25 Gefühle

GeschichteAllgemein / P18
17.08.2011
28.05.2012
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Ich möchte wieder an einem Projekt teilnehmen :) Es hat mioch sehr angesprochen und wird mir sicher neue Charaktere eröffnen :)
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Viel Spaß beim lesen und hinterlasst bitte ein paar Reviews :)




Remus Lupin fühlte eine Trauer, von der er dachte, sie lange überwunden zu haben. Er wusste, dass es Harry in den elf Jahren bei seiner Familie gut erging, eben die, die noch lebten.

In dieser Zeit hatte Remus alle Zeit der Welt gehabt, den Tod der Potters, seines besten Freundes James Potter zu verkraften. Ebenso den Tod von Lily, die in manchen Situationen die einzige Person war, mit der er über seine Probleme reden konnte. Sie verstand seine kleinen und großen Probleme.

Lily war immer etwas ganz Besonderes für Remus gewesen, genauso wie James. Zu diesem Jungen hatte er immer aufgeblickt. Furchtlos hatte er Schulregeln gebrochen und einfach getan was er wollte – er hatte gelebt. James hatte wahre Freunde, die immer hinter ihm standen.

Remus gehörte immer zu seinen Freunden, auf die er zählen konnte. Doch genauso wusste Remus, dass er immer auf James und Lily zählen konnte. Nur zu oft hatte er die Hilfe der beiden ausgeschlagen, aus Scham. Schon immer wollte Remus sein Leben allein in den Griff bekommen und mit seinem pelzigen Problem fertig werden. Unterstützung war ok, aber darauf war er nie so wirklich aus.

Deswegen war er auch Vertrauensschüler. Dumbledore hielt es damals wohl für eine gute Entscheidung und seine Hauslehrerin Minerva McGonagall ebenso. So hob er sich von dem Rest der Rumtreiber ab und konnte seinen eigenen Weg gehen. Zwar war er unfähig, James und die anderen aufzuhalten,  doch nur aus Angst seine Freundschaft könne in Frage gestellt werden.

Remus war eben nie so stark wie James es war. Dennoch fragte er sich immer wieder, wie dieser Unfall passieren konnte. Hätte er nicht gegen den Dunklen Lord ankommen können?

Remus seufzte und sah von seinem Büro hinunter auf das Klassenzimmer. Neuerdings unterrichtete er in Hogwarts als Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Der Job machte ihm sehr viel Spaß, auch wenn er noch nicht all zu viele Stunden gegeben hatte.

Heute hatte er die erste Stunde mit den Gryffindors und Slytherins gehabt. Remus wusste, dass Harry Potter in diesen Jahrgang gehörte. Eigentlich kannte er ihn ja schon, als Baby und aus dem Hogwartsexpress, wo er ihn vor dem grausigen Dementor bewahrt hatte. Doch in dem Zug war ihm noch nicht so viel bewusst geworden wie heute, nach dem ersten intensiven Unterricht.

Remus unterdrückte sein Schluchzen und ebenso den tiefen Drang, seine Tränen laufen zu lassen. Gequält ballte er die Hände zu Fäusten und kämpfte gegen sein Tief an, was schwerer war als sonst.

Nein, er hatte rein gar nichts, was mit James und Lilys Tod zusammenhing, verarbeitet. All die Jahre hatte er es verdrängt und von sich geschoben. Sich immer wieder abgelenkt und Aufgaben gesucht. So war ihm auch die dumme Idee gekommen, in Hogwarts zu unterrichten. Nur leider konnte er so schnell nicht mehr von hier fort. Remus hatte sich selbst in diese Lage gebracht.

„Ich verdammter…Trottel“, knurrte er leicht wimmernd und legte die Arme auf sein Pult und betete seinen Kopf darauf, sodass er mit diesem zum Pult gerichtet war und man nichts mehr außer sein leicht ergrautes Haar sah.

Er konnte nicht mehr, Remus hatte den Kampf gegen die Tränen verloren. Also ließ er ihnen die Möglichkeit, an die Oberfläche zu kommen.

Dass die Begegnungen  mit Harry so schmerzlich sein würden, hatte er nie vermutet. Logisch, Remus Lupin war der Ansicht gewesen, er hätte den Tod der beiden überwunden, was auch ein Fehler war.

Harry sah genauso aus wie James. Selbst sein Verhalten war fast identisch. Remus dachte immer, wenn Harry ihm entgegen kam, James würde auf ihn zugehen. Nur der tiefe Blick in Harry Potters Augen machten deutlich, dass man nicht James vor sich hatte. James hatte braue Augen gehabt, Harry jedoch hat leuchtend grüne. Die hatte er von Lily.

Diese Kombination aus Lilys Augen und dem Rest von James, machten Harry zu einem einzigartigen Erinnerungsstück, das den Schmerz bei jeder Begegnung immer wieder auslöste.

Remus rief sich immer zu Ordnung, wenn er gerade unterrichtete oder in der Großen Halle saß. Dort dürfte er niemals die Fassung verlieren.

Imme wenn Harry und Ron in die Große Halle kamen, sah Remus nicht Harry, nein er sah James und Sirius, auch wenn Ron und Sirius keinerlei Ähnlichkeit hatten.

Minerva hatte ihn schon mehrmals bedächtig von der Seite angesehen. Sie schien es zu merken, wenn Remus an ihrer Seite verkrampfte und seinen Blick schnell senkte, damit er Harrys nicht kreuzte.

Ebenso hatte er es vermieden, Harry im Unterricht anzusehen, zumindest nicht so lang, dass Remus‘ Gedanken wieder abdriftete. Natürlich hatte er ein Lächeln für Harry übrig, doch es war gespielt, damit der Junge sich nicht unsicher fühlte.

Nach dem Unterricht hatte Harry mit ihm reden wollen, doch diesen Versuch hatte er im Keim erstickt und Harry auf ein anderes Mal vertröstet. Die Ausrede war, er müsse Aufsätze kontrollieren. Dies war nicht mal eine richtige Lüge, denn er saß hier in seinem Büro und hatte eigentlich vor, sie durchzuschauen.

Und wie hatte er es geschafft, hier zu sitzen und an James zu denken und zu weinen? Richtig, er war bei dem letzten Aufsatz angekommen ... Harry Potters.

Er hatte so viel Wissen und auch Interesse in Verteidigung bewiesen, wie Remus es in keinem anderen Aufsatz herauslesen konnte. Dieser Junge war eben etwas ganz Besonderes. Er war schlau, sehr sogar- wenn ihn das Fach denn interessierte.

Remus unterzeichnete das Ohnegleichen mit seinem Nachnamen und legte das Pergament auf den Stapel der anderen. Er musste etwas tun. Jeden Tag so herum zu heulen, konnte einfach keine Lösung sein! Dafür war selbst Remus Lupin zu stolz!

Schnell erhob sich Remus und ging die Treppen, die in das Klassenzimmerführten herunter. Sich ein bisschen die Beine zu vertreten, wäre nicht schlecht. Doch so weit kam er nicht. Es klopfte und ohne eine Antwort zu erwarten, trat jemand ein. Remus biss sich auf die Zunge und drehte sich schnell weg, damit es so aussah als wolle er hoch gehen.

Es war Harry Potter, der eingetreten war und noch eine Chance wollte,  mit dem Professor zu sprechen. Harry sah hoch zu der Treppe. Mittlerweile war Lupin wieder in seinem Büro und tat so, als würde er Bücher sortieren. Mutig ging Harry hoch und stand nun im Türrahmen. „Professor Lupin?“, fragte er und Remus sah nur kurz über seine Schulter zu Harry um ihm zu zeigen, dass er zuhörte. Er vertraute seiner Stimme nicht vollkommen, es war besser, wenn er sich weiter beruhigte.

Harry seufzte kurz. „Professor. Ich bin vielleicht noch sehr jung in ihren Augen, aber ich bin nicht dumm. Ich merke doch, dass sie mir aus dem Weg gehen. Ich…ich will mich nicht aufdrängen“, meinte er und hörte wie Remus resignierend Seufzte. „Ich habe etwas, was sie vielleicht interessiert. Professor Dumbledore hat mir das Tagebuch meines Vaters gegeben. Ich habe es schon oft durchgelesen und ich denke, vielleicht sollten sie die eine oder andere Seite auch lesen. Dank dieses Buches weiß ich eine Menge über Sirius Black, den gesuchten Askabanflüchtlig und auch über den Rest seiner Freunde“, erklärte Harry und legte das aufgeschlagene Tagebuch auf das Pult seines Professors.

Harry ging die Treppen wieder runter und setzte sich auf einen der Tische und aß einen Apfel. Er wollte warten, denn geschenkt hatte er ihm dieses wichtige Buch nicht. Remus hatte gehört, dass der Junge runtergegangen war, aber das Klassenzimmer nicht verlassen hatte. Also nahm er sich das Tagebuch und musste leicht schmunzeln, denn er kannte es.

Oft hatte er James darin schreiben sehen, doch niemals, wenn er in Begleitung war.

Es war ein Tagebucheintrag aus der Zeit in Hogwarts, sie mussten gerade im sechsten Schuljahr sein.


Heute war ein witziger Tag. Sirius und ich haben Schniefelus durch das halbe Schloss gejagt. Lily sagt mittlerweile nichts mehr dazu, sie ist dem Idioten immer noch böse weil er sie so beschimpft hat. Ich bin auch böse und deswegen ärgere ich ihn auch weiter. Mit Lily läuft alles sehr gut. Wir hatten schon ein paar Verabredungen! Morgen hat Remus Geburtstag. Das Geschenk habe ich ihm schon besorgt. Wir sind mittlerweile alt genug um ordentliche Geschenke zu machen!  Also schenke ich ihm eine Armbanduhr. So hat er immer etwas an sich, was ihn an mich erinnert, falls wir uns mal aus den Augen verlieren. Ich komme leider viel zu selten dazu, ihm zu sagen, wie sichtig er für mich ist. Hoffentlich fühlt er sich nicht zurückgestellt wegen Sirius, mit dem ich weitaus mehr Zeit verbringe, denn so ist es nicht. Remus ist mir sehr wichtig, ich kann auf ihn bauen und mich ihm anvertrauen. Ich bin mir sicher, er wird mir immer ein treuer Freund sein und an meiner Seite stehen, wenn es darauf ankommt.




Remus klappte das Tagebuch zu und legte es auf sein Pult. Dann hob er den Ärmel seines Hemdes und sah auf die leicht glitzernde Armbanduhr. Es war das Geschenk von James. Ja, er trug sie ständig, es war das einzige was ihm, außer der Erinnerung, noch geblieben war.

Remus spürte, dass es ihn rührte, was Harry hier tat. Er hätte das nicht tun müssen. Remus wollte nicht mehr weinen. Es hatte gut getan zu lesen, dass James ihm immer vertraut hatte und ihn als einen Freund wertschätzte.

Harry sah auf, als sein Professor die Treppen zu ihm herunter kam. Natürlich sah er an seinen Augen, dass er geweint hatte, was aber nun auch schon etwas her sein musste. Die Augen von Lupin waren nur noch leicht rot und geschwollen.

„Danke Harry“, sagte er und reichte ihm das Tagebuch. Nickend nahm der Junge es entgegen und stand von dem Tisch auf und wollte gehen, doch Remus hielt ihn an der Schulter zurück, indem er seine Hand darauf gelegt hatte.
Verwundert drehte Harry sich um und blickte dem Professor mitten in die Augen.

„Du bist etwas Besonderes, Harry, gib mir etwas Zeit. Dann beantworte ich dir jede Frage und stehe dir gern bei. Du.. bist ihnen ähnlicher als du denkst.“, sagte Remus leise und zog einen Mundwinkel hoch. Harry blinzelte verwundert und nickte. „Ja, Professor. Keine Ursache. Bis Morgen im Unterricht“, murmelte der Potterspross und verschwand nun.

Remus blieb allein zurück und suchte eine neue Möglichkeit, die Trauer zu beseitigen. Er würde es schaffen, denn James hätte gewollt, dass er stark ist –für Harry Potter!
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