The Heiress (II/III)

GeschichteMystery, Übernatürlich / P16
Bill Conolly Jane Collins John Sinclair Sheila Conolly Suko
18.08.2011
11.11.2011
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   „Komm her, ich will dir was zeigen!“ ruft Anni mir zu und winkt. Ihre blauen Augen leuchten in der Sonne und lassen ihr, mit Sommersprossen besetztes, Gesicht erstrahlen. Sie rennt voraus, ihr langes rotes Haar weht im Wind. „Komm schon, John!“
  Ich renne ihr nach, doch ich kann sie nicht einholen. Finde mich allein in einer dunklen Gasse wieder.
Ich greife in mein Hemd, doch mein Kreuz ist nicht da; und auch in meiner Hosentasche finde ich es nicht.
  „Suchst du das, John?“
  Ich blicke auf. Nur wenige Yard entfernt steht Anni und lächelt mich an. Sie streckt mir mein Kreuz entgegen.
  „Es wird warm“, sagt sie und sieht mich fragend an. „Was bedeutet das?“
  „Schnell, gib mir das Kreuz!“ forderte ich und streckte meine Hand nach ihr aus.
Doch bevor ich mein Kreuz zu greifen bekam, wurde Anni von einem Auto erfasst.
  Ihr Körper wurde durch die Luft geschleudert und sie landete unsanft und mit verdrehten Gelenken auf dem Bode.
  Der Fahrer hielt an und stieg aus. Er trug eine alte NS-Uniform und lachte: „Das war die Rache dafür, dass du meine Brüder getötet hast!“
Dann stieg er wieder ein, ohne mich eines Blickes zu würdigen und fuhr weiter.
  Anni hielt mein Kreuz noch in den Händen, doch als ich danach griff waren ihre Finger kalt.
„Anni?“ flüsterte ich, doch sie antwortete nicht. Ihre Augen waren auf mich gerichtet, doch es war kein Leben mehr in ihnen. Anni war tot. Ermordet von einem Dämon!

  Mit ihrem Namen auf den Lippen fuhr ich hoch und fand mich in meinem Schlafzimmer wieder. Es war dunkel und nur wenig Licht drang durch die Vorhänge, aber ich wusste, dass ich nur geträumt hatte.
Es war nicht das erste mal, dass von Anni träumte, aber es war das erste mal, dass ich von ihrem Tod träumte.
„Ob es wirklich ein Unfall war?“ fragte ich mich.
  „Es reicht!“
  Vor Schreck fuhr ich zusammen und drehte mich um. Ich hatte ganz vergessen, dass Jane neben mir im Bett lag.
„Hab ich dich geweckt?“ fragte ich.
  „Nein, das war Anni!“ meckerte Jane. Sie schwang die Beine aus dem Bett und zog sich an.
  „Tut mir Leid, habe ich im Schlaf gesprochen?“
  „Ja, und nicht nur heute!“ meckerte Jane weiter. „Seitdem du aus Schottland zurück bist redest du fast jede Nacht von ihr. Vor drei Tagen hast du ihr sogar eine Liebeserklärung gemacht!“
  „Ja, Liebling, das war nur ein Traum. Ich hatte nie etwas mit Anni!“
  Jane warf mir einen Blick zu, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Du gibst also zu, dass es sie wirklich gibt?“
  „Anni ist bei einem Autounfall gestorben“, ich musste schwer schlucken; die Erinnerung tat einfach noch weh.
  Jane zeigte kurz Mitgefühl, doch es war nur von kurzer Dauer. Sie hatte ihre Sachen gepackt und knallte einen Schlüsselbund auf den Nachttisch.
„Das mit deiner Freundin tut mir Leid, John, aber ich habe keine Lust die zweite Geige zu spielen!“
  „Du spielst doch nie die zweite Geige bei mir!“ sagte ich und sprang selber aus dem Bett um Jane aufzuhalten, doch sie entzog sich meinem Griff und stieß mich von sich.
  „Ich werde Shao bitte meine Sachen abzuholen, Suko kann dann deinen Kram aus meiner Wohnung holen!“
  „Aber…“
  „Gute Nacht, John!“ mit diesen Worten knallte Jane die Schlafzimmertür zu und kurz darauf die Wohnungstür.
  Ich konnte nicht glauben, dass Jane mich gerade verlassen hatte. Natürlich könnte ich ihr hinterher rennen, aber sie war gerade zu Aufgebracht, als dass ich ihr erklären könnte, was es mit Anni auf sich hatte.
  Ich legte mich also wieder ins Bett, doch an Schlaf, war nicht mehr zu denken.

  Der Streit zwischen mir und Jane war Suko nicht entgangen. Er wohnte direkt neben mir und hatte die Türen knallen hören. Nun saßen wir bei mir im Wohnzimmer. Wie ein Häufchen Elend saß ich auf dem Sofa und sehnte mich nach einem Drink, doch dafür war es eindeutig noch zu früh.
„Sie hat wirklich Schluss gemacht!“
  „Ja, das hat sie!“ sagte ich. „Und ich darf nicht mal meine Sachen aus ihrer Wohnung holen, das sollst du tun!“
  „Was hast du getan, dass sie so wütend auf dich ist?“ fragte Suko. „Hast du ihren Geburtstag vergessen?“
  „Nein, es ist etwas viel banaleres!“
  Suko schmunzelte: „Dann also euren Jahrestag!“
  Ich warf ihm einen bösen Blick zu, aber irgendwie hatte er auch Recht: Für Frauen war der Jahrestag der Beziehung oder später der Hochzeitstag genau so wichtig wie der Geburtstag und Mann sollte keines dieser Daten vergessen.
„Ich hab im Schlaf gesprochen!“ sagte ich schließlich.
  „Das ist wirklich banal!“ kommentierte Suko meine Antwort.
  „Es ist auch mehr das, was ich gesagt habe“, erneut seufzte ich, „Seit Tagen träume ich von Anni und sage im schlaf auf wohl ihren Namen.“
  Suko sah mich an: „John, als wir in Schottland waren fing das schon an. Schwester Irene sagte, das würde mit deiner Gehirnerschütterung zusammen hängen. Aber das ist drei Monate her!“
  „Ich weiß, was sie gesagt hat. Ich habe sie ja auch mit Anni angesprochen – doch das ist nicht mein Problem. Jane hat mich verlassen!“
  „Gib ihr etwas Zeit damit sie sich beruhigen kann, dann wird sie sicher wieder mit dir reden!“
  „Ja, das ist wohl das Beste!“

  Ich durfte zwar meine Sachen persönlich abholen und Jane redete wieder mit mir, doch das bezog sich auch nur auf das nötigste. Es war zwar nur ein schwacher Trost für mich, aber wenigstens gingen wir nicht im Streit auseinander.
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