jayne flitschte der hässlichen Figur gegen die Stirn und ihr Kopf pendelte wild hin und her. Zehn Prozent von 150.000 Wackelkopfpuppen. Er saß also wegen 15.000 dieser grässlichen Dinger im Nichts fest, vielleicht würde er sogar wegen dämlichen Tands hier verrecken. Er warf die Figur grimmig auf den Tisch.

Obwohl er jede Gelegenheit nutzte, sich über den erneuten Ausfall  zu beschweren, war er erstaunt, wie wenig ihn die Verzögerung in Wirklichkeit störte. Er griff nach der Dose eingelegter Pfirsiche, fischte ein Obststück mit den Fingern heraus und stopfte es sich genüsslich in den Mund -  Saft tropfte von seinem Kinn.

*


Vor Malcolm erstreckte sich das unendliche Weltall. Ungezählte Sterne mit ungezählten Welten. Der Anblick ließ ihn lächeln. Wie weit die Allianz sich auch ausbreiten mochte, die Serenity würde ihn weiter bringen. Natürlich nur, wenn sie nicht gerade mit einem defekten Antrieb im Nichts dümpelte. Malcolm lehnte sich zurück und hievte seine Stiefel auf die dunklen Armaturen. Die kleine Pause störte ihn nicht wirklich. Sie hatten Sauerstoff, eine Heizung und Vorräte für einen Monat, außerdem war seine Ladung weder verderblich noch musste sie pünktlich ankommen – er hatte also Zeit. Zeit, die unendliche Freiheit und das Desinteresse des Weltraums zu genießen.

*


Inara ärgerte sich, während sie ihre Termine durchging und ausrechnete, welche sie absagen musste. Diese Verzögerung war mehr als lästig und sie wollte glauben, dass es Mals Schuld war, doch der Gedanke ließ sie nur mild lächeln. Es wärmte ihr Herz, wenn sie daran dachte, dass Mal sich freute, wenn sie auch nur einen ihrer Termine versäumte. Dann sah sie auf und betrachtete die tiefe Schwärze des Weltalls vor dem Fester ihres Shuttles. Es fröstelte sie und sie zog sich hinter den Vorhang, der ihr kleines Reichs vom Rest des Universums trennte, zurück. Als könne die Serenity sie wieder wärmen.

*


Für Simon war es ungewohnt, seine medizinische Ausrüstung auf Schusswunden und Verbrennungen auszurichten, doch dies waren nun mal die üblichsten Verletzungen an Bord der Serenity. Und gerade wenn das Schiff technische Defekte aufwies, stieg die Vorfallrate auffällig, daher musste er bereit sein. Seine Handgriffe waren routiniert und verlangten keine Konzentration, also tauchten vor seinem inneren Auge automatisch die Aufnahmen von Rivers Gehirn auf. Er kannte sie inzwischen auswendig, doch er verstand immer noch nicht, was seiner Schwester angetan wurde, und vor allen nicht wieso. Dann glitt sein Blick über den spartanischen Aufenthaltsraum vor der Krankenstation, als würde er jemanden suchen.

*


Shepherd Book war dankbar, helfen zu dürfen - selbst wenn seine Hilfe nur darin bestand, Verbände zu sortieren. In Notfallsituationen erwachte die Serenity zu einer Betriebsamkeit, der gegenüber er sich nutzlos fühlte. Er war auf einem Schiff, auf dem niemand geistliche Hilfe wollte und  sich nicht einmal sicher, ob jemand außer ihm diese überhaupt brauchte. Gerade in solchen Momenten, in denen der Tod ganz nah kam, ohne dass Adrenalin floss, hätte er erwartet, dass sich die Crew an ihn wendete. Doch merkwürdigerweise war er nie weniger gefragt, als würden die Menschen um ihn herum einfach leugnen, dass sie sterblich waren.

*


Eine Träne rann über Kaylees Gesicht als sie den demolierten Transpuffer ausbaute. Sie konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wie sie mit einem Triebwerksschaden auf Pesuma gestrandet waren und die Händler sie ausgelacht hatten, als sie nach Ersatzteilen für eine Firefly fragte. Sie war so wütend und verletzt gewesen, nicht einmal auf dem Schrottplatz fand sich etwas, das man ohne Bordcomputer und Starthilfe vom Boden hoch bekam. Erst in der letzten Ecke hatte sie einen verrosteten Thunderbird gefunden, aus dessen Endkoppler sie den Transpuffer bauen konnte. Zärtlich strich sie über das defekte Bauteil, während eine M6-Schraube aus ihm herausfiel.

_____________________
Liebe Leser,
es ist nicht meine Art um Reviews zu bitten, hier tue ich es trotzdem, weil es mich EXTREM interessiert, wie ihr diese 10x100 Wörter interpretiert, also welche Eigenschaft/Eigenart der einzelnen Figuren ihr hier codiert glaubt.
Danke!
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast