The price of revenge

GeschichteDrama / P16
Benjamin Barker Johanna Barker Lucy Barker Mrs. Lovett Richter Turpin
16.08.2011
16.08.2011
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Langsam rinnt das Blut über ihr Gesicht und von da aus zu Boden. Ich halte sie in meinen Armen, die mehr und mehr an Stärke verlieren. Meine Lucy. Ich spüre den Schmerz meiner Wunde kaum, der mich eigentlich hätte laut aufschreien lassen müssen. Nur den tief in mir. Unser Blut vermischt sich miteinander und endet in einer großen Lache am vom Ofen erwärmten Steinboden. Doch auch diese Wärme vermag mich nicht zu trösten. Da ich weiß, woher sie kommt.
Die Pasteten sind mitsamt dem Gitterrost auf dem sie fein säuberlich hergerichtet waren, in das lodernde Feuer gefallen, als ich sie hineinwarf. Die Frau, die mir vorgab, mich zu lieben. Die mich zu all den Taten getrieben hat, von denen jeder nur stumm erstarrt wäre, hätte er von ihnen erfahren. Diese einfache Bäckerin hatte mich zu diesen blutigen Taten gedrängt. Mrs. Lovett. Es ist einzig und allein Mrs. Lovett’s Körper, der uns diese Wärme spendet. Wenn sie schon keine in mein Herz gebracht hatte.


Die Überreste derer, von denen ich mir anmutete über ihr Leben richten zu dürfen, liegen hinter mir. Sie rufen mich zu sich, schleichen wie Schatten umher, wie Raubtiere, die auf einen passenden Moment warten, zuzuschnappen.
Ich kann es ihnen nicht verdenken. Waren es doch meine Hände, durch die sie hier herunter in diesen dunklen Keller, in dem die schlimmsten Dinge im Geheimen geschahen, kamen. Nein, ich kann es ihnen nicht verdenken.

15 Jahre waren vergangen, seit ich meine Lucy das letzte Mal in den Armen gehalten hatte.
15 Jahre, die meine Demütigung waren, meine Folter. Und diese wurde noch verlängert, als ich voller Hoffnung heimkam. Ich kam zurück, zu Frau und Kind.
Ich hatte es zumindest gedacht. Erhofft.
Stattdessen kam ich nur zurück, um zu erfahren, meine Frau sei tot. Meine Tochter adoptiert von dem Mann, der mir mein Leben nahm. Er wollte sie heiraten. Zu ihrem Schutz. Geschützt hat er sie nie. Stattdessen hat er sie einsperren lassen. Meine kleine Johanna.
Forget my face.
Das hatte ich zu ihr gesagt. Wird sie es tun? Wird sie das Gesicht ihres eigenen Vaters vergessen, der durch Hass und Rache blind geworden ist, sodass er seine eigene Tochter nicht erkannt hat? Sie beinahe getötet hätte? Ihres Vaters, der ihre Mutter getötet hatte? Und nun selbst starb, während er diese verzweifelt in seinen Armen hielt.
Das Blut klebt überall. An meiner Kleidung. Am Boden. An meinen Händen und meiner Stirn. An Lucy. An meiner Frau. Sie hat die Augen geschlossen. An ihrem Hals klafft ein langer blutender Spalt, der durch meine eigenen Hände entstanden war. Durch mein Messer. Ihr Mund sieht fast aus, als würde sie lächeln. Freute sie sich, dass ich zu ihr kam? Angst überkommt mich. Nicht vor dem Sterben. Das war etwas, das sowieso der einzige Ausweg für mich war. Sondern vor dem, was danach kam. Würde ich sie wieder sehen? Lucy war eine so gute Frau. Sie musste die Erlösung finden.
Und ich?
Hatte ich das verdient? Hatte ich sie überhaupt verdient? Durfte ich nach all dem bei ihr sein?
Meine düstere Fassade, die ich durch all die Jahre aufgebaut hatte, legt sich langsam ab, wie ein Tuch und der alte Mann kommt zum Vorschein.

Benjamin Barker

Sweeney Todd ist nur eine Legende. Ein Schatten. Eine nie existierende Erinnerung.
Es riecht nach verbranntem Menschenfleisch und Blut. Rauch steigt auf und füllt den ganzen Raum mit seinem Geruch, der sich in all die anderen mischte und zusammen mit ihnen eine Luft bildete, in der man nur noch Grauen riechen konnte.  


Mein Körper empfand Schmerz, in dem Moment, als meine Kehle durchgeschnitten wurde. Doch es tat gut. Es tat gut zu wissen, aus dem kalten Grau Londons entweichen zu können.
Ich konnte kurz zuvor den Laut hören, der mir zu verstehen gab, dass jemand das Rasiermesser, das ich kurz zuvor fallen gelassen habe, aufhob. Doch das war mir egal. Ich hörte Schritte auf mich zukommen. Ich sah nur Lucy an. Sie war so wunderschön.


There was a barber and his wife…
Die Schritte kamen näher. Bemühten sich, nicht entdeckt zu werden.
And she was beautiful…
Ich konnte sie weiterhin hören.
A foolish barber and his wife. She was his reason and his life.
Ich hob meinen Kopf an.
And she was beaufiul…
Ich wollte die Klinge an meinem Hals spüren. Meine Freunde, die mir schon so oft geholfen hatten, sollten mir noch diesen einen Gefallen tun.
And she was virtous.
Ich konnte leichtes Atmen hinter mir hören. Wer es wohl war? Es war mir egal.
And he was…  

Ich wartete. Nichts geschah. Ich fragte mich, ob ich mir das alles nur eingebildet hatte.
Doch dann spürte ich den wohltuenden Schmerz.
Mein warmes Blut rann über meine Brust, mein Kopf sank nach unten. Ich war ihm so dankbar. Wer immer es auch gewesen sein mochte, er würde mich wahrscheinlich hassen, da er von meinen Gräueltaten wusste. Doch das machte nichts.
Ich schloss die Augen. Genoss den Moment. Ich war bald bei meiner Lucy.
Egal zu welchem Zweck er es tat, ich war ihm so dankbar.
Er hat mir die Erlösung gebracht.
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